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Nicht einsam bleiben

"Verlässliche Nachbarschaft" ist mit das wichtigste Bedürfnis älterer Menschen. Um dies nicht dem Zufall zu überlassen, nehmen die Initiativen zum gemeinsamen Wohnen im Alter sprunghaft zu.


Praxisbeispiele und Projekte
Links und Literatur


Neue Lebensformen im Alter zwischen Unterstützung und Eigeninitiative
Die Ursachen für die Entwicklung neuer Lebensformen im Alter liegen auf mehreren Ebenen: Die demografische Entwicklung erlaubt es nicht, für alle Älteren die bekannte Lebensform im Alter - das Leben in einem Altenheim - zu finanzieren. Da mit dem Wandel der Familie bedingt durch die neue mobile Arbeitswelt, die Emanzipationsbestrebungen der Frauen (Berufstätigkeit und weniger Kinder) auch das Unterstützungssystem der Älteren in Frage steht, bedarf es der Stärkung örtlicher und nachbarschaftlicher Dienstleistungen. Hinzu kommt, dass die ältere Generation selbstbewusster und fordernder auftritt als früher. Das könnte künftig sogar für die Menschen gelten, die auf die Pflegeversicherung angewiesen sind, die ihnen durch ihre Trennung der Pflegekosten von den Wohnkosten im Prinzip mehr Wahlmöglichkeiten in der Lebensgestaltung eröffnet als das bisher der Fall war.

Der Wandel der Familien wirkt sich auf die Versorgung der Älteren aus
Marie-Therese Krings-Heckmeier konstatiert:
"Die Hilfeleistungen für Ältere wurden bisher in Familien, durch Kauf von Dienstleistungen am Markt, durch Nachbarn und Freunde erbracht. So leben etwa 70 % der knapp 1,6 Mio. Pflegebedürftigen zu Hause und erhalten im Rahmen informeller Unterstützungssysteme Hilfen. Die rund 2,3 Mio. Bedürftigen, die regelmäßig z.B. hauswirtschaftliche Unterstützung benötigen, werden zu fast 90 % informell versorgt.

In den nächsten Jahren werden die familialen Unterstützungsnetze zurückgehen. Bisher konnte sich die überwältigende Mehrheit der Älteren im Falle von Hilfsbedürftigkeit auf die Unterstützung durch ihre Kinder verlassen. Diese wohnten in der Nachbarschaft oder in erreichbarer Entfernung. Durch den relativen Rückgang der Kindergeneration werden rein statistisch gesehen weniger Kinder Leistungen für ihre Eltern erbringen können. Somit sinkt die Fähigkeit der Familien, Pflege- und Unterstützungsdienste zu übernehmen.

Es gibt nicht nur durchschnittlich weniger Kinder in den Familien, auch die Quote der älteren Menschen ohne Kinder nimmt ständig zu. Gegenwärtig ist etwa nur jede 30. ältere Frau kinderlos. In den nächsten zehn Jahren steigt diese Zahl an. Dann wird schon etwa jede 8. und im Jahre 2030 etwa jede 4. über 60-Jährige kinderlos sein. Damit wächst die Gruppe der Personen, die nicht in einer Eltern-Kinder-Beziehung lebt und die schon deshalb auf alternative Unterstützungsleistungen angewiesen sein wird."

Neue Lebensstile im Alter verlangen neue Wohnformen
Die Wohnungsbaugesellschaften, in deren Siedlungen heute viele Hochbetagte leben, verwalten eine Übergangssituation. Mit Blick auf den Wandel der Lebensstile der mittleren Generation können sie die bestehende Situation nicht zum Ausgangspunkt für notwendige Neustrukturierungen machen. Doch außer dem Ziel, möglichst viele barrierefreie Wohnungen nach DIN 18025 anzubieten, wird es künftig kaum spezielle Anforderungen des Alters geben. Denn diese werden sich v.a. an Lebensstilen orientieren. Das gilt auch für den Wohnungsneubau. Die neuen Lebensstile des Alters fokussieren noch stärker als bei der jüngeren Generation auf das Wohnen. Wohnen heißt hier im wesentlichen "Kommunikation". Dass bisher erst wenige Menschen in alternativen Wohnformen leben, sagt nichts über die Nachfrage aus, sondern ist auf das mangelnde Angebot zurückzuführen.

