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Städtische Kreativität
Jüterbog – Das Kulturquartier Mönchenkirche



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Die Mönchenkirche in Jüterbog (Brandenburg) Jüterbog Kulturquartier Mönchenkirche
Außenansicht Mönchenkirche.jpg
Schrumpfendes Jüterbog: mittelalterlich geprägte, ehemalige Garnisonsstadt im Süden des Landes Brandenburg Stadtentwicklung in Jüterbog seit 1990

Die mittelalterlich geprägte ehemalige Garnisonsstadt Jüterbog ist in demographischer und ökonomischer Hinsicht eine schrumpfende Stadt. Die Einwohnerzahl der im Land Brandenburg liegenden Stadt Jüterbog nimmt seit Jahren stetig ab. Sie verringerte sich von 14.794 Personen im Jahr 1990 auf 13.680 Einwohner im Jahr 2002. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe [Stadt Jüterbog 2003b, S. 1f]:
- Die natürliche Bevölkerungsentwicklung der Stadt Jüterbog ist negativ.
- Jüterbog hat seit 1990 im Saldo leichte Wanderungsverluste zu verzeichnen, die anfänglich hauptsächlich in Richtung Umland, in jüngerer Zeit vor allem in die alten Bundesländer gehen.
- Die altersstrukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung verschiebt sich zugunsten der Älteren, während die Zahl der Personen im jugendlichen Alter sowie der im erwerbsfähigen Alter abnimmt.

Im Jahr 2010 werden einer Prognose des Umweltamtes des Landes Brandenburg zufolge lediglich noch ca. 13.000 Personen in Jüterbog leben. Der Sterbeüberschuss wird voraussichtlich auch weiterhin von maßgeblicher Bedeutung für die Einwohnerentwicklung sein, während die Wanderungsverluste eine geringere Rolle spielen werden [Stadt Jüterbog 2003b].

Zieht man die Arbeitslosenquote als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung heran, so werden die negativen ökonomischen Trends in Jüterbog ebenfalls deutlich. Die Arbeitslosenquote liegt seit Jahren auf hohem Niveau. Zwar sank sie bis zum Jahr 2002 auf 20,4 % gegenüber 1998 (22,1 %) leicht (Stand jeweils zum 31.12. des Vorjahres); sie lag allerdings immer noch über dem Durchschnitt im Land Branden-burg (17,5 %) und deutlich über dem Durchschnitt der Bundesrepublik Deutschland insgesamt (9,8 %). Die Arbeitslosenquote wäre noch höher, würde der Arbeitsmarkt in Jüterbog nicht durch einen Überschuss an Nah- und Fernauspendlern entlastet [Stadt Jüterbog 2003b, S. 7f]. Impulse zur nachhaltigen Verbesserung der Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt sind derzeit nicht erkennbar.

Seit Abzug der GUS-Streitkräfte 1994 Garnisonsstadt ohne Militär

Neben den typischen Folgen, die der demographische und ökonomische Schrump-fungsprozess mit sich bringt [vgl. Lang/Tenz 2003], hat Jüterbog den Verlust der Kreisstadtfunktion an Luckenwalde im Jahr 1990 sowie den bis 1994 erfolgten Ab-zug der ehemaligen GUS-Streitkräfte und die nachfolgende Schließung der großflächigen, Jüterbog umgebenden Militärstandorte zu bewältigen. Die Stadt Jüterbog ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch die umliegenden Militäreinrichtungen geprägt. Mit dem endgültigen Abzug der in Jüterbog stationierten, auf 30.000 – 60.000 Mann geschätzten sowjetischen Streitkräfte im Jahr 1994 entfiel ein wichtiger städtischer Nachfrage- und Entwicklungsimpuls.


