Heimaten vor Ort. Lokale Integrationspotenziale
Artikel vom 09.07.2026
Das Projekt „Heimaten vor Ort. Lokale Integrationspotenziale“ fokussiert den Heimatbegriff im Lokalen. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg, der Nördlichen Innenstadt in Gießen und der Gemeinde Roßdorf steht die Frage im Mittelpunkt: Was ist Heimat? Wie kann dieser belastete und vielschichtige Begriff im Sinne einer pluralen Migrationsgesellschaft positiv gelebt werden und Integrationsdebatten erweitern?
Hintergrund
Der Begriff der Heimat erfährt vor allem seit dem sogenannten „Sommer der Migration“ 2015 ein Comeback in politischen, medialen und alltäglichen Diskursen. Einem nationalistischen Heimatbegriff entsprechend wird Migration häufig als Bedrohung konstruiert. Auch in gemäßigteren Diskursen sind Heimat und Migration eng verwoben. Migration wird beispielsweise als Verlust von Heimat dargestellt. Was bedeutet das für die Möglichkeit der Zugehörigkeit und Selbstverortung innerhalb der Ankunftsgesellschaft? Was für das Selbstverständnis einer vermeintlich homogenen Ankunftsgesellschaft? Und wie lässt es sich in diese emotional geführte Debatte intervenieren, um der pluralen Migrationsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland ein normalisierendes Narrativ zu geben?
Das Projekt
Ziel des Projektes ist es, an drei verschiedenen Projektstandorten in Hessen herauszuarbeiten, wie sich heimatbezogene Migrationsdiskurse auf die Möglichkeiten der Zugehörigkeit und Verortung innerhalb der Ankunftsgesellschaft vor Ort auswirken. Über einen dreijährigen Prozess hinweg sollen im Anschluss an diese Fragestellung auch Potenziale eines pluralen Heimatverständnisses für die Entwicklung eines positiven Narrativs der pluralen Migrationsgesellschaft identifiziert werden.
Das dem Projekt zugrundeliegende Verständnis von Heimaten forciert insbesondere eine Weiterentwicklung von Integrationsdebatten, in denen häufig über Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung gesprochen wird, ohne sie mit ihren emotionalen Verortungen einzubeziehen. Außerdem rückt der Begriff der Heimaten soziale Aushandlungsprozessen um Zugehörigkeit in den Vordergrund und gibt ihnen einen Ausdruck, über den ein wirkungsvoller und respektvoller Austausch und gegenseitige Lern- und Anerkennungsprozesse angestoßen werden kann.
Als Plattform zur Förderung des Austauschs zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis legt die Schader-Stiftung besonderes Augenmerk im Projekt darauf, gesellschaftswissenschaftliche Ansätze in kommunale Praxis zu integrieren, diese an der kommunalen Wirklichkeit zu messen und einen Austausch zwischen Forschung und Praxis in Bezug auf Heimatdiskurse anzuregen. Darüber hinaus soll das Projekt als Plattform für die Ausweitung und Verstetigung interkommunalen Austauschs dienen. Das Projekt wird von lokalen Partner*innen der Projektstandorte eng begleitet und bündelt Perspektiven aus ganz unterschiedlichen Räumen Hessens.
Projektstandorte
Das Projekt wird an drei hessischen Standorten umgesetzt: dem Landkreis Waldeck-Frankenberg, der Nördlichen Innenstadt in Gießen und der Gemeinde Roßdorf. Die Standorte stehen exemplarisch für unterschiedliche räumliche und gesellschaftliche Kontexte – vom ländlichen Raum über ein urban geprägtes Quartier bis hin zu einer stadtnahen Kommune. Diese Vielfalt ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven auf Heimat, Zugehörigkeit und Integration zu erfassen sowie den Austausch von Erfahrungen und den Wissenstransfer zwischen den Standorten zu fördern.
Das Projekt findet im Rahmen des WIR-Programms unter Förderung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales statt. Die Projektarbeit schließt an vorausgegangene Erfahrungen mit wissenschaftlichen, kommunalen und zivilgesellschaftlichen Partner*innen an und nutzt bisherige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem HMSI.
Die Projektarbeit wird von einer Lenkungsgruppe und einer Visitationsgruppe begleitet.
Ihre Ansprechpartnerin ist: Lena Koch

