 |
 |
Im Blickpunkt: Hessen
Informationen zur Zuwanderung nach Hessen sowie zur sozialräumlichen Integration der Migranten
|
|
Praxisbeispiele und Projekte
Links und Literatur
Zuwanderer in Hessen
11,5% der hessischen Bevölkerung sind im Jahr 2005 Ausländer, d.h. 700.033 Personen. Jeder vierte von ihnen ist türkischer Nationalität. Obwohl Hessen mit seinem Ausländeranteil im bundesweiten Vergleich auf Platz fünf liegt, weisen mehrere hessische Städte Rekord-Ausländeranteile auf, denn die Zuwanderer bevorzugen noch stärker als die Deutschen den wirtschaftlich starken Süden. Insgesamt wohnen mehr als 75 % der ausländischen Bevölkerung im südhessischen Bezirk Darmstadt. Im nördlich gelegenen Regierungsbezirk Kassel sind es nur elf Prozent. Unter den deutschen Städten mit dem höchsten Ausländeranteil liegen drei in Südhessen: Offenbach (25,9%), Frankfurt (22,5%) und Wiesbaden (19,9%). Im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis erreicht der Ausländeranteil mit 3,4 Prozent dagegen fast ostdeutsches Niveau.
Diese räumliche Verteilung bildete sich zunächst durch die Orientierung der "Gastarbeiter" auf Standorte gewerblicher Betriebe heraus. Im Rahmen der Familienzusammenführung verstärkte sich in der Folgezeit der durch diese Wohnstandortwahl bewirkte Konzentrationsprozess.
Seit Beginn der 90er Jahre hat Hessen außerdem rd. 250.000 Aussiedler aufgenommen.
Bildungsbeteiligung ausländischer Kinder
Bis Mitte der 90er Jahre stieg der Besuch weiterführender Schulen bei den ausländischen Kindern kontinuierlich an, derzeit ist jedoch eine Stagnation festzustellen. Der Stillstand dieses Aufholprozesses schlägt sich auch in der Quote vom Schulbesuch zurückgestellter schulpflichtiger ausländischer Kinder nieder: mit 21 % zurückgestellter Kinder bildet das Schuljahr 2000/01 einen Negativrekord.
Wie bei den deutschen Schülern verläuft auch unter den ausländischen die Schulbildung der Mädchen mittlerweile wesentlich erfolgreicher als die ihrer männlichen Mitschüler. Allerdings auf einem weit niedrigeren Niveau: während rd. 70 % der deutschen Schüler mit Mittlerer Reife bzw. Abitur abschließen, sind es bei den ausländischen Mitschülern nur rd. 40 %.
Ausbildung und Arbeitsmarkt
Von ausländischen Schulabgängern wird das Spektrum angebotener Ausbildungsberufe in geringerem Umfang genutzt als von deutschen. Prägnantestes Beispiel: Ca. 16 % der Ausländerinnen werden als Friseurin ausgebildet, aber nur 5 % ihrer deutschen Altersgenossinnen. Insgesamt werden in den 15 am häufigsten gewählten Berufen 77 % der Ausländerinnen ausgebildet, aber nur 68 % der deutschen Frauen. Bei den männlichen Auszubildenden zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings auf geringerem Niveau.
Die Erwerbstätigenquote aller Ausländer in Hessen liegt bei ca. 57 %, also etwas höher als im Bundesdurchschnitt. Auffällig unterdurchschnittlich ist die Erwerbstätigenquote bei den hessischen Türken, diese liegt bei nur 49 %.
Die Selbstständigenquote unter Ausländern in Hessen liegt mit unter 9 % niedriger als im Bundesdurchschnitt (11 %); bevorzugte Branchen sind auch hier Handel und Gastronomie.
Wohnsituation
Die Eigentumsquote in Hessen entspricht der des Bundesdurchschnitts: 46 % deutschen Haushalten, die Wohnraum-Eigentümer sind, stehen 12 % ausländische Eigentümer-Haushalte gegenüber. Die Pro-Kopf-Wohnfläche bei Deutschen und Ausländern in Hessen liegt bezogen auf den Bundesdurchschnitt etwas höher, aber die Abstände zwischen deutscher und ausländischer Bevölkerung sind gravierend: während Ausländer in Hessen über ca. 28 qm Wohnfläche pro Kopf verfügen, sind es bei den Deutschen 45 qm.