Rund 10% Wohnungsleerstand

In Jüterbog gibt es– wie in den meisten anderen ostdeutschen Städten auch – einen umfangreichen Wohnungsleerstand. Rund 10 % der Wohnungen in Jüterbog stehen Schätzungen zufolge leer. Allerdings streut die Leerstandsquote am Wohnungsmarkt je nach Anbieter zwischen 1 % und 25 %. Die Wohnungsleerstände konzentrieren sich räumlich im Stadtviertel Jüterbog II, einem ehemaligen Militärareal vom Ende des 19. Jahrhunderts, und in der Zinnaer Vorstadt; die übrigen leer stehenden Wohnungen sind eher dispers verteilt. Neben einer geringen Nachfrage aufgrund der negativen demographischen Entwicklung sind der z.T. mangelnde bauliche Zustand (z.B. unsanierter Wohnungen) und schlechte (Wohn-)Lagebedingungen die Hauptgründe des derzeitigen Wohnungsleerstandes in Jüterbog. Die demographischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sowie die Trends der Haushaltsentwicklung lassen auch künftig einen steigenden Wohnungsleerstand erwarten. Trotz Verkleinerung der Haushaltsgrößen und Zunahme der 1- bis 2-Personen Haushalte wird für Jüterbog eine Verringerung der Anzahl der Haushalte erwartet. [Stadt Jüterbog 2003b, S. 4ff].


Ziele des Stadtumbaus in Jüterbog

Regenerierung der Innenstadt,
Entwicklung zum kulturellen und touristischen Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung
Die Regenerierung der Innenstadt gilt stadtentwicklungspolitisch als zentrales Ziel der Stadt Jüterbog. Dieser Prozess, der mit Mitteln der Städtebauförderung zu Beginn der 1990er Jahre begonnen wurde, zielt vor allem auf die Sanierung und den Ausbau der Altstadt zu einer Innenstadt mit Zentrenfunktionen (Jüterbog ist ge-meinsames Mittelzentrum mit Luckenwalde). In der Stadt Jüterbog wurde in den ver-gangenen Jahren die Sanierung der Innenstadt recht erfolgreich bestritten, wenngleich dieser Prozess noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird [Stadt Jüterbog 2003a, S. 2ff].

Der Stadtumbau ist eng mit der Strategie der Innenstadtregenerierung verzahnt. Das Leitbild des Stadtumbaus ist die „kompakte Stadt der kurzen Wege, das Schrumpfen auf den ursprünglichen Siedlungskörper von Außen nach Innen“. Der Stadtumbau soll dazu beitragen, funktionsfähige attraktive Stadtquartiere mit hoher Lebensqualität und einem nachhaltigen und leistungsfähigen Wohnungsmarkt zu entwickeln.

Ein weiteres zentrales stadtentwicklungspolitisches Ziel ist die Entwicklung der Stadt Jüterbog zu einem kulturellen und touristischen Zentrum von überregionaler Ausstrahlung. Die Stadt erhofft sich insbesondere durch den Fokus auf die Kulturentwicklung positive Impulse für die Tourismusbranche, aber auch für die Identität der Einwohner Jüterbogs mit ihrer Stadt [Stadt Jüterbog 2003a]. Diese Strategie beinhaltet nicht nur die Regenerierung der historischen Altstadt, sondern auch die Förderung kultureller Projekte bzw. des kulturellen Lebens in der Stadt.


Kulturquartier Mönchenkirche
Ausbau des in der Altstadt gelegenen ehemaligen Franziskanerklosters zum "Kulturquartier" Das zentrale Projekt, mit dem sich Jüterbog als Kulturstandort überregional profilieren will, ist der Ausbau des mitten in der Altstadt gelegenen ehemaligen Franziska-nerklosters einschließlich der Mönchenkirche zu einem Kulturquartier. Jüterbog strebt damit an, kulturell in der „ersten Liga“ Brandenburgs zu spielen. [Stadt Jüterbog 2003a]. Detaillierte Informationen u.a. zum städtebaulichen Konzept, zur Finanzierung und zum Nutzungskonzept des Kulturquartiers Mönchenkirche finden sich in [Stadt Jüterbog 2001a, b und c].

