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Integration trotz Segregation - zum Stand der wissenschaftlichen Debatte

Artikel vom 26.02.2007

Segregation von Zuwanderern ist ein hochkomplexes und ambivalentes Problem, das eine Wanderung der Politik auf schmalen Grat verlangt. Ob die räumliche Konzentration von Migranten Integration eher behindert oder eher befördert, hängt einerseits vom Verhalten der Migranten selbst ab, andererseits aber auch vom Grad der Öffnung der Aufnahmegesellschaft. Wenn sich die ökonomischen, sozialen und kulturellen Umwelten offen zeigen, können ethnische Kolonien zu Durchgangsstationen werden, und nur dann kann die Ambivalenz solcher Räume zugunsten der Förderung von Integration aufgelöst werden. Von Hartmut Häußermann und Walter Siebel

Begriffliche Klärungen

Unter dem Begriff Integration wird in der Soziologie zweierlei diskutiert:
Einmal die Frage nach der Integration der Gesellschaft: Was hält die verschiedenen Teilsysteme einer Gesellschaft zusammen? Wir sprechen von systemischer Integration. Zum anderen die Frage nach der Integration in die Gesellschaft: Wie gelingt die Einfügung von Personen in eine Gesellschaft? Das ist die soziale Integration.

Im Mittelpunkt dieses Artikels steht die Integration von Zuwanderern in die Gesellschaft, also die soziale Integration. Dabei sind wiederum zwei Aspekte auseinander zu halten:
Die strukturelle Integration einer Person. Damit ist die Teilhabe an den Ressourcen und Positionen der Gesellschaft gemeint, also etwa die Integration in den Arbeitsmarkt, in das Bildungssystem oder in die Wohnungsversorgung.

Die kulturelle Integration, also die Übernahme bestimmter kultureller Normen, Fertigkeiten und Regeln durch den Einzelnen. Gelungene strukturelle Integration, die Teilhabe aller an den Chancen der Gesellschaft ist die entscheidende Voraussetzung für kulturelle Integration. Man kann nicht von den Zuwanderern verlangen, Integrationsanstrengungen auf sich zu nehmen, wenn diese erkennbar wenig Aussicht auf Erfolg haben. Eine Mindestvoraussetzung für subjektive Bemühungen um Integration ist beispielsweise eine gesicherte Aufenthaltsperspektive. Aber der Umkehrschluss gilt genauso: Der Einzelne muss die wichtigsten Regeln und Normen der Gesellschaft übernommen haben, um die Chancen, die eine Gesellschaft bietet, auch ergreifen zu können.

Integration ist in dem Maße gelungen, wie es zwischen den Gruppen, also etwa zwischen Migranten und Einheimischen, keine systematischen Unterschiede mehr gibt hinsichtlich der Verteilung von Positionen und Ressourcen, zum Beispiel Einkommen, Ansehen, Berufen, Wohnqualitäten. Integration von Zuwanderern in eine Gesellschaft kann also durchaus mit krassen sozialen Ungleichheiten in dieser Gesellschaft verträglich sein, aber diese Ungleichheit darf die Zuwanderer nicht härter treffen als die Einheimischen. Integration ist in diesem Sinne also gelungen, wenn es unter den Türken relativ genauso viele Vorstandsvorsitzende und Langzeitarbeitslose gibt wie unter den Einheimischen. Was das für die Integration der Gesellschaft bedeuten kann, wird hier nicht behandelt.

Wir gehen einleitend kurz auf den Stand der strukturellen Integration von Zuwanderern ein und formulieren dann ausführlicher einige Schlussfolgerungen, die sich aus dem Projekt der Schader-Stiftung zur Integration im Stadtteil ergeben. In einem längeren Exkurs wird die Leitthese des Projekts, wonach „Integration trotz Segregation“ gelingen muss und gelingen kann, begründet, da diese Aussage die zentrale neue und deshalb auch in der Praxis sehr kontrovers diskutierte These des Projekts „Zuwanderer in der Stadt“ ist.

Zum Stand der Integration

Dass die soziale Position der Zuwanderer in fast allen Bereichen sehr viel schlechter ist als die der Deutschen, belegen alle einschlägigen Untersuchungen. Aber das ist noch kein Beleg für die Aussage, die Integration sei gescheitert. Integration ist ein Prozess, und zwar ein sehr langwieriger. Die Integration der Ruhrpolen war erst Ende der 1950er Jahre, und das heißt in der dritten und vierten Generation gelungen. Man kann auch heute nicht erwarten, dass die Einwanderer mit dem Übertritt über die Grenze bereits alle auf dem hiesigen Arbeitsmarkt geforderten Qualifikationen mitbringen, und ebenso braucht jede Gesellschaft Zeit, um sich auf Einwanderung einzustellen.

Entscheidend ist bei der Betrachtung der Unterschiede der sozialen Lage von Einwanderern und Einheimischen daher die Richtung der Entwicklung. Geraten die Zuwanderer im Zeitverlauf mehr und mehr an den Rand oder in die Mitte der Gesellschaft – verringern oder vergrößern sich die Abstände zu den Deutschen? Die für strukturelle Integration entscheidenden gesellschaftlichen Subsysteme sind der Arbeitsmarkt, das Bildungssystem, das System politischer Willensbildung und der Wohnungsmarkt. Dieser Reihenfolge entspricht eine Rangfolge der Relevanz. Der wichtigste Schritt auf dem Weg der Integration ist die Integration in den Arbeitsmarkt, denn über die Position auf dem Arbeitsmarkt werden Konsumchancen und soziale Anerkennung zugeteilt und auch das Selbstwertgefühl ist nicht zuletzt vom beruflichen Erfolg bestimmt.

In den beiden für die Integration wichtigsten Systemen, dem Bildungssystem und dem Arbeitsmarkt, bleiben die Zuwanderer hinter den Deutschen zurück. Zuwanderer sind im Vergleich zu Deutschen häufiger im prekären Segment des Arbeitsmarkts oder nur informell beschäftigt. Sie sind häufiger Arbeiter, seltener dagegen Angestellte und Beamte; sie arbeiten sehr viel häufiger im verarbeitenden Gewerbe und seltener in Dienstleistungen, damit sind sie auch stärker negativ vom Strukturwandel der Industrie- zu einer Dienstleistungsökonomie betroffen. Beunruhigend ist vor allem, dass sich von der einen Million Ausländer, die sich 2003 aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben, nur ein knappes Drittel wegen Arbeitsaufnahme oder Eintritt in die Rente abgemeldet hat. Für die überwiegende Mehrheit mündete die Abmeldung in dauernde Beschäftigungslosigkeit. Es gibt also Anzeichen für Ausgrenzung aus dem Beschäftigungssystem.

Erfolg auf dem Arbeitsmarkt entscheidet sich bereits im Bildungssystem. Die Pisa-Studien belegen, dass in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern Kinder mit Migrationshintergrund besonders schlechte Lernchancen haben. Besonders beunruhigend ist dabei, dass hier geborene Migrantenkinder noch schlechter abschneiden als im Ausland geborene. Seit Mitte der 90er Jahre sinkt der Anteil ausländischer Jugendlicher an der beruflichen Ausbildung. Und die ausländischen Ausgebildeten konzentrieren sich auf sehr wenige und weniger zukunftsträchtige Berufe. Am anderen Ende der Bildungshierarchie, in den Hochschulen, ist der Anteil der sog. Bildungsinländer sehr niedrig und sogar leicht rückläufig.

Zugewanderte aus Staaten außerhalb der EU verfügen über keine politischen Rechte. Insgesamt haben etwas über 1,2 Mio. Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft erworben, gegenüber 7.334.000 mit ausländischem Pass. Nur knapp jeder sechste hier lebende Zuwanderer besitzt also die Voraussetzungen für eine vollberechtigte Mitwirkung am politischen System der BRD. Die Zahl der jährlichen Einbürgerungen ist bis 2000 kontinuierlich gestiegen, seitdem ist sie wieder rückläufig, trotz des neuen Einbürgerungsrechts.

Auf dem Wohnungsmarkt scheint die Integration von Zuwanderern noch am ehesten gelungen. Gegenwärtig wohnen Ausländer nach allen Indikatoren der Wohnqualität zwar schlechter als Deutsche: beengter, in älteren und schlechter ausgestatteten Wohnungen, für die sie mehr zahlen müssen als Deutsche, an schlechteren Standorten und mit weniger Sicherheit vor Kündigung. Aber die Ausstattung ihrer Wohnungen hat sich weitgehend an die der Deutschen angeglichen. Auch kann in Deutschland von einer Ghettoisierung wie z. B. bei den Schwarzen in den Vereinigten Staaten nicht die Rede sein. Hier verhindern die sozialstaatlichen Regulierungen, der soziale Wohnungsbau und das Wohngeld anscheinend Ausgrenzungskarrieren. Zuwanderer werden inzwischen auch häufiger Wohneigentümer, ein Zeichen gelingender Integration. Inwieweit die gegenwärtigen Tendenzen einer Globalisierung und Privatisierung auf dem Wohnungsmarkt diese Hürden abbauen werden, bleibt abzuwarten.
Das Bild ist also recht dunkel, aber dennoch nicht eindeutig. Teilweise sind die Verhältnisse besser, als es diese Daten zeigen: Die 1,2 Millionen Eingebürgerten erscheinen nicht mehr in den Statistiken zur Situation von Ausländern. Die Annahme ist plausibel, dass sie strukturell besser integriert sind als die Nicht-Eingebürgerten. Die sinkende Beschäftigungsquote hat auch mit dem Wandel der demographischen Struktur der Zuwanderer zu tun. Aus einer erwachsenen, männlichen Gastarbeiterbevölkerung ist eine Normalbevölkerung geworden mit höheren Anteilen an nicht berufstätigen Hausfrauen, Kindern und Rentnern. Auch macht es wenig Sinn, „die“ Deutschen mit „den“ Ausländern zu vergleichen. Sowohl zwischen den ethnischen Gruppen wie innerhalb der Gruppen gibt es erhebliche Unterschiede. Türken und Italiener haben die schlechtesten Schulergebnisse, Spanier die besten, Mädchen haben sich verbessert, Jungen kaum.

