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Wohnformen im Alter - Gemeinschaftliches Wohnen

Artikel vom 30.06.2006

Gemeinschaftliches Wohnen soll ältere Menschen vor der Fremdbestimmung im Heim wie vor der Vereinsamung in der eigenen Wohnung bewahren. „Gemeinschaftliches Wohnen im Alter“ werden alle Wohnformen genannt, in denen Menschen höheren Alters irgendeine Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens praktizieren. Dies können Wohn- und Hausgemeinschaften oder auch Nachbarschafts- und Siedlungsgemeinschaften sein. Von Renate Narten

Wunsch und Wirklichkeit

Erste Initiative älterer Menschen zur Gründung gemeinschaftlicher Wohnprojekte gab es bereits in den in den 1970er Jahren, also zu einer Zeit, in der sich Wohngemeinschaften vor allem in Studentenkreisen rasant ausbreiteten. Der als Selbsthilfeorganisation Ende der 70er Jahre gegründete Senioren-Schutz-Bund „Graue Panther“ sorgte dann für eine stärkere Verbreitung der Idee gemeinschaftlichen Wohnens älterer Menschen. Die „Grauen Panther“ formulierten Kritik an der bis dahin vorherrschenden Heimunterbringung Älterer und suchten nach neuen, selbstbestimmteren Wegen des Wohnens. Die Organisation und Förderung von Wohngemeinschaften zählte ausdrücklich zu den satzungsgemäßen Aufgaben des Senioren-Schutz-Bundes. Gemeinschaftliches Wohnen sollte ältere Menschen vor der Fremdbestimmung im Heim und vor der Vereinsamung in der eigenen Wohnung bewahren. Zudem sollte die Wohnform sowohl den Einzelnen als auch der Gesellschaft finanzielle Vorteile bringen: Der Einzelne würde so nicht als Heimbewohner zum Sozialhilfe- und Taschengeldempfänger degradiert und die Gesellschaft von den hohen Kosten einer institutionellen Unterbringung alter Menschen entlastet werden.

Schon 1984 konnte das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) insgesamt 44 gemeinschaftliche Wohnprojekte in Deutschland recherchieren (Dierl/Metz 1984). Die neue Idee war schick, aufregend und exotisch genug, um Mitte der 80er Jahre einen ersten Presseboom auszulösen (Dierl/Hoogers 1988). Dies trug zwar zur Verbreitung der Idee bei, führte aber nicht zu einer größeren Zahl realisierter Projekte. Bis heute ist dieses Missverhältnis zwischen öffentlichem - und mittlerweile auch privatem - Interesse und realisierten Projekten bestehen geblieben. So berichtet das Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter e.V. von einer ständig steigenden Anzahl von Anfragen (6800 im Jahr 2002). Realisiert werden aber pro Jahr höchstens eine Handvoll neuer Projekte.

Insgesamt wird die Zahl der realisierten Projekte in Deutschland (Stand 2005) auf ca. 100 geschätzt, in denen annähernd 1000 ältere Menschen leben dürften. Im Vergleich zu den Niederlanden, dessen Bevölkerungszahl nur ein Fünftel derjenigen Deutschlands beträgt und das mehr als 300 vergleichbare Wohnprojekte mit mehr als 5000 älteren Menschen vorweisen kann, muss die Zahl der bisher in Deutschland realisierten Projekte als äußerst klein bezeichnet werden (Narten/Tischer 2001).

Vielfalt der Projekte

Im Gegensatz zu den Niederlanden hat sich in Deutschland bis heute kein einheitliches Leitbild für gemeinschaftliches Wohnen im Alter entwickelt. In den Niederlanden lassen sich klar zwei Projekttypen unterscheiden: die generationengemischten und die altershomogenen Projekte. Die generationengemischten Projekte sind im Verein „Centraal Wonen“ zusammengeschlossen, in dem vorwiegend gemeinschaftliche Wohnformen jüngerer Menschen, insbesondere junger Familien organisiert sind. Die LVGO (Landesweite Vereinigung Gruppenwohnen von Älteren) dagegen organisiert nur Projekte, in denen ausschließlich Menschen über 55 Jahren leben. Diese Projekte weisen immer eine gemischte Haushaltsstruktur auf, bei der sowohl alleinstehende Männer und Frauen als auch Paare zu finden sind. Auch wenn sie häufig nicht von den älteren Menschen selbst initiiert wurden, werden sie doch immer von den Bewohnern selbst verwaltet (Narten/Tischer 2001).