Zu dem Gebäudekomplex Mönchenkirche/ Franziskanerkloster gehören die die ehem. Mönchenkirche, der Klosterchor, die Sakristei und der ehem. Ostflügel der Klosteranlage aus dem 15./16. Jahrhundert sowie die ehem. Knabenschule aus dem 19. Jahrhundert. Dieser Komplex hat eine wechselvolle Geschichte. Die Kirche wurde mehrmals entweiht und schließlich im Jahr 1963 aus finanziellen Gründen als kirchliche Anlage aufgegeben [Jüterbog 2001b]. Danach wurde sie als Lagerhalle genutzt und verfiel zunehmend. Doch bereits zu DDR-Zeiten begann sich in Jüterbog eine Initiative zu ihrem Erhalt und ihrer Sanierung zu bilden. Dies führte schließlich im Jahr 1980 zu einem Beschluss des Rats des Kreises Jüterbog, das Franziskanerkloster und die Mönchenkirche zu rekonstruieren und umzunutzen. Seit 1985 werden Teile des Gebäudekomplexes u.a. als Stadt- und Kreisbibliothek sowie als Theater- und Konzertstätte genutzt; eine Berufsschule nutzte ebenfalls einige Räume.

Die Mönchenkirche und das Franziskanerkloster waren also bereits vor der derzeitigen Sanierung und Umbau eine wichtige kulturelle Einrichtung der Stadt Jüterbog.

Der Ausbau des Areals zu einem Kulturquartier von überregionaler Bedeutung wurde von der Stadtverordnetenversammlung erst im November 2000, das Finanzierungs- und Durchführungskonzept im Mai 2001 beschlossen. Die Baukosten werden voraussichtlich 6,645 Millionen Euro betragen, wovon die Stadt 20% trägt [Landtag Brandenburg 2002]. Die überregionale Ausrichtung des Projektes macht eine finan-zielle Förderung über das Kommunale Kulturinvestitionsprogramm (KKIP) des Lan-des Brandenburg (Finanzierung durch den Europäischen Fond für Regionalentwicklung (EFRE) der EU) und das Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz möglich. Für vorbereitende Untersuchungen wurden bereits Interreg IIC-Mittel der EU eingesetzt.

Offizieller Baubeginn des Projektes war im November 2002, die Fertigstellung ist im Jahr 2005 geplant.

Das Nutzungskonzept des Kulturquartiers
Das Nutzungs- und Veranstaltungskonzept für das Kulturquartier Mönchenkirche sieht vor, dass die Bibliothek sowie die Theater- und Konzertstätte weiterhin in das Gebäudeensemble integriert bleiben, aber um weitere Einrichtungen wie die Stadtinformation, das Stadtmuseum, das kulturhistorische Archiv und Vereinsräume ergänzt werden [Stadt Jüterbog 2001a]:
 
  • Das Stadtmuseum, das derzeit im Jüterboger Abtshof sein Quartier hat, zieht in das Kulturquartier. Die Ausstellungsfläche steigt von derzeit 200m2 auf künftig ca. 500m2. Das Museum wird eine neue Dauerausstellung zur Kultur- und Alltagsgeschichte von Stadt und Region beherbergen.
  • Die bestehenden Veranstaltungssäle der Theater- und Konzertstätte im Chor der Klosterkirche (ca. 100 Plätze) und in der ehemaligen Sakristei (ca. 50 Plätze) werden um einen weiteren Saal über der Sakristei (ca. 60 Plätze) ergänzt. Die Stadt Jüterbog betreibt eigene Veranstaltungen in der Theater- und Konzertstätte und ermöglicht auch Veranstaltungen Dritter.
  • Das Kulturhistorische Archiv zieht in das Kulturquartier. Die Archive werden für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und Arbeitsplätze eingerichtet.
  • Im einigen Räumen des Kulturquartiers werden Vereinen der Stadt Flächen zur Benutzung zur Verfügung gestellt. Das Veranstaltungsprogramm in diesen Räumen soll künftig im wesentlichen von lokalen Akteuren getragen werden.
  • Die Stadtbibliothek, die bereits seit 1985 in Mönchenkirche ist, wird ist Teil der Neukonzeption und wird baulich integriert; der Ausbau des Medienbestandes ist geplant.
  • Die Stadtinformation zieht vom Rathaus in die Klosterkirche.
 
