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Praxis des Stadtumbaus
Umbau der Stadthalle in Leinefelde / Thüringen


Erweiterung und Umbau der Stadthalle (Obereichsfeldhalle) in der Südstadt, Birkunger Straße

Das Projekt in Bildern
Die Halle vor sowie nach dem Umbau, Rahmenplanung, Innen- und Außenansicht. Zur Fotogalerie >>


Neues Foyer der Obereichsfeldhalle Stadtumbau Leinfelde / Umbau der Obereichsfedhalle / Aussenansicht




Eckdaten des Stadtumbaus in Leinefelde Einwohnerentwicklung:
Wanderungsverluste von ca. 30% in der Gesamtstadt und von ca. 45% in der Südstadt zwischen 1990 und 2002:
1990: 19.000 Einwohner; davon ca. 13.000 in der Südstadt
2002: 13.500 Einwohner; davon ca. 7.000 in der Südstadt

Ziele des Stadtumbaus:
Entwicklung eines "bedarfsgerechten, lebendigen" Stadtteils
Anpassung der Siedlung an den Einwohnerrückgang
Verhinderung weiterer Abwanderung

Ziele des Projekts:
Aufwertung und Sicherung der Funktionsfähigkeit der Stadthalle
Schaffung eines Merk- und Identifikationspunktes für die Gesamtstadt / Imagegewinn
Aufwertung und Stabilisierung des gesamten Versorgungszentrum

Projektmaßnahmen:
Aussenbereich:
Hinzufügung einer Überdachung ("Stadtloggia")
Schaffung eines Zugangsbereichs / Entrees (Pflasterung, Springbrunnen)
Begrünung (Alleepflanzung entlang der Ladenzeile)

Fassaden:
Sanierungsmaßnahmen
Hinzufügen neuer Öffnungen
Anbau von Foyer, Kassenraum und Garderobe

Grundriss / Innenraum:
Freilegung der Decken-/Schalenkonstruktiuon und der Tragkonstruktion
Einfügen von natürlicher Belichtung der Innenräume
Erneuerung der Haustechnik

Die Situation Die stukturschwache, ehemalige Grenzregion wurde ab 1960 auf der Grundlage des "Eichfeldplans" systematisch entwickelt. In Leinefelde entstanden - neben Industriebetrieben - über 5.000 neue Wohnungen. Sie wurden in einer vom alten Stadtkern losgelösten Siedlung, der Südstadt, meist in fünf-geschossigen Plattenbauten realisiert. 1990 lebten hier fast 70% der Leinefelder Bevölkerung (2002 noch ca. 50%). Wobei sich die Einwohnerverluste der Gesamtstadt fast ausschließlich in der Südstadt realisierten.

Das Versorgungszentrum - bestehend aus der Obereichsfeldhalle, einer Stadtbibliothek und einer Geschäfts-/Ladenzeile - wurde 1974 als Verbindungsglied zwischen dem alten Stadtkern und Südstadt gebaut. Noch vor der Wende von 1989 wurde es - wegen des gestalterischen Umgangs mit vorgefertigten Bauteilen - unter denkmalpflegerischen Ensembleschutz gestellt.

Der Rahmenplan von 1995 sieht eine Reduzierung des Wohnungsbestandes um 30% vor. Der Rückbau wird dabei als Chance genutzt, die hohe Dichte, die räumliche Diffusität und die fehlende Zentralität der Südstadt zu mildern. Dazu wird der zentrale Bereich und die Verbindungsachse zum alten Ortskern gestärkt, während die Randbereiche flexibel auf zukünftige Anforderungen reagieren können. Das Versorgungszentrum soll als verbindende Intrastuktureinrichtung erhaltenden bleiben und zum Identifikationspunkt aufgewertet werden.

Das Umbauprojekt Zum Umbau wurde die Obereichsfeldhalle zunächst völlig entkernt; nur die Tragkonstruktion aus einem Stahlbetonskelett und das HP-Schalendach wurde belassen. Diese bislang verborgenen Konstruktionelemente blieben im Ausbau sichtbar und wurden in Konstrast zum Innenausbau und zu den neuen Gebäudeteilen gestellt (alt: rau oder getupfte Farben; neu: glatt oder homogene Farben).

Zwischen dem ehemaligen Foyer (nunmehr der kleine Veranstaltungsraum) und der großen Halle wurde als neues Foyer ein zwei-geschossiger, gläserner Baukörper eingefügt. Ein flaches Stahldach auf Rundstützen überdeckt den neuen Baukörper und setzt sich im Freien bis zur gegenüberliegenden Bibliothek und der Geschäfts-/Ladenzeile fort ("Stadtloggia"). Diese Neubauten gewährleisten den bislang nicht vorhandenen Aussenbezug der Hallen und die Verbindung zur Bibliothek. Zugleich markieren sie einen nördlichen (kulturellen, offenen) und einen südlichen (kommerziellen, introverierten) Bereich.
Der neue, kleine Versammlungsraum (das ehemalige Foyer) wurde durch eine betonsteinverkleidete Wand zur Ladenzeile hin abgeschlossen. In die mit Oberlichtern versehene Wand sind die Garderoben und das Kassenhaus integriert.

Die Erscheinung Die Maßnahme kann als gelungenes Beispiel der (Weiter-)Nutzung von alter Bausubstanz bei gleichzeitiger, grundlegender Aufwertung gelten.
Wobei durch die Überdachung (die Anwohner sprechen anstelle von "Stadtloggia" auch von "Stadttor") und die hochwertige Gestaltung der nördlichen Freifläche einerseits, sowie die fehlende baulich-gestalterische Anpassung der Geschäfts-/Ladenzeile anderseits eine trennender Eindruck entsteht.

Die Planung und weitere Kontakte Rahmenplan: GRAS, Darmstadt und Dresden - 1995
Architekten: Forster und Schnorr, Frankfurt/Main
Bauherr: Stadt Leinefelde


Weitere Kontakte:
www.leinefelde.de
www.stefan-forster-architekten.de

(Foto: Büro Stefan Forster Architekten, Büro GRAS)


 
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Letzte Änderung: 07.12.2004