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Praxis des Stadtumbaus
Stadtrückbau in Schwedt/Oder / Brandenburg
Abbruchmaßnahmen im Stadtteil "Am Waldrand" (Quartier "Obere Talsandterrasse")
Das Projekt im Bildern:
Schwarz-Weiß-Plan der Stadtstruktur, Rückbauplanungen, Rückbaubild. Zur Fotogalerie >> |
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Rückbauplanung für den Stadtteil "Am Waldrand" |
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Eckdaten des Stadtumbaus in Schwedt/Oder |
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Einwohnerentwicklung:
Wanderungsverluste zwischen 1993 und 2003 von ca. 25 % in der Gesamtstadt und von ca. 65 % im Stadtteil "Am Waldrand"
1993: ca. 50.500 Einwohner; davon ca. 13.500 im Stadtteil "Am Waldrand"
2003: ca. 37.000 Einwohner; davon ca. 4.500 im Stadtteil "Am Waldrand"
Ziele des Stadtumbaus:
- Anpassung des Wohnungsbestandes und der Infrastruktur an die Bevölkerungsentwicklung
- Wahrung eines kompakten Siedlungsgefüges mit dem Leitbild "Stadt am Wasser"
- Weitgehende Konzentration der Wohnungsleerstände / Abbruchgebiete auf den Stadtteil "Am Waldrand"
- zielgerichtete Wohnungssanierung und Wohnraumdifferenzierung in den Bestandsgebieten
Ziele des Projekts:
- Abbau des gesamtstädtischen Wohnungsüberhangs durch räumlich konzentrierten Abbruch (ca. 3500 Wohneinheiten im Stadtteil "Am Waldrand", insgesamt 4.300)
- Umbau / Vitalisierung des schrumpfenden Stadtteils zur Siedlung am Stadtrand
Projektmaßnahmen:
- flächiger Abbruch von Wohngebäuden am Stadtrand
- punktuelle Abbrüche einzelner Wohngebäude im Bestand
- Nachnutzung durch Grünflächen (Gehölzpflanzungen, Wildblumenwiesen, Parkflächen)
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Die Situation |
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Im Jahr 1958 wurde durch einen Parteitagsbeschluß der SED in Schwedt/Oder ein Zentrum der Petrochemie- und der Papierindustrie aufgebaut. Aus der kleinen Provinzstadt mit 6.200 Einwohnern und ohne nennenswerte Gewerbeansiedlungen entwickelte sich eine planmäßig wachsende Industriestadt. Dabei wurde im Gleichklang mit den Industrieansiedlungen auch kontinuierlich neuer Wohnraum geschaffen. Das Einwohnermaximum erreichte die Stadt im Jahre 1980 mit 55.000 (1990: 52.500). Mit der Wende von 1989 kam die industrielle Entwicklung zum Stillstand bzw. kehrte sich um. Betrug das Bevölkerungswachstum zwischen 1958 und 1989 im Saldo mehr als 46.500 oder 600%, trat seitdem ein Verlust von 15.500 oder 30% ein.
Die sich aus diesem Bevölkerungsverlust ergebenden Leerstände konnten von den Wohnungsgesellschaften finanziell nicht verkraftet werden. Ihre Lage war um so prekärer, da auch mittel- und langfristig mit einer relevanten Belebung des industriell geprägten Wohnungsmarkts nicht zu rechnen ist. Bei einer Arbeitslosenrate von derzeit 23% ergeben sich weder aus der wirtschaftlichen Entwicklung nennenswerte Zuzüge, noch kann die aktuelle Geburtenrate eine Umkehrung des Trends bewirken. So wurde in Schwedt frühzeitig ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das einen Ausgleich zwischen den Gemeinwohlinteressen, hier insbesondere den städtebaulichen sowie den (wohnungs-) wirtschaftlichen Belangen sucht. In Arbeitsgruppen, in denen neben den städtischen Ämtern auch die beauftragten Stadtplaner, die beiden Wohnungsunternehmen, die Versorgungsträger und zeitweise Kommunalpolitiker vertreten waren, wurden die Programmziele des Stadtumbaus formuliert.