Aber es gibt Anzeichen für die Ausgrenzung einer relevanten Minderheit. Innerhalb der ethnischen Gruppen und insbesondere unter Türken und Italienern existiert eine große Gruppe von Jugendlichen ohne jeden Bildungsabschluss resp. ohne berufliche Ausbildung. Konfrontiert man damit die künftig weiterhin steigenden Anforderungen an Bildung und Ausbildung, dann ist die Befürchtung gerechtfertigt, dass eine wachsende Minderheit der Zuwanderer dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt sein wird. Damit sinken ihre Chancen auf Integration in die deutsche Gesellschaft insgesamt.

Der Ansatz des Integrationsprojekts „Zuwanderer in der Stadt“

Angesichts dieser Situation hat sich die Schader-Stiftung auf Maßnahmen der Integration im Wohnquartier konzentriert. Von den drei Orten der Integration – Betrieb, Schule und Stadtteil – ist nur der letztere durch Stadtpolitik unmittelbar beeinflussbar, und er gewinnt angesichts der Probleme auf dem Arbeitsmarkt zumindest relativ an Bedeutung. Das Wohnquartier ist nicht der für Integrationsmaßnahmen effektivste Ort, das sind der Betrieb und die Schule, aber im Gegensatz zu diesen sind im Wohnquartier zumindest prinzipiell alle Migranten erreichbar und sie sind es, solange sie in Deutschland leben. Auch wer keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hat, muss doch irgendwo wohnen, und in der Schule erreicht man nur Jugendliche, solange sie auch zur Schule gehen. Deshalb zielen die Empfehlungen des Projektes „Zuwanderer in der Stadt“ auf Integration im Stadtteil.

Dabei wird nicht der Illusion angehangen, im Stadtteil könne kompensiert werden, was auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem oder durch die Globalisierungstendenzen auf den deutschen Wohnungsmärkten angerichtet wird. Im Stadtteil sind bescheidenere Ziele realistisch: Viel wäre schon erreicht, wenn die Situation im Stadtteil auf einem für alle Bewohner erträglichen Niveau stabilisiert werden kann. Es geht vorrangig darum, negative Karrieren von Stadtteilen und Bewohnern zu verhindern. Um dazu Empfehlungen zu generieren, sind im Rahmen des Projekts zwei Wege gegangen worden.

Einmal wurden bisherige Erfahrungen mit stadtteilorientierten Integrationsmaßnahmen systematisch gesammelt und über Publikationen und Workshops der Praxis verfügbar gemacht. Gerade das föderale System der Bundesrepublik, die kommunale Selbstverwaltung, die regional unterschiedlichen Traditionen und lokalen politischen Kulturen eröffnen Spielräume, innerhalb derer unterschiedliche Zugänge zu ähnlich gelagerten Problemen erprobt werden können. Deshalb lohnt es sich bereits, wenn eine neutrale Stiftung gleichsam als Minnesänger von Burg zu Burg ziehend verstreutes Expertenwissen zusammenträgt und anderswo verbreitet. So können Lernprozesse verkürzt, Irrwege vermieden und positive Erfahrungen verallgemeinert werden.
Selbstverständlich bringen solche Handreichungen, die das Wissen aus der Praxis in der Praxis allgemein bekannt machen, nicht jedem Praktiker Neues. Eine nicht unübliche Reaktion, von der auch die Empfehlungen der Schader-Stiftung nicht verschont geblieben sind, lautet deshalb: Kalter Kaffee – das sei nun wirklich nichts Neues, das habe man schon immer so gemacht. Allenfalls wird zugestanden, dass die Bestätigung durch eine unabhängige Stiftung etwas zur Legitimation der eigenen Praxis gegenüber Kritikern in Politik, Öffentlichkeit oder unkooperativen Ressorts beitragen könne, eine Funktion, die im übrigen nicht gering zu schätzen ist, denn vielerorts zeigt sich die Verwaltung problembewusster und offener gegenüber Fragen der Integration von Zuwanderern als die politische Spitze und die kommunalen Parteien, die von einer ausländerfreundlichen Politik wenig Erträge in Gestalt von Wählerstimmen erwarten können; im Gegenteil sind bei denen, die über das Wahlrecht verfügen, negative Reaktionen zu befürchten.

Der zweite Weg ist die Formulierung von neuen Empfehlungen auf Basis des Standes der wissenschaftlichen Forschung, die bewusst eine Abkehr von bisherigen Praktiken verlangen. Dies gilt für die zentrale Aussage des Projekts: „Integration trotz Segregation“. Kurz gefasst läuft diese Maxime auf die Abkehr von der bisherigen Praxis strikter Desegregationspolitik hinaus. Stattdessen wird angesichts der Tatsache, dass im Unterschied zur Segregation nach sozialen und ökonomischen Kriterien die Segregation nach Lebensstilen und nach ethnisch-kulturellen Faktoren durchaus auch positive Funktionen im Integrationsprozess haben kann, empfohlen, sehr viel differenzierter mit der räumlichen Konzentration von Zuwanderern umzugehen.

Solche Empfehlungen lösen in der Regel in der Praxis recht unfreundliche Reaktionen aus: Quatsch, höflicher: Theorie, die im akademischen Elfenbeinturm vielleicht überzeugen könne, aber angesichts der wirklichen Probleme der Praxis und angesichts der konkreten Situation vor Ort sei das unbrauchbar. Das Schlagwort Integration trotz Segregation ist in der Praxis auf sehr kontroverse Reaktionen gestoßen. In einigen Kommunen hat diese Empfehlung dazu geführt, dass das ganze Projekt für unbrauchbar erklärt wurde (Berlin Mitte). Aber in anderen (Nürnberg, Mannheim) ist dadurch eine Diskussion ausgelöst worden, ob angesichts der Zuwanderung die in der BRD traditionelle Desegregationspolitik noch angemessen sei. Mehr kann man nicht erwarten. Empfehlungen, die auf eine grundlegende Änderung der Praxis zielen, können nicht per bloßer Verkündigung die Welt verändern. Sie werden nur dadurch wirksam, dass eine Diskussion in Gang kommt, in deren Verlauf allmählich Änderungen als sinnvoll verstanden werden. Da Integration trotz Segregation die zentrale Aussage des Projekts ist, wird im folgenden Exkurs ein Überblick über die Theorien und Ergebnisse der empirischen Forschung zu den Wirkungen einer ethnischen Konzentration in städtischen Wohngebieten gegeben.

Exkurs: Soziale und ethnisch-kulturelle Segregation

Mit der Bildung ethnischer Viertel werden „Kontexteffekte“ befürchtet. Damit ist gemeint, dass das Verhalten, die Normen und die Orientierungen von Bewohnern solcher Quartiere, in denen die Konzentration von Angehörigen einer ethnischen Minderheit besonders hoch ist, durch den Kontext beeinflusst werden, der aus dieser Konzentration gebildet wird. Das kann, so die Befürchtung, zu abweichendem Verhalten (Kriminalität) führen, aber auch zu einer Beschränkung der Lebenschancen durch Benachteiligung zum Beispiel im Bildungssystem oder auf dem Arbeitsmarkt.

Die Überprüfung der Wirkungen ethnischer Segregation verlangt den Nachweis von Kontexteffekten. Dies sind Effekte, die von dem Kontext ausgehen, der durch die soziale und kulturelle Zusammensetzung der Bewohner eines Quartiers entsteht. Dabei geht es um Einflüsse, die jenseits der individuellen Charakteristika und Dispositionen der Bewohner bestehen. Die in einem Quartier vorherrschenden Denk- und Verhaltensweisen sind dann also nicht durch individual-strukturelle Merkmale restlos erklärbar. Die wissenschaftshistorischen Wurzeln dieser Perspektive auf Stadtquartiere liegen in der Stadtforschung der Chicago-Schule, die auf einer sozialökologischen Theorie fußte (vgl. Häußermann/Siebel 2004). Das praktische Problem, das sich die Soziologen der Chicago-Schule zum Hauptthema gemacht hatten, war das der sozialen Stabilisierung der sich durch Zuwanderung neu bildenden Stadtgesellschaft. Untersucht werden sollten die Gefahren, die von bestimmten Quartieren ausgehen – die Gefahr der Kriminalität, der psychischen Krankheiten (vgl. Spiegel 1998), generell die Gefahr der sozialen Desorganisation.

Da in den amerikanischen Einwanderungsstädten die Segregation von ethnischen Minderheiten durchaus normal war (und ist), wurde bei der Messung von Nachbarschaftseffekten immer zugleich ethnische Segregation untersucht. Die Konstruktion von „Sozialräumen“ durch eine Vermischung von Indikatoren der baulichen Struktur und der sozialen Situation in den Quartieren hat seither eine unglückliche Tradition. Denn die dabei ermittelten Korrelationen, zum Beispiel zwischen dem Anteil einer bestimmten Minderheit und der Zahl der Diebstähle in einem Quartier, erklären nichts. Sie weisen auf einen Zusammenhang hin, der aber mit der Kombination von Aggregatdaten nicht erklärt werden kann. Dafür sind sehr viel aufwendigere methodische Verfahren notwendig, die es – unter Verwendung von Individualdaten – erlauben, Individualeffekte (wie insbesondere sozio-ökonomischer Status) von Kontexteffekten zu trennen.

