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Netzwerkanalyse der Internationalen Bauausstellung Heidelberg

Artikel vom 12.09.2014

Foto: Annika Müller

Der Vortrag von Andreas Putlitz und Annika Müller im Rahmen der Tagung „Dynamiken räumlicher Netzwerkstrukturen“ am 12. und 13. Juni 2014 im Schader-Forum Darmstadt stellte erstmalig die Ergebnisse einer netzwerktheoretisch fundierten Untersuchung der Entstehungsphase der Internationalen Bauausstellung Heidelberg vor, welche Ende 2013 bis Anfang 2014 von der Universität Heidelberg durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden mittels netzwerkanalytischer Methoden stadtgesellschaftliche, themenspezifische Vernetzungsprozesse im Rahmen des ersten Jahres der Internationalen Bauausstellung Heidelberg untersucht.

Was ist eine IBA?

„Internationale Bauausstellung“ oder kurz „IBA“ ist ein Begriff, der spätestens seit der IBA Hamburg 2007 bis 2013, aber auch schon durch die IBA Emscher Park in Nordrhein-Westfalen 1989 bis 1999 über die Grenzen eines stadtplanerisch versierten Fachpublikums hinaus einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist (vgl. Becker 2007). Das Format der IBAs ist in Deutschland im Laufe ihrer über hundertjährigen Geschichte zu einem Erfolgsrezept für die moderne Stadtentwicklung avanciert und inzwischen ist es auch über die Grenzen Deutschlands hinaus zu Aufmerksamkeit in den Fachcommunities gekommen.

Eine Internationale Bauausstellung ist im weitesten Sinne als ein weiches Format der Stadtentwicklung zu verstehen. Das bedeutet, dass dieses Instrument sich nicht auf rechtlich festgelegte Verfahren oder Instrumente stützt, um seine Wirkung im Rahmen der Stadtentwicklung zu entfalten, wie dies beispielsweise bei einem Bebauungsplan oder einem formellen Beteiligungsverfahren der Fall ist. Eine IBA ist freiwillig und ihre Gestaltung ist offen.

Bei einer IBA wird in der Regel versucht, durch einen vorab definierten räumlichen oder thematischen Bezug, unabhängige Projekte zu akquirieren und zu bündeln. Während IBAs zu Beginn ihrer Geschichte tatsächlich oftmals den Fokus auf eine Ausstellung von Gebäuden legten, wird das Format heute vermehrt als strategisches Stadtentwicklungsinstrument eingesetzt, mit dem Ziel Prozesse anzustoßen undAufmerksamkeit auf besondere Problemlagen zu lenken, um stadtgesellschaftliche Selbstheilungskräfte zu wecken (vgl. Stadt Heidelberg 2012).

Es hat sich dabei eine übliche Vorgehensweise herauskristallisiert, wie eine IBA auf den Weg gebracht wird. Zunächst wird durch die jeweilige Stadt oder Region zusammen mit geladenen Experten die Sinnhaftigkeit der Durchführung diskutiert und ein thematischer Rahmen gesetzt. In Heidelberg ist dieser „Wissen-schafft-Stadt“ (Stadt Heidelberg 2009), was vereinfacht gesagt die Potentiale zwischen Wissensgesellschaft und der prototypischen Europäischen Stadt ausloten möchte. Anschließend werden Strukturen für die Umsetzung geschaffen, in der Regel eine so genannte IBA GmbH. Im Fall von Heidelberg war der Gründungszeitpunkt hierfür März 2013. Diese GmbH setzt schließlich über einen Zeitraum von zehn Jahren mittels Information, Koordination und Wettbewerben die eigentliche Bauausstellung um, indem sie versucht, dezentrale, unabhängige Projekte anzuwerben, und diese mittels Beratung und Auszeichnung mit dem thematischen Rahmen und den Zielen der IBA kompatibel zu machen. Diese Projekte stellen letztendlich die sichtbare Substanz der IBA dar, wobei es prinzipiell jedem gestattet ist Projektvorschläge einzureichen. Letztendlich entscheidet allerdings eine Jury in einem mehrstufigen Verfahren, welchen Projekten letztendlich tatsächlich das Siegel „IBA-Projekt“ verliehen wird.