Ziele des Projekts "Kulturquartier Mönchenkirche"
Mit dem derzeitigen Umbau des Gebäudekomplexes Mönchenkirche zu einem überregional bedeutenden Kulturzentrum und dem oben skizzierten Nutzungskonzept verbinden sich vielschichtige Ziele [Stadt Jüterbog 2001a und c]:
 
  • Jüterbog soll durch das Kulturquartier Mönchenkirche überregional bekannt werden und ein besseres Image bekommen. Das erweiterte und verbesserte kulturelle Angebot soll dazu beitragen, den Tourismus und die weichen Standortfaktoren der Stadt und damit die lokale Wirtschaft zu fördern.
  • Das neue Kulturquartier soll ein „städtisches Bewusstsein“ schaffen und identitätsfördernd für Einheimische und Besucher Jüterbogs wirken.
  • Die Konzentration und Verzahnung der kulturellen Einrichtungen soll zu einer deutlichen Steigerung der Besucherzahlen, einer höheren Effizienz und damit einer besseren betriebswirtschaftlichen Ausnutzung führen. Die Konzentration der kulturellen und städtischen Einrichtungen unter einem Dach soll zudem Synergieeffekte bewirken. Frei werdende Kapazitäten sollen für das Marketing genutzt werden.
  • Durch den Umbau der Mönchenkirche und die Neugestaltung der angrenzenden Straßen und Plätze soll das Areal städtebaulich besser integriert werden und die Attraktivität der (Alt-)Stadt Jüterbogs auf diese Weise erhöht werden.
 
Lokale Akteure übernehmen Mitverantwortung für das Kulturprogramm Freundeskreis Kulturquartier Mönchenkirche
Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, geht man in organisatorischer Hinsicht z.T. neue Wege. Die Vertreter der städtischen Kulturverwaltung waren sich bewusst, dass ein attraktives kulturelles Leben und ein von der Bevölkerung akzeptiertes Veranstaltungsprogramm u.a. angesichts der geringen Personalkapazitäten nur gemeinsam mit den Bürgern Jüterbogs entwickelt werden kann. Um das kulturelle Leben zu fördern, Akzeptanz und Attraktivität des Angebots vor Ort zu erhöhen und so die Tragfähigkeit der Einrichtungen zu stützen war eine an die besonderen Verhältnisse einer Kleinstadt angepassten Vorgehensweise notwendig. So entstand die Idee, mit Hilfe eines „Freundeskreises Kulturquartier Mönchenkirche“ die Verantwortung für ein attraktives Kultur- und Veranstaltungsprogramm auf viele Schultern zu verteilen.

Der „Freundeskreis Kulturquartier Mönchenkirche“ wurde von der Kulturverwaltung im Jahr 2000 initiiert. Man nahm die Neukonzeption und den Umbau des Kulturquartiers Mönchenkirche zum Anlass genommen, um langjährige Besucher der bisherigen Kultureinrichtungen und -veranstaltungen gezielt anzusprechen und für die Mitwirkung im Freundeskreis zu gewinnen. Ende des Jahres 2003 hatte der Freundeskreis ca. 40 meist ältere Mitglieder, von denen ungefähr 20 regelmäßig aktiv waren.

Der Freundeskreis hat sich Aufgaben und Ziele gesteckt, die sich in vier Schwer-punkte unterteilen lassen:
- die Vernetzung lokaler Akteure, die das Kulturquartier unterstützen,
- die Erforschung und Aufarbeitung von Wissen über die Mönchenkirche und das Franziskanerkloster sowie dessen Vermittlung,
- die Organisation von kulturellen Veranstaltungen und
- Service-, Verkaufs- und Marketingaktivitäten rund um das Programm des Kulturquartiers Mönchenkirche.