In den negativen Beurteilungen von ethnischer Konzentration wird diese – theoretisch gesprochen – als Kontext verstanden, von dem eigenständige integrationshemmende oder Desintegration fördernde Effekte ausgehen, und gefolgert, dass diese bei einer Auflösung der Konzentration verschwänden. Wir wollen im Folgenden die Mechanismen und die Annahmen, die diesem Denken zugrunde liegen, rekapitulieren und dann in aller gebotenen Kürze die Forschungsergebnisse zusammenfassen, die dazu bisher vorliegen.

Bei einer Beurteilung von Effekten der ethnischen Konzentration besteht immer eine „Ethnisierungsfalle“. Eine „Ethnisierung von sozialen Problemen“ liegt dann vor, wenn die Kumulation bestimmter Probleme bei einer ethnischen Minderheit auf deren Zugehörigkeit zu dieser ethnischen Minderheit zurückgeführt wird, obwohl eine Erklärung durch soziale Faktoren wie den Bildungsstand, Einkommen  oder berufliche Tätigkeit hinreichend möglich wäre. Die Kumulation sozialer Probleme bei einer ethnischen Minderheit wird dann zu einem Merkmal ihrer „Kultur“ erklärt. So kann man auch von einem „ökologischen Fehlschluss“ sprechen, wenn die räumliche Konzentration von sozialen Problemen durch ihre räumliche Konzentration erklärt wird, d. h. wenn der räumlichen Konzentration eigenständige Wirkungen zugeschrieben werden. Beide Fehlschlüsse beruhen auf naiven Annahmen zu Kontexteffekten.

Der Wirkungsmechanismus des Kontextes

Wie soll man sich die Wirkung eines Kontextes vorstellen? Die empirische Untersuchung ist auf „Modelle“ von Wirkungsmechanismen angewiesen. Theoretisch gibt es verschiedene Mechanismen, über die sich Wirkungen des Kontextes entfalten können (vgl. zum Folgenden Buck 2001). Die wichtigsten davon sind:

  1. Kontakte: Interethnischen Kontakten werden bei der Integration eine überragende Bedeutung zugesprochen. Sie stellen eine Lernmöglichkeit für Migranten bereit, die durch soziale Interaktion zur Übernahme von Verhaltensmustern bzw. zur Toleranz abweichender Verhaltensmuster führt. „Ausgehend von der orientierenden Annahme, dass räumliche Nähe zu Kontakten führt, Kontakte wiederum zur Übernahme von Verhaltensmustern, kann also angenommen werden, dass sich Wohnen in einem Wohngebiet mit niedrigen Minoritäten-Anteilen positiv auf alle Aspekte der Assimilation des Angehörigen der Minorität auswirkt“ (Alpheis 1988, 123).
  2. Sozialisation: Die in einem Quartier dominanten Werte und Normen werden über Peer Groups verbreitet, denen sich die Angehörigen der gleichen ethnischen Gruppe anpassen. Die Übernahme von gruppenspezifischen Werten und Verhaltensweisen ist ein Weg der Integration in die lokale Subkultur und sichert soziale Anerkennung. Da räumliche Segregation, die mit starker Binnenintegration einhergeht, eine starke soziale Kontrolle ermöglicht, können die eigenethnischen Werte und Normen den Bewohnern leichter aufgezwungen werden, als wenn diese in einer weniger ethnisch geprägten Umwelt leben.

    Ein anderer Weg der Sozialisation ist die Abwesenheit von bestimmten „role models“, d. h. dass solche Verhaltensweisen nicht gelernt oder übernommen werden können, die im Quartier gar nicht in Erscheinung treten. Die segregierte Kultur wird zum dominanten Erfahrungsraum, und weil es keine entsprechenden Vorbilder gibt, besteht gar nicht die Chance, die Werte und Kulturtechniken der Mehrheitsgesellschaft zu erlernen oder zu übernehmen.

    Für die Sozialisation hat die Nachbarschaft insofern eine Bedeutung, als sich der Erfahrungsraum von Kindern häufig auf diesen Raum beschränkt und dadurch die Erwartungen und Situation anderer Kinder zu einem wichtigen Vergleichsmaßstab werden. An diese Tatsache knüpft das Konzept der relativen Deprivation an, nach welchem die Individuen ihre eigene Situation nach der relativen Position ihrer Nachbarn beurteilen. Dabei werden die Nachbarn nicht als Rollenmodelle, sondern als ein Maßstab genommen, um das eigene Verhalten zu beurteilen.

    Die relative Position zu anderen beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung der eigenen sozialen Position, vielmehr wirken die Aspirationen und Erwartungen von Personen der Vergleichsgruppe auf die Wahrnehmung von wahrscheinlichem Erfolg beim Ausnutzen von Gelegenheiten. Das heißt, durch die soziale Umgebung wird man ermutigt oder entmutigt, sich um etwas zu bemühen. Dies kann sich insbesondere bei der Orientierung darauf, was man in der Schule erreichen will, kann oder soll, auswirken.
  3. Netzwerke: Die Annahme der kollektiven Sozialisation im segregierten Quartier beruht auf der Voraussetzung, dass sich die Kontakte und Beziehungen tatsächlich auch auf das Quartier beschränken. Die ethnisch segregierten und/oder lokal konzentrierten Netzwerke bilden den zentralen Bezugsraum. Netzwerke sind soziales Kapital. Dies kann durch eigenethnische Ressourcen gebildet werden, aber auch durch ein sozial und kulturell heterogenes Netz. Die Netzwerktheorie besagt, dass heterogene Netze ein reicheres soziales Kapital darstellen als homogene. Beschränkt sich das soziale Netz auf das ethnisch segregierte Quartier, wären die Bewohner also benachteiligt – insbesondere durch die Schließung von Informationskreisläufen, die sich dann auf ethnisch einschlägige Quellen beschränken.

    Die ethnische Ökonomie, die auf ethnischen Netzwerken beruht, stellt Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit zur Verfügung. Das notwendige Kapital für die Betriebsgründung entstammt informellen Netzen, und Arbeitskräfte stehen gegen geringes Entgelt zur Verfügung. Dies bietet Chancen für Erwerbsarbeit, diese sind aber in ihrer Reichweite qualitativ und quantitativ begrenzt. Eine Beschränkung auf die ethnische Ökonomie stellt daher eine Mobilitätsfalle dar, denn die Qualifikationsbarrieren zum Wechsel in die Mainstream-Ökonomie werden rasch sehr hoch. Ökonomisch argumentiert bietet die ethnische Ökonomie eine leicht zu ergreifende Alternative, mit der der höhere Aufwand einer Integration in die Ökonomie der Mehrheitsgesellschaft vermieden werden kann. Das ethnisch segregierte Gebiet bietet folglich mehr Gelegenheiten, anstrengenden Integrationsprozessen aus dem Wege zu gehen – um den Preis einer verstopften Mobilität.
  4. Qualität der Umwelt, Gelegenheitsstrukturen: Benachteiligungen können sich dadurch ergeben, dass Nachbarschaftseffekte indirekt durch die Qualität von Dienstleistungen wirken, die in einer Nachbarschaft verfügbar sind. Von Schulen in ethnisch segregierten Quartieren wird z. B. berichtet, dass Lehrer überfordert sind, dass keine außerschulischen Ressourcen mobilisiert werden können, und dass die Einrichtungen der Schulen sich auf einem niedrigen Niveau befinden. Auch kann es Schwierigkeiten geben, qualifiziertes Personal für (öffentliche) Einrichtungen in Gebieten mit hohem Migrantenanteil zu finden. Dazu gehört auch finanzieller Mangel bei den öffentlichen Einrichtungen.

    Die Gelegenheitsstrukturen können zusätzlich beschränkt werden durch die Lage des Wohngebiets. Da Migranten in der Regel die bei der einheimischen Bevölkerung am wenigsten begehrten Wohnungen belegen, liegen die Quartiere häufig ungünstig oder sind schwer erreichbar, so dass die Nutzung von Infrastruktureinrichtungen jenseits der Quartiersgrenzen erschwert und damit unwahrscheinlicher wird. Räumliche Distanz zu bestimmten Einrichtungen kann also auch eine soziale oder kulturelle Distanz nach sich ziehen. Andererseits stellt der Aufbau einer ethnisch geprägten Infrastruktur eine Ressource dar, die die Pflege der eigenen Kultur und Konsumgewohnheiten sowie die Ausübung der Religion leichter macht.
  5. Stigmatisierung: Die höhere Sichtbarkeit der Migranten durch den Ausbau einer ethnischen Infrastruktur, durch die Errichtung kultureller Symbole (z. B. Moscheen) und durch die starke Präsenz im öffentlichen Raum erlaubt es den Medien, bestimmte Stadtviertel ethnisch zu kodieren. Die Fremdheits-Gefühle, die eine große Anzahl von Migranten bei der einheimischen Bevölkerung auslöst, werden dadurch bestärkt und verfestigt. Entstammen die Migranten einer Kultur, zu der die einheimische Bevölkerung eine große Distanz hat (wie es bei den Türken der Fall ist), dann wird durch die Stigmatisierung den Bewohnern das Label von Kriminellen und Integrationsverweigerern angehängt, und dadurch wird der Wohnort selber zu einer Quelle von Benachteiligung. Soziale Probleme werden dann ethnisiert.

Diese Mechanismen – so die Vorstellung – können die strukturelle, soziale und kulturelle Integration behindern. Die genannten Mechanismen sind nicht unabhängig voneinander, sie können sich überlagern und sich wechselseitig verstärken. Wenn solche Mechanismen mit entsprechenden Effekten sich tatsächlich nachweisen ließen, gingen von ethnischer Konzentration tatsächlich negative Kontexteffekte aus, und dies gäbe Anlass, die ethnische Segregation in unseren Städten zu bekämpfen.

