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Mehr Bildung für alle. Geschlecht und Bildungschancen

Artikel vom 11.08.2004

Haben Frauen die Jahrhunderte währende Schlechterstellung überwunden? Wie die dokumentierten Informationen zeigen, lässt sich die  Frage aus Sicht der Chancengleichheit positiv beantworten. Bei der jüngeren Generation gibt es hinsichtlich des Bildungsgrades kaum noch Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Allerdings sind Frauen bei den höheren Universitätsabschlüssen, wie Promotionen und Habilitationen, deutlich unterrepräsentiert.

Der Aufstieg von Frauen im Bildungswesen

„Schon in den 50er Jahren gelangten Mädchen allmählich häufiger in Einrichtungen weiterführender Bildung. Aber noch in den 60er Jahren waren Mädchen bzw. Frauen um so seltener in Bildungseinrichtungen vertreten, je ‚höher‘ diese einzuordnen waren. Seit den 60er Jahren ist die Bildungsbeteiligung von Schülerinnen und Studentinnen dann zügig gewachsen.

Heute haben die Mädchen die Jungen im allgemeinbildenden Schulwesen nicht nur eingeholt, sondern weithin überholt. So waren Mitte der 90er Jahre nur noch 4 von 10 Jugendlichen (1995: 41,1 %), die Schulpflicht bereits nach der Hauptschule beendeten, weiblich. Unter denen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen, waren sogar nur ein gutes Drittel (1995: 35,1 %) Mädchen. Von den Absolventen der Realschulen sind seit den 60er Jahren bis heute gut die Hälfte (1995: 51,9 %) Mädchen.
Drastisch verbessert haben sich die Erfolge von Schülerinnen im Gymnasium: 1967 fanden sich unter den Abiturient(inn)en nur etwas mehr als ein Drittel (36,5 %) Mädchen. 1995 machten sie bereits mehr als die Hälfte (1995: 51,9 %) der Schulabgänger mit Allgemeiner Hochschulreife aus. Nur die Erlangung der Fachhochschulreife auf dem Weg über die Beruflichen Schulen ist noch eine Domäne der jungen Männer geblieben.

Insgesamt hat sich also die Situation im allgemeinbildenden Bildungswesen völlig verändert. Weibliche Absolventen haben die männlichen nicht nur überholt, sie erwerben heute im Durchschnitt auch bessere Noten. Insoweit können Frauen als die Gewinner der Bildungsexpansion gelten. Sie haben die neu geschaffenen Bildungsmöglichkeiten überproportional genutzt. (...)

Auch im berufsbildenden Ausbildungssystem hat sich die Situation für Frauen in den letzten Jahrzehnten sehr verbessert. Seit Beginn der 90er Jahre müssen prozentual weniger Frauen als Männer ohne abgeschlossene Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt gehen. Ein höherer Anteil der Frauen als der Männer macht eine Lehre und mehr von den Frauen als von den Männern absolvieren eine Berufsfach- oder Fachschulausbildung. Allein die Quote der abgeschlossenen Fachhochschul- und Universitätsausbildungen ist unter den jungen Männern (noch?) höher als unter den Frauen.

In den westdeutschen Hochschulen war im Jahre 1960 nur jede(r) vierte Studienanfänger(in) (27 %) eine Frau. Mitte der 90er Jahre hatten in Gesamtdeutschland die Frauen fast gleichgezogen: Nahezu die Hälfte (49,3 %) der Studienanfänger(innen) an Hochschulen waren im Jahre 1996 weiblich.

Allerdings finden wir auch noch in den 90er Jahren um so weniger Frauen, je höher das Niveau des jeweiligen Abschlusses etc. ist. Von den Diplom- und Magisterabsolvent(inn)en waren im Jahre 1995 41 % Frauen. Von 100 Doktortiteln wurden 1995 32 an Frauen vergeben. An den Habilitationen waren im Jahre 1996 Frauen zu 13 % beteiligt.“ (Hradil, Stefan 2001: Soziale Ungleichheit in Deutschland, 8. Auflage, Opladen, S. 160ff.)

Aktueller Stand: Frauen vorn - mit Ausnahme der höchsten Ebene

„Heute werden die Angebote des allgemeinen Bildungssystems von Frauen und Männern gleichberechtigt wahrgenommen, sodass bei der jüngeren Generation bezüglich des Bildungsgrades kaum noch geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen sind.