Alternative Lebensstile sind nicht gleichzusetzen mit "Sonderwohnformen". Im Gegenteil verweisen die neuen Lebensstile Älterer auf künftige Trends, die generell gelten.

initiative selbstbestimmt wohnen im alter, BMSFFJ Private Initiativen zur Selbstversorgung
Ältere Menschen wollen nicht von fremder Hilfe abhängig werden, und sie möchten in ihren vertrauten Wohnquartieren bleiben. Da bei ihnen nicht mehr die Arbeit das Lebensbestimmende ist, fokussieren sich Gemeinsamkeitsaktivitäten auf das Wohnen. Das gemeinschaftliche Wohnen bildet damit einen neuen Lebensstil. Die "Neuen Wohnformen" im Alter stellen insofern eine substantielle Kritik an den bestehenden Servicemodellen für das Alter dar. An die Stelle der Normierung der Dienste tritt die Sorge durch Zuneigung. Private Initiativen zur Selbstversorgung im Alter werden nicht wegen finanzieller Notlagen gegründet, sondern aus dem Wunsch nach Geborgenheit in einer Gemeinschaft.

Das Modellprogramm "Selbstbestimmt Wohnen im Alter" unterstützt diese Bestrebungen ebenso wie das Kuratorium Deutsche Altershilfe oder verschiedene Einrichtungen der Wohnberatung, wie z.B. die Wohnbund-Beratung NRW oder der Verein "Neues Wohnen im Alter".

Leichter leben - smart homes
Die jetzigen und kommenden Generationen wachsen mit den Informations- und Kommunikationstechnologien auf. Sie werden sie also auch im Alter nutzen; u.a. um ihr Leben komfortabler zu gestalten. Smart Home - so wird ein Feldversuch über die Praxistauglichkeit intelligenter Haustechnik genannt.


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Praxisbeispiele und Projekte

Barrierefreiheit auch für Nicht-Behinderte
Wohnungsgrundrisse für "betreutes Wohnen im Alter" unterscheiden sich im Prinzip von "normalen" Wohnungsgrundrissen nur dadurch, dass die Bewegungsräume für Rollstühle beachtet werden. Die "funktionsorientierte" Flächenoptimierung der "normalen" Wohnungsgrundrisse führt im Alter aber auch für nicht behinderte Menschen zu Einschränkungen.

Herne - WIR
WIR - Wohnen im (Un-) Ruhestand e.V. in Herne ist ein Wohnmodell für ältere Menschen in Selbstverwaltung. Ziele des Wohnmodells in Hausgemeinschaft sind: Vorbeugung gegen Vereinsamung, gegenseitige Hilfe im Bedarfsfall, Selbstorganisation professioneller Hilfen, Verbleib in den eigenen vier Wänden bis zum Lebensende.

Dortmund - Wohnberatung für Ältere
Im Kreuzviertel in Dortmund wurde ein Modell der Wohnberatung und Wohnungsanpassung für ältere Menschen entwickelt.

Die Frage am Anfang war: Wie können wir es erreichen, dass mehr Menschen zu Hause bleiben können, weil immer mehr Leute in den Altenheimen fehl am Platz waren. Senioren können häufig in ihren Wohnungen selbstständig bleiben, man muss ihnen nur die Voraussetzungen - zumeist einfache bauliche - schaffen. Das Modell der Wohnberatung für ältere Menschen wurde in die Altenplanung des Landes NRW Anfang der 90er Jahre übernommen. Mittlerweile fördert das Land zusammen mit den Kommunen und den Pflegekassen in 40 Städten, Kreisen oder Gemeinden Beratungsstellen, die nach dem Dortmunder Vorbild entstanden sind.
Beratungsstellen helfen älteren Menschen, ihre Wohnungen den Erfordernissen des Alters anzupassen. Dies beinhaltet die Beseitigung von Gefahrenquellen, die Verbesserung von Raumnutzung und -ausstattung und den Einsatz von Hilfsmitteln. Manchmal müssen auch größere bauliche Maßnahmen vorgenommen werden. Im Einzelnen bestehen die Aufgaben der Wohnberatung in der Untersuchung von Umbaubedarfen vor Ort, der Organisation, Begleitung und Unterstützung bei der Finanzierung und Antragstellung der Umbaumaßnahmen sowie in der Begleitung der Durchführung von Umbaumaßnahmen.