Die Ergebnisse der empirischen Forschung

Auch wenn die statistischen Daten auf einen geringen Grad ethnischer Segregation in deutschen Städten hindeuten, und auch wenn die Existenz von „ethnischen Kolonien“ in keiner Weise mit ethnischen Konzentrationen in den USA oder einigen anderen europäischen Ländern verglichen werden kann, so geben doch einerseits die Tendenzen einer sozialen Entmischung in den Großstädten und andererseits die politische Wahrnehmung von negativen Auswirkungen der vorhandenen ethnischen Konzentration hinreichenden Anlass, die Effekte ethnischer Segregation zu studieren.

Ethnische Segregation bzw. Konzentration kann auch eine Ressource für Integration darstellen, wie von Breton (1965) und Portes/Manning (1986) gezeigt worden ist. Heckmann (1981) hat sich in ähnlicher Weise mit ethnischen Kolonien beschäftigt und dabei an die Erklärungsmodelle der Chicagoer Schule angeknüpft, bei denen die Ressourcen der ethnischen Gemeinschaften für die erste Phase der Integration nach Einwanderung eine wichtige Rolle spielten. Er sieht in den sozialen Eigenorganisationen und räumlichen Konzentrationen ein Durchgangsstadium im Rahmen eines typischen, generationsübergreifenden Einwanderungs- und Eingliederungsprozesses.

In der ethnischen Kolonie werden innerethnische Beziehungen freiwillig aufgenommen oder aufrechterhalten, sie spielen vor allem bei der Kettenmigration eine entscheidende Rolle. Die Kolonie stellt demnach eine „Leistung“ der Migranten dar, die stabilisierende Funktionen im Eingliederungsprozess habe. Die Kolonie ist eine Selbsthilfegemeinschaft, die Neuankömmlingen Orientierungs- und Vermittlungshilfen biete. Der Kulturschock, der mit der Migration unvermeidlich verbunden ist, wird dadurch abgeschwächt, Identitätskrisen können in der ethnischen Gemeinschaft eher überwunden oder ausgehalten werden.

Die Kolonie ist eine „Zwischenwelt“ zwischen Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft. Allerdings ist sie nur unter bestimmten Umständen notwendig – nämlich dann, wenn Marginalität und Desorientierung in der Minderheitenposition eine funktionale bzw. „institutionelle Antwort“ provozieren (Heckmann 1992, 98). Wenn diese Problemlagen verschwinden, „verliert die ethnische Kolonie von der Seite ihrer konstituierenden Faktoren an Bedeutung, Binde- und Organisationskraft“ (S. 115) – und löst sich in der Konsequenz auf. Heckmann weist darauf hin, dass die Organisation ethnischer Ressourcen nicht zwangsläufig „an die Existenz segregierter und/oder zusammenhängender Wohnbezirke“ (ebda.) gebunden sei.

Gefahren für die Integration der und in die Gesellschaft gehen von der Koloniebildung nur dann aus, wenn diese Kolonien sich von der umgebenden Gesellschaft vollkommen abkapseln, was durch nicht lernfähige binnenethnische Kommunikationssysteme bei institutioneller Vollständigkeit (Breton 1965) der Fall sein kann. Allerdings spielt auch die gesellschaftliche Umgebung eine Rolle, die bei anhaltender sozialstruktureller Geschlossenheit die nachfolgenden Generationen in die Binnenintegration und in die ethno-spezifischen Sozialsysteme drängt.

Die Annahme, dass eine ethnische Kolonie eine Art Aufnahmelager darstellt, das Eingliederungshilfe in der ersten Phase nach der Ankunft bietet, ist in der Migrationsforschung allgemein akzeptiert. Sie wird als normaler Bestandteil von Einwanderungsprozessen gesehen. Insofern ist die bloße Existenz von räumlicher Konzentration einer Migrantenbevölkerung kein Anlass für Beunruhigung – im Gegenteil, es kann sogar erwartet werden, dass von der Kolonie Eingliederungshilfen erbracht werden, die Desorganisation, Anomie und möglicherweise sogar Kriminalität vermeiden.

Effekte für das Bildungsniveau

Als großes Problem für das Leistungsniveau der Schüler gilt die soziale und ethnische Zusammensetzung der Schülerschaft in einer Schule bzw. in einer Klasse. Die ethnische Segregation in der Nachbarschaft kann allerdings nicht gleichgesetzt werden mit der ethnischen Zusammensetzung der Schülerschaft. Die soziale und ethnische Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung spiegelt sich in der Zusammensetzung der Schülerschaft, wenn „Einzugsbereiche“ für die Schulen festgelegt werden und die Eltern somit die Schule für ihre Kinder nicht oder nur in einem sehr engen Rahmen auswählen können. Für Grundschulen ist dies in Deutschland, Schweden, Großbritannien und Frankreich der Fall – nicht in den Niederlanden. In Großbritannien und Frankreich spielen Privatschulen eine größere Rolle als in Deutschland und Schweden.

Bei freier Schulwahl ist eine stärkere Segregation in den Schulen als in den Wohngebieten zu erwarten, während festgelegte Einzugsbereiche die Eltern eher zu Umzügen motivieren könnten, wenn sie die Schule in ihrem Wohngebiet meiden möchten. Die Schulsegregation dürfte in jedem Fall größer sein als die Segregation der Wohnbevölkerung.
 
Dass die Zusammensetzung der Schülerschaft einen negativen Einfluss auf das Leistungsniveau haben kann, ist auch durch die Forschung belegt – empirische Untersuchungen zu den Effekten der räumlichen Konzentration von Migranten in einem Quartier gibt es dagegen bisher nicht.

Die Beherrschung der Verkehrssprache des Aufnahmelandes ist eine wesentliche Voraussetzung für Integrationsprozesse und spielt insbesondere bei der Bildung eine entscheidende Rolle. In der amerikanischen Forschung sind immer wieder negative Effekte der ethnischen Konzentration auf den Erwerb der Landessprache festgestellt worden, die allerdings für Deutschland bisher nicht bestätigt werden konnten (vgl. Esser 2006). Dies kann mit dem geringen Grad ethnischer Konzentration in Deutschland erklärt werden.

Kontakte und soziale Netze

Die Frage, ob es interethnische Kontakte gebe und ob sich in den Freundschaftskreisen Personen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit finden, ist eines der entscheidenden Messinstrumente für Integration in der Migrationssoziologie. Soziale und räumliche Distanz werden dabei in einen direkten Zusammenhang gebracht. Interethnischen Kontakten wird bei der Integration eine überragende Bedeutung zugesprochen, weil angenommen wird, dass sie eine Lernmöglichkeit für Migranten bereitstellen, die durch soziale Interaktion zur Übernahme von Verhaltensmustern bzw. zur Toleranz abweichender Verhaltensmuster führt.

Eine Untersuchung in den 1980er Jahren hatte hinsichtlich der interethnischen Kontakte und hinsichtlich der Kontexteffekte von Quartieren mit hohem Migrantenanteil für die sozialen Kontakte keine negativen Befunde ergeben (vgl. Esser/Friedrich 1990). Interethnische Kontakte und die Zusammensetzung von Netzwerken waren Gegenstand einer Studie von Nauck (1986 und 1988). Hinsichtlich der Folgen residenzieller Segregation für Integration fand er keine eindeutigen Ergebnisse. Er führte dies darauf zurück, dass für Kontakte die sozialen Netzwerke und nicht die räumliche Umgebung maßgebend seien.
 
Böltken (2000) hat die Ergebnisse von Befragungen des BBR immer wieder so interpretiert, dass die „Kontakthypothese“ bestätigt sei, dass also viele interethnische Kontakte Integration und gegenseitige Anerkennung stärken. Nach Böltken gibt es eine erhebliche soziale Distanz zwischen Deutschen und Ausländern, die sich auch in der Zustimmung zum Zusammenwohnen mit der jeweils anderen Gruppe äußert: Nur rund ein Viertel der Befragten im Osten und rund 48 % der Befragten im Westen sind demnach der Meinung, dass Deutsche und Ausländer gemeinsam in einem Wohngebiet leben sollten (S. 149). Die Zustimmung zur Integration sei dann ausgeprägter, wenn „entsprechende Alltagserfahrungen vorliegen … – und umgekehrt: die Distanzierung bzw. Neigung zu Segregation ist deutlich ausgeprägter, wenn in der Wohnumgebung keine Ausländer leben…“ (S. 152). Die mangelnde praktische Alltagserfahrung mit Ausländern erkläre demnach auch die geringere Integrationsbereitschaft der Ostdeutschen. Gleichwohl zeigen seine Ergebnisse auch, dass die Bereitschaft zur Integration zum einen mit einem als überdurchschnittlich hoch empfundenen Ausländeranteil und zum anderen bei einem hohen Maß an Neuzuzügen sinkt.

Wenn es im Wohngebiet zu Konflikten zwischen Ausländern und Deutschen kommt, plädieren mehr Befragte für Segregation. „Je höher der Anteil der Ausländer und vor allem je geringer die Wohndauer, desto konfliktträchtiger stellt sich das Nachbarschaftsverhältnis dar“ (S. 163). Wenn sich die Gelegenheit für interethnische Kontakte rein quantitativ verbessert, werden Kontakte also stärker abgelehnt – was durch soziale Distanzen zwischen den nebeneinander wohnenden Gruppen erklärt werden kann, wie Farwick (2006) gezeigt hat, nach dessen Ergebnissen mit steigender Sozialhilfedichte in einem Gebiet auch die ethnischen Distanzierungen zunehmen (S. 307 f.). Eine schlichte Korrelation zwischen der Häufigkeit interethnischer Kontakte und der ethnischen Zusammensetzung der Wohnbevölkerung scheint es nicht zu geben, daher auch keinen direkten Zusammenhang zwischen einer besseren Integration und der ethnischen Komposition der Nachbarschaft.