Der Aufbau eines weitläufigen Netzwerks von Akteuren aus Politik, Kultur und anderen Bereichen gilt als besonders wichtig für das langfristige Bestehen des Kulturquartiers. Diese „Lobbyarbeit“ übernimmt derzeit der Leiter des Kulturquartiers. Die Aktivitäten des Freundeskreises tragen in erster Linie dazu bei, die lokale Bevölkerung in das Kulturquartier einzubinden.

Der Freundeskreis beschäftigte sich zunächst mit der Geschichte des Franziskanerordens, des Klosters und der Mönchenkirche sowie der Stadtgeschichte Jüterbogs. Parallel dazu wurden erste öffentliche Veranstaltungen des Freundeskreises ins Leben gerufen, vor allem Lesungen und Führungen. Diese Veranstaltungen dienen auch der Kommunikation der Aktivitäten des Freundeskreises nach außen.

Zusammen mit der Bildung des Freundeskreises wurden auch die Kompetenzen für die Programmgestaltung der Theater- und Konzertstätte verlagert. Auf Programmkonferenzen werden die kommenden Veranstaltungen von Theater, Chor, Schülertheater und Freundeskreis abgestimmt. Ziel ist es, die Auslastung des Hauses und eine hohe Qualität des Programms zu sichern. Die Kulturverwaltung der Stadt beabsichtigt, sich nach und nach auf eine Steuerungsfunktion zurückziehen. Allerdings ist diese Vorgehensweise von dem künftigen Engagement der Mitglieder des Freundeskreise abhängig.

Das Kulturquartier Mönchenkirche als Beispiel „städtischer Kreativität“ Städtische Kreativität
Die Zusammenarbeit öffentlicher und lokaler Akteure, die Bündelung lokaler Ressourcen und die kommunikativ offene Anlage dieses Vorhabens machen es zu einem Beispiel "städtischer Kreativität".

Der Aufbau eines stabilen, aus lokalen Akteuren bestehenden Unterstützernetzwerks des Kulturquartiers Mönchenkirche gelingt offenbar mit dem Freundeskreis. Diesem sollen nach und nach Verantwortung und Kompetenzen übertragen werden, während sich die Stadt langfristig auf Steuerungsaufgaben beschränken könnte.

Der Freundeskreis verfügt über ein eigenes Budget, die Mitglieder planen und organisieren Veranstaltungen. Fast nebenbei übernehmen die Mitglieder des Freundeskreises einen wichtigen Part in der Werbung: Sie tragen Programminformationen durch Erzählungen im Bekanntenkreis weiter, so dass für Veranstaltungen viel „Mund-zu-Mund-Propaganda“ gemacht wird.
Ausgangspunkt für die Gründung des Freundeskreises war der Umbau der Mön-chenkirche. Ohne ein Bauvorhaben in dieser Größenordnung wäre die Bildung des Freundeskreises schwer möglich gewesen, denn es hätte an der Bereitschaft und dem Interesse gefehlt, etwas Neues zu machen. Die umbaubedingte lange Anlaufphase des Freundeskreises war vorteilhaft, da sich die Mitglieder so nach und nach kennen lernen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen konnten.

Bereits vor Abschluss der Bauarbeiten an den Gebäuden wird das Kulturquartier regelmäßig für Besucher geöffnet. Der Umbau wird wie ein "Event" offensiv beworben, um Interesse zu wecken. Auf Baustellenbesichtigungen und Veranstaltungen (z.B. Jüterboger Klostergeflüster) in den ersten fertiggestellten Räumen können sich die Bewohner Jüterbogs und Besucher über die Fortschritte informieren.
Die öffentlichkeitswirksame Inszenierung des Umbaus der Mönchenkirche schuf zudem in der Jüterboger Bevölkerung ein starkes Bewusstsein und eine große Anteilnahme für das Areal.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt es notwendig, dass der Leiter des Kulturquartiers „als Motor ständig dranbleibt“, um Anstöße zu geben und neue Mitglieder zu gewinnen. Festere Strukturen des Freundeskreises sind noch im Aufbau. Mittelfristig soll der Freundeskreis zu einem Verein umgebildet werden, der sich finanziell selber tragen und von sich aus Aktivitäten entwickeln soll. Das freiwillige Engagement der Mitglieder ist bislang eng an persönliche Bindungen und das soziale Umfeld gekoppelt. „Die Gäste zur Kammermusik kommen eigentlich nur zu 50% wegen der Musik. Der Rest kommt, weil er sich wohl fühlt, Leute kennt dort, Leute treffen kann.“

