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Biographische Bezüge des Engagements

Artikel vom 10.10.2017

Wenn in der Öffentlichkeit von ehrenamtlichem beziehungsweise bürgerschaftlichem Engagement gesprochen wird, dann wird dessen Nutzen für die Gesellschaft betont. Demnach erbringt das Engagement wertvolle Hilfen und Leistungen, soll den gesellschaftlichen Zusammenhalt befördern und zur Festigung der Demokratie beitragen. Von Gisela Jakob

Dem Engagement Gesichter verleihen

Damit werden wichtige gesellschaftspolitische Dimensionen angesprochen, die auf die Bedeutung dieser zivilgesellschaftlichen Aktivitäten verweisen. Die Situation in der Flüchtlingsarbeit hat zuletzt eindrücklich gezeigt, dass das Engagement der Bürgerinnen und Bürger für die Gesellschaft und die geflüchteten Menschen unverzichtbar ist. Hinter dem gesellschaftspolitischen Diskurs zum
bürgerschaftlichen Engagement "verschwinden" allerdings die engagierten Bürgerinnen und Bürger selbst mit ihren Geschichten und Aktivitäten. Umso wertvoller ist diese Ausstellung, die dem Engagement Gesichter verleiht und die Engagierten ins Zentrum rückt. Ein anderer Weg zu den Geschichten der Engagierten tut sich auf, wenn man die Bedeutung der Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte betrachtet. Dazu im Folgenden eine exemplarische Geschichte und einige Überlegungen aus Untersuchungen, die sich den biographischen Bezügen sozialen Engagements widmen (vgl. Jakob 2003; Corsten et.al. 2008).

Biographische Bezüge des Engagements - Ein Fallbeispiel

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin, nennen wir sie Frau Eder, wird Mitte der 50er Jahre geboren. Ihre Biographie verlief in günstigen Rahmenbedingungen, die ihr vielfältige Bildungsprozesse und eine Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ermöglichten. In Kindheit und Jugend standen neben den Eltern weitere Bezugspersonen wie Lehrerinnen und Lehrer und der Jugendpfarrer ihrer  Kirchengemeinde zur Verfügung. Die gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der Bildungsreform ermöglichten ihr Zugänge zu weiterführenden Bildungseinrichtungen und einen persönlichen Bildungsprozess. Sie ist die erste in ihrer Familie, die die Hochschulreife erwirbt und ein von ihr selbst gewähltes Hochschulstudium absolviert. Dies wiederum eröffnet ihr den Zugang zu einem Beruf ihrer Wahl und sie wird als Pastoralreferentin in einer katholischen Kirchengemeinde tätig. Als sie später, nach der Geburt ihrer zwei Kinder, auf der Suche nach einer neuen beruflichen Tätigkeit ist, die sich leichter mit den familiären Anforderungen vereinbaren lässt, ergibt sich erneut ein günstiges Passungsverhältnis. Der damalige personelle Umbau der Schulen ermöglicht ihr eine Tätigkeit als Religionslehrerin in der örtlichen Schule.

Auch ihr bürgerschaftliches Engagement wird durch solche Passungen bestimmt. Ihr Engagement in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde ermöglicht ihr wichtige Lernerfahrungen in der Jugendphase. Nach der eigenen Familiengründung gründet und leitet sie eine Elterngruppe, die für die anderen Eltern, aber auch für sie selbst gegenseitige Unterstützung ermöglicht. Die spätere Gründung und Leitung einer Frauengruppe erhält als Ort des Erfahrungsaustauschs und des solidarischen Miteinanders Bedeutung und dient auch der Veröffentlichung und Durchsetzung von Fraueninteressen in der Gemeinde.