|
Frankfurt am Main
Der Ausländeranteil der kreisfreien Stadt Frankfurt am Main beträgt bei einer Einwohnerzahl von ca. 650.000 gut 24 %. Nach Aussage des Pressesprechers des Amts für multikulturelle Angelegenheiten steigt der Zuwandereranteil auf 35 bis 37 %, wenn alle Personen mit Migrationshintergrund, also Eingebürgerte, Aussiedler und Illegale, hinzugerechnet werden. Einige Stadtteile zeigen deutliche Konzentrationen von ausländischen Bewohnern, wie das Bahnhofsviertel mit 63 %, das Gutleutviertel mit 52 % oder die Innenstadt und das Gallusviertel mit je 48 %. Die Zusammensetzung der Zuwanderer nach Nationalitäten ist in Frankfurt jedoch sehr feinkörnig; kein Stadtteil weist eine Dominanz spezifischer Nationalitäten auf.
Die Autoren des Vorberichts "Stadtentwicklung durch Zuwanderung" der Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zur DASL-Jahrestagung 2002 führen dies zum einen auf die Belegungspolitik des Amts für Wohnungswesen zurück, von größerem Einfluss seien allerdings zufällige Faktoren gewesen, da in Frankfurt z.B. keine Nation so überproportional vertreten (gewesen) sei wie etwa die Türken in Berlin:
"Diese Situation hat zumindest in der ersten Zeit der überwiegend ´jobsuchenden´ Zuwanderer das Einleben wahrscheinlich eher erleichtert, in den letzen Jahren der überwiegenden Familienzusammenführung waren trotz der dispersen Verteilung doch genügend Angehörige der gleichen Nation in jedem Stadtteil vorhanden, dass Hilfe und Rat für Neuankömmlinge vorhanden war. Im übrigen sind die freiwilligen ethnischen Netzwerke für Zuwanderer, sei es über die katholische Kirche, sei es über private Vereine inzwischen so gut ausgebaut, dass kaum jemand ohne Unterstützung bleiben muss. Der ´multikulturelle´ Ratgeber der Stadt weist auf über 100 Seiten fast 1.000 Adressen an ´Anlaufstellen´ der verschiedensten Vereinigungen aus.
Andererseits verhindert natürlich gerade die disperse Struktur die Entstehung ethnisch geschlossener Viertel und erschwert damit die Bewahrung der Herkunftskultur, die möglicherweise eines Tages wieder Ziel der Immigranten werden könnte. Die große Moschee für ein türkisches Viertel wird in Frankfurt wahrscheinlich nicht entstehen, dafür aber viele kleine Gebetsstätten, von denen es auch heute schon einige gibt. Dabei sind schon jetzt die zentral gelegenen katholischen Kirchen der Stadt sonntägliche Treffpunkte für die einzelnen Nationen der osteuropäischen und Balkanstaaten."
Die Perspektive einer dispersen Verteilung der ausländischen Bewohner über das Stadtgebiet resp. die Herausbildung ethnischer Kolonien beurteilen die Autoren wie folgt:
"Zur Zeit scheint der gegenwärtige Zustand der ethnisch gestreuten Verteilung auch von der ausländischen Bevölkerung bevorzugt zu werden. Noch ist auch von dieser Seite der Wunsch nach Integration und Anerkennung als vollwertiges Mitglied dieser Wirtschaftsgesellschaft größer als das Bedürfnis nach einer Definition über die eigene ethnische Herkunft, die ja auch über private Vereine und besonders die starken Familienbande weitgehend gesichert bleibt. Im Gegenteil: die Gefahr in einem ethnisch-sozialen Ghetto festzusitzen und schließlich gesellschaftlich unterzugehen, wird immer noch stärker eingeschätzt als die Nachteile eines Lebens in einer z.T. fremden aber überwiegend deutschen Umgebung. Zumindest zur Zeit scheint kein Handlungsbedarf für eine Änderung der Art der Bevölkerungsverteilung zu bestehen. Auch der gewünschste Zuwanderungsanteil von gut ausgebildeten Facharbeitern und technischer Intelligenz wird an diesem Zustand sicher nicht viel ändern. Diese Gruppe wird sich wahrscheinlich eher über den sozialen Status als über die ethnische Zugehörigkeit definieren wollen und danach ihre Wohnumgebung wählen."
