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Nachlese: Wandel gestalten - Wandel begleiten (Fachtagung)

Artikel vom 07.03.2019

Die Kommunikation von Wissen ist ein wichtiges Instrument um Transformationsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung anzustoßen und zu gestalten. Die Frage, was und insbesondere wie Wissenschaft kommunizieren muss, damit ihre Ergebnisse von Politik und Gesellschaft gehört und in konkrete Veränderungsprozesse umgesetzt werden, stand im Mittelpunkt dieser Veranstaltung, die die Schader-Stiftung gemeinsam mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ausgerichtet hat.

Nachhaltige Entwicklung: Die Rolle von Wissen, Wissenschaft und Kommunikation

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart, ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Zwar ist bekannt, dass uns ein „weiter so“ schon bald an die planetaren Grenzen führen wird, gleichzeitig fehlen jedoch konkrete Bilder, die verdeutlichen, was das Ziel der Reise hin zu einer Nachhaltigen Gesellschaft eigentlich ist. Deutlich wird das etwa bei der Energiewende, die in der Bevölkerung eine breite Zustimmung genießt. Wenn es jedoch um konkrete Maßnahmen geht, zeigt sich ein anderes Bild.

Transformation steht für einen fundamentalen Wandel

Denn: Transformation steht – wenn wir es ernst meinen – für einen fundamentalen Wandel unserer Gesellschaft und ihrer Institutionen und Prozesse. Für die Gestaltung dieses Wandels müssen wir festlegen, in welche Richtung, in welcher Tiefe und Dauer wir die Veränderungen angehen wollen – wissend, dass es sich hierbei um Jahrzehnte dauernde Prozesse auf allen Ebenen unserer Gesellschaft handelt.

Dabei müssen die Strategien in den jeweiligen Transformationsfeldern eingebunden werden in die politischen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen und Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft. Und sie müssen in ein klares, Orientierung bietendes, Bild übersetzt werden. Erst dann ist es für jeden und jede einzelne möglich, die Fragen zu beantworten: Was bedeutet das für mich? Finde ich das gut? Mache ich mit? 

Transformation beginnt mit einem Perspektivwechsel

Transformation beginnt mit einem Perspektivwechsel: Die Menschen selber und ihr Verhalten müssen ins Zentrum des Problemverständnisses wie auch der Lösungssuche gestellt werden. Betrachtet man die Umweltkrise als eine gesellschaftliche Krise der Desorientierung, wie der Naturwissenschaftler Christoph Küffer in dem Zukunftsblog der ETH Zürich schreibt, dann reicht es nicht aus auf der Lösungsebene vor allem technische Innovationen zu diskutieren. Vielmehr muss es auch um gesellschaftliche Innovationen gehen, um Kommunikationsprozesse und Fragen der Wissensaneignung bis hin zu einer Differenzierung zwischen unterschiedlichen Wissensformen. Denn: Wissen ist eine grundlegende Voraussetzung für gelingende Transformationsprozesse.

Wann führt Wissen zu (anderem) Handeln: Das Wissensproblem

Auf dem Weg zu einer klimaverträglichen Gesellschaft benötigen wir nicht nur verlässliches Expertenwissen, das uns etwa den Zusammenhang zwischen unserem Lebensstil und dessen Auswirkungen auf die Umwelt deutlich macht. Die Wissenschaft kann Orientierungswissen liefern und die Frage beantworten, welche alternativen Ziele wünschenswert oder weniger wünschenswert sind. Sie kann Systemwissen liefern und komplexe Wirkungszusammenhänge und ihre Genese erklären.

Für Veränderungsprozesse in Richtung Nachhaltige Entwicklung müssen wir jedoch auch wissen, in welche gesellschaftlichen Veränderungen wir dieses Wissen übersetzen müssen. Dieses Handlungs- oder Transformationswissen fehlt an vielen Stellen noch. Dabei gilt es, mitunter enge Beziehungsgeflechte mit Wechselwirkungen und nicht immer transparenten Kausalitäten und Handlungsfolgen zu berücksichtigen.