In Deutschland werden unter dem Begriff „Gemeinschaftliches Wohnen im Alter“ alle Wohnformen zusammengefasst, in denen irgendeine Art von gemeinschaftlichem Zusammenleben mit Menschen höheren Alters praktiziert wird. Dies können sowohl Wohn- und Hausgemeinschaften als auch Nachbarschafts- und Siedlungsgemeinschaften sein. Es können Projekte sein, die sich auf bestimmte Personengruppen beschränken, wie zum Beispiel Frauen, Alleinstehende, Alleinerziehende und ältere Frauen. Nicht selten stellen die älteren Menschen in diesen Projekten sogar eine deutliche Minderheit dar (vgl. Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen 1999 und LBS 1999).

Entstehungsphasen eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts

Der Idealtyp des gemeinschaftlichen Wohnens im Alter ist die selbst geplante und verwaltete Wohn- oder Hausgemeinschaft mit einer überschaubaren Anzahl älterer Menschen, mit oder ohne jüngere Mitbewohner. Im Gegensatz zu den Niederlanden haben in Deutschland die meisten Wohnprojekte ein Zusammenleben von Jung und Alt zum Ziel. Die Gruppe findet sich auf eigene Initiative oder auf Initiative engagierter Persönlichkeiten, Vereine oder sozialer Organisationen. Sie trifft sich während der sogenannten Findungsphase regelmäßig zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Klärung der Projektziele .

Sind die konzeptionellen Überlegungen abgeschlossen und die persönlichen Sympathien und Antipathien einigermaßen geklärt, geht der Entstehungsprozess in die Konsolidierungsphase über. Die Gruppe begibt sich auf die Suche nach einem geeigneten Wohngebäude oder einem Grundstück, auf dem ein Gebäude errichtet werden kann. Um verhandlungsfähig zu werden, muss sich die Gruppe eine Rechtsform geben. Handelt es sich um ein Projekt, das komplett im Eigentum errichtet werden soll, so reicht es aus, eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) zu gründen und als gemeinschaftlicher Bauherr aufzutreten.

Oft sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der einzelnen Gruppenmitglieder aber sehr unterschiedlich. In diesen Fällen muss sich die Gruppe entweder einen Bauherren suchen, der bereit ist, ein Gebäude zu errichten, das teilweise aus Eigentumswohnungen, teilweise aus Mietwohnungen. Möglicherweise ist eine Mischfinanzierung aus unterschiedlich geförderten wie auch frei finanzierten Mietwohnungen erforderlich. Oder die Gruppe muss eine Rechtsform finden, mit der sie - trotz unterschiedlicher Einkommensverhältnisse - selbst als Bauherr auftreten kann. Für die Zusammenarbeit mit einem externen Bauherren - zumeist einem örtlich etablierten Wohnungsunternehmen - reicht es aus, der Gruppe den Vereinsstatus zu geben (Wohnbund-Beratung NRW 1999).

Ist ein solcher Kooperationspartner aber nicht zu finden, oder legt die Gruppe Wert auf ein Höchstmaß an Selbstbestimmung, so wird sie zumeist eine eigene Genossenschaft gründen oder sich einer vorhandenen Genossenschaft anschließen. Diese Rechtsform ermöglicht es ihr, eigentumsähnliche Verfügungsrechte zu erlangen, ohne Privateigentum zu schaffen und zugleich langfristig wirksame Regelungen für die Bewirtschaftung der Wohnungen und der Gemeinschaftsräume festzulegen. Außerdem ist in dieser Rechtsform das Mitbestimmungsrecht jedes Einzelnen gesetzlich verankert (Wohnbund-Beratung NRW 1998).

Sind die Rechts- und Finanzierungsfragen geklärt, startet die Realisierungsphase. Die Gruppe kann nach geeigneten Altbauprojekten Ausschau halten oder eine Neubauplanung in Angriff nehmen. Geeignet ist ein Objekt immer dann, wenn es die Wünsche der Gruppe nach individuellen Wohnräumen und gemeinschaftlich nutzbaren Flächen erfüllt und barrierefrei hergerichtet werden kann. Weil sich in den Initiativgruppen in aller Regel Menschen zusammenfinden, die großen Wert auf Selbstbestimmung ihrer Wohn- und Lebensweise legen, fordern sie bei der Gebäudeplanung ein hohes Maß an Mitbestimmung ein. Daneben gilt es, die zukünftige Selbstverwaltung des Wohnprojektes zu regeln und gegebenenfalls Verträge über die Weitervermietung leer werdender Wohnungen oder Wohnräume mit dem Vermieter auszuhandeln.

