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Unter uns bleiben

Die "Stadt in der Stadt", wie Little Italy oder Chinatown, gibt es in Deutschland nicht. Dennoch sind Ängste vor "Parallelgesellschaften" und "Ghettobildung" verbreitet. Welche Stellung nehmen deutsche Zuwanderer-Quartiere ein?


Praxisbeispiele und Projekte
Links und Literatur


Angstszenarien
In Deutschland gibt es in großräumiger Perspektive kaum ethnische Segregation. Bei kleinräumiger Betrachtung sind jedoch vielerorts ethnisch dominierte Straßenzüge, Blocks oder Häuser auszumachen. Als "blickdichte Parallelwelten" charakterisiert der SPIEGEL viele von ihnen: "Sie sagt, dass sie in Deutschland lebt, aber dass es auch die Türkei sein könnte, wegen der vielen Türken im Frankfurter Bahnhofsviertel. Türkische Lebensmittelläden, türkische Ärzte, türkische Reisebüros, alles türkisch, alles gut. Und zu Hause türkisches Fernsehen. Am liebsten sieht sie die türkischen Liebesfilme; wer in Deutschland regiert, weiß sie nicht. Vahide Yesil kam vor 24 Jahren, sie kam aus Erzurum in Anatolien und hatte Angst vor Deutschland. Obwohl sie auch neugierig war..." Vor allem mangelhafte bis keinerlei Kenntnisse der deutschen Sprache und damit verbunden eingeschränkte Chancen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt fördern den Rückzug in die eigene Ethnie, die als vormals unterstützende Nische zum Ghetto wird, in dem sich Parallelgesellschaften "nach eigenen Regeln von Recht und Ordnung", wie der SPIEGEL schreibt, formieren.
Noch spiegelt dieses Szenario nur randständige Verhältnisse des Zusammenlebens der Ethnien in Deutschland; über die Zukunftsängste in der Bevölkerung sagt es darum umso mehr.

Ohne Job und ohne Perspektiven: Jugendarbeitslosigkeit
In Deutschland wird es auf absehbare Zeit eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit geben, von der auch die Jugend erfasst wird; vor allem junge Männer und Frauen aus marginalisierten Stadtrandsiedlungen sowie schlecht ausgebildete Zuwanderer oder deren Kinder. Die Perspektivlosigkeit bleibt nicht ohne Folgen: Das Selbstwertgefühl ist tief verletzt, weil die Jugendlichen ohne Arbeit und Geld bei dem konsumorientierten Lebensstandard nicht mithalten können. Ohne eine Beschäftigung fehlt ihnen außerdem die Struktur für ihren Alltag. Junge männliche Zuwanderer sind besonders betroffen, weil zudem ihre Rolle als Mann in der Familie in Frage gestellt wird. In dieser Situation bilden sich in Siedlungen konfliktgeladene und teils kriminelle Verbindungen, die nicht nur zum Abstieg des Stadtteils beitragen, sondern in die Stadt hineinreichen, weil die Jugendlichen, mobil wie sie sind, die Membran ihrer Wohnsiedlung durchbrechen.

graffiti, jugend Zum Beispiel Hessen
Das neue Ausbildungsjahr hat im Oktober 2003 begonnen, doch Ende Juni fehlten noch immer 11.850 Ausbildungsplätze - eine Fehlstelle, die auch die von der hessischen Landesregierung in Verbindung mit der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände umgehend eingerichteten Praktikumsplätze nicht werden ausgleichen können. Dazu sinken die Chancen, als Auszubildender nach der Lehre vom Betrieb übernommen zu werden; betrug die Quote der Übernommenen 2001 noch 67 %, waren es 2002 nur noch 54 % der Auszubildenden in Hessen.

