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Praxis des Stadtumbaus
Stadtumbau in Eisenhüttenstadt

Flächenhafter Abriss und Nachnutzung des Wohnkomplexes VII


Das Projekt in Bildern
Städtebauliche Einordnung des Wohnkomplexes VII, der Bestand vor dem Abriss und Rahmenplanung. Zur Fotogalerie >>
Der gesamte Wohnkomplex von oben Eisenhüttenstadt Luftbild
Eckdaten des Stadtumbaus in Eisenhüttenstadt Einwohnerentwicklung:
Rückgang der Einwohnerzahl zwischen 1989 bis 2004 um 32%.
1989: 52.393 Einwohner
2004: 35.773 Einwohner

Ziele des Stadtumbaus:
Stärkung der Innenstadt, insbesondere der denkmalgeschützten Wohnkomplexe I-III sowie der Lindenallee
Herstellung einer tragfähigen Stadtstruktur
Flächenhafter Abriss von 4.500 Wohnungen bis zum Jahr 2010
Sanierung von 3.500 bis 4.000 Wohnungen bis 2015, dabei Konzentration von Modernisierungs- und Aufwertungsmaßnahmen
Festlegung von Teilgebieten in die vorerst nicht investiert wird
Lenkung der Nachfrage an Bauplätzen für Eigenheime

Ziele des Projekts:
Nahezu vollständiger Abriss des gesamten Wohnkomplexes VII
Bauliche Nachnutzung im Nordosten des Wohnkomplexes VII Nord; Integration in den städtebaulichen Zusammenhang des Stadtteils Fürstenberg (Oder)
Renaturierung weiter Flächen des Wohnkomplexes VII
Rückbesinnung auf die historische siedlungsstrukturelle Prägung des Stadtteils Fürstenberg (Oder)

Die Situation Eisenhüttenstadt entstand im Zuge des Aufbaus einer eigenen Schwerindustrie der jungen DDR als Planstadt gemäß den "Sechzehn Grundsätzen des Städtebaus". Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt ging mit enormen Bevölkerungszuwächsen einher, so dass mit der wirtschaftlichen Entwicklung sukzessiv neue Wohngebiete (sog. Wohnkomplexe) errichtet wurden: Die im Sinne der nationalen Bautradition erbauten, heute denkmalgeschützten WK I-III (1951-1958), der WK IV (1958-1964), der WK V (1961-1966) und die in den Folgejahren in industrieller Bauweise errichteten WK VI (1965-1977) und WK VII (1983-1987). Die mit der Wiedervereinigung Deutschlands einsetzenden wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Veränderungen führten zu starken Bevölkerungsverlusten von insgesamt ca. 32%. Dies wiederum bewirkte einen enormen Anstieg der Zahl leerstehender Wohn- und Gewerberäume, ungenutzter öffentlicher Gebäude sowie innerstädtischer Brachflächen. Ende 2003 standen in Eisenhüttenstadt ca. 4.800 Wohnungen bzw. 22% des Gesamtwohnungsbestandes leer. Der Wohnungsleerstand konzentriert sich dabei vor allem auf den WK VII (49%), den Bereich Fähr-/Tunnelstraße (38%) und die WK I-III (27-32%).

Den Schwerpunkt der Umstrukturierung mit Gebäudeabrissen bildet der Wohnkomplex VII mit ca. 3.150 Wohneinheiten und einer Gesamtfläche von ungefähr 43 ha. Gleichzeitig bildet dieser die südliche Erweiterung des historischen Stadtteils Fürstenberg (Oder). Die überdimensionierte Straße der Republik trennt den WK VII in ein Nord- und ein Süd-Quartier.
Der gesamte Wohnkomplex ist nur mangelhaft in den Stadt- und Landschaftsraum eingebunden. Das vornehmlich 6-geschossige Plattenbaugebiet (Typ P2 RS) mit einigen Würfel- und Punkthochhäusern ist geprägt durch eine hohe Dichte, überwiegend hofartigen Raumstrukturen und eine ungenügende Ausstattung mit Grünflächen. Investitionen wurden bisher nur für das Wohnumfeld getätigt. Der Wohnkomplex verlor seit 1995 57% seiner Bevölkerung und weist die mit Abstand höchste Leerstandsquote in der Stadt auf.

Das Projekt Die umfassende Umstrukturierung des WK VII wurde mit den Abrissen der Wohngebäude Eisenbahnstraße 35-38 und Malzweg 11-20 (ca. 150 Wohneinheiten) im Jahr 2003 eingeleitet. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgte mit Mitteln des Förderprogramms „Stadtumbau Ost“, Programmteil Rückbau. 2004 wurden nochmals über 400 Wohnungen abgerissen und für das Jahr 2005 ist ein Abbruch weiterer 485 Wohneinheiten geplant.
Der Stadtumbau im WK VII wird durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Neben regelmäßigen Informationen in der Presse, dem Stadtfernsehen und dem Stadtspiegel sowie Informationstafeln im Rathaus gab es bisher zwei Bürgerveranstaltungen, ein Seniorenforum und eine Informationsveranstaltung für Spätaussiedler und Bewohner des WK VII Süd zum Stadtumbau. Des Weiteren informiert die Stadtumbauzeitung „EisenhüttenSTADT IM UMBAU“, welche seit Herbst 2003 erscheint, über den jeweils aktuellen Stand der Umbauprozesse.