Findungs-, Konsolidierungs- und Realisierungsphase erstrecken sich normalerweise über mehrere Jahre und sind für die beteiligten Menschen ausgesprochen kräftezehrend. Ist das Projekt dann realisiert und der Einzug bewältigt, tritt nicht unbedingt die gewünschte Ruhe im friedlichen Zusammenleben ein. Unterschiedliche Vorstellungen von der Intensität des gemeinschaftlichen Zusammenlebens müssen geklärt, lang eingeübte individuelle Wohngewohnheiten miteinander verträglich gemacht werden (Behrens/Brümmer 1997). Spätestens wenn der erste Krankheits- oder Pflegefall eintritt, müssen Regelungen für die gegenseitige Hilfe, die Einbindung professioneller Dienste und notwendige Umzüge in betreute Wohnformen oder stationäre Einrichtungen gefunden werden (Graue Panther Hamburg 2000).

Vergleich Niederlande - Deutschland

Vergleicht man die Entwicklung des gemeinschaftlichen Wohnens in Deutschland mit der Entwicklung in den Niederlanden, so lassen sich einige zentrale Gründe dafür erkennen, warum diese Wohnform in Deutschland bis heute nicht aus ihrem Nischen-Dasein herausgekommen ist.

In der Findungs- und Konsolidierungsphase erhalten die Projekte in den Niederlanden stärkere Unterstützung als in Deutschland. Die meisten Projekte dort werden von sozialen Organisationen oder Kommunen initiiert. Diese führen die Interessenten auf lokaler Ebene zusammen und begleiten den Gruppenbildungsprozess bis zur Konsolidierungsphase. Professionelle Unterstützung bei der Diskussion unterschiedlicher Wohnvorstellungen sowie der Klärung von Rechts- und Finanzierungsfragen kann die Findungs- und Konsolidierungsphase erheblich verkürzen.

In Deutschland dagegen gibt es vergleichsweise wenig örtliche Anlaufstellen für interessierte Senioren. Zwar werden auch hier ab und zu Gruppen durch soziale Institutionen oder Bildungseinrichtungen (zum Beispiel Volkshochschulen) initiiert, sie finden aber in ihrer weiteren Entwicklung bisher noch viel zu selten professionelle Unterstützung. Nur Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg stellen Fördermittel für die Beratung von Wohngruppen zur Verfügung (Stand 2005).

In der Realisierungsphase treffen die niederländischen Gruppen auf eine größere Bereitschaft der Kommunen und Wohnungsunternehmen, Grundstücke und Gebäude zur Verfügung zu stellen und sich auch auf den erforderlichen Mitbestimmungsprozess einzulassen. Hintergrund dieser größeren Bereitschaft ist zum einen der zentrale Zugriff der Kommunen auf die örtlichen Grundstücke, deren Vergabe immer auch nach sozialen Kriterien erfolgt. Zum anderen gibt es in den Niederlanden eine langjährige Mitbestimmungskultur im Wohnungsbau. Die Wohnungsunternehmen haben daher weniger Vorbehalte gegenüber Gruppen, die bei der Planung ihrer Wohnungen mitreden wollen.

In Deutschland dagegen ist gerade in Mitbestimmungsfragen eine große Skepsis bei den Wohnungsunternehmen zu verzeichnen. Es wird befürchtet, dass die Mitwirkung der Bewohner am Planungsprozess den Arbeitsaufwand der Planer erhöht und den gesamten Planungs- und Bauprozess kompliziert und zeitlich verzögert.