Segregationsindizes sinken
Der Segregationsgrad bezeichnet den Prozentsatz der Minorität, die umziehen müsste, um zu einer gleichen Verteilung wie die Majorität zu gelangen.
Eine hohe Präsenz von Zuwanderern ist vor allem ein Phänomen westdeutscher Großstädte. Entgegen landläufiger Wahrnehmungen ist jedoch der Segregationsgrad von Ausländern in westdeutschen Großstädten in den letzten 20 Jahren gesunken und zwar nicht nur bei durchschnittlicher Betrachtung, sondern auch bei Konzentration auf eher benachteiligte Gruppen, wie die der Türken. Deren Segregationsgrad lag 1987 noch über 33 %, 1997 betrug er "nur" noch knapp 30 % (zum Vergleich: der Segregationsgrad aller Ausländer in Deutschland betrug 1980 24 %, im Jahr 2000 noch 22 %).
Auch bei kleinräumigerer Betrachtung zeigt sich, dass der Grad der Segregation - freilich von einem höheren Niveau - stetig abnimmt; trotzdem bleibt ethnische Segregation nach wie vor ein herausragendes Merkmal sozialer Differenzierung, das dem der Differenzierung durch Armut nicht nachsteht. In besonderem Maß gilt dies für Kinder von Ausländern bzw. Deutschen und deren Familien, denn der Segregationsgrad für die bis 18-Jährigen liegt bei 21 % im Vergleich zu durchschnittlichen 17 %.

auslaender bis 15
Ausländer nach Altersgruppen: bis unter 15 Jahre (vgl. Legende unten)

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Ausländer nach Altersgruppen: 15 bis unter 25 Jahre (vgl. Legende unten)

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Ausländer nach Altersgruppen: 25 bis unter 50 Jahre (vgl. Legende unten)
 
auslaender legende Die Grafiken des BBR (vgl. Böltken u.a.) weisen den Anteil der Ausländer in der jeweiligen Altersgruppe an der Bevölkerung in der Altersgruppe 1999 in Prozent aus.


Merkmale einer ethnischen Kolonie
Heckmann definiert ethnische Kolonien als formelle und informelle Strukturen ethnischer Selbstorganisation von Migranten, die auf der freiwilligen Aufnahme oder Weiterführung innerethnischer Beziehungen beruhen. Segregierte und/oder zusammenhängende Wohnbezirke sind keine notwendigen Bestandteile ethnischer Kolonien, sie fördern aber die sozial-kulturelle Organisation der Minderheit.
Ferner weisen ethnische Kolonien spezifische Strukturelemente auf, deren wichtigstes die Verwandtschaft, in geringerem Ausmaß die Weiterführung der Nachbarschaft ist. Insofern ist Kettenmigration ein fundamentales Begründungselement ethnischer Kolonien. Weitere Strukturelemente sind das Vereinswesen, religiöse Gemeinden, politische Organisationen, informelle soziale Verkehrskreise und Treffpunkte, ethnische Medien sowie eine ethnische Ökonomie.

Kennzeichen eines Ghettos
Auch ethnische Kolonien beinhalten durchaus spezifische Zwangsmomente, wie z.B. Probleme sozialer Akzeptanz oder Mechanismen des Wohnungsmarktes. Das Ghetto jedoch ist durch eindeutige Zwangssegregation, also erzwungenen Ausschluss definiert. Indirekt kann das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft aber auch eine Form der Selbstghettoisierung befördern, wenn kontinuierliche Neuzuwanderung auf mangelnde Offenheit bei der Aufnahmegesellschaft stößt, die sich in einer Geschlossenheit der Mehrheitsgesellschaft, in ethnischen Vorurteilen und der Exklusion der Zuwanderer von gesellschaftlichen Chancen und Positionen äußert.

Leistungen einer ethnischen Kolonie in einer Einwanderungsgesellschaft
Zunächst bietet die ethnische Kolonie für neu Hinzukommende eine Einstiegshilfe in die Aufnahmegesellschaft; indem Neuankömmlinge verschiedene Elemente ihrer Herkunftsgesellschaft - in modifizierter Form - wiederfinden, reduziert sich der "Kulturschock" im fremden Land. Zur Stabilisierung der Persönlichkeit trägt die ethnische Kolonie insofern bei, als sie für die erste Generation der Zuwanderer in deren Primärgruppe angesichts vielfältiger Herausforderungen im Aufnahmeland identitätssichernd wirkt. Schwierige Lebenslagen können aufgrund kollektiver Solidaritätsleistungen in Form von Selbst- und Nachbarschaftshilfe gemeistert werden; im Rahmen der ethnischen Ökonomie spielen diese kollektiven Solidaritätsleistungen eine bedeutende Rolle.

