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Gemeinwohl-Ökonomie und Wirtschaftswachstum

Artikel vom 19.11.2019

Rund 300 Interessierte folgten am 15. Januar der Einladung der Hochschule Darmstadt, dem Zentrum für Nachhaltige Wirtschafts- und Unternehmenspolitik (ZNWU) und der Schader-Stiftung zu einem öffentlichen Vortrag von Christian Felber mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Gemeinwohl-Ökonomie und Wirtschaftswachstum“. Gleichzeitig bildete die Veranstaltung den Auftakt zum neuen Format „h_da Dialog-Forum“.

Informationen zur Veranstaltung

Beginn: 15.01.2020 | 19:00 Uhr

Ende: 15.01.2020 | 21:00 Uhr

Ort: Schader-Forum | Goethestr. 2 | 64285 Darmstadt
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Wirtschaftswachstum und seine Folgen

Wirtschaftswachstum galt bisher als der Marktwirtschaft inhärent: Unser Wirtschaftssystem folgt einer inneren Steigerungslogik, die ihren Ursprung unter anderem im Kreditschöpfungs- und Zinssystem hat.
Allerdings zeigen sich zunehmend und nicht erst seit dem ersten Bericht des Club of Rome im Jahr 1972 negative Begleiterscheinungen des wirtschaftlichen Wachstums, insbesondere im ökologischen Bereich.

Steigender Energie- und Rohstoffverbrauch sowie Schadstoffemissionen gehen mit einer Zunahme wirtschaftlicher Aktivitäten einher. Würde man diese Umweltbelastungen durch einen radikalen Umweltschutz eindämmen, hätte dies – so die Befürchtung – dramatische Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Vieles weist auf einen grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Erhalt der Umwelt hin.

Christian Felber, österreichischer Autor und potischer Aktivist, initiierte 2010 gemeinsam mit einer Runde von mehreren Unternehmern das Projekt Gemeinwohl-Ökonomie und gilt als Erfinder der Gemeinwohl-Bilanz. In seinem Vortrag legt er dar, wie die Gemeinwohl-Ökonomie einen Beitrag zur Auflösung des Zielkonflikts zwischen Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit leisten kann. „Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument. Das Gemeinwohl sollte das übergeordnete Ziel sein, dem alle wirtschaftlichen Aktivitäten dienen sollten“, so Felber. Sein Ansatz: Durch eine ethisch basierte Transformation der Marktwirtschaft kann eine gemeinwohlverträgliche Wachstumspolitik erreicht werden. Wirtschaftlicher Erfolg soll demnach daran bemessen werden, inwieweit ein Unternehmen zu Bedürfnisbefriedigung, Lebensqualität und Gemeinwohl beiträgt. Entsprechende Anreize, auch durch ein zu veränderndes Steuersystem, belohnen nachhaltiges Wirtschaften.
 

Ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Lösung im Zielkonflikt von Wirtschaftswachstum und Erhalt der Umwelt? Welche alternativen Ansätze gibt es?

Mit Christian Felber diskutierten im Anschluss Prof. Dr. Klaus-Michael Ahrend, HEAG Holding AG, Darmstadt, Prof. Dr. Thomas Döring, Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Friederike Edel, Hochschule Darmstadt, Dr. Friederike Habermann, Freie Wissenschaftlerin. Es moderierten Prof. Dr. Ulrich Klüh, Hochschule Darmstadt, und Dr. Kirsten Mensch, Schader-Stiftung.

Übereinstimmend wurde festgehalten, dass der Einfluss von Wirtschaftsunternehmen auf politische Entscheidungen um ein Vielfaches höher als der von den Bürgerinnen und Bürgern. Auch die zahlreich erschienenen Gäste beteiligten sich engagiert an der Diskussion. Dabei ging es auch um die Reflektion des eigenen Verhaltens und die Frage, was die und der Einzelne konkret tun kann, damit das Wirtschaftssystem sich stärker am Gemeinwohl orientiert. Verschiedene Formen bürgerschaftlichen Engagements und politischer Teilhabe von Protest bis Wahlurne wurden genannt. Mit Blick auf den globalen Kontext bietet auch der ressourcenintensive westlicher Lebensstil zahlreiche Ansatzpunkte, das (weltweite) Gemeinwohl zu stärken. Ansatzpunkte dafür könnten sein, das eigene Konsumverhalten hinterfragen, regionale und fair produzierte Erzeugnisse kaufen, die Produkte bestimmter Unternehmen mit großer Marktmacht meiden und den eigenen ökologischen Fußabdruck im Auge behalten.