Insgesamt ist für den WK VII bis 2010/15 der Abriss von ca. 2.800 Wohnungen vorgesehen. Der Abriss der Wohnungsbestände lässt sich wie folgt unterteilen:
- 2003 bis 2006: vollständiger Abriss des WK VII Süd (ca. 1.150 WE)
- 2006 bis 2010/15: Abriss von ca. 1.650 der 2.000 Wohnungen im WK VII Nord durch flächenhafte Abbrüche
Für die verbleibenden Objekte des WK VII Nord ist vorerst keine Modernisierung vorgesehen. Für die im WK VII Nord befindliche leerstehende Kaufhalle und Großgaststätte ist im teilräumlichen Konzept mittelfristig der Abriss vorgesehen, jedoch wird die Umsetzung dieser Maßnahme durch einen Eigentümerwechsel erschwert.
Neben dem Abriss von Wohneinheiten ist auch ein Rückbau der Straßenerschließung, der Stellplatzanlagen, nicht mehr benötigter Wege und sonstiger versiegelter Flächen vorgesehen. In Anbetracht der bei einem Komplettrückbau der technischen Versorgungsanlagen anfallenden Kosten sollen die stillgelegten Ver- und Entsorgungsleitungen in den zu renaturierenden Bereichen überwiegend im Erdreich verbleiben und nur der Leitungs- und Anlagebestand rückgebaut werden, der unbedingt entfernt werden muss. Nur im baulich nachzunutzenden Bereich des WK VII Nord wird die grundlegende Straßen- und Leitungsnetzstruktur erhalten, dabei jedoch der zukünftigen Nutzung entsprechend umgebaut und erweitert.

Auf dem überwiegenden Teil der Fläche des WK VII Süd sieht das Nachnutzungskonzept die Schaffung einer einfach gestalteten Freifläche unter Einbeziehung des vorhandenen Gehölzbestandes vor, die weitgehend der Sukzession überlassen werden soll. Parallel zur Bahntrasse und im Süden soll zur räumlichen Einfassung und Abschirmung gegenüber den Bahnanlagen eine Aufforstung von Flächen erfolgen. Vorhandene Spielflächen sollen durch ein einfaches Wegenetz und ein vom ehemaligen WK VII Nord kommendes, freiraumplanerisch gestaltetes Nord-Süd-Band miteinander verknüpft werden. Vorgesehen ist der Einsatz unterschiedlicher Materialien und Pflanzen, die den Übergang von der Stadt in den Landschaftsraum visualisieren. Der städtebauliche Entwurf für den WK VII Nord sieht für den an den historischen Teil Fürstenbergs (Oder) angrenzenden Bereich im wesentlichen eine Bebauung mit freistehenden Einfamilienhäusern und einigen Doppel- und Reihenhäusern vor (ca. 100 WE). Darüber hinaus wird eine Fläche für einen Lebensmitteldiscounter, der überwiegend Versorgungsfunktionen für die Bewohner des historischen Stadtteils Fürstenberg (Oder) wahrnehmen soll, vorgehalten.
Die übrige im WK VII Nord frei werdende Fläche soll wegen des begrenzten Nachfragepotenzials an Bauflächen lediglich eine landschaftsplanerische Gestaltung erfahren. Die Fläche soll dabei in drei Bereiche untergliedert werden: einen Aufforstungsbereich, ein Areal mit Feldstrukturen und ein auf die Fläche des ehemaligen WK VII Süd führendes Nord-Süd-Band. Die um die neue Freifläche liegenden Siedlungsgebiete sollen durch ein einfaches Wegenetz miteinander verknüpft werden.
Die öffentliche Nutzung der neuen Freiflächen im WK VII Süd und Nord soll nach Möglichkeit über den Erwerb durch die Stadt erfolgen. Von Seiten der Wohnungsunternehmen besteht darüber hinaus Interesse an der Entwicklung der geplanten Neubauflächen im WK VII Nord. Hier sei daher ein Flächentausch im Gebiet empfehlenswert.

Kommentierung Das Projekt setzte konzeptionell und konsequent auf einen weitgehend flächenhaften Abriss. Mit der Umstrukturierung des WK VII wird ein bedeutender Beitrag zur Konsolidierung des Eisenhüttenstädter Wohnungsmarktes geleistet. Der geplante Abriss stellt dabei bewusst einen überproportionalen Eingriff dar. Er gilt als eine Konsequenz der langfristigen, negativen Entwicklungsperspektiven und ist zudem Ergebnis einer stadträumlichen Prioritätensetzung, die den langfristigen Erhalt und die Aufwertung der denkmalgeschützten WK I bis III verfolgt.
Mit dem Neubau von Eigenheimen auf einer Teilfläche des WK VII Nord soll ein Angebot geschaffen werden, das auch längerfristig nachgefragt wird. Auf den übrigen, randstädtisch gelegenen Flächen wird nach dem Rückbau des Bestandes auf eine bauliche Nachnutzung verzichtet. Hier sieht das Konzept vor allem eine Renaturierung durch Einfachbegrünung mit anschließender Sukzession vor.

Weitere Hinweise und Kontakte Stadt Eisenhüttenstadt:
FB Stadtentwicklung / Stadtumbau und Wirtschaftsförderung
Frau Nowak, Fachbereichsleiterin
Postfach 7361, 15873 Eisenhüttenstadt
Telefon: 03364 / 566-277

Frau Haubold, Bereich Stadtentwicklung / Stadtplanung
Telefon: 03364 / 566-264

Planung und externe Begleitung:
B.B.S.M. Brandenburgische Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Herr Ullrich
Behlertstr. 3a, Haus B, 14467 Potsdam
Telefon: 0331 / 289 97-83

Wohnungsunternehmen:
GeWi Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH, Frau Irmer
Karl-Marx-Straße 35 c, 15890 Eisenhüttenstadt
Telefon: 03364 / 423-532

EWG Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft e.G., Herr Häusler
Fährstraße 1, 15890 Eisenhüttenstadt
Telefon: 03364 / 7550-50

 
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Letzte Änderung: 26.07.2005