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Relevanz zählt

Artikel vom 23.11.2015

Foto: Christoph Rau

Resümee der Jahrestagung des Großen Konvents der Schader-Stiftung am 20. November 2015. Von Pitt von Bebenburg

Relevanz zählt

Der Weg ist noch weit zu einer „Öffentlichen Wissenschaft“, obwohl es schon einzelne Ansätze gibt. Die Frage, die sich mir nach diesem Großen Konvent stellt, lautet: In welchen Fällen sollte Wissenschaft eigentlich öffentlich arbeiten?  

Entscheidend scheint mir, dass Wissenschaft relevant arbeitet: dass sie relevante Themen wählt; dass sie Öffentlichkeit da einbindet, wo dies zur Relevanz beiträgt; dass sie die Öffentlichkeit in einer verständlichen Sprache über Ergebnisse informiert, die relevant sind. Mit Relevanz ist gemeint, was Klaus Töpfer formuliert hat: Aus Sachzwängen, aus scheinbarer Alternativlosigkeit wieder Handlungsoptionen zu gewinnen. Dabei sind in den Diskussionen einige Hürden sichtbar geworden: die Starrheit wissenschaftlicher Eigendynamik, vor allem die oft unvermeidbare Unterwerfung unter die Förderlogik staatlicher Stellen, von Unternehmen und anderen Drittmittelgebern.

Im  „Kapitalozän“, so Stephan Lessenich, müssen Gegenkräfte mobilisiert werden. Auf der anderen Seite ist auch eine berechtigte Skepsis gegenüber einer Öffentlichkeit als Auftraggeber wissenschaftlicher Forschung sichtbar geworden. So stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich diese Öffentlichkeit? Erfahrungen zeigen, dass ein sehr breit gestreuter Aufruf an die allgemeine Öffentlichkeit – zum Beispiel per Inserat in der Wochenzeitung Die Zeit – nicht auf Resonanz stößt, hat Monika Wächter festgestellt. Wer also könnte zu mobilisieren sein und für Öffentlichkeit sprechen? Heinz Bude warnt: „Haben Sie kein zu positives Bild von der Zivilgesellschaft.“ Er plädiert für „liberalen Paternalismus“. Auch NGOs seien zum Beispiel nicht frei von eigenen, auch wirtschaftlichen Interessen.

Beachtet werden muss auch, dass Wissenschaft heute keineswegs grundsätzlich jenseits öffentlicher Relevanz forscht. So sorgen Studierende und Doktoranden mit der Wahl ihrer Forschungsthemen tausendfach für eine Erfrischung des wissenschaftlichen Betriebs von unten. Helmuth Berking weist auf den Einfluss von Umwelt- und Frauenbewegung beim Agendasetting hin, Heinz Bude berät Kommunen in der hoch aktuellen und relevanten Frage der Ansiedlung von Flüchtlingen.

All das zeigt: Öffentliche Beteiligung ist nicht zwingend, um Relevanz zu erzeugen. Sie sollte aber in wissenschaftlichen Prozessen viel selbstverständlicher als Möglichkeit mitgedacht werden. Wo sie relevant sein kann, sollte sie – auch in experimentellen Formen – erprobt werden. Das gilt gerade auch für Themen von lokaler und regionaler Relevanz. In diesem Sinne fände ich es sehr erfreulich, wenn das Furtwanger Agendasetting-Experiment von Stefan Selke Nachahmer fände und irgendwo tatsächlich erprobt würde. Die Frankfurter Rundschau wäre ein möglicher Kooperationspartner, um in einem solchen Fall bei der Beteiligung von Öffentlichkeit hilfreich zu sein, sofern das Experiment im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt wird.

Der Autor: Pitt von Bebenburg ist Hessen-Korrespondent der Frankfurter Rundschau.