Die Wahl der räumlichen Ebene, für die Differenzen bei Kontakten und Netzen ermittelt werden, hat einen großen Einfluss auf das Ergebnis (vgl. Farwick 2006). Farwick hat die Einstellungen und die Kontaktnetze von Bewohnern türkischer Herkunft in Gebieten mit einem sehr hohen und einem niedrigen Ausländeranteil vergleichend analysiert. Der Gebietseinfluss erwies sich dabei insgesamt als schwach. Weder die internen Beziehungen noch die distanzierenden Einstellungen waren im Wohngebiet mit hohem eigenethnischen Anteil besonders intensiv, und die interethnischen Kontakte zeigten bei den Vergleichsgruppen keine signifikanten Unterschiede. Dies gilt allerdings nicht für die engste räumliche Einheit, die Baublöcke: Das Ausmaß der ethnischen Segregation zeigt hier einen signifikanten negativen Effekt auf die Herausbildung interethnischer Freundschaften (S. 236).

Einfluss auf die Anzahl der interethnischen Freundschaften hat also nach Kontrolle der individuellen Merkmale die Gelegenheitsstruktur der engsten räumlichen Umgebung, während auf der Ebene des Wohnquartiers die individuellen Präferenzen einen größeren Einfluss gewinnen. Dies stimmt mit der Beobachtung von Hahnhörster/Mölder 2000 überein, wonach „intraethnische Kommunikation der türkischen Bevölkerung auch über gewisse räumliche Distanzen hinweg aufrechterhalten wird, (während) Kontakte der türkischen Bevölkerung zu Deutschen vor allem durch das unmittelbare Wohnumfeld ermöglicht zu werden scheinen“ (S. 392).

Farwick sieht die Ursachen für die geringen Gebietseffekte im moderaten Anteil türkischer Migranten auf Quartiersebene und in der generell schwindenden Bedeutung der räumlichen Umgebung für soziale Beziehungen. Eine „enge Verbindung zwischen der residenziellen Segregation von Migrantengruppen und der Herausbildung ethnischer Gemeinschaften (könne) als ein weitgehend als obsolet zu wertendes Denkmodell aus Zeiten der Chicago-Schule“ (S. 241) angesehen werden. Die Untersuchung zeigt auch, wie sehr die Ergebnisse zu den Effekten der ethnischen Segregation von der räumlichen Abgrenzung der Gebiete abhängen, die der Segregationsanalyse zugrunde gelegt werden.

Dass ethnische Segregation die Integration behindere, stützt sich vor allem auf die Annahme, dass bei räumlicher Distanz weniger Kontakte mit Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft zustande kämen – dass aber gerade diese die Voraussetzung für Integration sind. Die ethnische Zusammensetzung der Nachbarschaft spielt für Integration, so die Annahme, deshalb eine wichtige Rolle, weil räumliche Nähe Kontakte leichter möglich oder wahrscheinlicher macht – und sich aus räumlicher Nähe auch eine größere soziale Nähe ergebe. Dass dies ein Kurzschluss ist, hat sich nicht nur in den berichteten empirischen Studien gezeigt, sondern wurde bereits 1969 von Amir nach Durchsicht verschiedener Untersuchungen formuliert. Demnach hat der Kontakt zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen tatsächlich auch die Einstellung der einzelnen Gruppenmitglieder verändert (Amir 1969, 338). Und das setzt voraus, dass es entsprechende Möglichkeiten dafür gibt.

Am ehesten finden solche Kontakte am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft statt (S. 323). Finden Kontakte statt, ist die Richtung, in der sich die Einstellung ändert, in erster Linie von den Bedingungen abhängig, unter denen der Kontakt stattfindet (S. 338), d. h. er kann zu größerer oder geringerer sozialer Distanz führen. Aus der Forschung über interethnische Interaktionen geht nach Amir hervor, dass diese umso häufiger zu beobachten sind, je ähnlicher sich die sozio-ökonomischen Status der Kontaktpartner sind – und zwar unabhängig von räumlicher Nähe. Räumliche Nähe kann die soziale Distanz zwischen Menschen nicht neutralisieren, bei vorhandener sozialer Nähe jedoch Kontakte erleichtern. Räumliche Distanz verhindert nicht soziale Kontakte, und räumliche Nähe erzeugt Kontakte nicht automatisch.

Nicht nur persönliche Kontakte, sondern auch indirekte Effekte einer ethnischen Konzentration sind denkbar: So haben die Vorurteile gegen Schwarze nach dem Zuzug schwarzer Familien in einer amerikanischen Suburb abgenommen, obwohl es nicht zu Kontakten zwischen Schwarz und Weiß gekommen ist (Hamilton/Bishop 1976) – ein gutes Beispiel für einen Kontexteffekt. In der Vorurteilsforschung ist die ethnische Segregation sehr häufig untersucht worden – mit dem Ergebnis, dass sich räumliche Nähe bei sozialer Homogenität der Nachbarn durchaus positiv auf Kontakte auswirkt (Festinger, Schachter und Back 1950) – was die Ergebnisse von Amir und von Allport (1954) bestätigt, der vier Bedingungen als förderlich für den Abbau von Vorurteilen durch interethnische Kontakte genannt hat: Gleicher Status, Gelegenheiten für das Kennenlernen, gemeinsame Ziele und institutionelle Unterstützung.

Zusammenfassung und Folgerungen

Kontextwirkung
Der Überblick über die Forschung zu den Folgen ethnischer Segregation hat gezeigt, dass es einen sehr engen Zusammenhang zwischen den Effekten der sozialen und ethnischen Segregation gibt, der kaum zu entwirren ist. Wenn sozio-ökonomische Faktoren (soziale Position der Herkunftsfamilie, Bildungsgrad, Einkommen) kontrolliert werden, bleibt zwar noch ein Einfluss der räumlichen Segregation auf die Schul- und Arbeitsmarktkarriere oder auf die soziale und kulturelle Integration bestehen, dieser ist jedoch gering.

Allerdings ist nach dem Alter der Bewohner zu differenzieren: In der Forschung wird überwiegend davon ausgegangen, dass der Kontext, der durch die soziale Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung gebildet wird, auf Sozialisationsprozesse wirkt und daher für Kinder und Jugendliche von größerer Bedeutung ist. Aber auch für Kinder und Jugendliche gilt, dass Kontexteffekte nur dann wirksam werden, wenn sich die Aktions- und Kommunikationskreise der Personen stark auf den lokalen Kontext konzentrieren. Der Kontext wirkt logischerweise nur bei jenen, die ihm ausgesetzt sind oder sich ihm aussetzen.

Wirkungen theoretisch
In politischen Debatten werden negative Effekte ethnischer Segregation einerseits für die individuelle Integration befürchtet, andererseits wird angenommen, dass ethnische Kolonien zu „Parallelgesellschaften“ führen, und dass daraus eine Bedrohung der Integration der Gesellschaft erwachse, weil „Parallelgesellschaften“ nicht-integrierte und nicht-integrierbare Teilgesellschaften sind.

Die Effekte ethnischer Segregation sind nicht nur abhängig vom Grad der Konzentration einer Migranten-Gruppe, sondern auch von der „institutionellen Vollständigkeit“ einer ethnischen Kolonie – und vor allem von der Dauer des Lebens eines Migranten in ethnisch stark segregierter Umgebung. Die bloße Existenz von ethnischer Konzentration lässt noch keine Schlüsse auf ihre Effekte zu. Denn diese können sowohl positiv als auch negativ sein.

Positive wie negative Effekte können aber auch simultan oder nacheinander auftreten. Positive Wirkungen werden vor allem in der sozialen Einbettung in der ersten Zeit nach der Ankunft im Aufnahmeland gesehen, die für eine Stabilisierung der Identität, für informelle Unterstützungen und für eine Orientierung in der fremden Umgebung sorgt (Binnenintegration). Negative Wirkungen werden im Mangel an Kontakten zur Mehrheitsgesellschaft gesehen, der den Akkulturations- oder Assimilationsprozess bremsen oder verhindern kann (Integrationshindernis). Die ethnische Konzentration wird dann wie ein undurchlässiger Mantel gedacht, der keine Zirkulation von Kommunikation und Interaktion zulässt.

Das Ausmaß räumlicher Segregation bzw. Konzentration von ethnischen Minderheiten bzw. ausländischen Bewohnern in deutschen Städten ist nach internationalen Maßstäben vergleichsweise gering. Dennoch gibt es, insbesondere in Großstädten, Quartiere, die durch einen relativ hohen Anteil von Bewohnern mit Migrationsgeschichte geprägt sind. Solche Stadtteile weisen mit der Zeit auch ein stark durch die dort wohnende Minderheit geprägtes Erscheinungsbild auf. Diese Tatsache erregt offenbar häufig das Missfallen einheimischer Stadtbewohner, das durch Annahmen zu negativen Effekten ethnischer Segregation legitimiert werden soll.

Wirkungen empirisch
Dass ethnische Kolonien Integration behindern, stützt sich vor allem auf die Annahme, dass weniger Kontakte mit Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft zustande kämen – dass aber gerade diese Kontakte Voraussetzung für Integration sind. Aus der Forschung über interethnische Interaktionen geht hervor, dass diese umso häufiger zu beobachten sind, je ähnlicher sich die sozio-ökonomischen Status der Kontaktpartner sind – und zwar unabhängig von räumlicher Nähe. Räumliche Nähe kann die soziale Distanz zwischen Menschen nicht neutralisieren, bei vorhandenen günstigen sozialen Voraussetzungen jedoch Kontakte erleichtern. Räumliche Distanz verhindert nicht soziale Kontakte, und andererseits erzeugt räumliche Nähe nicht automatisch Kontakte. Plakativ formuliert: Es kommt bei Kontakten darauf an, „wer du bist“, und nicht „wo du wohnst“.

