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Feldforschung Stadt - 29 Antworten

Artikel vom 20.09.2007

Mit der Ausstellung „Feldforschung Stadt – 29 Antworten“ setzen die Schader-Stiftung und das Hessische Landesmuseum Darmstadt (hier) ihre Kooperation unter dem Titel „Bilder gesellschaftlichen Wandels“ fort, die im Februar 2007 mit der Präsentation „Die fremde Landschaft“ begann

Bilder gesellschaftlichen Wandels 2

Eröffnung der Ausstellung durch Prof. Stefan Hradil, Vorstandsvorsitzender der Schader-Stiftung

Der Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und bildender Kunst, dem sich die Ausstellungsreihe „Bilder gesellschaftlichen Wandels“ widmet, schreitet von der Diskussion über die Wahrnehmung und das Verständnis von Landschaft zur Betrachtung des besonderen ‚Areals’ der Moderne: die Stadt. Die Entwicklung der modernen Stadt, die Charakteristik der architektonischen Gestalt, der Lebensbedingungen der Bewohner, des sozialen Gefüges und der planerischen sowie politisch-sozialen Vergangenheit und Zukunft zu betrachten, zu erforschen und zu diskutieren, ist ein besonderes Anliegen der Schader-Stiftung seit Anbeginn ihrer Tätigkeit.

Das Verhältnis des Städters zum umgebenden Land definierte in der Geschichte der Kunst die unterschiedlichen Facetten der Landschaftsmalerei. Die Stadt als Motiv des Künstlers reflektiert ein ebenso strukturiertes Verhältnis. Die Stadt ist in der Regel die unmittelbare Lebensumgebung des Künstlers. Sie ist das Motiv, in dem sich Moderne und damit die literarische und bildkünstlerische Avantgarde widerspiegeln. Und sie ist das ‚Feld’, dessen innere und äußere Strukturen derart mit dem Körper- und dem Raumgefühl, der Formensuche und der Formempfindung, der Identität und Nichtidentität oder des Vertrauten und Fremden verbunden sind, dass es zu einem beispielhaften interdisziplinären Forschungsfeld nicht nur der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sondern auch der Kunst geworden ist. Gerade in den letzten Jahrzehnten, in denen der öffentliche Raum in seinem häufig spannungsvollen Verhältnis zum Städter als geborenen Individualisten diskutiert wird, haben auch die bildenden Künstler begonnen, auf unterschiedlichsten Wegen diesen städtischen Raum bewusst zu machen und ihn aus vielfältigen Perspektiven konzeptuell und gestalterisch zu untersuchen. Aufbauend auf einer klassischen Moderne, die Stadt zum Motiv wählt, erweiterten Künstler diesen Zugriff durch forschende und aktionistische Methoden.

Die Realisierung dieser Ausstellung, die zu einem großen Teil aus den Beständen des Hessischen Landesmuseums bestückt ist, war wiederum nur durch die enge finanzielle und organisatorische Vernetzung der beiden Institutionen möglich. Für das Konzept und die Umsetzung der Präsentation danken wir dem Kustos Dr. Klaus-D. Pohl vom Hessischen Landesmuseum und Frau Dr. Stephanie Hauschild von der Schader-Stiftung sowie allen anderen an dem Projekt Beteiligten.

Mit Werken des Berliner Künstlers Erik Göngrich wird die Ausstellung auch erstmals in den öffentlichen Raum vor der Schader-Stiftung und damit direkt in den städtischen Verkehrsraum erweitert. Gerade hier bestimmte Aspekte von Stadt bewusst zu machen, ist besonderer Reiz und Herausforderung zugleich.

Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen? - Künstlergespräch mit Pia Linz

Pia Linz: Frankfurt - Hauptbahnhof (Haubenbild), 1997 (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Vor Ort des halböffentlichen Raumes des Frankfurter Hauptbahnhofs  notierte ich bereits 1985 akribisch auf DIN A4 großen Blättern meine Beobachtungen, die ich anschließend im Atelier zum großen Bild verarbeitete. Trotz der, wie ich meinte, unauffälligen Tätigkeit, erregte ich einiges Aufsehen. Einmal hat ein Obdachloser eine Notiz ergänzt. Ein anderes Mal wollten Polizeibeamte sicherstellen, dass ich keine Pläne zum Bomben legen anfertige.

1997 saß ich schließlich unter einer Plexiglashaube auf dem Bahnsteig des Gleises 24. Diesmal mit offizieller Genehmigung vom Bahnhofsmanager, um der Polizei das Rätselraten zu ersparen. Auf das Innere des Plexiglaskubus hielt ich mit Farbe und Pinsel fest, was ich rundherum gesehen habe. Ähnlich dem Verfahren der Hinterglasmalerei entwickelte sich das spiegelverkehrte Bild meiner Innensicht auf der Außenseite des Plexiglaskubus. So konnte man von außen betrachten, was ich von innen gesehen habe. Die allein schon über die skurrile Arbeitsanordnung verblüfften Passanten warfen mir immer wieder die Frage zu:  „Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?“

Seitdem, sei es, dass ich auf dem Alexanderplatz unter einem am Baum hängenden Kegel sitze und male, im Inneren eines  Plexiglasgehäuses unter der Treppenschräge im Foyer des Berliner Fernsehturms an der Vorzeichnung zur Gehäusegravur arbeite, oder sei es, dass ich monatelang im Londoner Mile End Park mit der Hilfe eines Zeichenbrettes meine Beobachtungen aufzeichne, verfolgt mich diese Frage.

Im Künstlergespräch werde ich sie ausführlich beantworten.