Warum forschen wir zur IBA?

Der Erfolg des Formats führte allerdings in jüngster Zeit zu einer inflationären Tendenz der Neugründung von Internationalen Bauausstellungen in Deutschland und den angrenzenden Nachbarländern Schweiz und Holland, mit den einhergehenden drohenden Abnutzungseffekten und vermehrten Sorgen um die Alleinstellungsposition und die bisher hohe Durchführungsqualität des Formats. Genannt werden können hier beispielsweise IBA Fürst-Pückler-Land 2010, IBA Stadtumbau 2010, IBA Hamburg 2013, IBA Thüringen, IBA Berlin 2020, IBA Frankfurt/Rhein-Main (zur IBA in Holland vgl. Geipel 2013).

Trotz des hohen Bekanntheitsgrades von IBAs in der Praxis der Stadtentwicklung, ist von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen überraschend wenig über die Funktionsweisen, Wirkungsmechanismen und Dynamiken von IBAs bekannt. Nachdem die IBA Hamburg erste Schritte unternommen hatte (vgl. Reicher 2011: 11), ihren Verlauf prozessbegleitend wissenschaftlich zu reflektieren, war die IBA Heidelberg dennoch die erste IBA, die eine wissenschaftliche Begleitung von Beginn an mitdachte und konsequenterweise noch vor der Gründung erster formeller Strukturen in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg auf den Weg brachte.

Die vorliegende Studie ist nun die erste im Rahmen dieser wissenschaftlichen Begleitforschung, welche sich die IBA Heidelberg von den verschiedensten wissenschaftlichen Blickwinkeln zum Gegenstand machen wird.

Anlass

Für die Studie waren einige Anforderungen insbesondere handlungsleitend, welche letztendlich die Entscheidung für eine netzwerktheoretisch inspirierte Herangehensweise begründeten.

Erstens ist eine IBA als weiches Format der Stadtentwicklung (vgl. Stadt Heidelberg 2012) vor allem auf das freiwillige Zusammenspiel zwischen den zahlreichen Akteuren der Stadtgesellschaft angewiesen. Wer mit wem über welche Themen spricht und gemeinsam Projekte anstößt ist eine der zentralen Fragestellung in diesem Kontext – und steht in diesem konkreten Fall stärker im Vordergrund als beispielweise die Frage nach Institutionen, Normen oder Ressourcen und Stoffströmen. In diesem Sinne ist das größte Kapital einer IBA Wissen, Austausch und Vertrauen, welche durch den leitenden thematischen Rahmen aktiviert und kanalisiert werden, und möglicherweise letztendlich zu Innovation und Bildung von neuem Know-How führen.

Zweitens geht es zu diesem frühen Zeitpunkt einer IBA darum, bisher noch im Verborgenen liegende Dynamiken sichtbar zu machen – Dynamiken die sich noch nicht in Form von konkreten Projekten oder Umsetzungsgesellschaften festmachen lassen. Verdichtete Diskursgruppen und Ausbreitungswege von Wissen und Information in der heterogenen Stadtgesellschaft sind das Phänomen auf dem wir hier auf der Suche waren. Wer mit wem über die IBA spricht kann erste Hinweise darauf geben, wo in Zukunft möglicherweise Inkubatoren für neue Projekte und Initiativen liegen können.