Diese hochgradige Komplexität, verbunden mit Pfadabhängigkeiten und eingebettet in bestehende Machtverhältnisse führt dazu, dass Wissenschaft allein dieses notwendige Transformationswissen nicht erarbeiten kann. Hierfür ist eine Zusammenarbeit mit Akteuren der Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft – also ein transdisziplinärer Ansatz notwendig. Durch den so möglichen Einbezug von Transformationswissen können gemeinsam Lösungen gefunden werden, die in der Praxis tatsächlich funktionieren. Hier geht also um Machbares und nicht bloß um Wünschenswertes.

Vermittlung von Wissen: Das Kommunikationsproblem

Gute Kommunikation ist eine grundlegende Voraussetzung für gelingende Veränderungsprozesse, denn Wissen kann nur kommunikativ vermittelt werden. Die Auseinandersetzung mit den Hindernissen, auf die Kommunikation stößt, ist für die Vermittlung von Wissen daher elementar. Sprachlich-mediale Barrieren oder auch eine mangelnde Sensibilität für die Wissensbedürfnisse der Zielgruppe können verantwortlich sein für erfolglose Kommunikation. Hinzu kommen Pfadabhängigkeiten oder das bewusste Festhalten an lieb gewordenen Strukturen oder aber die Angst vor dem Unbekannten.

All das kann den Erfolg von Kommunikation verhindern. Notwendig sind hier spezielle Formen der Kommunikation, vor allem aber auch begleitende Anreize und Rahmungen.

(Die gesamte Einführung in den Tag von Dr. Nicola Schuldt-Baumgart finden Sie im Downloadbereich).

Handeln verändert – verändert handeln: die Rolle der Kommunikation für individuelle Verhaltensänderungen

Keynote, Dr. Max Vetter, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik

Keynote, Dr. Max Vetter, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik

Die Rolle der Kommunikation für individuelle Verhaltensänderungen stand im Mittelpunkt der Keynote von Dr. Max Vetter von ConPolicy, dem Institut für Verbraucherpolitik, Berlin. Ausgehend von der Überlegung, dass gelingende Veränderungsprozesse verändertes individuelles Handeln von Akteuren aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erfordern, hat er nach den psychologischen Bedingungen gefragt, unter denen Menschen ihr Verhalten verändern.

Gerade im Bereich globaler ökologischer Herausforderungen wie dem Klimawandel ist die psychologische Distanz der Handlungskonsequenzen hoch, so Vetter. Die sich bereits abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels weisen für die meisten Menschen noch immer eine hohe räumliche, zeitliche, soziale und hypothetische Distanz auf, erscheinen also als ein weit entferntes Problem.

Wenn die Kommunikation von Wissen zum Ziel hat, Verhaltensänderungen zugunsten einer Nachhaltigen Entwicklung anzustoßen, muss sie dies berücksichtigen. Eine handlungsfördernde Kommunikation baut die psychologische Distanz zum Problem ab und stellt Nähe her. Räumlich Nähe lässt sich etwa erzeugen, wenn Beispiele aus der nahen Umgebung genannt werden. Eine zeitliche Nähe, wenn die Dringlichkeit von Problemen in den Mittelpunkt gestellt wird. Soziale Nähe lässt sich über das Herausstellen von Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten der Betroffenen zur Zielgruppe der Kommunikationsstrategie erzeugen. Hypothetische Distanz lässt sich schließlich abbauen, indem eine (hohe) Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen benannt wird. Darüber hinaus kann sich die Wissenskommunikation für Verhaltensänderungen in Richtung Nachhaltiger Entwicklung einiger Instrumente bedienen, die aus der Verhaltenswissenschaft bekannt sind. So ermöglicht etwa das  Nudging oder „Anstupsen“ Verhaltensänderungen ohne die Wahlfreiheit der Menschen einzuschränken. Sie werden nur in eine bestimmte Richtung gelenkt – oder „gestupst“. Die Entscheidung bleibt ihnen überlassen.

Elemente, die aus dem Nudging kommen und verändertes Verhalten fördern können sind etwa Heuristiken („Take the best“), eine „Übersetzung“ in Informationen, die gut verarbeitet werden können (z.B. Ausweisung in Euro statt in Kilowattstunden (kWh)) oder handlungsleitende Kommunikation am Point of Action (etwa ein Feedback zum Wasserverbrauch während des Duschens).