In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen hatten 31 % der Männer und
38 % der Frauen die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Demgegenüber besaßen im Jahr 2000 von den 50- bis 54-Jährigen 22 % der männlichen, aber nur 14 % der weiblichen Bevölkerung das Abitur. An den Realschulen wurden im Jahr 2000 etwa gleich viele Mädchen (51 %) wie Jungen unterrichtet; an den Gymnasien waren Mädchen sogar etwas stärker
(54 %) vertreten.

In der beruflichen Ausbildung neigen Mädchen eher zu schulischen, junge Männer eher zu betrieblichen Ausbildungsgängen. 2000 stellten junge Frauen zum Beispiel an den Berufsfachschulen (62 %) und den Schulen des Gesundheitswesens (81 %) die Mehrheit der Schüler. In der betrieblichen Berufsausbildung sind die weiblichen Auszubildenden dagegen noch erheblich unterrepräsentiert: Im Jahr 2000 waren nur 41% aller Auszubildenden Mädchen. (...)

An den deutschen Hochschulen lag der Anteil der Studentinnen im Wintersemester 2000/01 bei 46 %; bei den Studienanfängern machte der Frauenanteil 49 % aus. Im Jahr 2000 waren knapp die Hälfte der Erstsemester Frauen, und der Anteil der Studentinnen an den Studierenden lag bei 46 %. Der Frauenanteil bei den Hochschulabsolventen betrug 2000 45 %, und immerhin jeder dritte Doktortitel wurde von einer Frau erworben.

Gut die Hälfte der Beschäftigten an deutschen Hochschulen waren Ende 2000 Frauen. Ihr Anteil am hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personal betrug allerdings nur rund ein Viertel. In der Professorenschaft lag der Frauenanteil bei 11 %, in der höchsten Besoldungsstufe (C4) sogar nur bei 7 %. Im Vergleich zu 1980 haben sich jedoch diese Anteilswerte bei den verschiedenen Personalgruppen annähernd verdoppelt.“ (Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 74ff.)

Literatur und Links

Links zum Thema Bildung:

Downloadbare Dokumente

  • Artelt, Cordula et al. 2001: PISA 2000. Zusammenfassung zentraler Befunde, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 842kb
  • Baumert, Jürgen et al. (Hrsg.) 2002b: PISA 2000 - Die Länder der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich. Zusammenfassung zentraler Befunde, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 388kb
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 2002: Berufsbildungsbericht 2002, Bonn: BMBF Publik. pdf-Datei, 2751kb
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 2001a: Zahlenbarometer 2000/2001. Ein bildungs- und forschungsstatistischer Überblick, Bonn: BMBF Publik. pdf-Datei, 657kb     
  • Smolka, Dieter 2002: Die PISA-Studie: Konsequenzen und Empfehlungen für Bildungspolitik und Schulpraxis. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B41, S. 3-11. Online-Version   
  • Stanat, Petra et al. 2002: PISA 2000: Die Studie im Überblick, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 4956kb  
  • Statistisches Bundesamt 2002a: Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002, Stuttgart: Metzler-Poeschel. pdf-Datei, 491kb   
  • Statistisches Bundesamt 2002b: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 2 pdf-Dateien, 391kb und 64kb

Literatur zum Thema Bildung:

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  • Artelt, Cordula et al. 2001: PISA 2000. Zusammenfassung zentraler Befunde, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 842kb
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  • Baumert, Jürgen et al. (Hrsg.) 2002b: PISA 2000 - Die Länder der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich. Zusammenfassung zentraler Befunde, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 388kb
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  • Baumert, Jürgen 2001: Deutschland im internationalen Bildungsvergleich, Köln. pdf-Datei, 527kb
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  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 2001a: Zahlenbarometer 2000/2001. Ein bildungs- und forschungsstatistischer Überblick, Bonn: BMBF Publik. pdf-Datei, 657kb
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 2001b: Grund- und Strukturdaten 2000/2001, Bonn: BMBF Publik. pdf-Datei, 2648kb
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 2001c: Gutachten zur Bildung in Deutschland, Bonn: BMBF Publik. pdf-Datei, 4572kb
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  • Stanat, Petra et al. 2002: PISA 2000: Die Studie im Überblick, Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. pdf-Datei, 4956kb
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  • Weizsäcker, Robert K. von 1999: Chancengleichheit, Statusmobilität und öffentliche Bildungsinvestitionen. In: Timmermann, Dieter (Hrsg.): Berufliche Weiterbildung in europäischer Perspektive, Berlin: Duncker & Humblot, S. 93-113.
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