Drittens bietet eine Netzwerkanalyse die Möglichkeit, dank der ihr eigenen Visualisierungs- und Analysemethoden aus der Graphentheorie, komplexe soziale Prozesse und Phänomene, die sonst für den nicht-geschulten Betrachter möglicherweise nur schwer greifbar sind, auf eine intuitive und anschauliche Weise verständlich und darstellbar zu machen. Dies versetzt uns in die Lage, die Implikationen der aufgedeckten Prozesse und Tendenzen bereits frühzeitig gemeinsam mit den zentralen Akteursgruppen effektiv zu diskutieren und – im Sinne handlungsorientierter, anwendungsbezogener Sozialforschung – mögliche Konsequenzen abzuleiten.

Für die kommenden Jahre ist geplant, die vorliegende Studie in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um somit erstmalig eine Längsschnittuntersuchung der Dynamik der stadtgesellschaftlichen Prozesse und Netzwerkstrukturen im Rahmen einer IBA von der Gründung bis zur Post-IBA Phase der Verstetigung erfassen zu können.

Vorgehensweise

Das Hauptziel der Studie war es, erste Dynamiken und Prozesse aufzuspüren und sichtbar zu machen, welche durch die IBA Heidelberg in ihrer Frühphase bereits möglicherweise induziert worden sind. Es wurde ein Ansatz gewählt, der in Form eines gestuften Schneeballverfahrens (vgl. Jansen 2006: 74) zwei unterschiedliche Netzwerkebenen mittels Namensgeneratoren erfasste. Diese beiden Ebenen waren ein IBA-Kontakt-Netzwerk sowie ein Reputationsnetzwerk. Ersteres erfasst, wer mit wem über die IBA oder ihre Themen in letzter Zeit gesprochen hatte, während Letzteres aus denjenigen Akteuren besteht, welche als bedeutsam für die Entwicklung Heidelbergs angesehen werden, ohne dass diese Entwicklung weiter eingegrenzt wurde. Außerdem wurden personenbezogenes Wissen und Einstellungen rund um das Thema IBA erfasst, um diese mit netzwerkbezogenen Eigenschaften der Akteure in Beziehung setzen zu können.

Den Einstieg stellte eine Dokumentenanalyse der Vorbereitungsphase der IBA Heidelberg von 2008 bis 2012 dar. Mit Hilfe verschiedener Publikationen der Stadt Heidelberg wurden Teilnehmerlisten von 8 vorbereitenden Veranstaltungen dieses Zeitraums in Form von Affiliationsnetzwerken ausgewertet und auf diese Art 90 Akteure identifiziert.

Nach einer zusätzlichen Identifikation von ersten zentralen Akteuren mit Hilfe von sechs anerkannten Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, wurden in zwei Erhebungsrunden 56 Personen mittels standardisierten Interviews persönlich und online befragt und auf diese Weise 207 Netzwerkakteure identifiziert. Die Rücklaufquote lag bei 64%. In einem nachfolgenden Schritt wurden die ermittelten Akteure auf Basis von Verzeichnissen der Stadt Heidelberg stadtgesellschaftlichen Gruppen, wie beispielsweise Stadtverwaltung, Kultur oder Wirtschaft, zugeordnet.

Ergebnisse

Welche Befunde konnten nun auf diese Weise identifiziert werden? Drei Aussagen erscheinen an dieser Stelle besonders erwähnenswert:

Dichotomie zwischen Zentrum & Peripherie

Erstens konnte eine Dichotomie zwischen einem Netzwerk-Zentrum und einer Peripherie festgestellt werden. In Abb. 1 (siehe Abbildungen) sieht man den Graphen der Kontaktbeziehungen der IBA. Die Farben der Knoten entsprechen den Zugehörigkeiten zu den jeweiligen gesellschaftlichen Gruppen. Es konnte gezeigt werden, dass im Zentrum des Netzwerks ein verdichteter Bereich mit Akteuren aus den Sektoren von Stadtverwaltung, IBA GmbH, Architektur und Wissenschaft vorherrscht, welche überwiegend durch ein berufliches Interesse mit der IBA verbunden sind. Dieser Bereich kann auch als Steuerungselite der IBA begriffen werden.

