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Sommercamp 2019 – Echt kommunikativ?

Artikel vom 19.08.2019

Alle zwei Jahre findet im Schader-Forum das Sommercamp statt. So auch in diesem August. Zwanzig junge Leute haben in vier interdisziplinären Gruppen vier Tage lang intensiv diskutiert, konzipiert und präsentiert. Unter dem Titel „Echt kommunikativ?“ bildeten analoge und digitale Begegnungen im öffentlichen Raum das thematische Band des Sommercamps.

Kommunikation im öffentlichen Raum

Zu drei Stationen führte der Stadtspaziergang, der den Teilnehmenden des Sommercamps einen ersten Eindruck vom Thema, aber auch von der Stadt Darmstadt geben sollte:

Zuerst zum Georg-Büchner-Platz, der als einer der wenigen öffentlichen Plätze ohne Konsumorientierung auskommt, aber von verschiedensten Gruppen auf vielfältige Art genutzt wird. Danach ging es zur Digitalstadt Darmstadt, deren Geschäftsführer David da Torre den Teilnehmenden die Visionen und Projekte ebenso wie die Probleme und Herausforderungen von Digitalisierungsprojekten im städtischen Kontext vermittelte. Schließlich suchte die Gruppe die Mathildenhöhe auf, bei der sowohl analoges als auch digitales Kennenlernen vorgesehen war. Zuerst stellte die Vorsitzende der Werkbund-Akademie Jula-Kim Sieber die grundlegende Besonderheit der Mathildenhöhe und deren historische Einordung vor, danach erkundeten die jungen Leute das Jugendstil-Ensemble mithilfe ihrer Handys: Die App zur Mathildenhöhe vermittelt Navigation, historische Fotos und Hintergrundwissen zu vielen der dortigen Gebäuden.

Die Schnittstelle analog zu digital bildete in den nächsten vier Tagen das inhaltliche Herz des Sommercamps. Alle drei Gruppen konzipierten Projekte, um Begegnungen im öffentlichen Raum zu fördern, die sich dabei sowohl technisch unterfütterter Vernetzung, als auch „echter“ Begegnungen vor Ort bedienen. Der scheinbare Gegensatz, der oft in Diskussion über digitale versus analoge Begegnungen vorkommt, wurde somit aufgelöst, um aus beiden Welten das Beste für ein soziales Miteinander herauszuholen.

Die zwanzig jungen Menschen – Studierende, Promovierende oder junge Berufstätige verschiedener Disziplinen, die aus einer Vielzahl von Bewerbungen ausgewählt worden waren – wurden bei ihrer Arbeit von ständig anwesenden Begleiterinnen und Begleitern unterstützt.

Begleiterinnen und Begleiter beim Sommercamp

Die Teilnehmenden des Sommercamps wurden begleitet von:

Silvia Haas ist Stadtentwicklungsplanerin im Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig. Dort arbeitet sie für das Projekt „Leipzig weiter denken“. Als Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung legt „Leipzig weiter denken“ das Fundament für eine neue Beteiligungskultur: sowohl über die Durchführung von Beteiligungsveranstaltungen, Befragungen und Online-Dialogen als auch durch eine beratende Funktion innerhalb der Stadtverwaltung. Einen Schwerpunkt bildet die Diskussion zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern, Akteuren, Fachleuten, Politik sowie der Wissenschaft zu aktuellen Themen nachhaltiger Stadtentwicklung. Ziel ist es, mithilfe von innovativen Methoden gemeinsam Lösungen zu finden, aber auch Zielkonflikte und Widersprüche in den verschiedenen Bereichen herauszuarbeiten. Zuvor war Silvia Haas von 2001 bis 2010 als Projektmanagerin beim Büro Planwerk in Nürnberg tätig, einem Büro, das in den Bereichen der Stadtplanung, Stadtentwicklung und des Stadtmarketings arbeitet. Sie ist im Vorstand der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) aktiv.

Jan Liesegang, geboren 1968, studierte Architektur in Berlin, Kopenhagen und an der Cooper Union School of Architecture in New York. Anschließend arbeitete er drei Jahre als Projektarchitekt für Sauerbruch Hutton Architects in Berlin. 1999 war er Mitgründer von raumlaborberlin. Heute beschäftigen sich interdisziplinäre Arbeitsgruppen des raumlabors weltweit mit zeitgenössischer Architektur, Städtewesen, Kunst und Forschung. Jan Liesegang hat von 2001 bis 2007 Architektur und Stadtplanung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart gelehrt. 2010 erhielt er von der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo ein einjähriges Forschungsstipendium. Ab 2014 unterrichtete er Masterklassen an der Bergen School of Architecture und seit 2017 ist er dort Professor für Städtewesen und Architektur.

Dr. habil. Anna-Lisa Müller, geboren 1981, ist Geographin sowie Soziologin. Sie forscht zu globalen städtischen Entwicklungen, der Rolle von Architektur für Gesellschaft und der Bedeutung von Kunst für die Konstitution öffentlicher Räume. Zudem untersucht sie die Lebensrealitäten internationaler Migrantinnen und Migranten sowie Merkmale postmigrantischer Gesellschaften. Sie forschte unter anderem als Fellow des Residenzprogramms „Scholars in Residence“ im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013 des Goethe-Instituts und des Kulturwissenschaftlichen Institituts Essen (KWI) zu der gesellschaftlichen Bedeutung von Öffentlichkeit und städtischen Räumen in Ägypten und Deutschland. Seit 2019 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Profillinie Migrationsgesellschaften an der Universität Osnabrück tätig. Müller studierte Soziologie, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie und Theoretische Sprachwissenschaft an der Universität Konstanz und der schwedischen Universität Växjö. 2013 promovierte sie an der Universität Bielefeld zu dem Thema „Green Creative Cities. Zur Gestaltung eines Stadttypus des 21. Jahrhunderts“. 2019 habilitierte sie an der Universität Bremen mit der Habilitationsschrift „Zwischen Hier und Dort. Internationale Migration, Ortsbindung und materielle Kultur“.

