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Auf Augenhöhe?

Artikel vom 06.05.2020

Foto: shutterstock

Zwischen Kita-Schließungen, Homeoffice und den Bedürfnissen von Kindern und Erwachsenen. Ein Blogbeitrag von Saskia Flegler.

Eine Momentaufnahme aus Krisenzeiten

Kinder haben es unter Erwachsenen nicht leicht. Besonders aber in Ausnahmesituationen, wie in der aktuellen Corona-Krise. Als Mutter einer eineinhalbjährigen Tochter bin ich persönlich betroffen – von den Kita-Schließungen, der Betreuung zuhause und gleichzeitigem Homeoffice – und auch persönlich erfahre ich täglich, dass ein Kind in diesem Alter Interessen und Bedürfnisse hat und diese auch äußert. Kinder, das sind die kleinen und größeren Menschen im Alter von 0 bis 18. Manche von ihnen können sich noch nicht mit Worten mitteilen, manche lernen gerade grammatikalisch richtige Sätze zu bilden. Trotzdem sind sie alle Persönlichkeiten, mit einem Willen und mit einer Meinung, auch wenn sie nicht in der Art und Weise artikuliert werden kann, wie es die meisten Erwachsenen vermögen. So kommt es, dass sie meist erst einmal nicht um ihre Meinung gefragt und ernst genommen werden, wenn es um „erwachsene“ Themen geht. Auch wenn sie betroffen sind. Denn ihnen wird entweder unterstellt, dass sie keine vernunftgeleiteten, gemeinwohlorientierten oder objektiven Entscheidungen treffen können – ob das Erwachsene immerzu vermögen, sei dahingestellt. Minderheiten oder schwachen Gruppen Gehör zu schenken ist ein fundamentales Anliegen, das leider zu häufig zu kurz kommt. Und gerade in Krisenzeiten verschärfen sich bestehende Ungleichheiten, so auch die ungleiche Behandlung der Rechte von Kindern und Erwachsenen.  Seit letztem Jahr plane ich gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und der Landesarbeitsgemeinschaft KitaEltern Hessen e.V. ein Dialogforum, das die Beteiligungsrechte von Kindern und Eltern in Kindertageseinrichtungen in den Blick nehmen will. Das wird selten in unserer Gesellschaft thematisiert und auch deshalb hat die Schader-Stiftung, habe aber auch ich als federführende Referentin ein großes Anliegen daran, dass die Veranstaltung stattfindet.

So langsam frage ich mich aber, ob, wenn das Dialogforum im September denn stattfinden kann, überhaupt noch von einem existierenden Betreuungssystem für alle Kinder gesprochen werden kann. Und wenn es zu einer schrittweisen Öffnung der Kindertagesbetreuung kommen wird – wie werden Limitierungen hinsichtlich Gruppengröße, Nutzung von Räumlichkeiten und vor allen Dingen der Fachkräfte aussehen? Wünschenswert wäre zunächst die Einbindung der Meinungen der Eltern, Kinder und Fachkräfte im Öffnungsprozess. Werden die Kinderrechte, die gerade erst in die Hessische Landesverfassung aufgenommen wurden, in den Entscheidungsgremien wirklich beachtet? Es sollte ein großes Anliegen sein, Kindertageseinrichtungen als Ort zur Sicherung von Bildung und Teilhabe zu erhalten. Doch werden die sozialen und bildungspolitischen Folgen monatelanger Isolation der Jüngsten, die eben nicht nur als zu betreuende Objekte und potentielle Virenschleudern betrachtet werden sollten, in der aktuellen Diskussion angemessen berücksichtigt?

Und letztlich muss ich als persönlich Betroffene auch fragen: Wird die Politik zu kreativen Lösungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Arbeit (auch im Homeoffice) und durchgehender Kinderbetreuung kommen, solange Kitas geschlossen sind? Wie lange können Familien diese Belastung auf sich nehmen? Welche gleichstellungs- und wirtschaftspolitischen Folgen wird die Situation andernfalls mit sich bringen? Politik und Gesellschaft sollten auch die Anliegen der Kinder einbeziehen, wenn Entscheidungen getroffen werden. Egal in welchen Zeiten.

von Saskia Flegler.

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