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Deutschland wird alt
Laut der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wird im Jahr 2050 jeder Dritte in Deutschland 60 Jahre oder älter und nur die Hälfte der Bevölkerung noch jünger als 48 Jahre alt sein. Durch die Alterung der Gesellschaft ergeben sich Probleme für die Renten und die Produktivität.
Links und Literatur
Deutschland wird alt
Zu einem langfristigen Bevölkerungsrückgang kommt es trotz Zuwanderung, weil in Deutschland - wie schon seit 30 Jahren - auch in den nächsten fünf Jahrzehnten stets mehr Menschen sterben werden, als Kinder zur Welt kommen. Wegen des zu unterstellenden anhaltend geringen Geburtenniveaus wird die heutige jährliche Geburtenzahl von ca. 730.000 auf etwa 560.000 im Jahr 2050 sinken und dann nur noch halb so hoch sein wie die Zahl der jährlich Gestorbenen; das "Geburtendefizit" wird etwa 580.000 betragen. Zum Vergleich: 2001 betrug das Geburtendefizit "nur" 94.000.
Von der Tanne zur Pappel |
Problem: Renten
Der so genannte Altenquotient zeigt die Verschiebungen im Altersaufbau besonders deutlich: Für das derzeitige tatsächliche durchschnittliche Rentenzugangsalter von 60 Jahren lag er 2001 bei 44, d.h. 100 Männer und Frauen im Erwerbsalter (von 20 bis 59 Jahren) standen 44 Personen im Rentenalter (ab 60 Jahren) gegenüber. Nach der "mittleren Variante" der Vorausberechnung wird der Altenquotient bis 2050 bis auf 78 steigen! Bei einer Rente ab 65 läge der Altenquotient immerhin noch bei 55.
Die Alterung der deutschen Gesellschaft wird aber nicht erst in 50 Jahren zu Problemen führen, sondern bereits in den nächsten beiden Jahrzehnten, denn der Altenquotient zeigt die kritische Beschleunigung der Alterung zwischen 2010 und 2030. Von 2001 bis 2010 erhöht sich der Altenquotient in der Abgrenzung bei 60 Jahren "nur" von 44 auf 46, steigt dann bis 2020 deutlich auf 55 an und nimmt bis 2030 sprunghaft auf 71 zu. Danach fallen die Zunahmen nicht mehr so stark aus.
Alter als Standortnachteil?
Als eines der gravierendsten Probleme der gesellschaftlichen Alterung wird der Rückgang der Produktivität genannt. In ungefähr 30 Jahren wird es nach einer Schätzung des Mannheimer Research Institute for the Economics of Aging etwa 15 % weniger Erwerbstätige geben als heute. Die Produktivität der Arbeit müsste also entsprechend steigen, soll der gegenwärtige Standard gehalten werden. Arbeit muss mittel- bis langfristig durch Kapital ersetzt werden. So befürchten nicht wenige Ökonomen, dass sich der Alterungsprozess negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird.
Das Altern der Eltern
Viele heute 50-Jährige machen eine neue bedrückende Erfahrung, die künftig auch nachfolgende Generationen machen werden: Sie sehen die letzten Jahre des Lebens am Beispiel ihrer immer älter werdenden Eltern als ein in vielen Fällen quälendes Warten auf den Tod, der dank der Medizin nicht kommen mag.
Heute leben unterstützungsbedürftige Alte meistens von ihren Töchtern und Schwiegertöchtern oder Servicefirmen versorgt und gepflegt, so lange es irgend geht, zu Hause. Aber nicht mehr in einem Familienverband, sondern alleine. Damit sie lange in der Wohnung bleiben können, werden die Wohnungen altengerecht umgestaltet. "Zu Hause wohnen bleiben" ist mittlerweile ein Paradigma der kommunalen Sozialpolitik und der Wohnungswirtschaft.
Die Zahl der dementen Menschen steigt mit der Zahl der Hochbetagten. Das Eintrittsalter in die Heime, wo dann fast nur noch "Pflegefälle" leben, wird immer höher.
Der Besuch bei der alten Mutter - die Männer sterben früher - ist deprimierend. Man sucht nach Alternativen für das eigene Alter.
Von der "Spaßgesellschaft" zur "Pflicht- und Hilfsgesellschaft"
Hans-Reiner Müller-Raemisch resümiert und prognostiziert:
"Um also diese Situation der Überalterung überhaupt durchzustehen, werden sich neue Lebensformen bilden müssen: Die Menschen werden länger arbeiten müssen, weil es unvorstellbar ist, dass der Staat für die stark ansteigenden Versorgungsleistungen überhaupt noch aufkommen kann. Ein Qualitätsverlust bei allen Leistungen der medizinischen und Pflegeleistung wird dabei ohnehin nicht zu vermeiden sein. Auch wird der Einsatz von privatem Kapital für die eigene Altersabsicherung in viel stärkerem Maße als heute erfolgen müssen. Kurz, es steht uns ein völlig anderer Zuschnitt des Lebens ins Haus. Das Dasein in der 'Spaßgesellschaft’ scheint ziemlich kurz vor seinem Ende zu stehen. Es wird durch ein Leben in einer 'Pflicht- und Hilfsgesellschaft’ abgelöst werden müssen."
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Letzte Änderung: 08.03.2004 |
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