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Praxis des Stadtumbaus
Konzentrische Schrumpfung in Aschersleben
Rückbau eines peripheren Standorts, Umgestaltung der Ortsdurchfahrt, Entwicklung eines beliebten innenstadtnahen Wohngebietes
Das Projekt in Bildern: Zur Fotogalerie
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Der grüne Satellit: Symbol des Stadtumbaus in Aschersleben |
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Eckdaten des Stadtumbaus in Aschersleben |
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Einwohnerentwicklung:
Rückgang der Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2000 um 19%. Negativer Wanderungssaldo von durchschnittlich 260 Personen im Jahr.
1990: 33.725 Einwohner
2000: 27.312 Einwohner
Ziele des Stadtumbaus:
- dauerhaften Leerstand beseitigen
- Aufwertung des Altstadtzentrums
- Aufgabe kompletter Wohnstandorte an der Peripherie
- Einbeziehung von „Landschaft in die Stadt“
- mit der Umgestaltung grauer, vernachlässigter Stadträume das Fremdimage verbessern
- Über die Nachnutzung der beräumten Flächen die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt stärken
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Die Situation |
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Die Stadt Aschersleben liegt im nordöstlichen Harzvorland (Land Sachsen-Anhalt) und ist die Kreisstadt des Aschersleben-Staßfurter Landes. Mit dem Ende der DDR verlor die Stadt etwa 10.000 industrielle Arbeitsplätze, was bisher nur zu einem kleinen Teil durch Neuansiedlungen kompensiert werden konnte. Diese Rahmenbedingungen sind für die starke Abwanderung verantwortlich.
Die Schrumpfungsstrategie der Stadt Aschersleben ist ein „konzentrische Rückbau“ von außen nach innen. Periphere Plattenbaustandorte sollen aufgegeben werden und eine Kontraktion in Richtung der traditionellen Stadtgrenzen erfolgen. Die verbleibenden Bebauungsstrukturen werden als „Satelliten“ betrachtet, die den strukturellen Bezug zur Innenstadt beibehalten.
Eine „konzentrische Schrumpfung“ gilt als notwendig, um die Lebensqualität in der Stadt zu erhalten. Die Funktion der Innenstadt als Zentrum von Kommunikation, Freizeitgestaltung und Konsum wird dabei besonders betont. Dieser Strategie kommt zu Gute, dass bei der Genehmigung von Einzelhandelsstandorten außerhalb der Innenstadt zu Beginn der 1990er Jahre sehr restriktiv vorgegangen wurde und die innerstädtischen Einkaufsstraßen heute ein sehr belebter Bereich sind.
Der Gesamtwohnungsbestand Ascherslebens beträgt rund 15.000 Wohneinheiten (WE). Etwa ein Drittel davon ist älterer Geschosswohnungsbau aus der Zeit vor 1948, ein weiteres Drittel entstand zwischen 1949 und 1990 in industrieller Bauweise. Mit 2.300 leeren WE liegt der durchschnittliche Leerstand bei 15%. Während in den Altbaubeständen etwa 30% der Wohnungen leer stehen, sind es im Plattenbaubereich lediglich 7% (Daten des ISEK 2000, aktuellere Werte nicht verfügbar).
Räumlicher Schwerpunkt des Altbau-Leerstands ist der Bereich der Ortsdurchfahrten der Bundesstraßen B6, B180 und B185 (im Durchschnitt 40% Leerstand). Dieser Bereich ist durch ein Nebeneinander von Geschosswohnungen und Industriebrachen gekennzeichnet. Mit Mitteln aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ wurden bis Juni 2004 zunächst 61 WE entlang der Ortsdurchfahrten abgerissen. Eigentümer der abgerissenen Gebäude war die städtische Wohnungsbaugesellschaft. Wegen der zeitlich verzögerten Auszahlung der Fördermittel verläuft der Abriss durch Private nur stark gebremst. Ein weiteres Problem sind die sehr hohen Kosten des Abrisses im Altbaubereich pro Quadratmeter Wohnfläche. Durch notwendige Sicherungsmaßnahmen wie Giebelabstützungen und die oft erforderliche Einbeziehung von Nebenflächen sinkt der Anteil der Förderung an den Gesamtkosten des Abrisses.
Der Schwerpunkt des Leerstands im Plattenbau liegt im Bereich Helmut-Welz-Straße. Dies ist ein peripherer Standort, der 1988/89 fertig gestellt wurde. Bis 2010 sollen dort mindestens 374 WE der insgesamt 521 WE abgerissen werden.
Ziel des Stadtumbaus an der Ortsdurchfahrt ist es, dauerhaften Leerstand zu beseitigen. Zugleich wird das Ziel verfolgt, mit der Umgestaltung grauer, vernachlässigter Stadträume das Fremdimage zu verbessern. Der Prozess des Stadtumbaus wird auch als kommunikative Herausforderung erkannt. Um die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu stärken, wird eine Nachnutzung der beräumten Flächen angestrebt (IBA-Projekte).
