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Praxis des Stadtumbaus
Stadtrückbau in Halberstadt / Sachsen-Anhalt
Abbruchmaßnahmen am Nordring
Das Projekt im Bildern: Rückbauplanung, Luftbild mit Rückbaumontage, Abbruchbilder. Fotogalerie >> |
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Luftbild vom Plangebiet |
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Eckdaten des Stadtumbaus in Halberstadt |
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Einwohnerentwicklung:
Wanderungsverluste von ca. 10% in der Gesamtstadt und von ca. 90% am Nordring
1990: ca. 45.500 Einwohner; davon ca. 3.000 Einwohner am Nordring 2002: ca. 40.500 Einwohner (mit Eingemeindungen, ohne ca. 39.000); davon ca. 300 Einwohner am Nordring (nach flächigen Rückbau; 1999 ca. 1.300 Einwohner)
Ziele des Stadtumbaus:
- Wiederherstellung bzw. Konsolidierung des Stadtkerns
- Priorität der Innenentwicklung bei Verzicht auf Außenexpansion
- Stärkung des Zentrums und der Achsbeziehungen
Ziele des Projekts:
- Reduzierung des Wohnraumüberhangs
- Beseitigung eines städtischen Brennpunktes
- (Langfristige) Bereitstellung von Bauland für Einfamilienhäuser
Projektmaßnahmen:
- Abbruch der Gebäude
- Raseneinsaat
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Die Situation |
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Halberstadt war im Mittelalter eine der größten Städte Deutschlands und beherbergte einen bedeutsamen Bischhofssitz in seinen Mauern. Das daraus resultierende, umfängliche bauhistorische Erbe ging im April 1945 bei einem verheerenden Bombenangriff weitgehend verloren. Zwar konnten die stark beschädigten Kirchen als die Wahrzeichen der Stadt gesichert werden, doch blieben weite Bereiche der sechs Hektar großen Innenstadt unbebaut.
Erst mit der Wende von 1989 wurde die Kernstadt zum zentralen Thema der Stadtentwicklung. 1990 wurde Halberstadt in die Gruppe der fünf Modellstädte aufgenommen, in denen die städtebauliche Sanierung in den neuen Bundesländern erprobt wurde. Unter der Leitidee, den historischen Stadtgrundriss wieder aufleben zulassen, entstand in der Folgezeit die Innenstadt neu. Neben zahlreichen Sanierungen und der Wiedererrichtung des Rathauses wurden rund 20.000 qm Verkaufsflächen und 200 Wohnungen neu errichtet. Durch diese Maßnahmen gelang es, die Kaufkraft weitgehend in der Innenstadt zu bündeln und eine neue Stadtidentität auszubilden.
Nicht zuletzt durch diese städtebaulichen Maßnahmen konnte sich Halberstadt als Mittelzentrum des östlichen Harzvorlandes mit wichtigen Kompetenzen in Handel, Dienstleistung und Verwaltung behaupten. Die Stadt weist seit 1994 eine stabile Beschäftigungszahl von rund 19.000 auf. Die Einpendlerquote liegt bei gut 50%, von denen wiederum 50% aus den unmittelbaren Umlandgemeinden stammen. Der Bevölkerungsrückgang Halberstadts ist bislang moderat geblieben und liegt bei knapp 10%. Die Arbeitslosenquote befindet sich mit 20% im Durchschnitt Ostdeutschlands.
2001 wurde eine gesamtstädtische Entwicklungskonzeption erarbeitet und vom Stadtparlament beschlossen. Auf Grundlage der prognostizierten Einwohnerentwicklung werden in ihr perspektivische Aussagen zum Gewerbe, zu Handel und Dienstleistung sowie zu Tourismus und Kultur getroffen. Stadträumlich hat die Konzeption der Innenentwicklung, insbesondere der Kernstadt mit ihren Zugangsachsen, weiterhin klare Priorität; zudem wird die Grünraumentwicklung und der Stadtrückbau verortet.
