Schader-Preis 2026 für Sebastian Conrad
Artikel vom 12.12.2025
Mit dem Schader-Preis 2026 wurde der Historiker Prof. Dr. Sebastian Conrad ausgezeichnet. Der Festakt fand am 9. Juni 2026 in Darmstadt statt.
Sebastian Conrad erhielt den Schader-Preis 2026
Der Historiker Sebastian Conrad erhielt im Jahr 2026 den Schader-Preis. Der Senat der Schader-Stiftung hatte sich am 14. November 2025 in seiner Sitzung für die Vergabe an den Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin ausgesprochen.
„Demokratie ist etwas, das wir gemeinsam auf der Tagesordnung haben müssen.“ Mit diesem Appell schloss Prof. Dr. Sebastian Conrad am 9. Juni 2026 seine Preisträgerrede anlässlich der Verleihung des Schader-Preises vor rund 240 geladenen Gästen in Darmstadt. Der Historiker, der an der Freien Universität Berlin als Professor für Neuere Geschichte lehrt, hatte zuvor die gegenwärtig hohe Relevanz seiner Disziplin im gesellschaftlichen Gefüge betont.
Geschichte, so Conrad, sei in Deutschland so präsent wie lange nicht mehr: „Geschichte ist ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerutscht und zur Münze in der öffentlichen Auseinandersetzung geworden“, so Conrad. Neben einem großen Interesse an historischer Einordnung sehe er aber auch eine zunehmende Polarisierung des öffentlichen Diskurses. Gerade für Historikerinnen und Historiker sei es deshalb essenziell, dieser Aufladung eine Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven entgegenzusetzen. Das gelte auch für zwei Themenfelder, die gegenwärtig stark in der Diskussion stehen: die Geschichte der Globalisierung und des Kolonialismus. „Vor allem die Kolonialgeschichte ist zu einer Projektionsfläche geworden, auf der die mit der Globalisierung verbundenen Ungleichheiten stellvertretend verhandelt werden. Zugleich reicht sie tief in die deutsche Erinnerungskultur und Geschichtspolitik hinein.“
Kühle und sachliche Analyse mit Praxisbezug
Zuvor hatten der Darmstädter Oberbürgermeister Hanno Benz und Prof. Dr. habil. Jan Hilligardt, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Darmstadt, Bezug auf die Relevanz von Conrads Arbeit in der behördlichen Realität genommen. Der Preisträger fordere auf „Globalisierung neu zu denken, auch im kommunalen Kontext“, so Benz. Globalisierung sei kein abstraktes Konzept, sondern „unser Alltag“.
Laudatorin Prof. Dr. Dr. hc. Ute Frevert, Präsidentin der Max Weber Stiftung, betonte die Souveränität und Abgewogenheit Conrads, er analysiere „identitätspolitische Debatten und Diskurse lieber kühl und sachlich, als sich selber darin zu positionieren“. Seine Arbeit trage dazu bei, gesellschaftliche Probleme so aufzubereiten, dass sie als lösbar wahrgenommen werden können.
Maßgebliche Prägung der gesellschaftlichen Debatte
„Sebastian Conrad hat mit seiner Forschung die gesellschaftlichen Debatten in Deutschland und international maßgeblich geprägt“, begründet Prof. Dr. Dorothea Kübler, Sprecherin des Senats, die Wahl des neuen Preisträgers. Seine Arbeit als Globalhistoriker, der sich intensiv mit der Geschichte des Kolonialismus befasst hat, „hat unser Verständnis des Verhältnisses von Globalisierung und Nationalstaatsbildung erweitert“. Weiterhin hob der Senat seinen Beitrag zur Frage der deutschen Erinnerungskultur nach 1989 vor und wies lobend auf seine Beiträge zum Postkolonialismus hin: „Conrad hat darin mit einer klaren Sprache zu einer Versachlichung der Debatten beigetragen.“
Im Rahmen der Preisverleihung wurde turnusgemäß das dienstälteste Senatsmitglied aus dem Amt verabschiedet, der Rechtswissenschaftler und Schader-Preisträger 2019, Prof. Dr. Christoph Möllers. Im Rahmen des Festakts wurde Andrea Bartl als Vorsitzende des Stiftungsrats verabschiedet, ihr folgen in der Stiftungsratsleitung Philipp Thoma, Bürgermeister der Gemeinde Fischbachtal, und Sybille Wegerich, Vorständin der Darmstädter Bauverein AG.
An der Wissenschaftsfreiheit festhalten
Sebastian Conrad ging zum Ende seines Vortrags, der anschließend von langem Applaus begleitet wurde, auf den Umgang mit Geschichte ein. Sie sei „ein Anker, an dem man sich festhalten kann“, werde aber von zahlreichen Autokraten dieser Welt aber zunehmend instrumentalisiert. Aber auch in Deutschland habe die politisch motivierte Absage von wissenschaftlichen Vorträgen zugenommen. Er unterstrich daher die demokratische Aufgabe seiner Zunft: „Geschichtswissenschaftler müssen an der Wissenschaftsfreiheit festhalten!“
Über den Preisträger
Sebastian Conrad hat seit 2010 den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin inne. Sein Schwerpunkt liegt im Feld der Globalgeschichte, zu seinen besonderen Interessen gehören politische und kulturelle Zirkulationsprozesse sowie die Geschichte von Kolonialismus und Postkolonialismus. Er hat sich mit Fragen des Staates und der Herrschaft vor allem im Rahmen der Geschichte des Kolonialismus und des Imperialismus beschäftigt.
Zuvor war er als Professor für Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut Florenz tätig, arbeitete als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, als Gastprofessor an der École des Hautes Études in Paris und war Gastwissenschaftler an der University of California, Santa Barbara. Im Frühjahr 2017 hatte er den Theodor-Heuss-Lehrstuhl an der New School in New York inne. Sebastian Conrad leitet den MA-Studiengang „Global History”, einen gemeinsamen Studiengang der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin, und ist Sprecher des Graduiertenkollegs „Global Intellectual History”. Er ist gewähltes Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Academia Europaea. 2024 war er für sein Buch „Die Königin. Nofretetes globale Karriere“ für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Er ist Mitglied der Redaktion von Geschichte und Gesellschaft, von Past & Present (2012-2019), von Modern Intellectual History und von Esboços: histories in global contexts. Zusammen mit Stefanie Gänger, Valeska Huber und Margrit Pernau ist er Herausgeber der Buchreihe Globalgeschichte.
Der Schader-Preis
Der Schader-Preis 2026 wurde am 9. Juni 2026 in Darmstadt überreicht. Der mit 15.000 Euro dotierte Schader-Preis ehrt Gesellschaftswissenschaftlerinnen und Gesellschaftswissenschaftler, die aufgrund ihrer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit und durch ihr vorbildliches Engagement einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme geleistet haben.
Verliehen wird der Schader-Preis jährlich vom Senat der Schader-Stiftung, dem die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre angehören: Prof. Dr. Martina Löw (2025), Prof. Dr. Silja Häusermann (2024), Prof. Dr. Steffen Mau (2023), Prof. Dr. Lisa Herzog (2022), Prof. Dr. Armin Nassehi (2021), Prof. Dr. Dorothea Kübler (2020) und Prof. Dr. Christoph Möllers (2019). Letzterer wurde im Rahmen der Preisverleihung von Prof. Dr. Kübler offiziell aus dem Senat verabschiedet. Mit der Verleihung des Schader-Preises im Juni 2026 gehört Sebastian Conrad dann sieben Jahre lang dem Senat der Schader-Stiftung an.