Dieses Zentrum wiederum ist durch eine Peripherie umgeben, welche selbst nur schwach nach innen vernetzt ist, und mehr einen Appendix zum Netzwerk-Zentrum bildet. Eine Ausnahme bilden hier Akteure aus den Bereichen Kultur und Architektur, welche bereits intern stärker vernetzte Diskursgruppen rund um die IBA ausgebildet haben. Inwieweit dies allerdings eine Tendenz darstellt, wird sich erst nach der Durchführung weiterer Studien im Verlauf der IBA feststellen lassen.

Nicht identifizieren ließen sich punktuelle dezentrale Verdichtungsbereiche, welche sich auf entstehende IBA-Projekte zurückführen lassen würden. Während wir diese Art von Netzwerkstrukturen im Laufe des IBA-Prozesses bereits erwarten würden, ist ihr Fehlen zu diesem frühen Stadium des IBA-Prozesses allerdings nicht überraschend, legt man eine Vorlaufzeit von mehr als einem Jahr für sich konkretisierende Projektideen zu Grunde.

Die Bauausstellung induziert neue Beziehungen

Zweitens waren wir in der Lage festzustellen, dass die IBA im Zuge ihrer Gründung und ihrer ersten öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen in der Lage war, signifikant neue Beziehungen zwischen Akteuren der Stadtgesellschaft hervorzubringen.

In Abb. 2 (siehe Abbildungen) lässt sich dies anschaulich belegen. Kanten in grün sind in diesem Netzwerkgraphen diejenigen Beziehungen, deren Existenz sich kausal auf die IBA zurückführen lässt – Kanten in roter Farbe stellen Beziehungen dar, welche schon vorher oder unabhängig zur IBA bestanden haben.

Es lässt sich erneut die bereits angesprochene Dichotomie zwischen zentraler Steuerungselite und Netzwerk-Peripherie feststellen. So findet sich die Mehrheit der neu entstandenen Netzwerk-Beziehungen im Zentrum wieder, während die Peripherie überwiegend aus bestehenden Kontakten gebildet wird. Die Induktionskraft der IBA ist also bisher nur dort stark genug, Akteure langfristig neu zusammenzubringen, wo die Akteure beruflich an die IBA gebunden sind.

Wir gehen davon aus, dass sich dann neue Akteure außerhalb der Steuerungselite zum Thema der IBA zusammenfinden werden, wenn diese entweder aktiv an der Entwicklung von IBA-Projekten beteiligt sind, oder aber die IBA als Thema ausreichend stark emotional aufgeladen ist. Dies kann durchaus auch über negative polarisierende Ereignisse geschehen, wie dies bei der IBA Hamburg der Fall war (vgl. DIE WELT 2013).

Während also einerseits einschränkend zu sagen ist, dass die IBA Heidelberg nur dort neue Netzwerkstrukturen schafft, wo die Akteure durch ihr berufliches Interesse mit ihr verbunden sind, so lässt sich doch darauf schließen, dass die Durchführung einer IBA bereits zu einem frühen Stadium den Aufbau von Sozialkapital und institutioneller Handlungsfähigkeit innerhalb einer Stadtgesellschaft fördert.

Integration von Schlüsselakteuren

Ein dritter Aspekt, der an dieser Stelle hervorgehoben werden soll, ist die Integration von bedeutenden Personen der Heidelberger Stadtgesellschaft in den IBA-Prozess. Ein Vergleich zwischen den beiden erhobenen Netzwerkebenen (i.e. Kontakt- und Reputationsnetzwerk) zeigt eine deutliche Abweichung zwischen zentralen Schlüsselakteuren, wenn diese nicht bereits über ihre Verwaltungsposition in den IBA-Prozess eingebunden sind. Wir konnten zeigen, dass Akteure, welche als herausragend einflussreich für die Entwicklung Heidelbergs angesehen werden (ohne, dass Entwicklung hier näher eingegrenzt wurde), nicht oder wenig zentral im Kontaktnetzwerk vertreten sind, sofern diese nicht bereits über ihre berufliche Position in der Verwaltung zentral mit der Umsetzung der IBA betraut sind.