Die Rückbauüberlegungen gründen auf der Einschätzung, dass ohne Eingriffe in den Wohnungsbestand die Leerstände langfristig bestehen bleiben, was für die Wohnungsunternehmen wirtschaftlich nicht tragbar ist. In der Entwicklungskonzeption wird für 2010 mit einem Überhang von 1.500 bzw. 3.500 Wohneinheiten gerechnet, je nachdem ob von einer Stabilisierung oder einer Fortschreibung des gegenwärtigen Trends ausgegangen wird. Die Prognose soll 2004 überprüft und die Konzeption entsprechend fortgeschrieben werden. Indirekte Ermittlungen der Wohnungsunternehmen lassen aber bereits heute auf einen Leerstand von etwa 3.000 Wohnungen schließen.
Bei der Festlegung der Schwerpunktbereiche für den Stadtrückbau war es von zentraler Bedeutung, dass die Wohnungsleerstände eindeutig lokalisierbar waren. Sie konzentrierten sich auf zwei Bereiche des industriellen Wohnungsbaus: auf die "Bahnhofsvorstadt" und den "Nordring". Daneben fanden sich nennenswerte Leerstände nur noch in eingestreuten, unsanierten und meist ungünstig gelegenen Gründerzeitgebäuden. So lag es nahe, den vorhandenen Wohnungsüberhang vorwiegend in den beiden auffälligen Stadtteilen zu reduzieren.
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Das Umbauprojekt |
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Das Stadtquartier "Nordring" liegt am Rand der Kernstadt, zwischen dem äußeren Stadtring, einer Sammelstraße und der Bahntrasse. Hier wurden Mitte der achtziger Jahre insgesamt 1.170 Wohneinheiten meist in sechsgeschossiger Plattenbauweise errichtet. Ab Mitte der neunziger Jahre führte ein auf über 50% anwachsender Leerstand zu Verwahrlosungstendenzen, die mit einer Stigmatisierung des Gebietes einherging.
In der Lenkungsgruppe, die den Stadtumbau koordiniert und die sich aus den städtischen Ämtern und Versorgungsträgern, den Wohnungsunternehmen und bedarfsweise dem Oberbürgermeister und dem Landesverwaltungsamt zusammensetzt, wurde aufgrund dieser Leerstandsproblematik der konsensuale Beschluss zum Abriss gefasst. Zunächst sollten zwischen 2002 und 2004 die Bestände von zwei Wohnungsunternehmen mit zusammen 860 Wohnungen flächenhaft abgebrochen werden. Inzwischen beabsichtigt ein weiteres Unternehmen ab 2005 zusätzliche 110 Wohnungen von Markt nehmen.
Die Rückbaureihenfolge im Quartier wurde maßgeblich vom Erfolg des Umzugsmagements, dem Verlauf der leitungsgebundenen Infrastruktur und dem Nistverhalten bedrohter Zugvögel abhängig gemacht und musste mehrfach angepaßt werden.
Zeitgleich mit den Abbruchplanungen wurden umfängliche Überlegungen zur Bebauung der freiwerdenen Flächen mit Ein- und Zweifamilienhäusern angestellt. Solche aufgelockerten Nachnutzungen sind aber derzeit nicht vermarktbar, so dass alle Neubauüberlegungen bis 2010 zurückgestellt wurden. Die technische Infrastruktur bleibt zunächst liegen und auf den Abbruchflächen wird eine Wiesenaussaat vorgenommen.
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Die Erscheinung |
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Halberstadt geht am "Nordring" einen überaus pragmatischen Weg: Im Bereich mit der höchsten Leerstandsproblematik wird abgerissen und liegen gelassen. Auf diese Weise werden die Rückbaukosten minimiert und zugleich bleiben strategische Reserveflächen für zukünftige Entwicklungen erhalten. Die stadtstrukturell etwas separierte Lage des Quartiers, die sicherlich mit zur hohen Leerstandsquote beigetragen hat, macht dieses Vorgehen verträglich.
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Die Planung und weitere Kontakte |
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Stadtentwicklungskonzept: Stadtbüro Unger, Berlin - 2001
Bauherr/Maßnahmenträger: WGH - Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt e.G., HaWoGe - Halberstädter Wohnungsgesellschaft mbH, DKW - Wohnungsgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Weitere Kontakte:
www.halberstadt.de
(Foto: Stadt Halberstadt)
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© 2001 - 2010 Schader-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Änderung: 21.07.2004 |
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