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Alternde Bevölkerung - veralteter Sozialstaat
Die auf die jungen Generationen zukommenden Lasten gelten heute als nicht mehr leistbar und das Umverteilen als nicht mehr konsensfähig. Die provokante Forderung des Junge-Union-Vorsitzenden Philipp Missfelder im August 2003, Prothesen ab 85 seien selbst zu zahlen und gesetzlich versicherte Rentner sollten für ihren Zahnersatz selbst aufkommen, hat den Streit der Generationen neu entfacht.
Bei dieser Diskussion verlaufen die Trennlinien nicht wie gewohnt entlang der Parteien, sondern entlang der Generationen der Volksvertreter. Der Rückbau des Sozialstaates und seine Ergänzung oder sogar Ersetzung durch private Vorsorge auf der Basis einer staatlichen Mindestabsicherung gilt den meisten Experten ohnehin mittlerweile als unvermeidbar.
Überholtes Modell? Biologische Lebensphasen in sozialer Gestalt
Dabei hat der Ausbau des Sozialstaats den bis dato biologischen Lebensphasen Alter und Kindheit erst ihre heute vertraute soziale Gestalt gegeben: aus Alten wurden Rentner, aus Kindern Schulpflichtige. Die Verteilungswege des Sozialstaats verlaufen je länger desto mehr von den weniger werdenden jüngeren Erwerbstätigen zu den zahlenmäßig deutlich zunehmenden, aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Älteren.
Je älter desto produktiver?
Jugend und Alter können heute nicht mehr mit produktiv und weniger oder unproduktiv gleichgesetzt werden. Je produktiver ein Land ist, desto weniger Kinder gibt es - obgleich man sie sich hier eher leisten könnte als in ärmeren Ländern. In der industriellen und postindustriellen Gesellschaft ist die Produktivität der Länder mit wenigen Kindern besonders hoch.
"Wir können nicht sicher sein, ob die Gesellschaften mit viel Jugend tatsächlich die dynamischeren sind. Es ist durchaus denkbar, dass die postmodernen Gesellschaften mit überwiegend alter Bevölkerung eine Art Dynamo erfunden haben, der ohne die Antriebskräfte der Jugend auskommt und an ihre Stelle eine quasi künstliche Adoleszenz - analog zur künstlichen Intelligenz - setzt", meint der Soziologe Karl-Otto Hondrich und folgert für das Verhältnis der Generationen: "Es gibt zwischen den Generationen genügend widerstrebende Willen, Werte und Interessen, um Machtkämpfe zu schüren: Die Jungen lärmen, die Alten suchen Ruhe; die Jungen suchen Freiräume, die Alten Ordnung; die Jungen verlangen Geld für ihre Bildung, die Alten für Renten und Gesundheit; die Jungen planen für viele Lebensjahre, die Alten nur noch für wenige". Jedoch: "Gesellschaften integrieren sich nicht über Harmoniebekundungen, sondern über Konflikte."
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Praxisbeispiele und Projekte
www.generationendialog.de
Das Projekt findet statt im Rahmen der Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verbesserung des Dialogs zwischen den Generationen.
> Der Menüpunkt "Datenbank" bietet als Themenschwerpunkt auch eine Recherche unter dem Stichwort "generationenübergreifendes Wohnen".
Köln
Im Haus "Mobile" in Köln-Weidenpesch bietet der Verein "Neues Wohnen im Alter" gemeinschaftliches Wohnen für Alt und Jung mit 36 unterschiedlichen Wohneinheiten an.
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Der Verein "Neues Wohnen im Alter" wurde 1985 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Wohnsituation älterer Menschen zu verbessern als Alternative zum Leben alleine oder im Heim. Ermöglicht werden sollen: Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Leben in der eigenen Wohnung bis ans Lebensende, Aktivierung der in der Isolation brachliegenden Fähigkeiten und Lebenserfahrungen, Erleben von Hilfe durch Gemeinschaft, Erweiterung des Gesichtskreises durch das Kennenlernen und die Auseinandersetzung mit den Interessen anderer, verlässliche und bezahlbare Geborgenheit, Begrenzung der Kosten nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Allgemeinheit.