Wie sich die Bedürfnisse oder auch die strukturellen Möglichkeiten zukünftig entwickeln oder verändern werden, ist über diese Einschätzung hinaus aber auch unter der Perspektive zu bedenken, dass Frankfurt aufgrund seiner prognostizierten Bevölkerungsentwicklung im Jahr 2030 zwischen 40 und 50 % ausländischer Einwohner haben wird.
nach oben
Praxisbeispiele und Projekte
|
Evaluierung von Integrationsprozessen in Frankfurt
Eine erstmalige Studie zur Erforschung des Standes der Integration von Zuwanderern v.a. der zweiten Generation in Frankfurt am Main im Jahr 2001 (Straßburger) hat gezeigt, dass die Integrationsleistung der Stadt in den Bereichen der strukturellen Integration (Bildung, Arbeitsmarkt, rechtliche Eingliederung), der kulturellen Integration (Sprachkompetenz, Familienstand), der sozialen Integration (interethnische Freundschaften und Ehen) sowie der identifikatorischen Integration (Benachteiligungen, Gefühle der Zugehörigkeit) durchaus positiv zu beurteilen ist.
|
 |
 |
Die Ergebnisse für die drei detaillierter untersuchten Stadtteile, Gallusviertel (I), Bornheim (II) sowie Eckenheim, Preungesheim, Bonames und Frankfurter Berg (III), werden im Folgenden aus der Kurzfassung der Studie zitiert:
"Gallusviertel
Das Gallusviertel ist ein industriell geprägtes Arbeiterviertel, das schon seit der Anwerbephase einen überdurchschnittlich hohen Zuwandereranteil besitzt. Noch heute stammt über die Hälfte der Zuwanderer aus den größten Anwerberegionen. Die räumliche Nähe zwischen Wohnung und Betrieb hat im Gallusviertel dazu geführt, dass interkulturelle Kontakte aus dem Betrieb in der Freizeit weiter verfolgt werden konnten.
Das ist als ein wichtiger Faktor dafür zu werten, dass die soziale Integration der Zuwanderer im Gallusviertel stärker vorangeschritten ist als beispielsweise im Untersuchungsgebiet III. Im Gallusviertel ist offensichtlich ein relativ großer Teil der Zuwanderer in die sozialen Gruppierungen integriert, die im Stadtteil relevant sind."
Integrationsfördernde Faktoren
"Da es sich hierbei in erster Linie um "natürlich" entstandene interkulturelle Kontakte handelt, gilt zumindest für einen Teil der Zuwanderer im Gallusviertel, dass sie in die alltäglichen sozialen Verkehrskreise alteingesessener deutscher Stadtteilbewohner eingebunden sind. Darin unterscheidet sich die Situation im Gallusviertel unseren Ergebnissen zufolge stark von der Situation im Untersuchungsgebiet III.
Ein weiterer Faktor, der die soziale Integration der Zuwanderer im Gallusviertel unterstützt, ist die relativ ähnliche Lebenslage der Stadtteilbewohner. Nicht nur die Zuwanderer, sondern auch die deutschen Bewohner sind überwiegend dem Arbeitermilieu zuzuordnen. Wie die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, leben sie zudem in vergleichbaren räumlichen Strukturen und sind von ähnlichen Problemen betroffen. Das äußert sich beispielsweise darin, dass Zuwanderer und Deutsche zu etwa ähnlichen Anteilen in Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhäusern leben. Beide Gruppen bewohnen zu jeweils zwei Dritteln ein Mehrfamilienhaus mit weniger als 10 Wohnungen und man kann davon ausgehen, dass es sich in der Mehrzahl der Fälle um sehr kleine Wohnungen handelt, denn die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt im Gallusviertel bei 54 qm. Das ist der niedrigste Durchschnittwert aller Frankfurter Ortsteile.
Weitere Hinweise auf vergleichbare Lebenssituationen sind darin zu sehen, dass sich in der schriftlichen Befragung beide Gruppen über ähnliche Probleme in ihrem Stadtteil beschwert haben (v.a. Suchtprobleme und Vandalismus) und darin, dass beide Gruppen eine ähnliche hohe Sozialhilfequote aufweisen. Bei den deutschen Bewohnern des Gallusviertel erhalten 97 von 1000 und bei den ausländischen Bewohnern 86 von 1000 Personen Hilfe zum Lebensunterhalt. Damit liegt die wirtschaftliche Situation der im Gallusviertel lebenden Zuwanderer im Frankfurter Durchschnitt (89 von 1000 ausländischen Einwohner beziehen Hilfe zum Lebensunterhalt). Die Einkommensverhältnisse der einheimischen Deutschen sind dagegen als relativ schlecht zu bezeichnen, da ihre Sozialhilfequote weit über der durchschnittlichen Quote der deutschen Bevölkerung (45 von 1000) liegt."