Im Vergleich der beiden Netzwerkgraphen wird diese Abweichung anschaulich. Akteure 103, 104 oder 119 (in grün markiert), welche in der Verwaltung bzw. der IBA GmbH beschäftigt sind, finden sich sowohl im Einfluss-Netzwerk der Entwicklung Heidelbergs (Abb. 3, siehe Abbildungen) als auch im IBA-Kontaktnetzwerk (Abb. 4, siehe Abbildungen) an zentraler Position wieder. Im Netzwerk der Entwicklung Heidelbergs zentrale Akteure (in orange markiert), welche allerdings nicht über ein direktes berufliches Interesse mit der IBA Heidelberg verbunden sind, sind im Kontaktnetzwerk der IBA Heidelberg nur wenig zentral (Akteure 130 und 302) oder sogar überhaupt nicht vorhanden (Akteur R02).

Dieser Befund ist insofern bedeutend, da die IBA grundlegend auf die dezentrale Durchführung und Finanzierung von Projekten durch unabhängige Akteure angewiesen ist, um ihre transformative Wirkung und Strahlkraft erlangen zu können. Im Gegensatz zu anderen Bauausstellungen, wie der IBA Emscher Park, welche durch die Auswahl der Projekte gleichzeitig exklusiven Zugang zu Fördertöpfen des Landes NRW gewähren konnte, stehen der IBA Heidelberg, neben ihrem institutionellen Overhead und Gelder für Öffentlichkeitsarbeit, keine weiteren Mittel für die Förderung oder Anschubfinanzierung von Projekten zur Verfügung. Inwieweit dieses Vorhaben daher auch ohne die Unterstützung durch einflussreiche Persönlichkeiten und Organisationen gelingen kann ist bisher unklar.

Weitere Erkenntnisse

Neben den drei angesprochenen Aspekten konnten im Rahmen der Befragungen und der Analyse der Netzwerkstrukturen weitere interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Diese sind unter anderem:

  • Es ließ sich keine eindeutige Verbindung zwischen der Zentralität der Akteure und ihrer Einschätzung zum Prozess und der bisherigen Zielerreichung feststellen. Innerhalb der einzelnen Fragenblöcke zeigte sich jedoch eine Übereinstimmung der zentralen bzw. peripheren Akteure bezüglich ihrer Antwortpräferenzen. MöglicheErklärungsansätze könnten sein, dass zentralere Akteure zum einen exklusiveren Zugang zu Informationen über den Prozess besitzen oder aber, dass zentralere Akteure deswegen zentraler sind, weil sie bereits größeres Vorwissen über für den Prozess relevante Themen besitzen.
  • Grundsätzlich schätzen Akteure, die zentraler in den Prozess eingebunden sind, diesen tendenziell positiver ein.
  • Die Mehrheit der Befragten zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit den unterschiedlichen Aspekten der IBA Heidelberg. Sie schätzen ihr Wissen über die IBA recht hoch ein.
  • Die Teilnahme an Veranstaltungen der IBA ist durchwachsen, dennoch gibt es Bereitschaft, sich nachträglich über die Inhalte zu informieren. Es kann also gesagt werden, dass die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Veranstaltungen ein wichtiger Kristallisationspunkt für die öffentliche Aufmerksamkeit am Prozess ist. Dieser muss allerdings konsequent über Online- und Print-Medien weitergeführt werden.