Probleme und Risiken sozialräumlicher Konzentrationen von Zuwanderern
Zuwanderer gehören in überdurchschnittlichem Maß zu den einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen; ihre Wohnstandorte bündeln sich daher in Gegenden mit niedrigerem Preis- und Ausstattungsniveau, wie nicht-modernisierte Altbaubestände der Kernstädte, ehemalige Arbeiter- oder Soldatenquartiere oder Großsiedlungen am Stadtrand. Diese Quartiere werden immer mehr zu den Wohnquartieren der Verlierer der allgemeinen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssektor. Überdurchschnittlich hohe Zahlen von Arbeitslosen, Schulabgängern ohne Abschluss und Sozialhilfebeziehern - unter ihnen wiederum überdurchschnittlich viele Zuwanderer - konzentrieren sich dort und werden zu Konkurrenten um vorhandenen Ressourcen. Soziale Probleme orientieren sich dabei immer stärker an ethnischen Grenzziehungen. Sofern ein Netz ethnischer Ökonomien vorhanden ist, befördert dieses in einem Gebiet mit starker sozialräumlicher Konzentration von Zuwanderern unter schlechten Bildungs- und Arbeitsmarktchancen einen Verbleib in der eigenen Ethnie; die herkunftssprachliche Infrastruktur bietet alles Notwendige, diverse Medien des Heimatlandes stehen für Information und Unterhaltung zur Verfügung - ohne die Sprache des Aufnahmelandes beherrschen zu müssen verfestigen sich Parallelstrukturen, die bezogen auf in dieser Umgebung heranwachsende Kinder selbstverstärkenden Charakter haben.

Stellungnahme des Bundesrates zum Sechsten Familienbericht
In seiner 759. Sitzung hat der Bundesrat am 16. Februar 2001 u.a. folgende Stellungnahme zum Sechsten Familienbericht beschlossen:
"5. Die Entstehung ethnischer Kolonien kann als Übergangsform dem Integrationsprozess nützen. Durch kontinuierliche Neueinwanderung besteht jedoch die Gefahr, dass sich ethnische Kolonien verfestigen. Der Bundesrat macht sich daher die Feststellung des Familienberichts zu Eigen, darauf zu achten, dass die weitere Entwicklung zu keiner Segregation führt und außerethnische Kontakte dadurch behindert werden. Gerade bei der Belegung von Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus muss diese Problematik beachtet werden."

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Pro und Contra soziale Mischung
Siebel fasst die Argumente der Forschung für bzw. gegen soziale und ethnische Mischung folgendermaßen zusammen:
"Für soziale Mischung, d.h. für den Abbau sozialer Segregation im Stadtteil bzw. im Wohngebiet werden üblicherweise angeführt: die Kontakthypothese, wonach Mischung andere Lebensweisen erfahrbar macht und damit Toleranz einübt. Sozial heterogene Quartiere bieten differenziertere Erfahrungsfelder und damit bessere Sozialisationsbedingungen. Mischung fördert die Übernahme erwünschter Verhaltensweisen der (einheimischen) Mittelschicht, z.B. den Besuch weiterführender Schulen. Ferner wird politisch für soziale Mischung argumentiert: Mischung bedeutet, dass soziale und politische Kompetenz im Stadtteil präsent ist, was eine negative Etikettierung des Stadtteils verhindert und dazu führen kann, dass der Stadtteil gleichmäßiger durch die kommunale Politik berücksichtigt wird. Schließlich werden stadtentwicklungspolitische Überlegungen angeführt: Gemischte Quartiere sind regenerationsfähiger, da ihre Bewohner bei beruflichem Aufstieg sich nicht gezwungen sehen, auszuziehen. Das wiederum motiviert Hauseigentümer zu kontinuierlicher Instandhaltung und Modernisierung.
Gegen soziale Mischung und für soziale Segregation werden angeführt: die Konflikthypothese, wonach es in homogenen Gebieten weniger soziale Konflikte aufgrund unterschiedlicher Lebensweisen geben kann. Außerdem ist der Druck, sich über seine Verhältnisse an die höheren Konsumstandards der Mittelschicht anzupassen, geringer. Die politische Selbstorganisation und damit die Durchsetzung der eigenen Interessen wird gefördert, wenn Interessenlagen homogen sind. Generell wird das alltägliche Leben leichter, wenn man in der Nachbarschaft öffentliche und private Dienstleistungen und Infrastrukturen vorfindet, die den eigenen Gewohnheiten und Präferenzen entsprechen. Ferner sprechen sozialpsychologische Argumente für Segregation: Homogenität ist wesentliche Voraussetzung dafür, dass informelle Netze aufgebaut werden und funktionieren können. Auf diese sind gerade die sozioökonomisch Schwachen und die Zuwanderer besonders angewiesen. Schließlich kann eine homogene Umwelt die eigene Identität stabilisieren, und eine gesicherte Identität ist Voraussetzung dafür, dass man sich dem Neuen und Fremden öffnen kann, also Voraussetzung für Integration."