Integrationshemmende Faktoren
"Insgesamt ist die relativ große Ähnlichkeit der Lebenslage von Zuwanderern und Deutschen im Gallusviertel als Faktor zu werten, der die soziale Integration unterstützt. Daneben gibt es aber auch einen starken Faktor, der die soziale Integration behindert. Das ist die hohe Fluktuation der Bewohner, die dazu führt, dass das Gallusviertel als Durchgangsstadtteil fungiert. Das Wanderungsverhalten ist hier weit ausgeprägter als in den anderen Untersuchungsgebieten. Amtlichen Statistiken zufolge war 1999 ein Drittel der im Gallusviertel lebenden Ausländer und ein Fünftel der Deutschen erst innerhalb der letzten zwei Jahre in die damalige Wohnung gezogen. Zudem lag 1998 die Zahl derjenigen, die aus einem anderen Stadtteil ins Gallusviertel gezogen sind, unter der Zahl derjenigen, die vorher außerhalb Frankfurts gelebt haben. Das Gallusviertel nimmt also vergleichsweise viele Außenzuzüge auf, während die anderen Untersuchungsgebiete weit mehr Binnenzuzüge verzeichnen. Demnach muss das Gallusviertel stärker zur Integration von Neuzuwanderern beitragen. Es hat auf diesem Gebiet einen deutlich höheren Integrationsbedarf und erbringt zwangsläufig höhere Integrationsleistungen.
Diese Integrationsleistungen sind um so schwerer zu erbringen, als es im Gallusviertel eine selektive Mobilität gibt, die die Bevölkerungsstruktur des Stadtteils negativ beeinflusst. Diese Entwicklung ist durch die parallele Abwanderung sozial mobiler und die Zuwanderung sozial benachteiliger Bevölkerungsgruppen gekennzeichnet. Die Abwanderung von mobilen deutschen Etablierten und ausländischen Aufsteigern, die für sich und ihre Kinder im Stadtteil keine Zukunft sehen, bewirkt, dass die sozialstrukturelle Heterogenität der deutschen und der ausländischen Bewohnergruppen sinkt und jeweils die weniger Mobilen und Einkommensschwachen zurückbleiben. Bei denjenigen, die neu zuziehen, handelt es sich dagegen überdurchschnittlich häufig um sozial benachteiligte Personen. Das Gallusviertel verliert dadurch im innerstädtischen Verteilungskampf an Wettbewerbsfähigkeit. Da es gleichzeitig als Durchgangsstadtteil fungiert, in dem fortwährend neue Bewohner zu integrieren sind, steht dem niedrigen Integrationspotential ein hoher Integrationsbedarf gegenüber."
Einschätzung durch die Bewohner
"Die Ursachen für diese Entwicklungsdynamik werden von den im Gallusviertel interviewten Bewohnern und Akteuren in folgenden Bereichen lokalisiert:
a) dem Negativimage des Stadtteils und der schwachen Lobby im gesamtstädtischen Verteilungskampf,
b) der Monostruktur des Wohnraums mit überwiegend kleinen Wohnungen und
c) der mangelhaften Infrastruktur in den Bereichen Bildung, Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung.
Aus diesem Grund fordern sie neben imagefördernden Maßnahmen auch Sanierungsmaßnahmen, die den Anteil größerer Wohnungen erhöhen, und eine Verbesserung der infrastrukturellen Ausstattung.
Das Zusammenleben von Deutschen und Zuwanderern im Stadtteil wird von den meisten Befragten als gut oder durchschnittlich bezeichnet. In Interviews wird sogar oft ein gewisser Stolz auf die erbrachten Integrationsleistungen geäußert. Allerdings mischt sich dieser Stolz mit der Klage darüber, dass diese Leistungen in der Gesamtstadt wenig Anerkennung finden und die Integrationsprobleme regelmäßig in den Vordergrund rücken. Die Ergebnisse unserer schriftlichen Befragung von Bewohnern des Gallusviertels zeigen, dass es insbesondere in der deutschen Bevölkerung eine relativ große Gruppe gibt, die die interkulturellen Beziehungen im Stadtteil negativ einschätzt und zudem eine Verschlechterung wahrnimmt.
