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Vorbild 1: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

wappen landkreis hef-rof Der Landkreis: Einwohner – Strukturdaten – räumliche Verteilung der Zuwanderer

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist ein ländlich strukturierter Flächenlandkreis im Nordosten Hessens an der Grenze zu Thüringen. Der Landkreis umfasst 4 Städte und 16 Gemeinden mit insgesamt gut 129.000 Einwohnern und hat eine Flächenausdehnung von rd. 1.100 qkm. Der Zuwandereranteil an der Gesamtbevölkerung beträgt ca. 9,1% (31.12.2002), davon sind 4% Aussiedler und 5 % Ausländer, unter letzteren stellen Türken die größte Gruppe. Die Arbeitslosenquote im Landkreis beträgt zum 31.12.2003 durchschnittlich 9,9%, unter Ausländern ist sie mit 23,3% fast zweieinhalb Mal so hoch. Insgesamt besitzen 10% der Schulabgänger des Schuljahres 2002/2003 keinen Hauptschulabschluss, mit fast 14% ist ihr Anteil unter den Ausländern aber nur geringfügig höher. In einigen Städten bzw. Stadtteilen ist die Konzentration von Ausländern bzw. Aussiedlern oder beiden Zuwanderergruppen besonders hoch; so in der Gemeinde Alheim, in den Städten Rotenburg und Bebra sowie im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft, obgleich der Landkreis – mancherorts mit Erfolg – versucht hat, Wohnsegregation durch die gezielte Vermittlung in private Mietwohnungen zu verhindern.

Arbeit als Integrationspotenzial geschwächt

Der Arbeitsmarkt als Integrationsfaktor - gerade auch für gering qualifizierte Personen - hat seit den 90er Jahren an Bedeutung verloren. Das konstant hohe Niveau der Arbeitslosigkeit in der Region ist historisch bedingt durch die so gen. Zonenrandlage, jüngst gesteigert durch Arbeitsplatzabbau im Allgemeinen und nochmals verschärft durch die Verlagerung bzw. Aufgabe von ansässigen Firmen(teilen) im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands und des damit verbundenen Wegfalls von lagebedingten Fördermitteln. Integrationspotenziale wie Wohnen und Zusammenleben haben statt dessen an Bedeutung gewonnen. Die Migrationsverwaltung des Landkreises als Bestandteil der reinen Regelverwaltung mit dem Ziel, den Lebensunterhalt der Migranten sicherzustellen, reichte nicht mehr aus. Eine Weiterentwicklung zur sozialen Migrationsverwaltung wurde nötig.

Entwicklung der strategischen Integrationspolitik des Landkreises im Überblick

Die Darstellung der Entwicklung der strategischen Integrationspolitik im Landkreis Hersfeld-Rotenburg erfolgt zunächst in einem kurzen Überblick. In weiterführenden Links werden die Informationen vertieft.

1) Praxisforschungsprojekt mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt

1998 startete ein Praxisforschungsprojekt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, das von der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt (Prof. Strasser) initiiert worden war und dem Ziel diente, die Integrationschancen von jugendlichen Aussiedlern im ländlichen Raum zu verbessern und diesen Prozess wissenschaftlich zu begleiten. Aus dem Projekt ging der erste Nordhessische Aussiedlerfachtag hervor, auf dem sich nordhessische Kommunen nunmehr alljährlich über ihre regionale Integrationsarbeit austauschen.

2) Netzwerk für Integration

Durch die Erfahrungen des Praxisforschungsprojekts ermutigt, beteiligte sich der Landkreis an dem Modellprojekt der Bundesregierung „Netzwerk für Integration von Spätaussiedlern“, das im März 2001 entstand und auf drei Jahre angelegt war. Es war das einzige Projekt mit durchgängiger wissenschaftlicher Begleitung – ebenfalls durch Prof. Strasser von der EFH Darmstadt. In der Steuerungsgruppe des Netzwerks wirkten u.a. Vertreter verschiedener Ämter mit, deren Kooperation dadurch entscheidend verbessert wurde.

