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Wissenschaft und Demokratie – Schader-Preis in Darmstadt verliehen

Artikel vom 22.06.2022

Alois M. Schader mit Armin Nassehi und Lisa Herzog. Foto: Julia Wisswesser

Rund 150 Gäste nahmen am 22. Juni 2022 in Darmstadt an einem Doppel-Festakt zur Verleihung des Schader-Preises teil, bei dem der Preisträger 2021, Armin Nassehi, und die Preisträgerin 2022, Lisa Herzog, gemeinsam im Schader-Forum gewürdigt wurden.

Informationen zur Veranstaltung

Beginn: 22.06.2022 | 16:00 Uhr

Ende: 22.06.2022 | 18:00 Uhr

Verleihung des Schader-Preises 2021 und 2022

Mit dem Schader-Preis 2022 wurde die Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Lisa Herzog ausgezeichnet. Sie ist Professorin für Politische Philosophie und Direktorin des Centre for Philosophy, Politics and Economics an der Universität Groningen.

Den Schader-Preis 2021 erhielt der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi. Armin Nassehi lehrt und forscht im Bereich Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In ihrem Vortrag zur Preisverleihung setzte sich Lisa Herzog mit der Frage auseinander, welche Werte das eigene wissenschaftliche Arbeiten antreiben. „Demokratien in modernen, hochkomplexen Gesellschaften benötigen zahlreiche Formen von Expertise, inklusive wissenschaftlicher Expertise – nicht nur in Form von ‚Politikberatung‘, sondern auch als ‚Bürger*innenberatung‘ und in der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft“, so Herzog.

Die Laudatio auf Lisa Herzog hielt Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Darin betonte sie, „die politische Philosophie – so fordert die Preisträgerin Professorin Lisa Herzog – muss sich den Fragen nach dem Umgang mit Wissen in der Gesellschaft zuwenden. Ihre Empfehlung, unterschiedliches Wissen solle nicht nur hergestellt werden, sondern eben auch in die entsprechenden Lebensbereiche transportiert werden, entspricht dem, was die Schader-Stiftung sich zur Aufgabe macht: den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis zu ermöglichen. Lisa Herzog ist eine innovative und extrem forschungsstarke Philosophin mit wirtschaftswissenschaftlicher Expertise. Ihre interdisziplinäre Karriere begann mit einem Preis für das beste Diplom ihrer Kohorte in der Volkswirtschaftslehre und wird sicher nicht mit der Verleihung des Schader-Preises enden.“

Mit dem Schader-Preis zeichnet die Schader-Stiftung Gesellschaftswissenschaftlerinnen und Gesellschaftswissenschaftler aus, die aufgrund ihrer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit und durch ihr vorbildliches Engagement im Dialog mit der Praxis einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme geleistet haben. „Lisa Herzog ist eine der herausragenden Denkerinnen der Gegenwart, die sich mit grundlegenden Fragen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Philosophie befasst. Ihre Arbeiten zur Philosophie des Marktes, zu Theorien der Gerechtigkeit und zur Wirtschaftsethik sind wegweisend“, begründete Angelika Nußberger, Verfassungsrechtlerin an der Universität zu Köln und Mitglied des Senats der Schader-Stiftung, die Entscheidung für die diesjährige Preisträgerin. „Lisa Herzog tritt für eine menschenwürdige Arbeit ein und plädiert für eine verantwortungsvolle Verteilung von Ressourcen, da Ungleichheit die Demokratie gefährde“, betonte Nußberger.

Der Schader-Preisträger 2021 Armin Nassehi beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Dynamik der Soziologie und der Trägheit ihres Gegenstandes: „Die Hauptintuition einer wissenschaftlichen Beobachtung ist oftmals das Kontraintuitive. Wenn Wissenschaft nur nacherzählt, was ohnehin so geredet wird, wird sie zu wenig Information erzeugen – das gilt vor allem für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Meine Grundintuition besteht darin, der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung des Fluiden, des Veränderbaren, des Unsicheren und Überraschenden den Spiegel gesellschaftlicher Trägheit, Erwartbarkeit und Musterhaftigkeit vorzuhalten. Unser Gegenstand ist widerständig, kaum durch gute Gründe irritierbar. Vielleicht kann die Soziologie die Beobachterin sein, die ein wenig dazu beitragen kann, diese Widerständigkeit zu brechen, indem man nicht gegen sie arbeitet, sondern ihre Bewegung aufnimmt, um sie unmerklich in eine andere Richtung zu nötigen“, so Nassehi.

Die Laudatio auf Armin Nassehi sprach Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Angelika Nußberger begründete die Entscheidung für die Preisvergabe an Armin Nassehi: „Armin Nassehi ist mit seinen wegweisenden Arbeiten im Bereich der Kultursoziologie, der politischen Soziologie und der Wissens- und Wissenschaftssoziologie eine führende Stimme im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs.“ Und weiter: „Seine umfassenden Studien zur Protestkultur, zur digitalen Gesellschaft sowie auch zur Einordnung politischer Strömungen haben ihn weit über die Fachkreise hinaus bekannt gemacht; seine Analysen werden gleichermaßen in der fachlichen und nicht-fachlichen Öffentlichkeit rezipiert.“

„Die Gesellschaftswissenschaften tragen ganz wesentlich dazu bei, Antworten auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu finden: Wir müssen der Klimaerwärmung begegnen, mit der Digitalisierung Schritt halten, globale Wanderungsbewegungen bewältigen – und gleichzeitig sozialen Zusammenhalt, Wohlstand und Lebensqualität bewahren“, sagte der Hessische Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, in seinem Grußwort. „Zu diesen Fragen verdanken wir Lisa Herzog und Armin Nassehi profunde Denkanstöße“, so Tarek Al-Wazir weiter. Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt würdigte Dezernent Michael Kolmer den Schader-Preis: „Die Schader-Stiftung ist zentrales Scharnier und großartiges Bindeglied innerhalb des breitgefächerten Ökosystems von namhaften wissenschaftlichen Institutionen, Kultureinrichtungen und forschenden Unternehmen in Darmstadt. Zugleich bringt der Schader-Preis als bedeutende gesellschaftswissenschaftliche Ehrung in Deutschland kontinuierlich führende erkenntnisprägende Persönlichkeiten in unsere Stadt. Das kann man gerade in dem Jahr, in dem wir 25 Jahre ‚Wissenschaftsstadt Darmstadt‘ begehen, gar nicht genug betonen. Der Magistrat dankt dem Stifter und allen Menschen, die in und um das Schader-Forum wirken.“

Der Schader-Preis wird jährlich vom Senat der Schader-Stiftung verliehen und ist mit 15.000 Euro dotiert. Dem Senat der Schader-Stiftung gehören die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre an: Prof. Dr. Armin Nassehi (2021), Prof. Dr. Dorothea Kübler (2020), Prof. Dr. Christoph Möllers (2019), Prof. Dr. Otfried Jarren (2018), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (2017), Prof. Dr. Christine Landfried (2016) und Prof. Dr. Dres. h.c. Angelika Nußberger (2015).

Mit der Annahme des Schader-Preises gehören Frau Herzog und Herr Nassehi sieben Jahre dem Senat der Schader-Stiftung an.

Weitere Dokumente zur Veranstaltung sind in Kürze im Downloadbereich verfügbar.