Der Aufwertung des Altstadtzentrums steht die Aufgabe kompletter Wohnstandorte an der Peripherie gegenüber. Aus ökonomischen Gründen, z.B. wegen der Unternutzung der technischen Infrastruktur, wird überlegt den Bereich Helmut-Welz-Straße vollständig abzureißen.
Ein weiteres Ziel ist die Einbeziehung von „Landschaft in die Stadt“. Neben der Rückgabe nicht mehr benötigter Flächen an die Natur (z.B. im Bereich des Flusslaufs der Eine) sollen auch Möglichkeiten geschaffen werden, „neue“ Wohnformen, wie Eigenheime in der Innenstadt zu realisieren. Der Erwerb großer innenstadtnaher Industriebrachen durch die Stadt Aschersleben wird fortgesetzt. Das rund 3 ha große Industrieareal des ehemaligen Verpackungsmittelwerkes OPTIMA soll unter dem Namen „Bestehornpark“ neu belebt werden (Details unter www.aschersleben.de).
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Umbau der Ortsdurchfahrt |
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An der Ortsdurchfahrt (siehe Bildgalerie Abb. 1) begann im Januar 2003 der Abriss verfallener Altbausubstanz. Bis Juni 2004 wurden 61 WE der städtischen Wohnungsgesellschaft abgerissen. Die Zwischennutzung der Flächen soll als ein Kommunikationsinstrument für den weiteren Stadtumbauprozess dienen. Für die mittelfristige Entwicklung beräumter Flächen wird die Anlage von Grünflächen favorisiert (z.B. begrünte Wallanlage im Bereich Steinbrücke, Abb. 2), da auch nach dem Bau der Ortsumfahrung mit einem hohem Verkehrsaufkommen gerechnet wird (85% innerstädtischer Verkehr).
Der Kommunikation des Stadtumbaus dient das Pilotprojekt „Info-Satellit“. Hierbei wurde der Sockel eines abgerissenen Eckgebäudes gesichert und temporär mit Bruchmaterial aufgefüllt (Abb. 3). Der Info-Satellit steht als Symbol dafür, dass mit der Beräumung der Fläche die Chance besteht, 476m² der Altstadt neu zu nutzen. Besonders den Autofahrern sollen an der Ortsdurchfahrt die Konsequenzen des Stadtumbaus demonstriert werden. Mit der Durchwegung des Grundstücks ist die Absicht verbunden, die Bewohner auf die positiven Aspekte von Stadtumbau-Maßnahmen hinzuweisen und zur Nutzung dieses Stücks Altstadt zu ermutigen.
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Aufwertung des innenstadtnahen Wohngebiets Curthstraße |
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Dies ist ein beliebtes, innenstadtnahes Wohngebiet mit Geschossbauten aus den 1920er bis 1950er Jahren. Es befindet sich in der Nähe des viel befahrenen, nordwestlichen Teils der Ortsdurchfahrt. Innerhalb dieses Bereiches werden Gebäude und Wohnumfeld saniert (Abb. 5). Die Besonderheit des Gesamtprojekts besteht darin, dass ein dort eigentlich „fremder“ Wohnblock aus den 1980er Jahren nicht komplett abgerissen, sondern durch „Herabzonen“ von 5 auf 3–4 Geschosse terrassiert wird (Abb. 4). So werden attraktive Wohnungen in einer bevorzugten Lage geschaffen, und der umgebaute Wohnblock behält seine Funktion als Lärmriegel zwischen Ortsdurchfahrt und dem dahinter liegenden, älteren Wohngebiet.
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Abriß des peripheren Plattenbaugebiets Helmut-Welz-Straße |
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An diesem peripher im Osten der Stadt gelegenen Plattenbaugebiet aus den 1980er Jahren läuft der Abriss seit 2004, wobei bisher 167 WE verschwanden. Wie aus Abb. 6 ersichtlich, war zum Untersuchungszeitpunkt der Abriss im Gange (Abb. 6), weitere Blocks sind zum Abriss vorbereitet (Abb. 7). Da sich der Wegzug der Bevölkerung und der wegen dauerhaften Leerstands notwendige Abriss offenbar gegenseitig verstärken („Eigendynamik“ des Rückbaus), wird nun überlegt, das Gebiet inklusive der zugehörigen technischen und sozialen Infrastruktur komplett zurückzubauen. Dies soll bei der ISEK-Fortschreibung 2005 berücksichtigt werden. Die bisher geplante Vorhaltung von technischer Infrastruktur für eine spätere Eigenheim-Bebauung wurde verworfen, da der Umbau teurer als ein eventueller Neubau wäre (z.B. überdimensionierte Rohrquerschnitte für Wasser/Abwasser).