Nachhaltigkeit als Thema in medialen Öffentlichkeiten – Chancen und Risiken am Beispiel von Klimakommunikation

Dr. Imke Hoppe, Universität Hamburg, Institute for Journalism and Communication Science

Keynote, Dr. Imke Hoppe, Universität Hamburg, Institute for Journalism and Communication Science

Wie Wissenschaft für gelingende gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung kommunizieren kann, zeigte Dr. Imke Hoppe von der Universität Hamburg am Beispiel der Klimakommunikation.

Bezogen auf die drei Ebenen Problem-, Handlungs- und Empowermentorientierung hat sie dargestellt, welche Ziele Nachhaltigkeitskommunikation verfolgen kann und wie sie erfolgreich umgesetzt werden können.

Auf der Ebene der Problemorientierung kann Kommunikation aufklären, Problembewusstsein schaffen oder auch Argumente positionieren. Auf der Ebene der Handlungsorientierung liegen Kommunikationsziele in der Initiierung oder Veränderung individuellen Handelns oder im Angebot von handlungsrelevantem Wissen. Ziele der Kommunikation für ein Empowerment sind etwa die Erhöhung des Maßes an Selbstbestimmung und Autonomie in Bezug auf Umweltfragen.

Die Ebene der „Problemorientierung“ ist vonseiten der klassischen Naturwissenschaften in den Medien gut vertreten. Dadurch finden wichtige nachhaltigkeitsbezogene Probleme eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit, die höhere wissenschaftliche Sicherheit unterstützt zudem die individuelle Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen. Eine „automatische“ Übersetzung in Handlung erfolgt hingegen weder auf individueller noch auf gesellschaftlicher Ebene.

Die Veränderung individuellen Verhaltens durch ein erhöhtes Problembewusstsein gehört zu den Zielen der „handlungsorientierten Nachhaltigkeitskommunikation“. Hierfür werden wirksame Anreize und Strategien für Handlungsänderungen ermittelt und beispielsweise an Multiplikatoren über die mediale Berichterstattung kommuniziert. Eine massenmediale Kommunikation hat jedoch nur sehr geringe Effekte auf klimaschonende Handlungsabsichten. Katastophenframing oder Alarmismus können zwar die Aufmerksamkeit und das Problembewusstsein erhöhen, jedoch gleichzeitig kognitive Dissonanzen und Fatalismus-Gefühle bewirken. Positive Effekte lassen sich demgegenüber bei individuellen Feedbacks zur Auswirkungen von Alltagsentscheidungen oder bei der Nutzung von Identifikationsfiguren erreichen. Dabei unterstützt die Darstellung konkreter Handlungsoptionen die Selbstwirksamkeit der betroffenen Personen.

Auf der Ebene des „Empowerments“ zielt die Kommunikation auf die Initiierung, Erprobung und Begleitung von Beteiligungsprozessen. Erfolgreich ist diese Strategie über interaktive Kommunikation in digitalen und sozialen Medien. Die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen können hier – ohne Medienbrüche – mediale Begegnungsräume schaffen und moderieren und so über ihre Forschung und Ergebnisse berichten.

Lunch Talks

Ein Blick in die Lunch Talks.

Ausgewählte Formate der Wissenskommunikation

Während der Mittagspause hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über konkrete Ansätze und Methoden der Wissenskommunikation zu informieren.  Im Rahmen von „Lunch Talks“ wurden Nudges in der Kommunikation für Verhaltensänderungen, Science Slam in der Wissenskommunikation, Design Labs sowie Besonderheiten der Kommunikation in Reallaboren vorgestellt.

Für einen hohen Praxisbezug wurde dabei diskutiert,

  • für welches Problem sich die vorgestellte Methode eignet,
  • für welche Zielgruppe(n) sie geeignet ist (und für welche nicht),
  • welche Erwartungen an die Methoden gestellt werden können und ggf.
  • wo vertiefte Informationen zur Methodik zu finden sind.