In Deutschland wurde bisher noch nicht untersucht, ob es ethnische Kolonien gibt, in denen ihre Bewohner auf Dauer wohnen. Daher wissen wir nicht, ob es sich bei den vorhandenen ethnischen Konzentrationen um Durchgangsstationen mit dem Effekt einer Integrationsförderung handelt, oder um Sozialräume, die sozial und kulturell von der Mehrheitsgesellschaft isoliert sind. Über das Binnenleben von räumlich konzentriert wohnenden ethnischen Gruppen wurde in Deutschland bisher nicht geforscht. Sämtliche Aussagen über negative Wirkungen von ethnischer Segregation sind empirisch bisher nicht belegt.

Das Gefühl von Fremdheit, das Quartiere mit hohen Anteilen von Migranten und mit ethnisch geprägtem Erscheinungsbild bei der einheimischen Bevölkerung erzeugen, bewirkt offenbar eine generelle Überschätzung der damit einhergehenden Effekte.

Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass vor allem Migranten mit einem geringen Sozialstatus und geringem Bildungsniveau in ethnisch homogenen Umwelten wohnen. Ethnische Segregation ist in der Regel offenbar zugleich soziale Segregation. Haushalte mit niedrigem Sozialstatus sind aufgrund ihrer geringeringen Ressourcenausstattung in ihren Kontakt- und Aktionsräumen stark lokal orientiert, und sie sind auch stärker auf die lokalen Netze angewiesen. Sie bilden somit einen Kontext, dem sie selbst am stärksten ausgesetzt sind.

Wo Kontexteffekte festgestellt wurden, wurden sie – für Migranten ebenso wie für Einheimische – vor allem für Unterschichten festgestellt. Mit steigendem Bildungsgrad und höherer beruflicher Qualifikation sinkt der Anteil von gleichethnischen Bewohnern in der Wohnumgebung. Dies entspricht bewährten Annahmen der Migrationssoziologie, die von einer wachsenden Akkulturation und Individualisierung von Migranten bei zunehmender beruflicher Integration ausgeht.

Moderne Kommunikations- und Transportmittel binden den alltäglichen Verkehrskreis heute nicht mehr an die lokale Umgebung, daher hat die Bedeutung von Nachbarschaft für soziale Beziehungen generell abgenommen. Für Kinder und Jugendliche behält sie jedoch eine große Bedeutung. Die Nachteile ethnischer Konzentration bestehen für Jugendliche mit niedrigem Bildungsstatus und geringer Ressourcenausstattung in Perpetuierung und „Vererbung“ von kultureller Distanz und damit in einer Behinderung von Integrationsprozessen durch mangelnde Sprachkenntnisse. Sie leben in größerer Distanz zur Mehrheitskultur – möglicherweise über Generationen hinweg.

Segregation oder Mischung?

Ethnische Segregation wird von den Migranten selbst überwiegend nicht gewünscht. Segregation ist überwiegend das Ergebnis von Zuweisungs- und Diskriminierungsprozessen, auf die die Migranten wenig Einfluss haben. Die von vielen Politikern immer wieder vorgetragene Forderung, man solle ethnische Segregation bzw. Konzentration vermeiden und stattdessen eine (gar als „gesund“ apostrophierte) unauffällige Verteilung der Migranten über die Stadtteile anstreben, befördert eine Stigmatisierung derjenigen Viertel, die sich gegenwärtig durch einen hohen Migrantenanteil auszeichnen. Dadurch wird die soziale und kulturelle Abgrenzung eher verstärkt, als dass Brücken zwischen ethnisch geprägten Gebieten und der Mehrheitsgesellschaft gebaut würden.

Der Nachteil der räumlichen Konzentration kann aber insofern auch in einen strategischen Vorteil verwandelt werden, als es möglich ist, bei Bildungsprozessen und beim Erlernen von weiteren Kulturtechniken gezielt bei jenen Migrantengruppen anzusetzen, die dabei die größten Defizite aufweisen – denn vor allem diese leben räumlich segregiert. Höhere Bildung ist, das zeigen alle Forschungsergebnisse, das wirksamste Mittel, um die Beschränkung auf eigenethnische, lokal enge Sozialbeziehungen aufzulösen und die Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu befördern. Voraussetzung dafür sind allerdings Bildungsprozesse, die in frühem Alter ansetzen und die fehlenden kulturellen Ressourcen des Elternhauses zu kompensieren in der Lage sind. Sprachförderung der Eltern ist dabei eine Voraussetzung für den schulischen Erfolg der Kinder.

Die Vorteile ethnischer Kolonien (Binnenintegration) können genutzt werden, ohne dass die befürchteten Nachteile (Mobilitätsfalle) zur Geltung kommen, wenn die Wahlmöglichkeiten der Bewohner vergrößert werden – wenn also die freiwillige Segregation nicht in eine erzwungene führt. Dies hieße, die Zugangsmöglichkeiten zu den Segmenten des Wohnungsmarktes zu verbessern, die bisher offenbar noch weitgehend verschlossen sind.

Ob die räumliche Konzentration von Migranten Integration eher behindert oder eher befördert, hängt einerseits vom Verhalten der Migranten selbst ab (Wohndauer, Interaktionen), andererseits aber auch vom Grad der Schließung bzw. Öffnung der Aufnahmegesellschaft. Integrationsmöglichkeiten und –geschwindigkeiten variieren mit dem Zeitpunkt der Ankunft in der Fremde – je nachdem, wie aufnahmefähig Wohnungs- und Arbeitsmarkt zu dieser Zeit sind. Ob räumliche Segregation Ein- oder Ausgrenzungen bewirkt, hängt also auch von dem schwer zu beeinflussenden Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit im marktwirtschaftlichen Wettbewerb und vom Zeitpunkt der Ankunft der Migranten ab.

Wenn sich die ökonomischen, sozialen und kulturellen Umwelten offen zeigen, können ethnische Kolonien zu Durchgangsstationen werden, und nur dann kann die Ambivalenz solcher Räume zugunsten der Förderung von Integration aufgelöst werden.

Segregation steuern?

Die Steuerung der sozialräumlichen Verteilung der Migranten-Bevölkerung ist außerordentlich schwer. Die Städte könnten jene Prozesse, die zu Segregation führen, dennoch beeinflussen. Zu den vorhandenen Instrumenten gehören:

  • die Steuerung der Verteilung durch die Vergabe von Wohnungen in jenen Beständen, für die die Kommunen Belegungsrechte haben;
  • durch eine entsprechende Vergabepolitik von Wohnungsbaugesellschaften, die sich in öffentlichem Eigentum befinden;
  • durch die Bekämpfung von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt;
  • durch die Förderung und Propagierung von Wohnprojekten, die ein interkulturelles Zusammenleben exemplarisch praktizieren wollen;
  • durch die Vergabe von Wohngutscheinen, die den Migranten bisher verschlossene Segmente des Wohnungsmarktes zugänglich machen.

Die freiwillige Segregation, die faktisch nur schwer von der erzwungenen zu unterscheiden ist, braucht von der Stadtpolitik nicht beeinflusst zu werden, wenn sie nicht zur Verfestigung und ausgrenzenden Segregation von Haushalten mit geringem kulturellem und sozialem Kapital führt.

Die Steuerungsmöglichkeiten der Städte sind begrenzt, und sie nehmen kontinuierlich weiter ab. Immer mehr Städte bemühen sich, ihre kommunalen Wohnungsbestände zu verkaufen und ziehen sich damit als Akteur bei der Wohnungsversorgung zurück. Außerdem schrumpft der Bestand an Sozialwohnungen, auf die die Wohnungsämter noch Zugriff haben, jährlich stark. Diese Entwicklungen müssen dazu führen, dass sich diejenigen Haushalte, die auf subventionierte Wohnungen angewiesen sind, räumlich stark konzentrieren – und dass sich auch ethnisch diskriminierte Haushalte in bestimmten Teilgebieten sammeln. Diese Entwicklungen stehen in krassem Gegensatz zu den sozialräumlichen Mustern, die von den meisten Politikern angeblich bevorzugt werden.

Schlussfolgerungen aus dem Projekt „Zuwanderer in der Stadt“ I

Segregation von Zuwanderern ist ein hochkomplexes und ambivalentes Problem, das eine Wanderung der Politik auf schmalen Grat verlangt. Ein einfaches Ja zu Segregation wäre naiv, ein einfaches Nein repressiv und kaum begründbar. Es geht aber auch nicht darum, an die Stelle einer Politik der Desegregation nun eine Politik der Förderung von Segregation zu setzen.
 