Nach Projektende wurde das Weiterbestehen des Netzwerks durch eine Vereinsgründung gesichert. Der Verein umfasst derzeit 24 natürliche und juristische Personen, darunter z.B. den LK Hersfeld-Rotenburg und die Diakonie.

Land Sprache

Land Sommerfest2

Land Kindergarten3
 


3) Handlungsfelder der Integration

Säulen der Integrationsarbeit im Landkreis sind die aufeinander aufbauenden Elemente „Sprache – Arbeit – Integration“. Denn ohne fundierte Sprachkenntnisse fehlt die Möglichkeit, erfolgreich am Erwerbsleben teilnehmen zu können. Und ohne diese Art der Selbstbestätigung wird die Integration in die neue Gesellschaft enorm erschwert. Aus der kontinuierlichen Netzwerkarbeit sind daher folgende Handlungsschwerpunkte hervorgegangen:

  • Sprach- und Integrationsangebote des Landkreises
  • Vereinsgründungen, Interkulturelle Woche
  • Jugendberufshilfe
  • Information und Beratung von Zuwanderern vor Ort


4) Integrationsleitbild des Landkreises

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der netzwerkorientierten Arbeit sah sich der Landkreis bestätigt, die Integrationsarbeit als kommunale Querschnitts- und Gesamtsteuerungsaufgabe in der kommunalpolitischen Beschlussfassung zu verankern. Der Kreistag beschloss am 1. November 2004 „Leitlinien zur Integration von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg“.

5) Ausblick auf die künftige Integrationspolitik und –arbeit im Landkreis

Die Integrationsleitlinien legen den Grundstock dafür, dass ein umfassender Integrationsansatz beteiligungsorientiert über das Netzwerk in einem bottom-up-Verfahren angestoßen und kommunalpolitisch, also top down, gesichert und verstetigt wird. Der Ausbau der bisher rein an Leistungsvergabe orientierten Regelverwaltung für Migration hin zu einer sozialen Integrationsverwaltung kann dadurch weiter vorangetrieben werden. Dies geht einher mit einer Verwaltungsöffnung und der eigeninitiativen Mitarbeit von Migranten an den Projekten und Maßnahmen.

Ansprechpartner im Landkreis
Frank Hildebrand
Fachdienstleiter Migration und Integration
Friedloser Str. 12
36251 Bad Hersfeld
Tel.: 06621 / 87-293
E-mail: frank.hildebrand@hef-rof.de


Literatur und Links

Baumert, Martina/ Brechlin, Christiane: Die Entwicklung regionaler Netzwerke im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. In: S. Weber (Hg.): Netzwerkentwicklung in der Jugendberufshilfe. Erfahrungen mit institutioneller Vernetzung im ländlichen Raum. Opladen 2001: Leske + Budrich. S. 153-173

Bertelsmann Stiftung und Bundesministerium des Innern: Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Auschreibung Teil II. Fragebogen ausgefüllt vom LK Hersfeld-Rotenburg. o.O. o.J.

Fachdienst Migration des LK Hersfeld-Rotenburg: Wettbewerb „Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik“. (Ausführliche Bewerbung des LK)

Netzwerk für Integration – Ein Modellprojekt des Bundes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg (Hessen) (Seitenaufruf vom 31.5.2005)

Schnelle Integrationskurse. In: Hersfelder Zeitung vom 14.5.2005

Strasser, Gert: Lernprozesse auf dem Weg zu einer regionalen Vernetzung – Anmerkungen zur wissenschaftlichen Begleitung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. In: S. Weber (Hg.): Netzwerkentwicklung in der Jugendberufshilfe. Erfahrungen mit institutioneller Vernetzung im ländlichen Raum. Opladen 2001a: Leske + Budrich. S. 175-184

Strasser, Gert: Netzwerke für Integration. Planung und Management. In: U. Mehrländer, G. Schultze (Hg.): Einwanderungsland Deutschland. Neue Wege nachhaltiger Integration. Bonn 2001b: J.H.W. Dietz Nachf. S. 174-194




 
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Letzte Änderung: 02.12.2005