 

Nudges in der Kommunikation für Verhaltensänderungen

Dr. Max Vetter, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik 

Dr. Max Vetter von ConPolicy hat in seinem Lunch Talk „Nudges in der Kommunikation für Verhaltensänderungen“ umrissen, wie Nudging in der Wissenskommunikation genutzt werden kann. Als Aspekte der Entscheidungsarchitektur verändern Nudges das menschliche Verhalten in vorhersehbarer Weise, ohne dass sie Optionen verbieten oder ökonomische Anreize verändern. Beispiele sind die Konkretisierung von Informationen zum Ressourcenverbrauch beim Drucken, das Aufzeigen des Energieverbrauchs zum Verbrauchszeitpunkt oder das Sichtbarmachen von Lebenszykluskosten bei weißer Ware. 

 

Hinter den Kulissen: Science Slam in der Wissenskommunikation

Dr. Alexander Deppert, Science Slam Darmstadt

Im Lunch Talk „Hinter den Kulissen: Science Slam in der Wissenskommunikation“ fragte Dr. Alexander Deppert, warum sich gerade Experten und Wissenschaftler bisweilen schwer tun, ihr Wissen verständlich zu machen. Deppert, der unter dem Künstlernamen Alex Dreppec den Science Slam aus der Wiege gehoben hat, sieht diese Methode als Möglichkeit, Wissen allgemein verständlich für ein interessiertes aber fachspezifisch nicht vorgebildetes Publikum aufzubereiten. Wissen wird so einfach und amüsant vermittelt und kann geeignet sein, das Publikum dort abzuholen, wo es sich befindet. Dabei kann ein Science Slam immer nur als zusätzliches Instrument gesehen werden. An die Stelle bewährter disziplinärer Kommunikationsformen kann der Slam schon durch die zeitliche Begrenzung und den gewollten Unterhaltungswert der Darbietung nicht treten.

 

Design Labs

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Transformativ denkende Akteure (sog. Change Agents) spielen eine zentrale Rolle in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in Richtung Nachhaltigkeit. Change Agents haben eine überzeugende Veränderungsidee und eine erste Vorstellungen für deren Umsetzung. Sie sind Vorbilder für Nachahmer und sorgen so dafür, dass Veränderungen in die Breite getragen werden.

Die vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Kooperation mit art-werk durchgeführten DesignLabs adressieren Change Agents. Sie bieten diesen Akteuren des Wandels einen Raum, in dem sie ihre Ideen präzisieren und konkretisieren können. Den Grundgedanken der DesignLabs hat Dr. Nicola Schuldt-Baumgart vom ISOE in ihrem Lunch Talk vorgestellt. Über das Zusammenführen und Integrieren von wissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive auf ein Thema mit den Veränderungsideen der Change Agents sollen bestehende Denkweisen aufgebrochen werden. So können neue Wege und Lösungen entdeckt und diese aus dem Ideenstadium hin zum Prototypen entwickelt werden. Gesucht werden dabei konkret umsetzbare Lösungen in und für die eigene Stadt – denn Städte sind zentrale Orte einer Nachhaltigen Entwicklung. Die DesignLabs folgen einem Dreiklang aus Verstehen (breite Wissensbasis aufbauen, eigenes Wissen, eigene Erfahrungen und Kompetenzen einbringen), Bewerten (Perspektiven wechseln und neue Lösungswege erkennen) sowie Gestalten (Lösungen von den Nutzern und Nutzerinnen her denken und entwickeln, Lösungen greifbar machen – Prototypen bauen, Wege der breiten Umsetzung und Verstetigung suchen).

Methodische Basis der DesignLabs ist die Innovationsmethode Design Thinking.

 

Kommunikation in Reallaboren

Dr. Oliver Parodi, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

Im Lunch Talk „Kommunikation in Reallaboren“ hat Dr. Oliver Parodi von seinen Erfahrungen im Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ berichtet. Zusammen mit seinem Forscherteam hat er für seine Arbeit im Quartier Zukunft den Forschungspreis „Transformative Wissenschaft“ vom Wuppertal Institut und der Zempelin Stiftung im Stifterverband entgegen genommen.