Die wichtigsten Ergebnisse des Zuwandererprojektes für die städtische Politik hinsichtlich der räumlichen Konzentration von Migranten sind:

Es besteht die Notwendigkeit, zu differenzieren:

  • Nach Gebieten: Kein Gebiet ist wie das andere. Was in einem innerstädtischen Altbauquartier mit einer dichten Mischung von Wohnen, kulturellen Einrichtungen und Betrieben überflüssig ist, kann in einem peripheren, monofunktionalen Wohngebiet notwendig sein.
  • Nach sozialen Gruppen: Das räumlich nahe Nebeneinander von Einheimischen und Zuwanderern ist per se weder gut noch schlecht. Die Hoffnung, allein mittels räumlicher Nähe, unabhängig davon, wer mit wem benachbart ist, könne Integration gefördert werden, verfällt dem bei Städtebauern beliebten Denkfehler, mit städtebaulichen Mitteln ließen sich soziale Probleme lösen. Entscheidend ist, wer mit wem benachbart ist. Studenten kommen in der Regel eher mit Zuwanderern zurecht als Rentner und arbeitslose Jugendliche. Fatalerweise führen die Filtermechanismen auf den Wohnungsmärkten die Zuwanderer aber nicht in die Nähe von grün-alternativ angehauchten Akademikern, sondern in die Viertel der deutschen Verlierer des Strukturwandels. Sie sind am wenigsten in der Lage, mit der gleichgültigen Distanziertheit des gelernten Großstädters den Zuwanderer leben zu lassen wie er will oder gar mit neugieriger Toleranz auf ihn zuzugehen – im Gegenteil, Verlierer brauchen Sündenböcke, und Fremde waren immer schon besonders geeignet für diese Rolle. Kein Wunder, dass sich in solchen Quartieren aggressive Abgrenzung und ein konfliktbeladenes Nebeneinander entwickeln.
  • Auch innerhalb der Migranten ist zu differenzieren nach Herkunftsland, Wanderungsmotiv, sozialem Status, Qualifikation, Lebensphase, Aufenthaltsdauer etc. Die japanische Kolonie in Düsseldorf macht niemandem Sorge, im Gegensatz etwa zur Dominanz von Arabern ohne Ausbildung in einem dicht bebauten innerstädtischen Quartier. Das heißt, dass die Ethnisierung sozialer Probleme vermieden werden muss.
  • Nach Ursachen der Segregation: Sozial durch Diskriminierung oder ökonomisch durch mangelnde Kaufkraft erzwungene Konzentration einer Gruppe in einem Wohngebiet ist, wie das die Wohnungspolitik und der Städtebau in der BRD von Anfang an versucht haben, zu vermeiden. Eine von den Zuwanderern gewünschte Nachbarschaft mit den eigenen Verwandten oder auch nur mit Menschen ihrer Religion und ihrer Lebensweise dagegen sollte nicht behindert werden. Besser ein ethnisch homogenes aber sozial differenziertes Wohngebiet, in dem neu Zugewanderte mit bereits gut integrierten und sozial/ökonomisch aufgestiegenen der früheren Zuwanderergenerationen zusammenwohnen, als ein sozial homogenes Unterschichtquartier, das ethnisch gemischt ist. Belegungspolitik muss also differenzieren, d. h. zum Beispiel darauf achten, wer mit wem zusammenkommt. Grundregel: soziale Segregation vermeiden, kulturelle zulassen und generell auf den Einzelfall achten.
  • Nach Prozessen der Segregation: Heute ergibt sich die Konzentration einer problembeladenen Gruppe ebenso durch die Abwanderung von Haushalten, die sich Mobilität leisten können, wie durch den Zuzug von Angehörigen der Problemgruppe. Auf entspannten Wohnungsmärkten ist es völlig illusorisch, auf Mischung durch die Zuwanderung besser gestellter Haushalte in problematische Gebiete zu setzen. Erfolgsversprechend ist am ehesten eine Politik, die verhindert, dass sozialer Aufstieg von Ansässigen, Einheimischen wie Zugewanderten, zu deren Fortzug führt. Dazu sind differenzierte Wohnmöglichkeiten im Gebiet, ein attraktives Wohnumfeld, bessere öffentliche und private Dienstleistungs- und Güterangebote und vor allem gute Schulen nötig – also durchaus im Horizont der Stadtentwicklungspolitik liegende Maßnahmen, aber sie sollten mit realistischen Zielen eingesetzt werden. Viel ist bereits erreicht, wenn selektive Abwanderung und damit negative Karrieren eines Stadtteils unterbunden werden.

Schlussfolgerungen aus dem Projekt „Zuwanderer in der Stadt“ II

Quotierungen und ähnliche pauschale Regeln sind:

  • Wissenschaftlich nicht begründbar: in Frankfurt am Main haben heute bereits 38 % der Einwohner Migrationshintergrund, hier könnte die Quote also allenfalls ab 40 % angesetzt werden. In ostdeutschen Städten mit einstelligen Migrantenanteilen könnte sie bei 10 % liegen. Aber richtet sich die Reaktion der Einheimischen jeweils nach dem örtlichen Durchschnitt, so dass was in Frankfurt am Main verträglich ist, in Oldenburg oder Leipzig zu ethnisch geprägten Konflikten führen würde? Nach den üblichen Annahmen über Tippingpoints müsste Frankfurt von radikaler Segregation geschüttelt sein. Wie also soll eine irgend verlässliche Basis für die Bestimmung von „zulässigen“ Quoten gewonnen werden?
  • Unrealistisch und unwirksam: Nur wenige Wohnungseigentümer verzichten auf Mieteinnahmen, um Quoten einzuhalten. Sobald Leerstände in größerem Umfang auftreten, wird von den meisten Eigentümern kaum noch von ‚gesunder Mischung’ geredet, sondern genommen, wer kommt. Quotierungen sind ökonomisch hinnehmbar unter Bedingungen von Wohnungsknappheit. Das aber ist in immer weniger Kommunen der Fall. Insbesondere die neu auf den deutschen Wohnungsmärkten auftretenden internationalen Investoren akzeptieren jeden Bewerber für ihre leer stehenden Wohnungen, um ihre Mieteinnahmen zu erhöhen, wobei die sozialstaatlichen Absicherungen des Wohnens durch Wohngeld und Mietübernahme von nicht marktfähigen Gruppen gerade auch solche Haushalte als verlässliche Zahler interessant machen.
  • Integrationshemmend: Dort wo Quoten überhaupt praktikabel sind, d. h. unter Bedingungen der Wohnungsknappheit, haben sie nur die Funktion, die jeweils eigenen Bestände von unerwünschten Mietern freizuhalten, aber das wird erkauft mit verschärfter und erzwungener Segregation an anderen Standorten. Denn durch die Sperrung des eigenen Bestandes werden ja nicht kompensatorisch an anderen Standorten andere Bestände für die draußen Gehaltenen zugänglich. Im Gegenteil: Quotierungen verengen willkürlich einen Markt, der eh schon extrem verengt ist.  Außerdem wird dadurch die Bildung von sozialen Hilfsnetzen unter den Migranten, auf die diese besonders angewiesen sind, erschwert.

Schlussfolgerungen aus dem Projekt „Zuwanderer in der Stadt“ III

Maximen städtischer Integrationspolitik:
     

  • Potentiale identifizieren. In Deutschland wird unter dem Stichwort Integration meist nur ein Problem verstanden. Die Probleme und Hemmnisse der Integration sollen erkannt und den betroffenen Problemgruppen und Problemgebieten soll in wohlmeinender Fürsorglichkeit geholfen werden, sie zu überwinden. Dabei gerät in den Hintergrund, dass es auch Potentiale der Integration gibt: Ressourcen, über die die Zuwanderer verfügen, Akteure, die bereit und fähig sind, sich im Integrationsprozess zu engagieren, Gruppen, die sich erfolgreich integriert haben und deshalb Mentorenfunktion für Neuankömmlinge übernehmen können, soziale Strukturen im Stadtteil, die bereits Integration leisten. Integrationspolitik muss neben den Schwierigkeiten der Integration auch die Potenziale und möglichen Alliierten im Stadtteil identifizieren, die für den Integrationsprozess mobilisiert werden können. Die Richtlinien und Kriterien der Förderprogramme verleiten aber dazu, durch Dramatisierung des eigenen Elends um Gelder und öffentliche Aufmerksamkeit zu konkurrieren statt auch mit Ideen und Potenzialen zur Bewältigung der Probleme.
  • Alle Bewohner. Nicht nur Zuwanderer haben Integrationsprobleme, auch Deutsche sind von Ausgrenzung bedroht. Oft wirken Zuwandererfamilien im Stadtteil stabilisierend, während deutsche Haushalte besondere Schwierigkeiten machen. Ausgrenzung betrifft Einheimische wie Zugewanderte, also müssen alle Bewohner eines Stadtteils als Adressaten einer Integrationspolitik angesprochen werden.
  • Die ganze Stadt. Einwanderungsquartiere erfüllen eine Funktion innerhalb der Stadt und ihre Entwicklung ist über Wanderungsbewegungen und den Immobilienmarkt mit der Entwicklung der ganzen Stadt verflochten. Integrationspolitik kann sich nicht räumlich auf einzelne Stadtteile beschränken.
  • Kommunikation. Menschen hilft man mit Menschen, nicht mit Mauersteinen. Bauvorhaben können Kristallisationspunkte und Infrastrukturen für Integrationsprozesse bieten, aber Integration ist in erster Linie eine Kommunikationsaufgabe, keine Bauaufgabe.
  • Qualifizierung. Wichtig ist, das Personal von Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften, der Polizei, Schulen, Kindergärten, generell aller Einrichtungen für den Umgang mit Zuwanderern auszubilden. Vielerorts wird auch versucht, mehr Personal mit Migrationshintergrund zu beschäftigen.
  • Prävention. Integration muss früh einsetzen. Wenn die deutschen oder türkischen Mittelschichthaushalte bereits fortgezogen sind, fehlen die Akteure im Quartier, die als Alliierte fungieren können. Solange das Viertel noch nicht stigmatisiert ist, ist Aufwertung erfolgversprechender.
  • Monitoring. Die bloße Tatsache, dass die Situation der Zuwanderer schlechter ist als die der Deutschen, ist noch kein Beleg für das Scheitern von Integration. Integration wie Ausgrenzung sind Prozesse. Entscheidend ist nicht die Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern der Trend: verringern oder vergrößern sich die Abstände zu den Deutschen? Die Städte benötigen deshalb ein Beobachtungssystem, das Entwicklungstendenzen erkennen lässt. Deshalb sind Status-Quo-Beschreibungen wenig hilfreich. Die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in einer ethnischen Gruppe höher liegt als der Durchschnitt der Stadt, ist wenig aussagekräftig. Eine Arbeitslosenquote unter jugendlichen Zuwanderern von 20 % bedeutet etwas ganz anderes je nachdem, ob diese Quote früher sehr viel höher war, also allmählich sinkt,  oder ob sie eine Stufe auf einem Abwärtstrend darstellt. Entscheidend sind Verlaufsdaten und qualitative Informationen, die Auskunft geben, ob eine Gruppe sich in Richtung auf die Mitte der Gesellschaft bewegt oder an deren Rand.