Da diese Werte weit höher liegen als in den beiden anderen Untersuchungsgebieten, ist im Gallusviertel trotz der großen Integrationserfolge auch ein hohes Konfliktpotential festzustellen, das weiterer Integrationsbemühungen bedarf. Hierbei scheint es neben Maßnahmen der Konfliktprävention besonders angeraten, Strukturen zu schaffen, die die selektive Mobilität eindämmen und zu einer Stabilisierung der Bevölkerung beitragen."
"Bornheim
Bornheim ist ein relativ zentral gelegener Stadtteil, der aufgrund seiner hohen Ausstattung mit Gaststätten, Geschäften und Freizeiteinrichtungen zu den beliebtesten Wohngebieten im Bereich der Innenstadt zählt, vor allem für Singles. Denn obwohl die Wohnungen mit durchschnittlich 61 qm relativ klein sind, liegt die Wohnfläche, die jedem Bornheimer statistisch zur Verfügung steht, mit 34 qm im Frankfurter Durchschnitt. Auch in anderer Hinsicht ist Bornheim oft als ein durchschnittlicher Stadtteil Frankfurts zu betrachten. So bewegte sich etwa der Ausländeranteil in Bornheim immer im Durchschnitt der Gesamtstadt und auch die Sozialhilfequoten der deutschen Bevölkerung mit 49 pro 1000 Einwohner und der ausländischen Bevölkerung mit 104 pro 1000 liegen jeweils nur wenig über dem städtischen Durchschnitt.
Die Integration von Zuwanderern vollzieht sich nach Auskunft vieler Befragter relativ unspektakulär und Bornheim profitiert von einem multikulturellen Flair. Bei der schriftlichen Befragung von Stadtteilbewohnern wurde nicht nur die allgemeine Lebensqualität, sondern auch das interkulturelle Zusammenleben wesentlich günstiger beurteilt als in den anderen Untersuchungsgebieten. Zudem war der Anteil der Befragten, die eine tendenzielle Verschlechterung der interkulturellen Beziehungen wahrnehmen, weitaus geringer.
Auch die Interviewpartner ausländischer Herkunft äußern sich durchweg positiv über das Leben in Bornheim und betonen, dass der Stadtteil eine hohe Lebensqualität besitzt. Zudem bewerten sie es positiv, dass die in Bornheim lebenden Zuwanderer nicht nur aus dem Arbeitermilieu stammen, sondern teilweise auch zur Mittelschicht zählen. Im Vergleich zum Gallusviertel bestünde zudem einer der Vorteile darin, dass es wenig soziale Kontrolle innerhalb der ethnischen Gemeinschaft gebe.
Es gibt allerdings auch Anzeichen, dass sich punktuell in der Siedlung am Bornheimer Hang ein Konfliktpotential anhäuft, das das interkulturelle Zusammenleben beeinträchtigt. Die wesentlichen Einflussfaktoren bestehen dabei darin, dass sich die bislang überdurchschnittlich homogene Bewohnerstruktur der Siedlung rasch wandelt. Während sich die langansässige Nachbarschaft altersbedingt auflöst, ziehen neue Bewohner zu, die sich nicht nur bezüglich ihres Alters und ihrer Familienphase, sondern auch bezüglich ihrer ethnischen Herkunft von der alteingesessenen etablierten Bewohnerschaft unterscheiden. Vor diesem Hintergrund kommt es zu Nachbarschaftskonflikten, die durch ethnisierende Zuschreibungen überlagert werden. Hier scheinen konfliktpräventive Maßnahmen angeraten, die auch die Frankfurt Holding einbeziehen sollten."
"Eckenheim, Preungesheim, Bonames und Frankfurter Berg
Das am nördlichen Stadtrand Frankfurts gelegene Untersuchungsgebiet III weist zwei deutlich unterschiedliche Arten sozialer Räume auf. Auf der einen Seite gibt es alte, teils dörflich anmutende Wohngebiete mit einer natürlich gewachsenen Bebauung, in denen langansässige, überwiegend deutsche Bewohner leben. Hier ist auch der Anteil von Eigenheimbesitzern relativ hoch. Auf der anderen Seite gibt es am Reißbrett entworfene Wohnsiedlungen mit einem hohen Anteil von Sozialwohnungen, die in den 50er bis 70er Jahren errichtet wurden.
