Klimakollaps-Workshops der Schader Stiftung: Ein Blick in den Abgrund und darüber hinaus
Artikel vom 01.01.1970
Von Hoffnung, Ohnmacht und der Suche nach Antworten
Was tun, wenn der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Klimakollaps-Workshops der Schader-Stiftung. Die Veranstaltung brachte Teilnehmende aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um über den drohenden gesellschaftlichen Kollaps und den Umgang damit zu diskutieren. Dabei war auch Sabine Heidemann; sie hat sogar an allen vier Terminen in Darmstadt teilgenommen.
Ein persönlicher Zugang zur Krise der Natur
Sabine Heidemann hat Wirtschaftsinformatik studiert und ist inzwischen als pädagogischer Coach tätig. Seit ihrer Jugend beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Klimawandel. Während des Interviews wurde dabei auch immer wieder ihr Bezug zur Natur deutlich. Ursprünglich dachte sie, dass Politik und Gesellschaft auf die Warnungen von Wissenschaftler*innen reagieren würden. Doch die Realität ist ernüchternd: „Keiner tut in angemessener Weise etwas gegen den Klimawandel“, sagt sie. Ihre Sorge gilt nicht nur der eigenen Zukunft, sondern vor allem der kommenden Generationen: „Meine Kinder und Enkel werden die volle Härte der Krise erleben.“
Die Workshops: Plattform für Austausch und Reflexion
Die Workshop-Reihe setzte sich mit verschiedenen Aspekten des Klimakollapses auseinander. Dabei wurden Fragen wie der Einfluss des Kolonialismus auf die Klimakrise, die psychologischen Schutzmechanismen gegen die Realität des Wandels und mögliche gesellschaftliche Reaktionen auf die sich zuspitzende Lage behandelt. Besonders beeindruckt war Heidemann von der Atmosphäre des Austauschs: „Es war eine Erleichterung zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Bedrohung so ernst nimmt.“ Ein zentraler Punkt einer der Workshops war die Diskussion darüber, wie Menschen in Krisensituationen reagieren. Während kurzfristige Notlagen oft Solidarität hervorbringen, besteht die Gefahr, dass langfristige Krisen zu gesellschaftlicher Verhärtung führen. Heidemann reflektiert: "Wichtig fand ich, dass es diese Entwicklung geben muss hin zu mehr Solidarität, um Dinge zu bewältigen. Vor allen Dingen die Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel. Dass das nur solidarisch funktionieren kann."
Sabine Heidemann konnte sich zunächst nicht vorstellen, dass es wirklich zu einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kollaps kommen könnte. Erst durch die Workshop-Reihe wurde ihr bewusst, dass der Zerfall bestehender Strukturen – von Stromversorgung bis hin zu wirtschaftlichen Lieferketten – eine reale Möglichkeit ist. „Lange Zeit glaubte ich, dass zumindest die westlichen Gesellschaften ihre technologischen und wirtschaftlichen Systeme aufrechterhalten könnten“, sagt Heidemann. „Aber mittlerweile sehe ich, dass ein vollständiger Kollaps durchaus denkbar ist.“ Sie überlegt weiter: „Ich dachte immer, dass zumindest gewisse Systeme stabil bleiben würden, doch nun sehe ich, dass das nicht garantiert ist.“ Besonders eindrucksvoll war für sie die Erkenntnis, wie eng der Klimawandel mit gesellschaftlichen Entwicklungen und individuellen Handlungsmöglichkeiten verknüpft ist.
Der Workshop motivierte Heidemann zudem, aktiver zu werden. Sie möchte Missstände klar benennen und sich gezielt einbringen, anstatt sich nur aufzuregen. Besonders die Auseinandersetzung mit konkreten politischen Entscheidungen, wie der Widerstand gegen den Windkraftausbau in Bad Orb, hat sie darin bestärkt, sich öffentlich zu äußern und aktiv Stellung zu beziehen. Ihr Engagement gegen die Blockade des Windkraft-Ausbaus drückte sie unter anderem durch Leserbriefe in örtlichen Zeitungen und auf politischen Veranstaltungen aus: „Es macht mich fassungslos, dass wirtschaftliche Interessen den dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien verhindern.“
Kritische Reflexion: Fehlt die Lösungsorientierung?
Zu Beginn der Workshopreihe stellte sie fest, dass es weniger um den Klimawandel selbst ging, sondern mehr um die gesellschaftlichen Folgen und den Umgang damit. „Ich glaube, wir haben über Klima und die Klimaentwicklung selbst eigentlich nicht so viel geredet, sondern eher über die Folgen und vor allen Dingen, wie man damit umgehen wird. Aber das fand ich eigentlich auch angemessen“, so Heidemann. Trotz der wertvollen Diskussionen vermisste sie einen stärkeren Fokus auf konkrete Lösungsansätze. Besonders die Frage nach gesellschaftlichen Strukturen, die auch in Krisenzeiten funktionieren könnten, erschien ihr zentral. „Wir brauchen eine Art Notfallmodus für die Gesellschaft – so wie Notstromaggregate in Krankenhäusern.“
Sabine Heidemann zieht ein differenziertes Fazit aus dem Workshop. Sie betont den Wert der Veranstaltung, insbesondere den Austausch mit Gleichgesinnten: „Ich fand sie eigentlich alle wichtig. Was ich vor allen Dingen am wichtigsten fand, war zu erleben, dass da andere Menschen sind, die auch diese Zusammenhänge sehen und sie auch als sehr bedrohlich, sehr besorgniserregend ansehen.“
Gleichzeitig äußert sie den Wunsch nach mehr Lösungsorientierung: „Also dieser Teil, also Richtung Lösungsorientierung, der fehlt mir eigentlich noch ein bisschen.“ Sie sieht den Workshop als guten Ausgangspunkt, wünscht sich aber konkretere nächste Schritte: „Schön wäre es jetzt noch, wenn man aus diesen ganzen neuen Erkenntnissen quasi so einen Plan machen würde und sagen: Okay, und jetzt unterhalten wir uns mal konkret darüber, der Punkt, der Punkt, der Punkt, wie gehen wir denn damit um?“
Dieser Wunsch nach konkreten Handlungsstrategien unterstreicht ihre Überzeugung, dass neben dem Verständnis der Problematik auch praktische Lösungsansätze entwickelt werden müssen, um den Herausforderungen des Klimawandels effektiv zu begegnen.
Autor: Alexander Hofmann

