Filtern Sie im Bereich "Themen"

Thema
  • Gemeinwohl und Verantwortung
  • Demokratie und Engagement
  • Nachhaltige Entwicklung
  • Vielfalt und Integration
  • Kommunikation und Kultur
  • Stadtentwicklung und Wohnen
  • Demographie und Strukturwandel

Zur Filterung muss mindestens ein Thema ausgewählt sein.

Fokus
Zeitraum
Was bewegt Sie?

Sie haben offene Fragen? Anregungen? Ideen?

Wir kommen gerne mit Ihnen ins Gespräch. Bitte hinterlassen Sie das, was Sie bewegt, im Schader-Dialog.

Bedeutung von öffentlichen Bibliotheken

Artikel vom 01.08.2022

Erhebungsphase im Fellowship. Ein Blogbeitrag von Angelina Göb.

Sommer, Sonne, Stadtbibliothek

Paradies – zweites Zuhause – finde ich immer was – Inspiration – angenehme, friedliche Atmosphäre. Diese Beschreibungen stehen ausschnitthaft für getätigte Bedeutungszuschreibungen, die Nutzer:innen über die Stadtbibliothek in der Woche meiner Erhebung gemacht haben. Es zeigt sich, dass Bibliotheken viel mehr als Buchbehälter sind, nämlich „eine enorm wichtige Leistung“ und eine elementare soziale Infrastruktur für die Stadt und Stadtgesellschaft. Dabei sind Selbst- und Fremdwahrnehmung dieser niedrigschwelligen Kultur- und Bildungseinrichtung, in Hinblick auf eine ressourcenschonende wie integrationsorientierte Stadtentwicklung, nicht zu vernachlässigende Faktoren, die mich bei meiner Forschung in der öffentlichen Stadtbibliothek besonders interessiert haben.

Lebenswelt Bibliothek

Bibliotheken sind ein Ort für sich und ein Raum für alle – kostenlos und frei zugänglich. Im und mit dem Justus-Liebig-Haus wird ein Rahmen geschaffen, der durch die Nutzung und die Anwesenden zu leben beginnt. Bibliotheken sind Möglichkeitsräume, die ganz unterschiedliche Aneignungen erlauben. Ziel meiner qualitativ-ethnographischen Erhebung in der Stadtbibliothek war es, mehr über Praktiken sowie Deutungen der Nutzer:innen zu erfahren. Dazu habe ich nicht nur teilnehmende Beobachtungen durchgeführt, sondern auch mittels einer nicht-repräsentativen, offenen Umfrage und eines „meaning mappings“ versucht, einen möglichst breiten Einblick in die Bibliotheksroutine und das Bild von Bibliotheken von Bibliotheksbesucher:innen zu erhalten. Was wird als positiv, was wird als negativ empfunden, wo werden Verbesserungs- und Veränderungspotenziale artikuliert und was wünschen sich Nutzende für die Zukunft der Stadtbibliothek? Dies waren Fragen, mit denen ich „ins Feld“ gegangen bin. Dabei wurde deutlich, dass Bibliotheken – als öffentliche Einrichtung und in Bezug auf ihr Leistungsangebot – ein „Muss“ für jede/n Einzelne/n und die Gesellschaft sind, für viele Menschen eine „lebenslange Begleiterin“, sogar eine „Heimat“ darstellen und dabei Sicherheit vermitteln, Orientierung geben und Vertrauen generieren.

Zwischen Pst und Provokation: die Potenziale

Was Nutzer:innen an Bibliotheken schätzen? Die Ruhe! Hier findet man Entspannung und Entschleunigung, hier kann man – mal kurz, mal lang – aus dem Alltag aussteigen, in andere Welten eintauchen und sich verzaubern lassen. Neben dem Wohlgefühl ist es die Aufenthaltsqualität, die Glücksgefühle und Gelingensmomente auslöst. Das ausbalancierte Ambiente schafft Raum für konzentriertes Lernen und Arbeiten. Together alone, schweigend kommunizieren, Interagieren, ohne zu reden – das ist eine Zusammenhaltsform, die sich in der ÖB finden lässt und sich durch ihre Mittelbarkeit auszeichnet. Alles perfekt? Für die einen ja, für die anderen gibt es noch Luft nach oben: in Bezug auf die gestalterische Komposition, die funktionale Kombination und die Kooperation mit anderen Institutionen aber auch hinsichtlich der Bedeutungstransformation von Norm(alität)en im Alltag, dem Um-, Neu- und Anders-Denken. Denn „hier finde ich immer was, auch Inhalte, die ich gar nicht gesucht habe.“ Bibliotheken sind wohl ein bisschen wie Überraschungseier, weil sie auch Spannung, Spiel und Spaß vermitteln. Ihr allgemein sehr gutes Image müsste aber im Stadtbild noch sichtbarer gelebt werden.

von Angelina Göb, Fellow der Schader-Residence.