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Positionspapier: "Kindeswohl in der Klimakrise"

Artikel vom 10.09.2026

Über 80 Organisationen haben sich in einem Konsultationsprozess in der Schader-Stiftung auf ein Positionspapier zum Kindeswohl in der Klimakrise verständigt: Achten, schützen, gewährleisten.

Über 80 Institutionen fordern Klimagerechtigkeit für Kinder

Die Klimakrise ist aktuell die größte Gesundheitsgefahr für uns Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Sie leiden am meisten unter den Folgen der Klimakrise, obwohl sie nicht für die Ursachen verantwortlich sind. Insbesondere, aber nicht nur in Städten sind Kinder und Jugendliche bereits jetzt durch ungesunde Lebensumstände beeinträchtigt: Sie sind besonders verwundbar gegenüber hohen Konzentrationen von Luftschadstoffen, Lärm und Hitze, zudem benachteiligt die städtische Infrastruktur Kinder – mit weitreichenden Folgen wie Verkehrsunfällen oder Bewegungsmangel bei Kindern, aber auch psychischen Belastungen. Besonders betroffen sind Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien beziehungsweise aus benachteiligten Stadtteilen.

Auf diese Gefahren hinzuweisen und sich für gesundheits- und umweltförderliche Maßnahmen einzusetzen, die eine klimagerechte Zukunft möglich machen, kann als Aufgabe aller Menschen angesehen werden, die aufgrund ihrer Werte und qua Profession für das Kindeswohl einstehen. Wie kann das Kindeswohl also vor diesen Faktoren geschützt werden?

Damit haben sich mehrere Akteur*innen aus den Themenfeldern Kinderrechte, Gesundheit, Psychologie, Wissenschaft, Sozialarbeit oder Kinderschutz in zwei Workshops im Frühjahr und Sommer 2026 in der Schader-Stiftung auseinandergesetzt. In Kooperation mit KLUG, der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, ist so ein Positionspapier entstanden, das von über 80 Institutionen unterzeichnet wurde. 

Drei Kernforderungen

Erarbeitet wurden u.a. drei Kernforderung: 

  1. Klimaschutz als Rechtspflicht einhalten und durchsetzen. Bund und Länder müssen die verfassungs- und völkerrechtlichen Vorgaben verbindlich umsetzen: Art. 20a GG, das Bundes-Klimaschutzgesetz sowie Art. 3, 6, 24, 26 und 27 UN-Kinderrechtskonvention. Das Kindeswohl ist bei allen klimarelevanten Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen.
  2. Klimaanpassung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausrichten. Bund und Länder müssen Kommunen rechtlich ermächtigen und finanziell befähigen, Hitze-und Gesundheitsschutz für Kinder und Jugendliche vorrangig umzusetzen – von hitzeangepassten Jugendhilfen, Kitas und Schulen bis zu sicheren Schulwegen, begrünten Bewegungs- und Aufenthaltsorten, hitzeangepassten Spielplätzen und reduzierter Luftschadstoffbelastung.
  3. Echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen. Das Beteiligungsrecht (Art. 12 UN- Kinderrechtskonvention) ist im Grundgesetz zu verankern und durch verbindliche, ergebnisrelevante Formate auf allen Föderalebenen einzulösen.

An wen sich das Papier richtet

Das Papier richtet sich an politische Entscheidungstragende in Bund, Ländern und Kommunen sowie an alle Institutionen, die Verantwortung für das Wohl von Kindern und Jugendlichen tragen. Weil Klima- und Umweltschutz, Klimaanpassung und Kinderrechte auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen verwirklicht werden, werden die Forderungen jeweils dort benannt, wo die Zuständigkeit liegt: Der Bund setzt den gesetzlichen Rahmen, die Länder gestalten Bildung und Daseinsvorsorge, die Kommunen setzen Anpassung vor Ort um und gestalten damit unmittelbar die Lebenswelten, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Bund und Länder stehen laut den Herausgebenden dabei in der Pflicht, Kommunen rechtlich zu ermächtigen und finanziell so auszustatten, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen gerecht werden können.

Ungewöhnliche Allianzen

Die Herausgebenden kommen zum gemeinsamen Fazit: “Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, braucht es ungewöhnliche Allianzen – zwischen Politik, (Früh-)Pädagogik, Sozialer Arbeit, Umweltwissenschaften, Medizin, Stadtplanung, Wirtschaft und Kinderrechtsorganisationen –, getragen von gemeinsamen Werten wie Gerechtigkeit, Beteiligung und Nachhaltigkeit. Unsere Vision gründet auf Generationengerechtigkeit, ökologischer und sozialer Verantwortung, dem Schutz unserer Lebensgrundlagen und den Sustainable Development Goals. Sie setzt auf Selbstwirksamkeit, Beteiligung und positive Zukunftserzählungen, die Hoffnung und Handlungsmotivation stärken.”

Das vollständige Positionspapier finden Sie rechts in der Spalte zum Download. 

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