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Netzwerk für Integration
Durch die Erfahrungen des Praxisforschungsprojekts ermutigt, beteiligte sich der Landkreis an dem Modellprojekt der Bundesregierung „Netzwerk für Integration von Spätaussiedlern“, das im März 2001 entstand und auf drei Jahre angelegt war. In Hessen war das Projekt des Landkreises das einzige, bundesweit gab es noch fünf weitere. Unter allen Projekten war dieses das einzige mit durchgängiger wissenschaftlicher Begleitung – erneut durchgeführt von Prof. Straßer von der EFH Darmstadt. In der Steuerungsgruppe des Netzwerks wirkten u.a. Vertreter verschiedener Ämter (Jugendamt, Sozialamt, Ausländeramt, Stadtverwaltung) mit, deren Kooperation dadurch entscheidend verbessert wurde, was sich positiv auf die Effektivität und Effizienz der Integrationsarbeit auswirkte. Weitere wichtige Kooperationspartner waren und sind: Kindergärten, Schulen, Vereine, Verbände, Polizei, Arbeitsverwaltung, Betriebe sowie engagierte Einheimische und die Migranten selbst.
Als Datengrundlage für die Bestandsaufnahme im Netzwerk konnten neben den Erhebungen des Praxisforschungsprojekts auch Strukturdaten verschiedener Ämter sowie die Ergebnisse einer Sozialraumanalyse herangezogen werden. Als integrationserschwerende Faktoren wurden ermittelt:
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- zunehmender Ausbildungsplatzmangel und wachsende Zahl von Schulabgängern
- unüberschaubare Bildungsträger-Landschaft
- steigende Zahlen von Benachteiligten
- ländliche Struktur und lange Wege
- Grauzone nicht erfasster Jugendlicher
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Als entscheidendes Handlungsfeld wurde daher die Jugendberufshilfe erachtet, für die das Projekt folgende übergeordnete Schwerpunkte konzipierte:
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- „Implementierung eines kreisweiten Netzwerkes Jugendberufshilfe
- Entwickung einer Kommunikation zwischen Akteuren der Jugendberufshilfe
- Auf- und Ausbau von Strukturen der Jugendberufshilfe im ländlichen Raum
- Initiieren von lokalen Foren an drei Standorten im Landkreis
- Optimierung des Bereiches Übergang Schule – Beruf
- Effektivere Vermittlung von jungen Menschen in Ausbildung“ (Baumert/Brechlin 2001)
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Die in einigen Städten des Landkreises eingerichteten so genannten „lokalen Foren“ dienten vor allem der Sensibilisierung, Gewinnung und der Kommunkation der ortsansässigen Akteure untereinander, um dann nach lokalen Bestandserhebungen konkrete Projekte zu entwickeln.
Die den lokalen Foren übergeordnete strategische Steuerung übernahm ein Projektbeirat, in dem Personal mit Leitungsfunktionen aus dem beteiligten Akteurskreis angesiedelt war. Aufgabe dieses Projektbeirats war die Vernetzung der gesamten Arbeit sowie die Ermittlung finanzieller und organisatorischer Umsetzungsmöglichkeiten. Die Zusammensetzung des Beirats machte ihn sowohl arbeits- als auch beschlussfähig, was die Umsetzung von Projekten erheblich beschleunigte.
Entsprechend den o.g. Schwerpunkten wurden auf lokaler Ebene verschiedene Praxismodelle entwickelt, von denen als besonders erfolgreich und am ehesten auf andere Standorte zu übertragen sind:
Lokale Berufsmesse
Schule, lokale Betriebe und Arbeitsamt kooperierten bei einer Berufsinformationsmesse, bei der Ausbildungsinhalte und –voraussetzungen, berufstypische Tätigkeiten und Perspektiven nicht nur in Vorträgen, sondern anhand praktischer Vorführungen und Möglichkeiten zur Selbsterprobung vorgestellt wurden.
Modell „Türöffner“
Ein Mitglied einer Gemeindevertretung und die Berufsberatung des Arbeitsamtes akquirierten zusätzliche Ausbildungsplätze, indem der Gemeindevertreter als Türöffner in den Betrieben fungierte und der Vertreter des Arbeitsamtes über Fördermöglichkeiten informierte. So entstanden durch Gespräche an zwei Tagen sieben neue Ausbildungsplätze.
Ferienpraktikumsbörse
Die Ferienpraktikumsbörse ermöglichte es insbesondere theoretisch schwachen Schülern, sich bei einem freiwilligen zwei- bis dreiwöchigen Ferienpraktikum praktisch unter Beweis zu stellen und damit ihre Aussicht auf einen Ausbildungsplatz zu erhöhen. Die Projektbetreuung übernahmen Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe.
Kooperationsmodell Schule – Schule
In Kooperation von Gesamtschule und beruflicher Schule am selben Ort stellte die berufliche Schule ihre Fachräume und ihr Lehrpersonal zur Verfügung, um Schülern der Stufe H 8 Einblicke in verschiedene Berufsbereiche, wie z.B. Holz, Metall, Ernährung/Hauswirtschaft, EDV, zu geben.
Betriebe in Schulprojektwochen
Im Rahmen einer Schulprojektwoche erarbeiteten Schüler durch Interviews in Betrieben unterschiedliche Berufsbilder, die sie am „Tag der offenen Tür“ in ihrer Schule anhand verschiedener Medien präsentierten. An dieser Berufserkundung vor Ort zeigten bereits Siebtklässler hohes Interesse.
Die Projektumsetzung des Netzwerks zeigte, dass die Gewinnung von Schlüsselpersonen und Entscheidungsträgern bereits in der Planungsphase sowie deren weitere kontinuierliche Mitwirkung und Unterstützung unabdingbar für den Erfolg eines solchen Projektes sind. Auf dörflicher bzw. kleinstädtischer Ebene sind diese Personen von Boos-Krüger und Micksch/Schwier als „Ortsautoritäten“ bezeichnet worden, die sowohl in positiver wie in negativer Hinsicht Meinungsführerschaft ausüben und Vorbildfunktion annehmen.
Nach Projektende wurde das Weiterbestehen des Netzwerks durch eine Vereinsgründung gesichert. Der sich selbst tragende Verein umfasst derzeit 24 natürliche und juristische Personen, darunter z.B. den LK Hersfeld-Rotenburg und die Diakonie. Das Netzwerk für Integration mit seiner für die Integrationsarbeit zentralen Steuerungsgruppe wird an den Landkreis angegliedert, um die Zusammenarbeit mit dem dort ansässigen Fachdienst Migration zu intensivieren, da beide Einrichtungen sich gegenseitig ergänzen, aber auch fordern.
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© 2001 - 2010 Schader-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Änderung: 02.12.2005 |
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