Diese Befürchtung ist berechtigt und wird von den niederländischen Unternehmen auch bestätigt. Gleichzeitig weisen sie aber auch darauf hin, dass dem höheren Aufwand in der Planungsphase ein geringerer Aufwand in der Nutzungsphase des Gebäudes gegenüber steht. Als Vorteile gemeinschaftlicher Wohnprojekte für ein Wohnungsunternehmen wurden genannt:

  • Die sichere Vermarktung der Wohnungen, denn die Bewohner sorgen in der Regel selbst für ihre Nachmieter. Die Fluktuation ist gering.
  • Die hohe Identifikation der Bewohner mit dem Gesamtprojekt, das zu einem pfleglichen Umgang mit der Bausubstanz und dem Wohnumfeld führt.
  • Der geringere Verwaltungsaufwand, weil die Bewohner einen Teil der Verwaltungsarbeit selbst übernehmen und auch Konflikte untereinander selbst regeln.
  • Die positive Ausstrahlung in das umgebende Wohnquartier, weil Wohngruppen häufig ihre nachbarschaftlichen Aktivitäten auf das Wohngebiet ausweiten.

Ansprüche an das Gemeinschaftsleben

Die Ansprüche der Projektmitglieder an das Gemeinschaftsleben haben sich in den Niederlanden im Laufe der Jahre „vom Idealismus zum Realismus“ (Stolarz/Haß 2000) hin entwickelt. Man hat dort die Erfahrung gemacht, dass sich nur aus einer gesicherten Privatheit heraus ein langfristig stabiles Gemeinschaftsleben entwickeln kann. Das Gemeinschaftsleben soll nicht zum Zwang werden - zumal sich gezeigt hat, dass mit zunehmendem Alter der Gruppenmitglieder viele Aufgaben, die eine gemeinschaftliche Organisation des Alltagslebens mit sich bringt, nicht mehr so einfach zu bewältigen sind.

Räumlich findet dieser verringerte Anspruch an das Gemeinschaftsleben in den Niederlanden seinen Ausdruck in einer Vergrößerung der Individualwohnung auf Kosten einer Verkleinerung der Gemeinschaftsflächen. Während es in der Anfangsphase der Wohngemeinschafts-Bewegung Mitte der 80er Jahre noch als ausreichend angesehen wurde, für jeden Privathaushalt eine Zwei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung zu stellen, so hat sich in der Folgezeit die Drei-Zimmer-Wohnung als Standard herausgebildet. Das dritte Zimmer wird aus Sicht der niederländischen Senioren benötigt, um Platz für Übernachtungsbesuch und Hobbys zu haben, für die in den früheren Projekten eher gemeinschaftliche Räume vorgesehen waren. So finden sich in den neueren Projekten immer seltener gemeinschaftlich genutzte Räume für Hobbys, Gäste oder Hauswirtschaft.

Bauliche Standards und Kooperation mit Wohnungsunternehmen

Ein weiterer wichtiger Grund für die Bereitschaft der niederländischen Wohnungsunternehmen, sich dem gemeinschaftlichen Wohnen älterer Menschen zu öffnen, war die Herausbildung eines baulichen Standards für Gruppenwohnprojekte, der sich kaum vom normalen Wohnungsbau unterscheidet. Die Häuser werden immer häufiger so gebaut, dass sie jederzeit in normale Mehrfamilienhäuser zurückverwandelt werden können:

  • Jeder Haushalt/Bewohner erhält eine vollständige Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung.
  • Die Gemeinschaftsräume werden so weit wie möglich auf der Grundfläche einer Wohnung erstellt und sind damit zu einer weiteren Wohnung rückbaubar.

Hinsichtlich der räumlichen Anforderungen des gemeinschaftlichen Wohnens älterer Menschen lässt sich in Deutschland ein ähnlicher Trend beobachten. Auch hier legen die Gruppenmitglieder immer mehr Wert auf eine gesicherte Privatheit in einer abgeschlossenen Wohnung mit vollständig ausgerüsteter individueller Küche und eigenem Bad. Der Gemeinschaftsraum wird nicht mehr - wie in studentischen Wohngemeinschaften und einigen Projekten aus der Anfangsphase des gemeinschaftlichen Wohnens älterer Menschen - als große Wohnküche mit dem Anspruch des gemeinsamen Kochens und Essens geplant, sondern dient jetzt stärker dem relativ unverbindlichen geselligen Beisammensein.

Im Gegenzug öffnet sich auch die Wohnungswirtschaft in Deutschland immer mehr für das gemeinschaftliche Wohnen im Alter. Angesichts des demographischen Wandels und zunehmender Wohnungsleerstände sind die Wohnungsunternehmen bemüht, vielfältige Wohnangebote für ältere Menschen anzubieten. Hierzu gehören immer häufiger auch gemeinschaftliche Wohnformen.

