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Fortsetzung: Kontinuität statt Wandel?

"Wie vor 20 Jahren dominieren die funktionale Einbauküche - eine Erfindung der Zwanziger - und die neo-barocke Polstergruppe. Andritzkys verblüffende Analyse: Es sind gerade die Wechselfälle, die vielfältigen Reize der modernen Welt, die die "Immobilität des Möbels" bewirken. "Ein Mensch, der ständig woanders lebt, kann sich nicht verorten. Gerade in einer hoch mobilen Gesellschaft ist das aber ein wichtiger Aspekt. Deshalb ändert sich das Wohnen nur langsam. Wo man sich im Dunkeln zurechtfinden möchte, müssen die Dinge ihren Platz haben."

(...)Die Anhänglichkeit ans traute Heim und - dazu passend - ans ererbte, möglichst richtig alte Möbel zieht sich durch die Jahrzehnte. So waren Nierentische und Tütenlampen keineswegs die beliebtesten Einrichtungsgegenstände der fünfziger Jahre. Das beweist eine der ersten Umfragen von Allensbach aus dem Jahre 1954. 60 Prozent der Befragten ersehnten das Vorkriegswohnzimmer, mit wuchtigen Polstermöbeln, schwerem Buffet und großem Esstisch. Nur klägliche 7 Prozent wünschten Nierentische und Schalensessel. Auch die kollektive Erinnerung an eine unfassbar progressive 68er-Zeit scheint zu trügen. Dafür liefern die Möbel erstaunliche Indizien: Die Forscher entdecken lauter regressive Vorlieben, die so genannten Sitzlandschaften etwa, bei denen ganze Raumteile kinderzimmermäßig kuschelig ausgepolstert waren. Und der Ruf der ersten WG-Bewohner als wüste Gesellen ist auch gemogelt: Ein Großteil von ihnen siedelte gern in behaglicher Atmosphäre, bevorzugte bürgerliche Altbauwohnungen. Das Hochbett wurde studentisch-feudal zwischen Parkettboden und Stuckdecke gezimmert.

In die WGs kehrte zudem der Trödel zurück. Vor allem aus finanziellen Gründen nahmen sich die Studenten des Edelplunders an, den der Krieg übrig gelassen hatte. Ein Aufbruch in neue Zeiten im Retro-Ambiente. Revolte, wo ist dein Schrecken? Die revoltefernen Gruppen sorgten ohnehin für eine "Hoch-Zeit von Neobiedermeier und Stilmöbeln aller Art", darauf weisen die Forscher geradezu genüsslich hin. Die wilden Sechziger hatten also - längst verdrängte - wehmütig-nostalgische Seiten.“

 
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Letzte Änderung: 06.06.2005