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend hat sich gezeigt, dass die Strukturen, die abgebildet werden konnten, grundsätzlich den Erwartungen aufgrund des bisherigen Verlaufs der IBA entsprachen. Durch eine abschließende Validierung der Ergebnisse mit besonders zentralen Akteuren ließ sich bestätigen, dass die zugrundeliegenden, versteckten sozialen Prozesse derart erhoben und abgebildet werden konnten, dass die jeweiligen Personen den Prozess und die Akteursstrukturen aus ihrer intuitiven Einschätzung und ihrem direkten Einblick in den Prozess wiedererkennen konnten.

Da es sich bei der Studie um die erste ihrer Art handelt, war dies keineswegs selbstverständlich. Bisher wurde noch kein IBA-Prozess von Beginn an wissenschaftlich begleitet, und noch nie wurden bisher netzwerkanalytische Methoden in einer Längsschnittstudie derart detailliert auf einen städtebaulichen Prozess und eine gesamte Stadtgesellschaft angelegt.

Wir können also sagen, dass das Instrument Netzwerkanalyse geeignet ist, diejenigen Prozesse zu erfassen und darzustellen, die als relevant und interessant für die Funktionsweise einer IBA und die Handlungslogiken der beteiligten Akteursgruppen gelten. Dies versetzt uns in die Lage, auch den zukünftig vermutlich komplexer werdenden Prozess mit den dazugehörigen Netzwerken zuverlässig und korrekt erfassen und abbilden zu können.

Für die Zukunft sollen daher mit kontinuierlichen Nacherhebungen, welche sich über den gesamten zehnjährigen IBA-Prozess erstrecken, weitere Begleitstudien durchgeführt werden. Hierdurch sollen wissenschaftliche Aussagen hinsichtlich der Entwicklung und Dynamik des Netzwerkes getroffen werden können und wenn nötig intervenierend eingesetzt werden.

Das Projektteam: Das Projekt wurde als Gemeinschaftsprojekt an der Universität Heidelberg durchgeführt.

Folgende Personen waren am Projekt beteiligt: Dr. Michael Hölscher vom Max-Weber-Institut für Soziologie als Projektleitung; Dr. Georg Mildenberger vom Centrum für soziale Investitionen und Innovationen als Projektmanager und Datenschutzbeauftragter; Prof. Dr. Ulrike Gerhard vom Geografischen Institut als Verantwortliche für die Wissenschaftliche Begleitung der IBA Heidelberg; sowie M.A.-Soz. Michael Weiler als wissenschaftlicher Mitarbeiter und M.A.-Soz. Annika Müller als studentische Hilfskraft für Projektdurchführung und Datenauswertung. Außerdem war Dipl.-Ing. Andreas Putlitz vom Fachgebiet European Planning Cultures der TU Dortmund als externe Beratung in Projektkonzeption und -durchführung beteiligt.

Literatur

Becker, R., (2007). Internationale Bauausstellung Emscher Park - eine Chance für Frauen? Eine feministische Analyse. Dortmund: Koordinationsstelle Netzwerk Frauenforschung NRW.

Geipel K., (2013). IBA Parkstad 2020: Weg vom Neubau, hin zum Umbau [10.08.2013]

Jansen, D. (2006). Einführung in die Netzwerkanalyse: Grundlagen, Methoden,Forschungsbeispiele. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.

Reicher, C. et al. (2011). Die Zukunft Internationaler Bauausstellungen. Internationale Fallstudie und ein Monitoringkonzept. In: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS): Werkstatt: Praxis Heft 74. Berlin.

Stadt Heidelberg (2009). Bausteine für ein Memorandum – Wissen schafft Stadt: Wissenschaftsstadt Heidelberg. Heidelberg: Stadt Heidelberg.

Stadt Heidelberg (2012). Memorandum – Internationale Bauausstellung HeidelbergPerspektiven der Europäischen Stadt in der Wissensgesellschaft. Heidelberg: Stadt Heidelberg.

DIE WELT (2013). Ist hier das Land, wo Milch und Honig fließt? [08.09.2014]