Als typisches Beispiel für diesen Trend kann das Projekt der Gruppe „gemeinsam statt einsam“ auf dem Kronsberg in Hannover angesehen werden, das zusammen mit der Niedersächsischen Landesentwicklungsgesellschaft (NILEG) realisiert wurde. Die NILEG suchte für Wohngebäude, die zeitlich befristet von EXPO-Mitarbeitern genutzt worden waren, Nachmieter. Für zwei dieser Acht-Familienhäuser, die als ganz normale Wohnhäuser konzipiert waren, interessierte sich die Gruppe „gemeinsam statt einsam“. Es wurden nachträgliche Anpassungsmaßnahmen durchgeführt, und eine Erdgeschosswohnung wurde in Gemeinschaftsräume umgewandelt.

Ein anderes Beispiel findet sich in Dresden. Hier wurde von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WOBA im Rahmen der Sanierung eines großen Punkthochhauses nicht nur altenfreundliche Individualwohnungen, sondern auch eine Gemeinschaftswohnung geschaffen.

Während in Hannover und Dresden die Initiative für die Bildung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts noch von einem örtlichen Verein ausging, in dem sich Interessenten zusammenfanden und dann gemeinsam auf die Suche nach einem geeigneten Gebäude gingen, gibt es mittlerweile auch Modelle, bei denen die Wohnungsunternehmen in Vorleistung gehen. So traf die Baugenossenschaft „Vereinigte Wohnstätten von 1889“ in Kassel bewusst die Entscheidung, ein geeignetes Grundstück für den Bau eines Gemeinschafts-Wohnhauses zur Verfügung zu stellen, und suchte dann aktiv nach interessierten Bewohnern für dieses Haus. Ähnlich geht die kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Wildau bei Berlin vor. Sie plant bei der Sanierung eines Altbaus von vornherein auf einer Etage eine Gruppenwohnung, ohne schon im Vorfeld konkrete Interessenten im Hintergrund zu haben.

Die Autorin: Dr.-Ing. Renate Narten M.A. ist Architektursoziologin. Sie gründete 1996 das Büro für sozialräumliche Forschung und Beratung in Hannover mit dem Arbeitsschwerpunkt „Wohnen im Alter“.

Literatur

Behrens, M.; Brümmer, A. (1997): Selbstinitiierte Hausgemeinschaften - eine Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen?, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln.

Dierl, R. ; Hoogers, K. (1988): Altenwohngemeinschaften, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln.

Dierl, R.; Metz, U. (1984): Materialien zum Thema: Wohngemeinschaften älterer Menschen, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln.

Graue Panther Hamburg (Hrsg.) (2000): Gut beDacht!?. Alt werden im Wohnprojekt - Selbstbestimmt und solidarisch. Dokumentation der Fachtagung zu neuen Kooperationsformen zwischen selbstorganisierten Hausgemeinschaften und Dienstleistungsanbietern am 29.6.2000.

LBS (2001): Wohnprojekte für Jung und Alt, Generationen übergreifende Baugemeinschaften, Berlin.

Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen (1999): Neue Wohnprojekte für ältere Menschen, Düsseldorf.

Narten, R.; Stolarz, H. (2000): Neue Wohnmodelle für das Alter. Dokumentation des Expertenworkshops in Bonn-Oberkassel, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bonn.

Narten, R.; Tischer, S. (2001): Räume für gemeinschaftliche Wohnprojekte älterer Menschen - Erfahrungen aus den Niederlanden, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln.

Stolarz, H.; Haß, P. (Hrsg) (2000): Die niederländische Studie „Vom Idealismus zum Realismus. Über fünfzehn Jahre gemeinschaftlichen Wohnens älterer Menschen“. KDA, Köln.

Weeber, R.; Wölfle, G.; Rosner, V. (2001): Gemeinschaftliches Wohnen im Alter. Bauforschung für die Praxis, Bd. 58. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart.

Wohnbund-Beratung NRW (1999): Kooperation zwischen Wohngruppen und Wohnungsunternehmen. Ein Leitfaden für die gemeinsame Realisierung von neuen Wohnformen, Bochum.

Wohnbund-Beratung NRW (1998): Die Genossenschaft als zukunftsweisendes Modell für gemeinschaftliches Wohnen im Alter, Bochum.