Bei der Formulierung der Programmziele war die Tatsache besonders bedeutsam, dass sich die Leerstände räumlich konzentrierten. Siedlungsstrukturell besteht Schwedt aus einem kleinen Altstadtbereich, mehreren plattenbaugeprägten Erweiterungen, großindustriellen Produktionsstätten und einigen dörflichen Ortsteilen. Bei den Wanderungsverlusten, die sich sowohl aus Abwanderungen wie aus Eigenheimbauten im Umland zusammensetzen, zeigten sich deutliche Schwerpunkte im Bereich der zuletzt fertiggestellten Plattenbauten. Für den Bereich der Altstadt und des angrenzenden Wohngebiets "Neue Zeit" betrug der Einwohnerrückgang im Jahr 1999 z.B. 5%, während im Westen der Stadt ein Rückgang von 20% zu beobachten war.
Daraus wurde die Strategie entwickelt, den Kern-/Zentrumsbereich zu stärken (Leitbild: "Stadt am Wasser") und das Rückbauvolumen am Stadtrand, d.h. vor allem im Stadtteil "Am Waldrand" zu konzentrieren. Wobei in dem Rückbaugebiet eine parallele Durchführung von Sanierungs-/Vitalisierungs- und Leerzugs-/Abbruchmaßnahmen vorgesehen wurde.
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Das Umbauprojekt |
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1996 wurde für die am meisten von Leerstand betroffenen, westlichen Wohngebiete "Kastanieenallee", "Talsand" und "Am Waldrand" mit vorbereitenden Untersuchungen begonnen, die 1999 in der Ausweisung des Sanierungsgebiets "Obere Talsandterrasse" mündeten. Parallel zu der Festlegung des Sanierungsgebietes wurde auch eine Rahmenplanung beschlossen, die in ihren Grundzügen bis heute gültig ist. Die 2003 aufgrund der weiterhin negativen Einwohnerentwicklung vorgenommene Fortschreibung der Rahmenplanung sieht im Kern eine weitere Intensivierung der Wohnungsabbrüche im Stadtteil "Am Waldrand" vor.
Prinzipiell geht die Rahmenplanung für das Quartier "Obere Talsandterrasse" davon aus, dass nach und während des Rückbaus eine möglichst kompakte Siedlungsstruktur erhalten bleibt, um kurze Wege zu ermöglichen, die stadttechnischen Systeme wirtschaftlich zu erhalten und die gewachsenen sozialen Kontakte möglichst unangetastet zu belassen. Hierzu wurden in einem "Dichtemodell" radiale Bereiche definiert, die von der "Konsolidierten Zone" (verdichteter Bereich) über die "Transformations- oder Atmungszone" (Bereich mittlerer Dichte) bis zu "Peripheren Zonen" (aufgelockerte Bereiche) reichen.
Bei den "Konsolidierten Zonen" handelt es sich um den zentralen Bereich, um die Mitte des Quartiers. Durch Abbruch von elfgeschossigen Plattenbauten mit insgesamt 750 Wohnungen entlang der "Leipziger Straße", die an der Nahtstelle der Stadtteile "Am Waldrand" und "Talsand" liegt, wurde eine wichtige Radialerschließung zu einem Boulevard umgebaut. In seinem Umfeld kam es zu Modernisierungs-, Umstrukturierungs- und Aufwertungsmaßnahmen, sowie zur Stärkung der vorhandenen Nahversorgungs-, Dienstleistungs- und Sozialeinrichtungen.
Die "Transformations- oder Atmungszone" schließt sich westlich an die "Konsolidierten Zonen" an und besitzt Charakteristika sowohl von der verdichteten, wie auch der peripheren Zone. Ihre wichtigste Funktion ist es, auch nach 2010 eine flexible Entwicklung zu ermöglichen. Dabei gilt es, räumlich plausible Strukturen zu definieren, welche die Durchführung von Modernisierungs- und Aufwertungsmaßnahmen ermöglichen, zugleich aber auch Raum bieten, um zukünftig weitere Rückbaumaßnahmen oder den Neubau von Einfamilienhäusern vorzunehmen.