Im Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gehen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gemeinsam mit ihren Projektpartnern den Fragen nach, wie nachhaltiges Leben im Quartier funktioniert, wie unsere Städte von morgen aussehen sollen und wie ein zukunftsfähiger urbaner Wandel gestaltet werden muss.

Kommunikation im Reallabor verfolgt das Ziel der einfachen Information bis hin zu Kooperation, Kollaboration und sogar des Empowerments der Praxisakteure. Erprobt werden im Quartier Zukunft regelmäßige Kommunikationsformate in Form von Stammtischen oder Treffpunkten sowie punktuelle in Form von Aktionstagen oder Vortragsabenden. Weitere Kommunikationsformate sind wissenschaftliche und transdisziplinäre Artikel oder Vorträge, digitale und soziale Medien(auftritte), Flyer, Postkarten, Workshops und Seminare, Presseartikel, Videos, eine interaktive Nachhaltigkeitskarte, geführte und dialogische Spaziergänge sowie semi-verbale Formate wie Tauschbörsen oder Spiele.

Als Erfolgsfaktoren für gelingende Kommunikation in Reallaboren benannte Parodi etwa ausreichende Zeitressourcen, den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen, der Abbau von Verständnis- und Sprachschwierigkeiten, die Konkretisierung des Themas Nachhaltigkeit, Authentizität und bestenfalls ein Zentrum der Begegnung und Kommunikation.

Werkstattgespräche: Wissen, Wissenschaft, Kommunikation

Ein Blick in die Werkstattgespräche.

In den Werkstattgesprächen am Nachmittag haben die Teilnehmenden zu den veränderten Aufgaben, Zielen und Grenzen der Wissenskommunikation in Transformationsprozessen und zu den konkreten Bedarfen seitens der Politik und Gesellschaft gearbeitet und diskutiert.

 

Veränderung gestalten: Lernen, Wissen, Kommunikation

Sebastian Rogga, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V, Caroline Paulick-Thiel, nextlearning e. V. / Politics for Tomorrow

Im Mittelpunkt des Werkstattgesprächs „Veränderung gestalten: Lernen, Wissen, Kommunikation“ stand die Frage, wie Kommunikations- und Lernprozesse gestaltet werden müssen, um gesellschaftlichen Wandel in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen. Hierfür wurden Erkenntnisse u.a. aus der Bildungsforschung sowie der Forschung zur Organisationsentwicklung oder der Behavior Change Communication in den Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung übersetzt.

In ihren Impulsen sind Sebastian Rogga vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und Caroline Paulick-Thiel von Politics for Tomorrow den Fragen nachgegangen,

  • was die Kommunikation von Wissen für Veränderungsprozesse überhaupt ausmacht,
  • ob damit neue Aufgaben und Herausforderungen – auch und gerade für das Lernen – verbunden sind,
  • welche Rolle Lernen spielt und welches Potenzial aus Lernprozessen für Verhaltensänderungen im Themenfeld Nachhaltigkeit erwächst  – und wo die Grenzen liegen sowie
  • wie Lernprozesse gestaltet werden müssen, um gesellschaftlichen Wandel in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen.

 

Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation in Transformationsprozessen

Prof. Dr. Jasmin Godemann, Justus-Liebig-Universität Gießen, Dr. Kora Kristof, Umweltbundesamt

Das Werkstattgespräch „Wissen und Wissenschaftskommunikation in Transformationsprozessen“ hatte das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft zum Inhalt – mit Blick auf die Gestaltung einer Nachhaltigen Entwicklung sowie den daraus erwachsenden Herausforderungen. Die Teilnehmenden diskutierten zur (Konkretisierung der) Rolle der Wissens- und Wissenschaftskommunikation in Transformationsprozessen, zu relevanten und zentralen Akteuren und der erforderlichen „Akteursqualität“.

