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Innovative Vermittlungsräume zwischen Sozialwissenschaften und Praxis

Artikel vom 20.03.2015

Ein Vortrag von Dr. Dagmar Simon im Rahmen der Werkstatt „Öffentliche Wissenschaft“ am 20. März 2015 im Schader-Forum Darmstadt.

Sozialwissenschaften und gesellschaftliche Praxis: eine Ko-Produktion von Wissen

Der Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung ist nichts anderes als die Gesellschaft selbst. Zuweilen gewinnt man den Eindruck, dass diese Nähe zum Forschungsgegenstand besondere Ambivalenzen bzw. eine Distanz bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gegenüber der gesellschaftlichen Praxis hervorruft. Darüber hinaus ist kein einheitliches Verständnis vom Wissenstransfer eben in diese Praxisbereiche anzutreffen noch sind Formate, Kriterien und Adressaten klar definiert. Existierende Kennzahlen und Formate aus den Natur- und Technikwissenschaften (Patente, Lizenzen, Einwerbungen von Drittmitteln aus der Wirtschaft, Ausgründungen etc.), die sich insbesondere auf dem Aspekt der wirtschaftlichen Verwertung von wissenschaftlichen Erkenntnissen beziehen, sind für die Sozialwissenschaften nur sehr begrenzt nutzbar, da in der Regel keine technischen Artefakte produziert werden und auch die Zielgruppen heterogener sind: es geht auch um den öffentlichen Sektor und den Non-Profit-Sektor (zivilgesellschaftliche Akteure, Verbände etc.). Sozialwissenschaften erzeugen „Orientierungswissen“ bzw. „Interpretationswissen“ und weniger „Verfügungswissen“. Dies verwundert auch nicht, da das Reputationssystem, das über Erfolg in der Wissenschaft einschließlich der Karrierewege entscheidet, in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen in der Regel Wissenstransfer nicht honoriert. Dennoch findet in einem erstaunlichen Ausmaß dieser Transfer in unterschiedliche gesellschaftliche Praxisbereiche statt, oft mit einem time lack, so dass sozialwissenschaftliches Wissen als solches nicht mehr erkennbar ist bzw. Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bspw. in Unternehmen oder Kommunalverwaltungen beraten, diese Praxis aber im offiziellen disziplinären Diskurs keine oder nur eine marginale Rolle spielt. Auch die Forschungspraxis zeigt, dass Institute, die sowohl Grundlagenforschung als auch Wissenstransfer betreiben, äußerst selten anzutreffen sind. Im deutsch-US-amerikanischen Vergleich wird deutlich, dass ähnliche Problemlagen (starke Trennung der Systeme) anzutreffen sind, aber amerikanische Universitäten flexible Instrumente einsetzen, um einen Transfer besser gewährleisten zu können (Austauschprogramme Wissenschaft und Gesellschaft, „Professorships-in-Practice“ und Matrixstrukturen).

Aus der Innovationsforschung ist seit langem bekannt, dass Wissenstransfer nicht als ein linearer Prozess von der Grundlagenforschung bis zur Produktentwicklung verläuft, sondern als ein interaktiver, wechselseitiger und rückgekoppelter Prozess zwischen Wissenschaft und Praxis. Ein erfolgreicher Transfer setzt voraus, dass gesellschaftliche Fragestellungen und Forschungsinteressen aus Sicht der Praxis bereits am Anfang in ein Projekt integriert werden. Von diesen Erkenntnissen ausgehend hat das Team der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (Dr. Dagmar Simon, Prof. Andreas Knie, Dr. Anna Froese, Nathalie Mevissen, Julia Böttcher) sich vorgenommen „Social Innovation Co-labs“ selber zu bauen, um gewährleisten zu können, dass eine „co-production of knowledge“ zwischen heterogenen Akteuren aus Wissenschaft und Praxis beobachtet und folgende Fragen beantwortet werden können: Wie verlaufen die Wissensgenerierungsprozesse? Wie unterscheiden sie sich von klassischer Forschung? In welchen Governance- und Organisationsformen können diese Formate funktionieren und sich eignen, typische Hemmnisse des Wissenstransfers zu überwinden und zu robusten Transferergebnissen zu führen? In einem ersten Workshop, der im Zusammenhang der Tagung „Öffentliche Wissenschaft“ der Schader-Stiftung stattfand, konnten wichtige, aktuelle und sich eignende Themenfelder aus den Sozialwissenschaften gemeinsam eruiert werden.

 

 

Die Vortragsfolien finden Sie im Downloadbereich.