Die Planung des Hauses "Mobilé" hatte folgende Schwerpunkte: Barrierefreiheit für alle Bereiche (außer den Familienwohnungen im Maisonnette); Wohnungen mit getrenntem Schlafraum auch für Alleinlebende; gute Mischung der Bewohner nach Alter und Familiensituation; Einbeziehung der Nachbarschaft; Dienstangebote für Betreuung von außen, nicht im Haus; Aufteilung der Finanzierung in frei/gefördert; Möglichkeiten der Pflege im Haus mit Wohnmöglichkeit für Verwandte oder Freunde; Reduzierung der Pkw-Stellplätze.
Berlin - Verein "Offensives Altern"
Wohnen im Generationenverbund als Ausgangspunkt von Selbsthilfearbeit strebt der Verein "Offensives Altern" in Berlin an. Das Wohnen im Generationenverbund ist der Ausgangspunkt von Selbsthilfearbeit, um gegenseitige Unterstützung und Beratung bei gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu ermöglichen. Mit der gegenseitigen Unterstützung soll dazu beigetragen werden, menschenwürdig und lebensbejahend älter zu werden. Ziel ist, dass die Alten den Jungen (z.B. bei der Kinderbetreuung) und die Jungen den Alten (z.B. in Krankheitsfällen) helfen - ein Haus für ein Miteinander der Generationen.
Es entstanden drei Gebäude mit insgesamt 30 Wohnungen. 24 Wohnungen belegt der Verein, in ihnen leben 24 Frauen mit insgesamt 13 Kindern. Weitere sechs Wohnungen sind für die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft 1892 reserviert. Im Quartier soll das Haus Anlaufstelle für Stadtteilarbeit werden, es gibt eine Gästewohnung und einen größeren Gemeinschaftsbereich.
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Integriertes Wohnen
Nach dieser Firmierung sind in Deutschland einige bekannt gewordene Projekte gebaut worden, zum Beispiel in München und in Kempten.
Integriertes Wohnen mit älteren Menschen ist im Zusammenhang mit der Welle neuer Wohnformen entstanden.
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Das Tragende dieser Bewegung ist eine wie auch immer gestaltete gemeinschaftliche Wohnform. Gleiche Interessen und Abgrenzung sind eine Voraussetzung. Das Gemeinschaftliche kann aber auch in der bewussten Zuwendung zu Differenzierung und zu neuen Lebensformen bestehen, um die eigene Situation zu bereichern.
Integriertes Wohnen heißt: In ein und demselben Haus werden unterschiedliche Wohnformen angeboten (soziale Vielfalt). Hinzu kommt ein Angebot an Dienstleistungen im Haus, und zwar subsidiär konzipiert: Nachbarschaftshilfe oder Familienhilfe, semiprofessionelle Hilfe im Haus oder von außerhalb, professionelle Hilfe von außen.
Die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens stößt jedoch auch schnell an ihre Grenzen: Wie das "Forum für das gemeinschaftliche Wohnen im Alter" berichtet, bleibt die Absicht, Jung und Alt unter einem Dach zu vereinen, häufig nur frommer Wunsch. Denn hauptsächlich Ältere interessieren sich für diese Projekte.
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Links und Literatur
Bericht der Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme (Bericht der Rürup-Kommission). August 2003
Conrad, Christoph: Die vielen Zeugen des Wohlfahrtsstaates. In: FAZ vom 31.10.1998
Hondrich, Karl Otto: Die Verteilung zwischen Jung und Alt. Das Zahlenverhältnis der Generationen und die wirtschaftliche Produktivität. In: FAZ vom 13.2.1999
Roloff, Juliane: Alternde Gesellschaft in Deutschland. Eine bevölkerungsstatistische Analyse. In: Politik und Zeitgeschichte vom 23.8.1996
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Letzte Änderung: 19.02.2004 |
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