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Lebenszyklen erhalten eine neue, differenziertere Struktur
Die Generationen sind nicht mehr so scharf abgegrenzt. Auch die Übergänge von der Erwerbstätigkeit in "die Rente" oder "die Pension" sind fließend geworden. Die erzwungenen Einschnitte stehen immer wieder zur Disposition je nach dem jeweiligen Rentenmodell oder je nach der gerade opportun erscheinenden Arbeitsmarktpolitik.
Andere kennen diesen Übergang gar nicht. Wenn in vielen Branchen auf die Jüngeren gesetzt wird, gilt schon der 50-Jährige als alt. Viele Potenziale der Menschen werden auf diese Weise verschleudert.
Wiederum andere sehen dem frühen Ausscheiden aus dem Beruf mit Freude entgegen, besonders wenn die Kinder aus dem Haus sind, weil sie dann in eine Lebensphase eintreten können, in der sie Versäumtes nachholen können. Zunehmend wächst eine Generation heran, die - das Älterwerden ihrer Eltern im Blick - mit 50 Jahren beginnen, das Leben im Alter vorzuplanen.
Das Alter ist weiblich
Weil Frauen älter werden als Männer und weil die Männer - meistens verheiratet - sich im Alter auf ihre Frauen verlassen, wird von einer "Feminisierung des Alters" gesprochen. Tatsächlich leben heute in den Altenpflegeheimen mit ihrem hohen Eintrittsalter weit überwiegend Frauen.
Auf die älteren Migranten trifft die "Feminisierung des Alters" allerdings nicht zu, denn die Anwerbung von Gastarbeitern hat zu einem Männerüberschuss geführt, der auch durch den Familiennachzug nicht vollständig kompensiert wurde. Aus diesem Grund erhält in dieser Gruppe die "Singularisierung des Alters" ein besonderes Gewicht.
Regionale Differenzierung des Alters
Am Beispiel des Landes Niedersachsen zeigt eine Studie von Herbert Schubert die regionale Differenzierung in der Veränderung der Altersstruktur auf. Im Laufe der nächsten 10 bis 15 Jahre ist vor allem in den Umlandgemeinden der Stadtregionen eine drastische Umkehr der Altersstruktur zu erwarten.
Bis zum Jahr 2010 wird sich die absolute Bevölkerungszahl beträchtlich erhöhen. Diese Gewinne werden sich schwerpunktmäßig in einer Zunahme der alten Bevölkerung um mehr als ein Drittel niederschlagen. Die Bevölkerung im höheren Erwerbsalter wird teilweise um ein Zehntel anwachsen. Die anderen, jüngeren Altersgruppen werden tendenziell abnehmen. Die Suburbanisierung der 70er und 80erJahre bewirkt, dass die Umlandkreise der Stadtregionen mit einem besonders hohen Wachstum der älteren Bevölkerung zu rechnen haben. Bis zum Jahr 2010 wird beispielsweise im Landkreis Hannover die Zahl der über 64-Jährigen um fast 42.000 Personen zunehmen, während sich die Zahlen der 50- bis 64-Jährigen um knapp 8.000, der 25- bis 49-Jährigen um knapp 6.000 und die Zahl der unter 25-Jährigen um rund 1.000 Personen verringern werden. Zwar werden die Umlandregionen ihren demografischen Schwerpunkt noch nicht bei der alten Bevölkerung haben, bereits aber bei der Altersgruppe im höheren Erwerbsalter.
Altwerden in einer modernen Gesellschaft: neue "Übergangsformen"
Altern in modernen Gesellschaften bedeutet im Unterschied zu anderen oder früheren Gesellschaftsformen, neue Übergangsformen im Prozess des Älterwerdens zu akzeptieren, die mit "natürlichen" Lebensphasen immer weniger konform gehen. Auf der einen Seite könnte von einer "Individualisierung" des Alterns gesprochen werden, denn die Übergänge z.B. vom Beruf in die Rente sind differenziert, teils vom Altern unabhängig, und sie können sich immer wieder anders gestalten als geplant. Das gilt auch für die Übergänge vom rüstigen und aktiven Alter zur Hinfälligkeit.
Auf der anderen Seite werden diese - teils erzwungenen - individuellen Vorgänge in soziale Schemata eingefügt. Hier gelten dann die Effizienzkriterien der großen Anbieter von Sozialdienstleistungen. Es besteht bei sozialstaatlichen Versorgungssystemen immer die Tendenz, Lebensumstände zu kategorisieren, weil die Differenzierung für die verwaltenden Institutionen zu komplex ist. Die Folge davon sind hohe Kosten, weil viele Maßnahmen nicht den Kern des Problems treffen.