Darüber hinaus werden nicht nur Beratung und Hilfe im Einzelfall angeboten, sondern es wird auch versucht, diese Hilfe mit weitergehenden Bemühungen zur Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen abzustimmen. Älteren Menschen soll geholfen werden, möglichst selbstständig, selbstbestimmt und integriert zu leben; sie sollen mitreden und die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Informationsdienst "Wohnen in jedem Alter" des Sozialnetzes Hessen
Das Informations- und Beratungsangebot richtet sich insbesondere an ältere Menschen bzw. solche, die ihr Wohnen im Alter vorplanen wollen.

Lörrach - Lebensräume für Jung und Alt
Die Wohnbau Lörrach gibt dem Miteinander von Jung und Alt einen Platz: die Wohnanlage "Siegmeer" in Lörrach-Hauingen. Das Projekt stützt sich auf beeindruckende Erfahrungen am Bodensee. Dort hat die Stiftung Liebenau mit ihrer Gesellschaft "St. Anna-Hilfe für ältere Menschen" seit 1994 mehr als ein Dutzend Anlagen für ein Generationen übergreifendes Wohnen errichtet.
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Ältere Menschen leben in gewünschter Selbstständigkeit, können bei Bedarf auf Hilfe bauen und haben unter den Nachbarn auch junge Leute und Familien mit Kindern.

Bonn
Im ehemaligen Karmeliterkloster in Bonn-Beuel sind Eigentumswohnungen, Eigenheime und Mietwohnungen in verschiedenen Größen für mehrere Generationen gebaut worden, die von der Gemeinschaft selbst verwaltet werden.


Hamburg - Nachbarschaftliches Wohnen für Jung und Alt in Schnelsen
Die ev.-luth. Kirchengemeinde Schnelsen hat sich entschlossen, einen Teil ihres Kirchengrundstückes für ein Wohnprojekt für Jung und Alt zur Verfügung zu stellen. Es wird sich eine Gruppe zusammenfinden, die gemeinschaftlich Bauherrin ihrer eigenen Wohnungen wird. Es sollen zwei 2,5-geschossige Gebäude mit zusammen ca. 23 Eigentumswohnungen von 40 bis 150 qm Wohnfläche entstehen.

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Das Grundstück in Schnelsen im Januar 2002

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Südwestansicht der geplanten Bebauung

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Blick vom Grundstück auf die angrenzende Straße
 
Pflegegruppen im Quartier
In und um Bielefeld ist eine wohnpolitische Bewegung für das gemeinsame Leben von Jung und Alt zu beobachten. Bauernhöfe, Mehrfamilien- und Siedlungshäuser werden umgewandelt und ihrem ursprünglichen Wohn- und Lebenszweck wieder zugeführt. In Neubaugebieten werden Wohnungen für Wohngemeinschaften bereitgestellt. Sozialwohnungen werden den Bedürfnissen von Familien, Kindern, behinderten und alten Menschen angepasst.

In jedem Stadtteil baut der Verein "Wohnprojektberatung Jung und Alt" die Wohn- und Lebenshilfen für Mieter, Vermieter, Hauseigentümer, Nachbarn und Kiezgemeinschaft auf. Der größte Kooperationspartner ist die Bielefelder gemeinnützige Wohnungsgesellschaft BGW (11.000 Wohnungen). Derzeit wird an einem Konzept gearbeitet, welches dazu führt, dass in jedem Wohnquartier ein "Alt und Jung-Haus" vorhanden ist. Auch mit anderen Baugesellschaften und Genossenschaft besteht Zusammenarbeit, u.a. mit der Freien Scholle e.G. Alle Berater leben und/oder arbeiten selbst in Alt und Jung-Gemeinschaften.

