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Verzicht oder Bereicherung?

Artikel vom 09.03.2021

Foto: shutterstock

Kann Nachhaltigkeit auch einfach sein? Ein Blogbeitrag von Ann-Cathrin Jöst.

Meine neue, schöne, große Wohnung

Weniger Plastik, weniger Konsum, weniger alles? Oft hat Nachhaltigkeit eine etwas „negative Konnotation“, weil sie einschließt, dass wir auf etwas verzichten müssen, das uns Spaß macht oder weil es Teil unseres gemütlichen Alltags ist. Die Frage ist nun, ob weniger Konsum auch Spaß machen könnte, oder ob wir einfach anders konsumieren oder leben können?  

Nehmen wir das Beispiel „Große Wohnung mieten“. Wenn man eine große Wohnung mietet, muss man diese sehr oft erst einmal einrichten – wenn man das möchte – und das bedeutet vorab schon einmal sehr großer Konsum, aber auch eine größere Investition, natürlich je nach Geschmack und Designvorstellung der Wohnungseinrichtung. Vielleicht hat man vor dem Einzug wenig Geld und kauft sich eine billigere oder benutzte Einrichtung, die schneller kaputt geht oder einem eigentlich weniger gefällt. Dadurch kauft man sich doch bald eher wieder etwas Neues. Und je größer die Wohnung, desto mehr Dinge braucht man, um sie zu füllen. Mit was eigentlich und warum „muss“ man sie füllen?

Wieso ist das allerdings wichtig und was hat das überhaupt mit Nachhaltigkeit zu tun? Es ist doch klar, dass man gerne in einer großen Wohnung wohnen möchte, vor allem mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, großer Küche mit Sitzgelegenheit und einem großen Bad. Und natürlich möchte man, dass all diese Zimmer eingerichtet sind. Idealerweise mit einem großen Bett, einer Couch, Schränken für Kleidung und Stauraum und eine große Küche mit diversen Küchenutensilien, einer Spülmaschine, Deko usw.

Das Bild solch einer „idealen Wohnung“ war unbewusst auch bei mir sehr eingeprägt und ich freute mich riesig auf meine erste große Wohnung, als ich nach Studium und Praktika voller Freude meine neue Arbeit begann und es endlich meine Zeit war, nach dieser Wohnung zu suchen. Groß sollte sie sein und für viele Freunde und Besuche Platz bieten. So scannte ich also durch diverse Webseiten, um meine große Wohnung zu finden.

Warum ein ganzer Raum nur zum Schlafen?

Als ich dann die ersten Wohnungen anschaute, fing mich der Gedanke doch ein wenig an zu stressen. Das lag vor allem an dem Kostenfaktor für eine größere Wohnung und deren Einrichtung. Ich fragte mich daher, warum ich überhaupt ein Schlafzimmer brauche, wenn ich doch im Schlaf nicht wach bin und das Schlafzimmer nicht aktiv angucke. Es würde daher keine Rolle spielen, ob ich nun im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer schlafe, da ich in beiden Fällen einfach schlafen würde. Und ich würde in beiden Fällen morgens aufwachen und wissen, dass ich geschlafen habe. Das Ziel, morgens nicht müde zu sein, wäre dadurch erreicht.

Vor allem ist in dem Begriff „Wohnzimmer“ bereits das Wohnen beinhaltet und das schließt das Schlafen als Teil des Wohnens nicht aus. Es gibt kein Gesetz, das festlegt, dass das Schlafen im Wohnzimmer nicht gestattet ist. Es handelt sich nur um eine gesellschaftliche Konstruktion. In Japan zum Beispiel gibt es traditionell Schlafmatten, die tagsüber weggerollt werden.

Das „Warum wohnen wir wie und wofür brauche ich was?“ begleitete mich ein wenig weiter, während ich nach der passenden Wohnung suchte.  Brauche ich zum Beispiel diverse Küchensets für Besuch oder mehr Platz für einen extra Schrank und eine Spülmaschine, oder reicht es, ein paar Teller zu besitzen und einen kleinen Tisch mit ein oder zwei Stühlen, oder sogar keinen Tisch in der Küche, da ich ja schon einen im Wohnzimmer haben würde?

Weniger Stress und dafür mehr Zufriedenheit

Foto: Ann-Cathrin Jöst

Bin ich mit weniger Platz, Einrichtungen und Dingen weniger gestresst? Wie möchte ich eigentlich wohnen, um glücklich zu sein? Brauche ich dafür viele Küchengeräte, um alles kochen zu können, von dem ich noch nichts geplant habe, oder bin ich mit einem Topf und einer Pfanne bereits zufrieden? In Asien reichte es mir und meinen Freunden doch auch. Woher kommt der Drang jetzt mehr zu wollen, wenn mich bisher mit weniger schon glücklich fühlte? Und wieso für den Freund oder die Freunde in der Zukunft die Wohnung einrichten, wenn es jetzt und meistens nur mich selbst gibt, mit der ich zusammen lebe?“ 

Und je mehr ich darüber nachdachte, desto größer wurde mein Wunsch nach einer kleinen Wohnung. Und je größer der Wunsch nach einer kleinen Wohnung ohne Schlafzimmer wurde, desto ruhiger fühlte ich mich. Jetzt sorgte ich mich weniger darum, was ich noch nicht habe und womit ich leeren Platz füllen müsste. Ich konnte mich auf eine Einrichtung konzentrieren, die ich tatsächlich brauchte. (Trick: Keine großen oder geschlossenen Schränke, denn in Schränken verschwinden oft Dinge, die man nicht braucht und die schnell in Vergessenheit geraten. Bei großen Schränken habe ich mich öfters dabei ertappt,  mehr zu kaufen, da ich weiß, dass es einen Schrank gibt, in dem Sachen verschwinden können  „für die Zukunft mal wieder“.)  Und ja, ... viele Klamotten… sehr viele Klamotten…

Weniger ist oftmals das „Mehr“ für das eigene Glück. Und daher entschied ich mich für eine kleine Wohnung. Mit einer Küche und einem Hochbett im Wohnzimmer ;)

 

 

von Ann-Cathrin Joest, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt s:ne der Hochschule Darmstadt und Nachhaltigkeitsbloggerin. Weitere spannende Beiträge zu einem nachhaltigen Lebensstil und den Einsatzmöglichkeiten von Bambus sind auf ihrem Blog zu lesen: www.annjoest.com

 

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