Während die Einbindung der lokalen Akteure dank des Freundeskreises gelingt, ist derzeit noch nicht abschätzbar, ob die mit dem Kulturquartier verbundenen Stadt-entwicklungsziele (u.a. Förderung des Tourismus) erreicht werden können. Derzeit spielt Jüterbog kulturell wohl erst teilweise „in der Landesliga“. Allerdings werden die Umbauten am Gebäudekomplex erst im Jahr 2005 fertig gestellt. Überregionale Aufmerksamkeit hat vor allem das jährliche Fläming-Musikfestival erlangt, während die übrigen Veranstaltungen eher die Region im Süden von Brandenburg abdecken.

Die Touristen in Jüterbog sind bisher im wesentlichen Tagesgäste oder besuchen spezielle Veranstaltungen. Die Hoffnung, den Kulturtourismus nach Jüterbog zu steigern, ruht daher insbesondere auf dem Vorhaben, das Museum interaktiv auszurichten und mit der Bibliothek und dem Archiv zu vernetzen. Ob die knappe Personal- und Finanzkapazität des Kulturquartiers ausreicht, um effektives Marketing für die Veranstaltungen und Einrichtungen betreiben zu können, ist jedoch eine noch offene Frage. So hat auch in Jüterbog das bekannte finanzielle Problem, dass Kultureinrichtungen nicht nur gebaut, sondern auch betrieben werden müssen.

Literatur Landtag Brandenburg 2002
Landtag Brandenburg 2002: Bestandsaufnahme Kultur im Land Brandenburg. Vorschlag für Prioritäten (Kulturentwicklungskonzeption), Konzeption der Landesregierung, Drucksache 3/4506 des Landtages Brandenburg.

Lang/Tenz 2003
Lang, Thilo; Tenz, Eric: Von der schrumpfenden Stadt zur Lean City. Prozesse und Auswirkungen der Stadtschrumpfung in Ostdeutschland und deren Bewältigung, Dortmund 2003.

Stadt Jüterbog 2001a
Stadt Jüterbog: „Nutzungs- und Veranstaltungskonzept für das Kulturquartier Mönchenkirche“ vom 28.11.2001.

Stadt Jüterbog 2001b
Stadt Jüterbog: „Städtebaulicher Rahmenplan - Quartier um die Mönchenkirche“ vom 28.02.2001.

Stadt Jüterbog 2001c
Stadt Jüterbog: Wettbewerbsbeitrag „Kulturquartier Mönchenkirche – ein Kulturzentrum von überregionaler Bedeutung“ zum Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ vom 28.11.2001.

Stadt Jüterbog 2003a
Stadt Jüterbog: MECIBS-Fragebogen Jüterbog (deutsche Version), unveröff. Manuskript.

Stadt Jüterbog 2003b
Stadt Jüterbog: Urban Profile, Auszug vom 28.06.2004.

Kontakte Holger Schubert (Amtsleiter), Maud Decker, Bauamt Jüterbog, Töpfergasse 1, 14193 Jüterbog, Tel: (03372) 463301 bzw. 463361 (Information Stadtentwicklung Jüterbog)

Jens Katterwe, Theater- und Konzertstätte Jüterbog, Mönchenkirchplatz 4, 14193 Jüterbog, Tel: (03372) 463141 (Verantwortlicher Kulturquartier Mönchenkirche)

 
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Letzte Änderung: 27.09.2004