    Das Gleiche gilt für die Beschreibung von Gebieten. Hier sind Informationen über Zu- und Wegzüge und über interne soziale Mobilitätsprozesse aussagekräftiger als Beschreibungen von Zuständen im Vergleich zum städtischen Durchschnitt oder anderen Bezugsgrößen, denn die Karriere eines Gebietes wird durch interne und externe Mobilitäten bestimmt. Neben Verlaufsdaten sind qualitative Informationen von Experten, die in ihrer Tagesarbeit mit Zuwanderern zu tun haben, für ein solches Frühwarnsystem von Bedeutung. Ob sich Konflikte in einem Gebiet anbahnen, lässt sich so sehr viel genauer und rechtzeitiger erfahren. Die Daten, die von der amtlichen Statistik und aus dem laufenden Verwaltungsvollzug verfügbar sind, kommen obendrein meist zu spät für eine Politik, die negative Karrieren von Gebieten oder Gruppen verhindern will.
  • Ethnische Ökonomie. Sie ist von großer ökonomischer und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung gerade für Zuwanderer, sie füllt Lücken der Versorgung nicht nur mit Dienstleistungen und Gütern, die den Bedürfnissen der Zuwanderer entsprechen, sondern auch in der Nahversorgung der einheimischen Bevölkerung. Ethnische Ökonomien sind stark lokal gebunden hinsichtlich ihrer Arbeitskräfte und ihrer Absatzmärkte, sie sind daher durch kommunale Politik auch leichter zu steuern.
  • Erweiterung der Optionen der Migranten auf dem Wohnungsmarkt. Statt einer wie immer wohlmeinenden Lenkung des Wohnstandortverhaltens von Zuwanderern sollten durch Wohngeld, differenziertes Wohnungsangebot in allen Teilen der Stadt und Antidiskriminierungspolitik die Möglichkeiten der Zuwanderer gestärkt werden, selber darüber zu entscheiden, wo und in wessen Nachbarschaft sie wohnen.
  • Verbesserung des Schulsystems. Demnächst werden bis zur Hälfte der jüngeren Arbeitskräfte Migranten oder Kinder von Migranten sein. Wenn sie weiterhin so miserabel ausgebildet sein sollten wie heute, wird das nicht nur die Chancen der Integration beeinträchtigen, sondern auch die wirtschaftlichen Perspektiven der Städte. Deutschland hat in der Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte auf dem Weltmarkt keine guten Karten. Greencard-Strategien sind hier wenig erfolgversprechend. Es müssen deshalb die ansässigen Bildungsreserven mobilisiert werden, und die Kinder mit Migrationshintergrund werden einen immer größeren Teil dieses Potenzials ausmachen.

Schlussfolgerungen aus dem Projekt „Zuwanderer in der Stadt“ IV

Rahmenbedingungen des Gelingens

  • Kontinuität. Integration ist ein langer Prozess, er benötigt die Lebensspanne dreier Generationen und er beginnt mit jedem Zuwanderer aufs Neue. Integrationspolitik braucht Verlässlichkeit und das heißt stabile Institutionen. Die Tendenz, kurzfristig Projekte anzustoßen, die dann nach viel zu kurzen Laufzeiten wieder eingestellt werden, frustriert die engagierten Betreiber und untergräbt das Vertrauen der Adressaten.
  • Karrierechancen. Engagierte und qualifizierte Personen lassen sich nur gewinnen, wenn man mit dem Thema auch beruflich weiterkommen kann.
  • Kooperation. Die dauerhafte Vernetzung der relevanten Akteure, insbesondere auch mit außerhalb der Verwaltung stehenden Kooperationspartnern, ist eine wesentliche Voraussetzung für effektive Integrationsmaßnahmen.
  • Keine Privatisierung. Mit dem Verkauf ehemals gemeinnütziger oder im kommunalen Besitz befindlicher Wohnungsgesellschaften laufen die Kommunen Gefahr, wichtige Partner einer sozial verantwortlichen Stadtentwicklungspolitik zu verlieren. Wo in den Gebieten des Zuwandererprojekts von internationalen Investoren aufgekaufte Wohnungsgesellschaften tätig waren, waren diese für Integrationsmaßnahmen nicht ansprechbar. Ein marktfernes Segment der Wohnungsversorgung, möglichst dezentral organisiert, ist eine wichtige Ressource der städtischen Integrationspolitik. Globalisierung des deutschen Immobilienmarkts bedeutet auch eine Verengung des Handlungsspielraums einer städtischen Integrationspolitik.
  • Legitimation. Wichtig ist der Rückhalt durch die politische Spitze (wie in Nürnberg) und durch das Stadtparlament (wie in Mannheim). In einigen Städten, die am Zuwandererprojekt beteiligt waren, scheute die Verwaltung davor zurück, ihre Maßnahmen auf politischer Ebene allzu bekannt werden zu lassen aus Furcht, das könnte eher Gegenwind zur Folge haben. Die Verwaltungen sind zuweilen besser als das (öffentliche) politische Bewusstsein. Bislang kann man mit dem Thema keine Wahlen gewinnen, also: Kommunales Wahlrecht für Migranten, die eine Mindestzeit (5 oder 10 Jahre) in der Kommune ansässig sind.
  • Zeit. Integration ist eine Daueraufgabe, und sie muss sofort begonnen werden. Die Kommunen dürfen nicht den Fehler der Bundesrepublik, die 40 Jahre zu spät realisiert hat, dass Deutschland Einwanderungsland ist, auf städtischer Ebene wiederholen.
  • Geld und zwar viel, dauerhaft und möglichst frei verfügbares Geld.

 

Die Autoren: Dr. Hartmut Häußermann war von 1993 bis 2008 Professor für Stadt- und Regionalsoziologie an der Humboldt-Universität Berlin. Dr. Walter Siebel ist seit 1975 Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Literatur

Allport, Gordon W. 1954: The nature of prejudice. Cambridge, Mass.: Addison-Wesley

Alpheis, Hannes 1988: Kontextanalyse. Wiesbaden: Deutscher Universitäts Verlag

Amir, Y. 1969: Contact Hypothesis in Ethnic Relations. In: Psychological Bulletin Vol. 71, No. 5, S. 319-342

Böltken, Ferdinand 2000: Soziale Distanz und räumliche Nähe - Einstellungen und Erfahrungen im alltäglichen Zusammenleben von Ausländern und Deutschen im Wohngebiet. In: R. Alba; P. Schmidt; M. Wasmer (Hrsg.), Blickpunkt Gesellschaft 5. Deutsche und Ausländer: Freunde, Fremde oder Feinde? Empirische Befunde und theoretische Erklärungen. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 147-194

Breton, Raymond 1965: Institutional Completeness of Ethnic Communities and the Personal Relations of Immigrants. In: American Journal of Sociology, Vol. 70, No. 2, S. 193-205

Buck, Nick 2001: Identifying neighbourhood effects on social exclusion. In: Urban Studies, Vol. 38, No. 12, S. 2251-2275

Esser, Hartmut 2006: Sprache und Integration. Frankfurt a. M.: Campus Verlag

Esser, Hartmut; Friedrichs, Jürgen (Hrsg.) 1990: Generation und Identität. Opladen: Westdeutscher Verlag

Farwick, Andreas 2006: Segregation und Eingliederung. Zum Einfluß der räumlichen Konzentration von Zuwanderern in städtischen Gebieten auf den Eingliederungsprozeß. Bremen: Habil.schrift, FB 8

Festinger, Leon; Schachter, Stanley, Back,Kurt 1950: Social Pressures in Informal Groups. A Study of Human factors in Housing. New York: Harper

Hahnhörster, H., Mölder, M. 2000: Konflikt und Integrationsräume im Wohnbereich. In: Heitmeyer, W.; Anhut, S. 347-400
 
Hamilton, David L.; Bishop, George 1976: Attitudional and behavioural Effects of Initial Integration of White Suburban Neighbourhoods. In: Journal of Social Issues, 32. Jg., S. 47-67

Häußermann, Hartmut; Siebel, Walter 2004: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt a. M.: Campus Verlag

Heckmann, Friedrich 1981: Die Bundesrepublik: Ein Einwanderungsland? Stuttgart: Klett-Cotta

Heckmann, Friedrich 1992: Ethnische Minderheiten, Stuttgart: Enke

Nauck, Bernhard 1986: Der Verlauf von Eingliederungsprozessen und die Binnenintegration von türkischen Migrationsfamilien. In: Hoffmeyer-Zlotnik, J. H. P. (Hrsg.), Segregation und Integration - Die Situation von Arbeitsmigranten im Aufnahmeland. Berlin: QUORUM, S. 56-105

Nauck, Bernhard 1988: Sozialökologischer Kontext und außerfamiliale Beziehungen. Ein interkultureller und interkontextueller Vergleich am Beispiel von deutschen und türkischen Familien. In: J. Friedrichs (Hrsg.), Soziologische Stadtforschung. Sonderheft 29 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 310-327

Portes, Alejandro; Manning, Robert D. 1986: The Immigrant Enclave: Theory and Empirical Examples. In: S. Olzak; J. Nagel (Hrsg.), Competitive Ethnic Relations. Amsterdam: Academic Press

Spiegel, Erika 1998: Dichte. In: H. Häußermann (Hrsg.), Großstadt, Soziologische Stichworte. Opladen: Leske + Budrich