In den "Peripheren Zonen" finden die größten Transformationen statt. In ihnen sollen bis 2010 die flächigen Abbruchmaßnahmen umgesetzt werden und rund 3.500 Wohnungen abgebrochen werden. Ziel ist es, die Zone zu einer aufgelockerten, "suburbanen" Siedlung am Stadtrand zu wandeln, die aus Grün- und Gehölzflächen, aus Einfamilienhausbauten und aus weitgehend umgestalteten Plattenbauten (im sogenannten Külzviertel) besteht.
Insgesamt werden im Quartier "Obere Talsandterrasse" auf einer Fläche von 25 ha Rückbaumaßnahmen erfolgen, wobei allein ca. 23 ha im Stadtteil "Am Waldrand" liegen. Von diesen rund 23 ha sind 20 ha sind für Waldaufforstungen und nur 3 ha für Gehölzpflanzungen, Wildblumenwiesen und Wohnumfeldverbesserungen vorgesehen. Ungeachtet von langfristigen Überlegungen, dass auf den Flächen neue Einfamilienhäuser entstehen könnten, werden die Aufforstungsbereiche planungsrechtlich als "Waldfläche" festgesetzt. Die vorhandene Infrastuktur wird zurückgebaut, die Straßenkörper bleiben als Pflegewege bestehen.
Von zentraler Bedeutung für die Akzeptanz und die reibungslose Realisation der weitreichenden Abbruchmaßnahmen war sicher die Koordination der Handlungsträger. So wurde während der Planungsphase auf eine enge Verzahnung von städtebaulichen, kommunalpolitischen und wohnungswirtschaftlichen Vorstellungen ebenso geachtet, wie während der Umsetzungsphase auf die Kongruenz zwischen dem städtischen Haushalt und dem der Wohnungsunternehmen. Leerzug, Entkernung, Abriss und Neugestaltung der Abrissflächen wurden räumlich und zeitlich klar definiert und Hand in Hand mit Sanierungs- und Aufwertungsmaßnahmen im Umfeld durchgeführt.
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Die Erscheinung |
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Vermutlich hat die schnelle und expansive Wachstumsphase, die Schwedt nach 1958 erlebt hat, es den Verantwortlichen und Bewohnern erleichtert, auch das Gegenteil, das Schrumpfen zu denken. In Schwedt/Oder wurde jedenfalls früh an einer Strategie der klaren Verortung von schrumpfenden und stabilen Wohngebieten gearbeitet. Dabei fällt auf, dass man auf das Bild der europäischen, zentral organisierten Stadt vertraut hat und mit der Stadtreduktion keine neuen, strukturellen Ansätze verbunden hat. Aus ökonomischen, wie aus Gründen der Akzeptanz wurden die randständigen Siedlungsflächen vielmehr pragmatisch und unsentimental in neue Waldbestände rückverwandelt.
Der Annahme dieses schwierigen Prozesses durch die Bewohner, bei dem ein Stück der vertrauten Stadt durch steigende Leerstände, gezielten Leerzug und Abbruch gekennzeichnet ist, hat es sicher genützt, dass die Umbauziele von den Entscheidungsträgern gemeinsam entwickelt und auch gemeinsam und offensiv in der Öffentlichkeit vertreten worden sind.
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Die Planung und weitere Kontakte |
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Rahmenplan: Hölscher & Schmitz, Potsdam, mit Seebauer, Wefers + Partner, Berlin - 1999
Rahmenplan-Fortschreibung: Urbane Projekte (Schmitz), Potsdam, mit Machleidt + Partner, Berlin - 2003
Wettbewerb: Machleidt + Partner, Berlin, mit Thomanek + Duquesnoy, Berlin - 2002
Bauherr: Stadt Schwedt/Oder, Amt für Stadtentwicklung
Weitere Kontakte:
www.schwedt.de
(Foto + Pläne: Stadt Schwedt/Oder)
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© 2001 - 2010 Schader-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Änderung: 05.05.2006 |
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