Untersuchungsgebiet III hat unser schriftlichen Befragung zufolge eine sehr hohe Fluktuation. Die einheimischen Deutschen weisen mit durchschnittlich 15 Jahren Wohndauer im Stadtteil eine geringere Aufenthaltsdauer auf als die Zuwanderer in den beiden anderen Untersuchungsgebieten. Bei den befragten Zuwanderern liegt die Dauer ihres Aufenthalts im Stadtteil sogar bei nur 12 Jahren. Aufgrund der hohen Fluktuation in beiden Gruppen erscheinen die Ausgangsbedingungen für die soziale Integration im Wohnbereich ziemlich ungünstig. Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung zeigen auch, dass die Beziehungen zwischen Zuwanderern und Deutschen schlechter bewertet werden als in Bornheim - allerdings besser als im Gallusviertel.
Die Analyse der jeweiligen Nachbarschaft der Befragten verdeutlicht, dass Zuwanderer und Deutsche im Untersuchungsgebiet III innerhalb der Ortsteile Eckenheim, Preungesheim, Bonames und Frankfurter Berg räumlich getrennt leben. Die Segregation ist eindeutig stärker als in den beiden anderen Untersuchungsgebieten.
In diesem Zusammenhang deutet das Interview mit dem Stadtbezirksvorsteher von Eckenheim darauf hin, dass die weitgehende räumliche Trennung der Wohn- und Lebensbereiche aus der Sicht der etablierten einheimischen Deutschen die favorisierte Form des Zusammenlebens mit Zuwanderern zu sein scheint, zumindest mit Zuwanderern, die nicht zur Mittelschicht zählen. Denn typische Konflikte sind offensichtlich dadurch gekennzeichnet, dass etablierte Deutsche ihre gewohnte Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten wollen und sich gegen Zuwanderer wehren, wenn diese finanziell oder wegen ihres Sozialstatus nicht mithalten können bzw. wenn sie aufgrund ihrer kulturell oder lebenslagenspezifischen Prägung oder ihrer lebensphasenspezifischen Orientierung die etablierten Ordnungsprinzipien nicht übernehmen wollen. Hierbei scheinen Schichtunterschiede eine hohe Relevanz zu besitzen.
Das Gros der Zuwanderer in Untersuchungsgebiet III lebt demnach auch nicht in den Wohngebieten der langansässigen deutschen Bewohner, sondern in Wohnsiedlungen mit einem hohen Anteil von Sozialwohnungen mit sozial und finanziell benachteiligten Bewohnern deutscher und ausländischer Herkunft. Hier sind insbesondere die Karl-Kirchner Siedlung und die Siedlungen an der Sigmund-Freud-Straße, am Berkersheimer Weg und am Ben-Gurion-Ring zu nennen. Ihr Ausländeranteil betrug 1996 zwischen 28 und 39 Prozent. Den Aussagen mehrerer Interviewpartner folgend, ist anzunehmen, dass am Ben-Gurion-Ring ein relativ hoher Anteil von Spätaussiedlern lebt. Deshalb dürfte der Zuwandereranteil dort weit über dem Ausländeranteil liegen."
Soziale Marginalisierung als das größte Problem
"Insgesamt ist im Untersuchungsgebiet III in den letzten Jahren ein rascher Anstieg des Ausländeranteils zu verzeichnen. Die Bevölkerungsstruktur wandelt sich dort offensichtlich deutlich stärker als andernorts, wobei allem Anschein nach in erster Linie die genannten Wohnsiedlungen Zuzüge von Zuwanderern zu verzeichnen haben. (Aktuelle Statistiken zu den Wohnsiedlungen stehen derzeit nicht zur Verfügung.)
Im Gegensatz zu der oben skizzierten Konfliktkonstellation in den Wohngebieten der etablierten Einwohner von Untersuchungsgebiet III scheint die Situation in den genannten Wohnsiedlungen durch allgemeine gesellschaftliche Marginalisierung und durch eine konfliktbeladene Konzentration von erfolgs- und durchsetzungsschwachen deutschen und ausländischen Minderheiten charakterisiert. Man kann überdies davon ausgehen, dass die hohe Fluktuation der Bewohner und die infrastrukturelle Mangelsituation der Wohnumgebung wenig dazu beitragen, Selbsthilfepotentiale der Bewohner zu aktivieren.
Hinzu kommt, dass viele Bewohner Sozialhilfe beziehen. In Bonames war 1998 mit 346 Sozialhilfeempfängern pro 1000 ausländischen Einwohnern die höchste Sozialhilfedichte Frankfurts zu verzeichnen. Doch auch die deutschen Einwohner im Untersuchungsgebiet III weisen eine deutlich überdurchschnittliche Sozialhilfedichte auf, wobei man davon ausgehen kann, dass die zur Verfügung stehenden statistischen Angaben, die sich jeweils auf den gesamten Ortsteil beziehen, das reelle Ausmaß der Sozialhilfedichte in den oben genannten Wohnsiedlungen nur unzureichend wiederspiegeln.