Wohnpräferenzen und Integrationsbereitschaft von In- und Ausländern
Die Frage, ob es besser sei, wenn Deutsche und Ausländer in einer Nachbarschaft zusammen oder jeweils für sich getrennt leben, wird als Indikator für die Integrationsbereitschaft gewertet. In der letzten Dekade lag im gesamten Bundesgebiet ein recht hohes Maß an Integrationsbereitschaft vor, da 47 % der befragten Deutschen sich für ein Zusammenleben und nur 17 % für Segregation aussprachen. Allerdings ist die Integrationsbereitschaft im Westen deutlich stärker ausgeprägt als im Osten. Außerdem liegt die so gemessene Integrationsbereitschaft unter Ausländern leicht über der der Aufnahmegesellschaft.
Wesentliche Faktoren der Integrationsbereitschaft sind die positive Wahrnehmung von Zuwanderern im Wohngebiet, Alltagserfahrungen im Zusammenleben sowie persönliche Nachbarschaftskontakte.

Aufsteigermentalität geht mit veränderten Wohnbedürfnissen einher
Ökonomisch und sozial in die Aufnahmegesellschaft integrierte Zuwanderer neigen dazu, Wohngebiete mit einer hohen Konzentration von Ausländern zu verlassen und sich für sie attraktiveren Wohngebieten zuzuwenden. Ähnlich wie die deutsche Mittelschicht bevorzugt auch die integrierte ausländische Mittelschicht städtische Randlagen. Neben dem ökonomischen und sozialen Integrationsniveau spielt für Zuwanderer mit Kindern auch das Sprachumfeld eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für einen Wohnstandort: um der Chancen der Kinder willen wird ein muttersprachlich deutschsprachiges Umfeld bevorzugt.


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Praxisbeispiele und Projekte

Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Kriminalität
Ein Beispiel für diesen Zusammenhang bietet mittlerweile auch das Europaviertel in Brüssel, Sitz der EU. Die Frankfurter Rundschau berichtet am 6.2.2003 unter dem Titel In der Stadt der Diebe fühlen sich Europas Politiker nicht mehr sicher

"Zum festen Bestand des täglichen Smalltalks auf dem Brüsseler Parkett gehört die jüngste Meldung, wer beklaut oder überfallen worden ist. Erstaunlich bei solchen Anlässen ist die große Zahl derer, die aus eigener, oft schmerzhafter Erfahrung berichten. Mangels zuverlässiger öffentlicher Kriminalitätsstatistiken und weil mehr und mehr Leute es aufgegeben haben, kleinere Eigentumsdelikte bei der Polizei zu melden, ist nur schwer feststellbar, ob Brüssel tatsächlich schon "Klein-Chicago" geworden ist, wie Ingo Friedrich, Vizepräsident des Parlaments, meint. Aber schon eine einfache Umfrage unter den mehr als 600 Parlamentariern und ihren Mitarbeitern ergab eine erschreckende Momentaufnahme: Allein aus diesem Kreis wurden in den vergangenen zwanzig Monaten 185 Vorfälle gemeldet. Der Bericht, der von dem österreichischen Abgeordneten Paul Rübig am Mittwoch vorgestellt wurde, listet eine breite Palette von Wohnungseinbrüchen über Autodiebstähle und Autoeinbrüche bis hin zu Raubüberfällen auf. In jedem vierten Fall spielte Gewalt eine Rolle.

Regelmäßig gibt es Angriffe, bevorzugt auf Frauen, durch Gangs von Jugendlichen aus dem Europaviertel benachbarten Stadtteilen, in denen soziale Probleme durch Arbeitslosigkeit und unbewältigte Einwanderung herrschen. Natürlich, räumt Rübig ein, gebe es in jeder Großstadt Kriminalität. Aber allein die Ergebnisse seiner Umfrage deuteten auf ein tief sitzendes Sicherheitsproblem hin. Dabei gehe es ihnen nicht um die Eurokraten, sondern um alle Einwohner Brüssels, betonten Friedrich und Rübig. Denn der Bericht belege, dass Delikte auch in anderen Teilen der Stadt begangen werden und damit alle betroffen sind oder sein können.