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Weitere Schritte im Stadtumbauprozess |
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Im Zuge der Strategie der „konzentrischen Schrumpfung“ sollen künftige Aufwertungsmaßnahmen nach Möglichkeit innenstadtnah durchgeführt werden. Es wird erwartet, dass es dort nur vereinzelte Abrisse durch Eigentümer sowie einige Abbrüche als Ordnungsmaßnahmen geben wird. Generelles Problem der Aufwertung von älteren Wohnungsbeständen sind die Schwierigkeiten, die mit der notwendigen Anpassung an heutige Wohn-Standards verbunden sind.
Die Neunutzung der Industriebrache „Optima-Gelände“ ist ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt. Von den eingesetzten Mitteln aus der Stadtkasse wird ein Aktivierungseffekt von 1:5 erwartet, da Gelder der Stadtsanierung, des Denkmalschutzes und des Stadtumbaus in Kombination genutzt werden können. Die Einbeziehung lokaler Firmen, vor allem des Handwerks, in Bauprojekte vor Ort sei möglich.
Ein möglichen Problembereich der Zukunft stellen die älteren, zwischen 1964 und 1970 errichteten Plattenbauquartiere dar. Diese haben zwar derzeit noch eine intaktes Wohnumfeld und Infrastruktur, könnte aber wegen ihrer stark überalterten, homogenen Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit ihre Stabilität verlieren. Ein ähnliche Entwicklung könnte in älteren Einfamilienhaus-Gebieten auftreten. Hier könnten zunehmend Leerstände auftreten, wenn der Generationswechsel aufgrund des Wegzugs der Jüngeren ausbleibt.
Die konsequente Umnutzung von Abrissflächen an der Ortsdurchfahrt gilt als Herausforderung für die Kommunikation des Stadtumbaus. Man erhofft sich, die Motivation von Händlern, Handwerkern und Firmen zu weiterem Engagement für die Innenstadt zu fördern.
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Die Erscheinung |
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Der Stadtumbau in Aschersleben zeichnet sich durch die konsequente Umsetzung der Strategie der „konzentrischen Schrumpfung“ aus. Der Rückbau des peripheren Standorts Helmut-Welz-Straße wird auch bereits sanierte Bestände in einem aufgewerteten Umfeld betreffen, was einen hohen finanziellen Verlust bedeutet. Der beschriebene Umbau eines Wohnblocks in Innenstadtnähe (Bereich Curthstraße) wird zwar nicht durch Mittel aus dem Stadtumbauprogramm gefördert, doch wegen seiner Bedeutung für das Quartier trotzdem durchgeführt (Eigentümerin: „WG Einigkeit“). Der dauerhafte Leerstand von Altbauten im Bereich der Ortsdurchfahrten war lange Zeit im negativen Sinn Image prägend, der Problemdruck an dieser Stelle gut sichtbar. Die Stadt will jedoch den Stadtumbau nicht mit „Produktion“ von Brachen beendet wissen. Die Vorschläge für Nachnutzungen, auch wenn sie zurzeit noch symbolhaft sind wie beim „Info-Satelliten“, werden die Auseinandersetzung der Bewohner mit dem Stadtumbau fördern. Dies ist wegen der Dimension der noch ausstehenden Umbaumaßnahmen wichtig, da davon ausgegangen wird, dass Nachnutzungen primär durch privates Engagement zu Stande kommen.
Die Strategie der konzentrischen Schrumpfung wird durch die Kontinuität der Funktion „Einkaufen“ in der Innenstadt getragen. Dank der Begrenzung des Einzelhandels auf der „Grünen Wiese“ besteht die Chance, dass die Ascherslebener Innenstadt durch Erhalt und Umbau zu einem Ort der Lebensqualität wird.
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Planung und weitere Kontakte |
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Stadtverwaltung Aschersleben, Bauamt, Abt. Stadtplanung, Abt.-Leiterin Frau Uhlig, Markt 1, 06449 Aschersleben Tel. 03473/958690, Fax. 03473/958920, E-Mail: stadt@aschersleben.de
IBA-Büro GbR Gropiusallee 38, 06846 Dessau, Tel.: 0340/6508-207, Fax: 0340/6508-470, E-Mail: info@iba-stadtumbau.de
Aschersleber Kunst- und Kulturverein e.V.(Beteiligung an Aufwertungsmaßnahmen), Kurze Straße 1, 06449 Aschersleben, Tel.: 03473/816346, E-Mail: akku-aschersleben@t-online.de
Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH, Magdeburger Straße 28, 06449 Aschersleben, Tel.: 03473/942300, Fax: 03473/942350, E-Mail: info@agw-asl.de
Wohnungsgenossenschaft „Einigkeit“ eG ASL, K.-Ziolkowski-Str. 8, 06449 Aschersleben, Tel.: 03473/92410, Fax: 03473/811104, E-Mail: info@wgasl.de
Bildungs- und Technologiezentrum zu Thale und Aschersleben–Stiftung (Handwerkliche Qualifizierung), Steinbachstr. 7a, 06502 Thale, Tel.: 03947/41070, Fax: 03947/410779, E-Mail: info@BTZ-Stiftung.de
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Letzte Änderung: 15.09.2004 |
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