Hanna-Lena Neuser ist seit November 2015 Studienleiterin für die Themenfelder Jugend und Europa an der Evangelischen Akademie Frankfurt. Sie studierte Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und an der Universität Trier. Anschließend war sie Praktikantin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz sowie im Landtag von Rio Grande do Sul, Porto Alegre Brasilien. Von 2004 bis 2006 arbeitete sie an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar und baute hier einen berufsbegleitenden MBA-Studiengang mit auf. Berufsbegleitend absolvierte sie einen Masterstudiengang der Erwachsenenbildung an der Technischen Universität Kaiserslautern. Später arbeitete sie als Studienmanagerin an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing für den Studiengang Public Relations. Von 2012 bis zu ihrem Wechsel nach Frankfurt war sie Studienleiterin des Jungen Forums der Akademie Tutzing.

Weitere Unterstützung beim Sommercamp

Die Begleiterinnen und Begleiter unterstützten die Teams bei der Aufgabe, „Dialog-Projekte“ zu entwickeln. Was genau Dialog-Projekte sind, haben die Veranstalter bewusst offen gehalten. Die Kreativität und Innovationskraft der jungen Leute sollte nicht durch unnötige Vorgaben eingeschränkt werden.

Vorgegeben war hingegen ein zeitlich stark durchstrukturierter Ablauf, der von allen Teilnehmenden Disziplin und Durchhaltevermögen forderte, aber auch einige besondere Pausen – wie etwa die Yoga-Stunde oder das Bade-Angebot im Woog – enthielt.

Nicht nur zu Anfang des Sommercamps mit dem Stadtspaziergang, sondern auch während der vier Tage gab es weitere Impulse und Anregungen, die die Arbeit der jungen Leute inspirierte.

So hielten Isabella Göring von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und Rosa Thoneick von der HafenCity Unversität Hamburg jeweils einen „Impuls am Morgen“. Während Isabella Göring sich dem Thema Smart City annahm und damit rege Diskussionen anstieß, stellte Rosa Thoneick ein sowohl analoges als auch digital geprägtes Partizipationsverfahren vor, das im Rahmen des CityScienceLab in Hamburg entwickelt wird.

Weitere zeitweise Unterstützung lieferten „Speed Consultants“, die einen Zwischenstand der Projekte kommentierten. Auch diese wurden so ausgesucht, dass vielfältige Perspektiven eröffnet wurden: durch verschiedene Altersklassen, berufliche Hintergründe und Disziplinen. Dabei waren:

Robert G. Eberle, Pressesprecher bei der Psychotherapeutenkammer Hessen, Wiesbaden

Peter Fischer, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Tingtool, Darmstadt

Michael Herfert, Informatiker am Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie, Darmstadt

Dr. Albrecht Graf von Kalnein, Vorstand der Werner Reimers Stiftung in Bad Homburg

Karen Lehmann, Schader-Stiftung, Darmstadt

Jula-Kim Sieber, Vorsitzende der Werkbundakademie Darmstadt, Architektin und Musikerin

Dr. Christina West, Projekt „Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung“, Hochschule Darmstadt

Dr. Anna Zdiara, Referentin für besondere städtebauliche und mobilitätsrelevante Aufgaben bei der Wissenschaftsstadt Darmstadt

Wer hat gewonnen?

Das Sommercamp wird neben der Schader-Stiftung von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie dem Deutschen Werkbund Hessen veranstaltet. Vertreterinnen und Vertreter dieser vier Organisationen bildeten auch die Jury, die am vierten Tag des Sommercamps nach schwerer Diskussion ein Projekt auswählte. Dieses soll, so das Versprechen, umgesetzt, weiter entwickelt oder fördernd vorangetrieben werden.

Gewonnen in diesem Sinne hat das Projekt „Be Local“, das zwei Tische an zwei Orten digital miteinander verbindet. Während man auf einem Darmstädter Platz sich an den Tisch setzen kann, mit dem Gegenüber reden oder spielen kann, kann sich an einem weit entfernten zweiten Ort jemand anderes an einen anderen Tisch setzen. Die digitale Verbindung bildet ein großer Screen, der eine Unterhaltung über die räumlichen Grenzen hinweg ermöglicht, der den Blick nicht nur auf den eigenen Platz richtet, an dem man gerade sitzt, sondern ebenso auf jenen weit entfernten Platz. Oder um es in den Worten der Gruppe auszudrücken: Der „digital-analoge Hybridraum (soll) die Eigenschaften eines ganzen Ortes widerspiegeln, transportieren und in der jeweils lokalen Realität erfahrbar machen. Hierbei erfolgt eine Verschneidung der verschiedenen Lebensgefühle und Ortserfahrungen, die traditionellerweise nur durch eine physische Kopräsenz erfolgen kann.“

Gewonnen in einem weiteren Sinne haben alle Teilnehmenden, die die Erfahrungen intensiver, interdisziplinärer Teamarbeit durchaus genossen haben. Alle Projekte entstanden in knapper Zeit, in interdisziplinären Gruppen, in denen zu Anfang sich niemand kannte, sie zeugen von intensiven Diskussionen und wichtigen Gedanken. Und sie zeigen alle die Bedeutung auf, die sowohl digitale als auch analoge Begegnungen haben können.

Im Download-Bereich finden sich Kurzbeschreibungen der vier Projekte.