Die folgenden Leitfragen dieses Werkstattgesprächs standen im Mittelpunkt der Impulse von Prof. Dr. Jasmin Godemann von der Justus-Liebig-Universität Gießen und Dr. Kora Kristof vom Umweltbundesamt:

  • Was macht die Kommunikation von Wissen für Veränderungsprozesse überhaupt aus? Sind damit neue Aufgaben und Herausforderungen – für die Wissenschaft und für die Wissenskommunikation – verbunden?
  • Wie verändert sich das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft mit Blick auf die Gestaltung einer Nachhaltigen Entwicklung und welche neuen Anforderungen ergeben sich daraus?
  • Lassen sich aus der Nachhaltigkeitsforschung Empfehlungen für die Gestaltung von Wissenschaftskommunikation ableiten?
  • Reicht herkömmliche Wissenschaftskommunikation in ihrer nach wie vor unidirektionalen Ausrichtung aus?

 

Wissenschaftskommunikation und Politik

Dr. Elisabeth Hoffmann, Technische Universität Braunschweig

Das dritte Werkstattgespräch „Wissenschaftskommunikation und Politik“ blickte schließlich aus zwei Perspektiven auf das Spannungsfeld „Wissenschaft und Politik“. Zum einen gilt Wissenschaft in der Politik schon lange als Beratungsinstanz (Stichwort „Expertendemokratie“). Zum anderen wurde auf die Politik als Akteur der Forschungsförderung geblickt, die sich einem für die Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation ändernden Umfeld gegenübersieht und auf diese Veränderungen reagieren muss.

Dr. Elisabeth Hoffmann von der Technischen Universität Braunschweig hat sich in ihrem Impuls mit den Fragen befasst,

  • was die Kommunikation von Wissen in Veränderungsprozessen überhaupt ausmacht und ob damit neue Aufgaben und Herausforderungen im Bereich der wissenschaftlichen Politikberatung verbunden sind, 
  • wie Wissenschaft ihren wachsenden Beratungsaufgaben – insbesondere mit Blick auf das Themenfeld Nachhaltige Entwicklung – gerecht werden kann und worin die Risiken dieser Rolle der Wissenschaft in der Politikberatung liegen können,
  • von welchen guten Beispielen wir aus dem Themenfeld Transformation und Nachhaltige Entwicklung lernen können und
  • welche Ansprüche Politik und Gesellschaft an die Rolle der Wissenschaftskommunikation heute stellen können.

Wirksame und erfolgreiche Wissenskommunikation für gesellschaftliche Veränderungsprozesse

Ergebnissicherung in einer Fishbowl-Diskussion.

In der abschließenden Fishbowl-Diskussion wurde das breite Feld deutlich, das mit den Fragen nach einer wirksamen und erfolgreichen Wissenskommunikation für gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung adressiert wird.

Seit der Gründung des Club of Rome, mit dem die Grundsteine der modernen Nachhaltigkeitsdiskussion gelegt wurden, diskutieren wir über Klimawandel und Umweltbelastungen. Das Wissen über die globalen Herausforderungen liegt also schon lange vor. Ebenso lang arbeitet die Wissenschaft an erfolgversprechenden Lösungen in den Bereichen Energieeffizienz, Klimaschutz, Wasser und Mobilität. Und dennoch fehlt es am Handeln, kommen wir nicht ins Tun.

Kommunikationsprozesse und Fragen der Wissensaneignung bis hin zu einer Differenzierung zwischen unterschiedlichen Wissensformen werden bislang zu wenig thematisiert. Das ist tatsächlich bemerkenswert, denn Wissen ist eine grundlegende Voraussetzung für gelingende Veränderungsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung. Es wurde deutlich, dass wir zusätzliches Wissen – Orientierungs- und Transformationswissen – benötigen: Wissen über die Handlungsmotive und -barrieren der relevanten Akteure, über institutionelle oder umweltbedingte Rahmenbedingungen oder auch über Wechselwirkungen und Zielkonflikte, die mit technologischen und gesellschaftlichen Innovationen einhergehen.

Schließlich gilt es zu fragen, wie Wissenschaft kommunizieren muss, um erfolgreich Veränderungsprozesse anzustoßen und zu begleiten. So ist das Ergebnis unserer Tagung nicht die eine Antwort für erfolgreiche Wissenskommunikation, sondern viele offene und kluge Fragen, an denen wir gemeinsam weiterarbeiten wollen.

 

Autorin: Dr. Franziska Rischkowsky