Steinbach
Beim Bürgerselbsthilfeverein "die brücke e.V." in Steinbach sammeln Helfer ein Punktekonto für die eigene Zukunft des Älterwerdens. "die brücke" will Menschen miteinander verbinden, Menschen, die Hilfe brauchen, und Menschen, die Hilfe geben können, unabhängig von ihrem Alter.

Cottbus - Smart home
Smart Home - eine Konzeption von "sentha" für die künftigen Altengenerationen befindet sich in der Testphase.
blanko

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Funktionsweise des Smart Home nach "sentha"

blanko
 
Smart Home steht für Integration von Technologien und Diensten in der häuslichen Umgebung mit dem Ziel, die Lebensqualität, Sicherheit und die Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt zu verbessern. Das Testen der seniorengerechten Produkte und Dienstleistungen soll auch in realistischer Wohnumgebung erfolgen, da viele Schwächen einzelner Produkte erst bei der Benutzung sichtbar werden. Viele Smart-Home-Funktionen lassen sich nur sehr schwer im Learning Home testen. Dazu gehört auch die Smart-Home-Umgebung selbst, mit ihren unterschiedlichen Sensoren und Aktoren sowie den Steuerungs- und Vernetzungselementen. Aus diesem Grund werden in einem Wohnungsbauprojekt in Cottbus mehrere Wohnungen im Sinne eins Smart-Home vernetzt und den darin lebenden Senioren grundlegende Funktionen wie Heizungs- und Lichtsteuerung sowie individuelle Funktionen (u.a. Notrufsystem) zur Verfügung gestellt. Ziel ist eine Bewertung der Smart Home-Funktionen.


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Links und Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg): Wohnungen für betreute Wohngruppen alter Menschen. Nutzungsanalysen und Planungshinweise. Berlin 2000

Generationen unter einem Dach. Beitrag aus WDR-ServiceZeit
> Die kurze Internetpräsentation des Beitrags stellt einige Modelle vor und nennt zahlreiche Ansprechpartner, Einrichtungen und Projekte.

Glatzer, Wolfgang: Neue Wohnformen für Jnge und Alte. Haushaltstechnisierung in der Generationenperspektive. In: Schader-Stiftung (Hg.): wohn:wandel. Szenarien, Prognosen, Optionen zur Zukunft des Wohnens. Darmstadt 2001. S. 216-227

Henckmann, Antje: Aufbruch in ein gemeinsames Alter. Neue Wohnformen im Alter. Opladen 1999

Human-Computer Interaction in a Smart Home. PDF-Präsentation (920 kb) der sentha-Entwicklungen von Klaus Fellbaum und Maik Hampicke

Krings-Heckemeier, Marie-Therese; Pfeiffer, Ulrich: Die Wohn- und Lebenssituation der älteren Generation. Manuskript. Bonn 1991

Löschke, Gerhard; Pourat, Daniela: Wohnungsbau für alte und behinderte Menschen. Stuttgart 1995

Narten, Renate; Stolarz, Holger: Neue Wohnmodelle für das Alter. Dokumentation des Expertenworkshops am 11.-12.6.1997 in Bonn-Oberkassel. Bonn 1999

Smart Home - Wohnung mit "Köpfchen". Ein Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Klaus Fellbaum (TU Cottbus) und Dr.-Ing. Maik Hampicke bearbeitet und gekürzt von Mirko Flechtker. In: Magazin 2006 Heft 5

Von Menschen und Mieten. Von der Konkurrenz zur Kooperation - Wohnungsunternehmen in Herne stellen Weichen für die Zukunft (S.6-7)


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Letzte Änderung: 08.03.2004