Die Bewohner der genannten Wohnsiedlungen leiden nach Auskunft mehrerer Interviewter unter Stigmatisierung, die sich unter anderem dadurch bemerkbar macht, dass viele Jugendliche keinen Arbeitsplatz finden, weil sie am Ben-Gurion-Ring, in der Jaspertstraße, Wegscheidestraße (beides Karl-Kirchner-Siedlung) oder in der Julius-Brecht-Straße (Siedlung am Berkersheimer Weg) wohnen. Das größte Problem wird deshalb in der Jugendarbeitslosigkeit gesehen, wobei hier auch ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass man sich besonders um die jugendlichen Spätaussiedler kümmern müsse, die oft nur unzureichend Deutsch sprächen und deshalb ein erweitertes Sprachkursangebot bräuchten.
Viele Interviewpartner weisen darauf hin, dass es in den genannten marginalisierten Wohnsiedlungen ein hohes latentes Konfliktpotential gibt und es dringend angeraten erscheint, erstens die Jugendarbeitslosigkeit mit geeigneten Maßnahmen zu bekämpfen, zweitens baulich-räumliche Verbesserungen und Sanierungen durchzuführen, sowie drittens allgemein die Entstehung sozialer Kontakte zu fördern, wobei den vor Ort aktiven Bürgern und Professionellen hohes Engagement und großes Know-How zugesprochen wird."
|

Dietzenbach - Spessartviertel
Im Spessartviertel in Dietzenbach leben 4.500 Menschen aus 80 Nationen in fünf Hochhäusern. Das verwahrloste Wohnumfeld trug zur Prekarität der Lebenssituation vor Ort bei. Im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" wurde dagegen angegangen: neben einer Sanierung der Gebäude war die Neugestaltung des Wohnumfeldes und der Außenanlagen ein zentrales Anliegen, das - wie die Jury des "Preises Soziale Stadt" 2002 befand - vorbildlich umgesetzt wurde. Sowohl die hohe Integration der im Spessartviertel lebenden Ausländer in das Projekt als auch die starke Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen bei Planung und Umsetzung sind nachahmenswert.
> Nassauische Heimstätte über das ausgezeichnete Projekt
> S. 22-23 in der Dokumentation des Preises Soziale Stadt 2002
|

Kassel - Nordstadt
Die Kasseler Nordstadt, in der Menschen aus 29 Nationen leben, ist ein Modellgebiet mit Programmbegleitung vor Ort im Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt". Der hoch verdichtete, einwohnerstarke Stadtteil hat absolut wie relativ den höchsten Ausländeranteil aller Kasseler Stadtteile. Er beträgt hier mehr als 43 % im Gegensatz zu unter 14 % in der Gesamtstadt. Im Hinblick auf seine Sozialstruktur, den baulichen Bestand, das Arbeitsplatzangebot, das Ausbildungsniveau, die Ausstattung mit sozialer und stadtteilkultureller Infrastruktur sowie die Qualität der Wohnungen, des Wohnumfelds und der Umwelt weist dieses an die Innenstadt grenzende Gebiet erhebliche Defizite auf. Eine Verbesserung der Situation, v.a. ein Durchbrechen der Kultur der Abhängigkeit soll durch verschiedene Projekte erreicht werden (vgl. Kreisl/Graß) - als zentrale Strategie gilt dabei die Stärkung der lokalen Ökonomie.
Lokale Ökonomie - Förderung von Ausbildungs- und Arbeitsplatzpotentialen
Hierbei handelt es sich um eine Qualifizierungsmaßnahme für Migranten, die an dem Bedarf ortsansässiger Betriebe orientiert sein soll, um die Vermittlungschancen Arbeitssuchender zu erhöhen. Ferner ist vorgesehen, überbetriebliche Zusammenschlüsse zu fördern und Serviceleistungen für die ansässigen Betriebe zu erbringen.
Außerdem soll in der Kasseler Nordstadt ein Büro für Wirtschaftsentwicklung eingerichtet werden, dessen Zweck es sein wird, kleine und mittlere Unternehmen im Stadtteil - darunter zahlreichen Betriebe von Migranten - gezielt zu beraten. Dadurch soll langfristig die Stadtteilwirtschaft im Kasseler Norden gestärkt werden.