Was eine Konferenz mit den belgischen Behörden bewegen kann, steht allerdings in den Sternen. Schon mehrfach wurde in den vergangenen Jahren von der belgischen Regierung mehr Sicherheit zugesagt. Doch geschehen ist nur wenig, was zum Teil an der antiquierten Struktur der Brüsseler Selbstverwaltung liegt. Die Stadt besteht aus 19 weitgehend autonomen Gemeinden, deren jede eine eigene Polizeitruppe unterhält. Die Beamten sind meist schlecht bezahlt, die Wachen unterbesetzt. Opfern von Verbrechen passiert es durchaus, dass sie auf einer Polizeistation abgewiesen werden, weil die Tat "in einer anderen Gemeinde" begangen worden sei. Dieser "Zuständigkeitsverhau" müsse beseitigt werden, fordert Friedrich.
Viel Vertrauen in die Polizei gibt es nicht. Ein Drittel der Betroffenen meldet die Delikte erst gar nicht mehr. Nur gut zehn Prozent derer, die Anzeige erstattet haben, fühlen sich von der Polizei gut behandelt. Die große Mehrheit klagt über Gleichgültigkeit und Unfähigkeit. Die einzige Chance sehen Friedrich und Rübig darin, dass die EU den "Brüsseler Behörden hilft, ihre Aufgaben zu erfüllen". Da eine eigene EU-Polizei nicht wünschenswert sei, müsse die Gemeinschaft notfalls die örtliche Polizei mitfinanzieren. Um die belgischen Behörden den europäischen Wünschen etwas geneigter zu machen, greift Friedrich sogar zu einer sanften Drohung: Sollte es nicht gelingen, die Sicherheitslage zu verbessern, würden die Parlamentarier es wohl vorziehen, öfter im sicheren französischen Straßburg zu tagen."

bamberg, karte Stadtteil-Unterstützungs-Netzwerk (SUN) in Bamberg
Mit dem Stadtteil-Unterstützungs-Netzwerk (SUN) der Joseph-Stiftung in Bamberg sollen die haupt- und ehrenamtlichen Aktivitäten für einen Stadtteil effektiver gestaltet werden.
Projektstandort für das Stadtteil-Unterstützungs-Netzwerk ist ein Wohngebiet in Bamberg mit besonderen sozialen Konfliktpotenzialen, das vor 25 Jahren mit wenig Infrastruktur entwickelt wurde. Aufgrund der Belegungspraxis änderte sich innerhalb weniger Jahre die Belegung der Sozialwohnungen drastisch. Ein besonders hoch bewertetes Kriterium für den Berechtigungsschein einer Sozialwohnung war die Bedrohung durch Obdachlosigkeit, wovon vor allem Spätaussiedler betroffen waren. Es kam zu Spannungen zwischen den Bewohnergruppen, die Veränderung im Stadtteil wurde als Bedrohung empfunden, vor allem weil die zugezogenen Aussiedler häufig kein Deutsch sprachen.
SUN will eine solidaritätsfördernde, familienorientierte und damit wohnortnahe, präventive und gemeinwesenorientierte Hilfe und Selbsthilfe im Stadtteil verwirklichen. Unterstützen und Bündeln der sozialen Ressourcen sind die Ziele: Niedrigschwelliger Zugang zu sozialen Diensten, Vernetzen der ehren- und hauptamtlichen Aktivitäten, modellhaftes Erproben gemeinwesenorientierter Sozialarbeit.
Damit einher geht die Bestrebung der Joseph-Stiftung, die Zufriedenheit der Mieter zu steigern und langfristig das Image der Siedlung zu verbessern. Indikatoren sind die Wohnqualität im Stadtteil und die Fluktuation aufgrund von Konfliktlagen. Mittlerweile ist die Fluktuation deutlich zurückgegangen. Vielmehr bewerben sich neue Mieter gezielt für Bamberg-Südwest, weil dort über SUN Sprachkurse angeboten werden und weil die Joseph-Stiftung dort aufgrund von SUN Haussprecher eingeführt hat.

Projekte aus Berlin
> vgl. auch "Berlin. Eine Stadt in Zeichen der Migration"

Förderung einer ressort- und sektorübergreifenden Zusammenarbeit und der Selbsthilfepotentiale in den Stadtteilen ist das Ziel des Kommunalen Forums Wedding e.V.

Stadtteilnetze für verbesserte Lebensbedingungen im Kiez initiiert die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH mit dem Vorort-Ort-Büro Schillerpromenade.

Der Nachbarschaftsverein "Elele" versucht, der kumulierten Armut durch Projekte und Kooperationen im Quartier entgegenzuwirken.