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Praxisbeispiele und Projekte
Heilbronn
Wohnen und Arbeiten in einem einfachen Haus: ein Wohnprojekt in Heilbronn. Mit dem Prinzip des Baukastens soll das Angebot der Stadtsiedlung Heilbronn Haushalte unterschiedlichen Einkommens erreichen. Das einzelne Haus setzt sich aus unterschiedlichen Elementen zusammen:
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- das "Starthaus" mit rd. 76 qm Wohnfläche und einer Dachterrasse von 33 qm,
- die Erweiterung im Haus durch Erker und Dachausbau,
- die Erweiterung im Erdgeschoss durch einen Baukörper für unterschiedliche Nutzungen.
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Diese Erdgeschosserweiterung ist eine der zentralen Optionen: Garage, Garage mit Werkraum, großer Werkraum, Büro oder Einliegerappartement für die Kinder, Eltern oder Großeltern. Wichtig ist: der Endausbau ist bereits baurechtlich bewilligt und die Fundamente werden auf jeden Fall gebaut. Zugleich bietet das Haus Unterteilungsmöglichkeiten bei veränderter Familiensituation:
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- das Haus kann vertikal geteilt werden in eine ca. 103 und eine ca. 28 qm große Wohnung,
- das Haus kann horizontal geteilt werden in eine 71 und eine 59 qm große Wohnung. Es besteht eine Wahl zwischen einem gemeinsamen oder zwei Eingängen.
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Mit diesem Baukastenprinzip wird über die Flexibilität hinaus erreicht, dass eine vielfältige und in ihrer Besonderheit identifizierbare Siedlungsform entsteht. Das dient dem langfristigen Werterhalt im Vergleich zu stereotypen Siedlungsformen.
Wohnen mit Service
Die Bundesgeschäftsstelle LBS im Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. hat 1997 eine Publikation unter dem Titel "Wohnen mit Service" herausgegeben, in der rd. 600 Projekte in Deutschland vorgestellt werden, die älteren Menschen einen Service bieten. Die meisten Projekte sind in den letzten Jahren buchstäblich aus dem Boden geschossen. Meistens handelt es sich um vom Stadtteil abgegrenzte, quasi autonome Baukomplexe, die alles bieten, was ein älterer Mensch angeblich wünscht. Selbstständigkeit im Alter - immer das wichtigste Kriterium - wird in den Residenzen, Wohnparks oder Seniorenwohnanlagen durch das "neue Wohnkonzept" des "Wohnens mit Service" angestrebt. Partner der Wohnbauträger ist meistens einer der großen Wohlfahrtsverbände.
Dass eine so große Zahl von mehr oder weniger großen Wohninseln innerhalb von Wohnsiedlungen oder am Rande der Stadt entstehen konnte, verweist nicht nur auf eine entsprechende Nachfrage, auch wenn nach Meinung von Experten dieser Boom in manchen Preissektoren bereits ein Ende gefunden hat. Ebenso bedeutsam ist, wie sehr sich die Städte und Gemeinden dieser "Ghettowohnform" zugewendet haben - jenseits ihrer Ansprüche auf Integration und der Zurückweisung von Segregation.
In den USA sind solche Altenwohnanlagen gang und gäbe. Prominentestes Beispiel ist "Sun City" in Arizona, eine Stadt, in der nur leben darf, wer 55 oder älter ist. Die erfolgreiche Vermarktung dieses Wohnmodells in den USA zeigt die Del Webb-Produktsparte "Active Adult Communities".
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Links und Literatur
Behnecke, Volker: Dienstleistung in der Wohnungswirtschaft. Das Beispiel der "Wohnbau Mieterservice GmbH". In: Schader-Stiftung (Hg.): wohn:wandel. Szenarien, Prognosen, Optionen zur Zukunft des Wohnens. Darmstadt 2001. S. 196-204
Bundesgeschäftsstelle LBS im Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. (Hg.): Wohnen mit Service. Bearbeitung: Marie-Therese Krings-Heckemeier, empirica. Bonn 1997
> Die zweite, erweiterte Auflage wurde 1999 publiziert.
Schubert, Herbert: Wohnungspolitische Raumbeobachtung. Indikatorensystem zur langfristig orientierten wohnungspolitischen Raumbeobachtung. In: RaumPlanung. Dortmund 1998. S. 228 - 236
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