Ein weiteres Projekt zielt auf die Umnutzung des derzeitigen Betriebsgeländes der städtischen Bauhofs durch Wohnen und Gewerbe.
Gemeinschaftliches Bauen durch Migranten auf dem Bauhof-Gelände
Anders als unter der einheimischen Bevölkerung ist die Nordstadt bei Zuwanderern nicht mit einem negativen Image versehen. Die große Zahl von Bewohnern gleicher Herkunft, das von kulturellen und ethnischen Bedürfnissen geprägte Versorgungsangebot vor Ort sowie die Nähe sozialkultureller Einrichtungen bilden Faktoren, die sich auf die Wohnstandortentscheidung von Migranten positiv auswirken. Daher soll auf dem Bauhof-Gelände die Bildung von Wohneigentum für Migranten sowie ältere Menschen gefördert werden. Gleichzeitig gilt es, den Stadtteil durch wohnverträgliche gewerbliche Nutzungen und eine attraktive Freiraumplanung aufzuwerten.
Das Projektspektrum wird ergänzt durch ein Stadtteilinformationssystem, das so gen.
Nordstadtportal.
Diese Informationssystem verfolgt das Ziel: |
- die kommunikative Infrastruktur im Stadtteil zu verbessern,
- eine aktive Beteiligung der Bewohner des Stadtteils an der Stadtteilentwicklung zu unterstützen,
- als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit zu fungieren und
- zur Weiterqualifizierung von jungen Menschen beizutragen.
|
nach oben
Links und Literatur
Ausländer in Großstädten - Informationsgrafik von isoplan
Hessisches Statistisches Landesamt: Daten zu Bevölkerung, Einbürgerungen und Wanderungen
Integrationsbericht 2001/2002 der Stadt Frankfurt am Main
Kassel - Nordstadt im Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt"
Kreisl, Peter/ Graß, Christoph: Förderung der Lokalen Ökonomie in der Nordstadt Kassel. Handlungsfelder und strategischer Ansatz. FEH-Werkstattbericht Nr. 7. Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen mbH (FEH) Wiesbaden 2002
Kreisl, Peter/ Graß, Christoph: Förderung der Lokalen Ökonomie in der Nordstadt Kassel. Projektideen. Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen mbH (FEH) Wiesbaden 2002
Kröhnert, Steffen/ van Olst, Nienke/ Klingholz, Reiner 2004: Deutschland 2020. Die demografische Zukunft der Nation. Herausgegeben vom Berlin-Institut
Migrationsreport Hessen 2002. Bevölkerung, Ausbildung und Arbeitsmarkt. FEH-Report Nr. 637. Wiesbaden (pdf, 3.295 kb)
> Der zugehörige Tabellenband kann (wie auch der Migrationsreport selbst) bei der FEH Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen mbH angefordert werden.
> Der Migrationsreport liegt ebenfalls in einer Kurzfassung vor (pdf, 136 kb).
> Der Migrationsreport Hessen 2002 stellt eine erweiterte Fortschreibung des ehemaligen Ausländerreports Hessen dar und bildet die statistische Basis für eine bedarfsorientierte Integrationsarbeit und -politik. Weitere Informationen im Sozialnetz Hessen.
Pfeiff, Claudia: Die Nachbarschaft in einem benachteiligten Wohngebiet mit einem hohen Migrantenanteil. Das Spessartviertel in Dietzenbach. (unveröff. Dipl.arb.) Trier 2000
Müller-Raemisch, Hans-Reiner/ Altenburger, Peter/ Streich, Bernd: Stadtentwicklung durch Zuwanderung. In: Stadtentwicklung durch Zuwanderung. Integration von Migration. Vorbereitende Berichte zur Jahrestagung 2002 der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung
Straßburger, Gaby, 2001: Evaluation von Integrationsprozessen in Frankfurt am Main. Studie zur Erforschung des Standes der Integration von Zuwanderern und Deutschen in Frankfurt am Main am Beispiel von drei ausgewählten Stadtteilen. Im Auftrag des AmkA, erstellt durch das europäische forum für migrationsstudien Institut an der Universität Bamberg. 2001 (pdf, 3.579 kb)
> Kurzfassung der Studie
Zuwanderung in das Rhein-Main-Gebiet 1871-1995. Materialien zusammengestellt von Olivier Löffler. Hg. v. der Nassauischen Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Frankfurt 1998
nach oben
|
|
 |