Das Europa-Afrika-Kulturzentrum in Berlin-Brandenburg (EURAFRI) e.V. versteht es als seine Aufgabe, durch Beratung, Betreuung und gemeinsame Unternehmungen zu unterstützen.

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Ein Netzwerk von Initiativen wird durch das Modellprojekt "Berlin - Brücke der Kulturen e.V." koordiniert; es informiert über Wohnungsmarkt, Beratungseinrichtungen, Arbeitsmarkt, Ausländerrecht u.a.

Das interkulturelle Frauenzentrum S.U.S.I. plant ein Wohn- und Integrationsprojekt für Frauen aus Osteuropa.

Einer potenziellen Ghettobildung im Beusselkiez soll vom treuhändischen Sanierungsträger "Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH - S.T.E.R.N" durch integrierende Maßnahmen entgegengewirkt werden.

Der Bezirk Hellersdorf unterstützt mit dem Verein "Pro Migrant" die Integration von Migranten.

Der Treff- und Informationsort für türkische Frauen e.V. (TIO) berät u.a. bei schlechten Wohnverhältnissen.

Die komplexen Entstehungszusammenhänge sozialer Ausgrenzung können nur mit mehrdimensionalen Strategien angegangen werden - Die Kiez AG Reuterplatz in Neukölln


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Links und Literatur

Amann, Renate/ von Neuman-Cosel, Barbara (Hg.): Berlin. Eine Stadt im Zeichen der Migration. Darmstadt 1997

Böltken, Ferdinand/ Gatzweiler, Hans-Peter/ Meyer, Katrin: Räumliche Integration von Ausländern und Zuwanderern. In: BBR (Hg.): Informationen zur Raumentwicklung Heft 8/2002. Internationale Wanderungen und räumliche Integration. Bonn. S. 397-414

"Die Rückseite der Republik". In: Der Spiegel 10/2002, S. 36-56

Gutachten von Hartmut Häußermann und Walter Siebel i.A. der Unabhängigen Kommission "Zuwanderung": Soziale Integration und ethnische Schichtung - Zusammenhänge zwischen räumlicher und sozialer Integration. 2001

Häußermann, Hartmut: Zuwanderung und Stadtentwicklung in Berlin. In: Amann, Renate/ von Neumann-Cosel, Barbara (Hg.): Berlin, eine Stadt im Zeichen der Migration. Darmstadt 1997. S.22-25

Heckmann, Friedrich: Ethnische Kolonien: Schonraum für Integration oder Verstärker der Ausgrenzung? In: Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Ghettos oder ethnische Kolonien? Entwicklungschancen von Stadtteilen mit hohem Zuwandereranteil. Gesprächskreis Arbeit und Soziales Nr. 85. Bonn 1998. S. 29-41

John, Barbara: Fremde - Die Baumeister des neuen Berlin. In: Schmals, Klaus M. (Hg.): Migration und Stadt. Entwicklungen, Defizite, Potentiale. Opladen 2000. S.261-272

Krummacher, Michael: Drehbücher für multiethnische Stadtgesellschaften: Horror- oder Abenteuerfilm? In: Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Ghettos oder ethnische Kolonien? Entwicklungschancen von Stadtteilen mit hohem Zuwandereranteil. Gesprächskreis Arbeit und Soziales Nr. 85. Bonn 1998. S. 43-57

Münchmeier, Richard: Marginalisierung und Abstieg. Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen. Das Problem für Stadtteile. In: Schader-Stiftung (Hg.): wohn:wandel. Szenarien, Prognosen, Optionen zur Zukunft des Wohnens. Darmstadt 2001. S. 56-65

Pristl, Thomas: Stadt Zuwanderung Wohnen. Stategiebausteine für eine integrative Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik. Kassel 2001

Scholz, Carola: Mischung statt Segretation. Die Zuwanderung ist eine Lebensbedingung der Stadt! In: AKP. Fachzeitschrift für Alternative Kommunalpolitik 3/2001. S. 41-44

Siebel, Walter: Die Stadt und die Fremden. In: Brech, Joachim/ Vanhué, Laura (Hg.): migration. Stadt im Wandel. Darmstadt 1997. S. 33-40

"To mix or not to mix? Housing policies in the U.S.A., Sweden and the Netherlands"
> Beitrag zum workshop "Planning´s response to diversity in the city", Sixth international metropolis conference, Rotterdam 2001


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Letzte Änderung: 08.04.2004