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Wie kann Sozialwissenschaft heute kritisch sein?

Artikel vom 29.11.2013

Für die Reflexion der Chancen eines sinnvollen Dialogs zwischen Sozialwissenschaften und Praxis ist die Frage nach dem „Kritischsein“ der Sozialwissenschaften ohne Zweifel von zentraler Bedeutung. Eindrücke aus einem Workshop der Schader-Stiftung mit Prof. Dr. Michael Haus (Heidelberg).

Impuls zum Workshop

Für die Reflexion der Chancen eines sinnvollen Dialogs zwischen Sozialwissenschaften und Praxis ist die Frage nach dem „Kritischsein“ der Sozialwissenschaften ohne Zweifel von zentraler Bedeutung. Vor einigen Jahrzehnten waren Disziplinen wie die Soziologie und die Politikwissenschaft sowohl in der Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung stark von der Vorstellung geprägt, dass Sozialwissenschaften vor allem die Aufgaben hätten, „kritisch“ zu sein. Gerade in Deutschland war die Tradition der „Kritischen Theorie“ prägend, deren Markenzeichen es war, bereits in den Grundbegrifflichkeiten und in der Forschungsperspektive der Sozialwissenschaften Vorkehrungen zur Sicherstellung des kritischen Charakters der Erkenntnisgewinnung einzubauen. Prominent war in diesem Zusammenhang die Forderung, Gesellschaftswissenschaften sollten sich von vornherein auf das Ziel der „Emanzipation“ verpflichten. In Verbindung mit Protestbewegungen unterschiedlichster Art schien dann die praktische Relevanz einer sich solcherart „kritisch“ verstehenden Sozialwissenschaft augenfällig zu sein.

Freilich hatte dieser emphatische Anspruch der kritischen Aufklärung der Gesellschaft immer schon Kritiker. Letztere hielten dafür, dass es vor allem nötig sei, die Gesellschaftswissenschaften über ihre Selbstüberschätzung aufzuklären. In der Zwischenzeit hat sich die Emphase etwas gelegt, die Kritische Theorie ist wohletabliert, gleichzeitig jedoch auch weniger provokativ, vielleicht auch deshalb, weil sich heutzutage jeder anmaßt, alles Mögliche kritisieren zu sollen (Stichwort „Wutbürger“). Die Frage nach einer gelingenden Praxis der Gesellschaftskritik stellt sich damit freilich umso dringlicher und wird in den Gesellschaftswissenschaften seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Einen wichtigen Impuls für diese Debatte war Michael Walzers Buch The Company of Critics, das 1988 – also im Jahr der Gründung der Schader-Stiftung – erschien. Welche Gesichtspunkte sind für das Nachdenken über eine „kritische“ Sozialwissenschaft im Dialog mit der Praxis wichtig?

Kritik ist ebenso unabdingbar wie unbeliebt

Zunächst kann festgehalten werden, dass Kritik in der Regel ebenso unabdingbar wie unbeliebt ist – und möglicherweise umso unbeliebter, desto treffender sie ausfällt. Gute Kritik wird „wehtun“ und setzt eine Kompetenz der Kritikaufnahme voraus. Kritik ist nicht immer „dialogfähig“ (wobei Dialog auch nicht immer die beste Form sein muss, mit Missständen umzugehen). Wenn sie in den Dialog eingebunden sein soll, bedarf es neben eines „geschützten“ Raumes zur Artikulation von Kritik oft auch eines „geschützten“ Raumes der Aufnahme von Kritik. Wenn allerdings Kritik wirkmächtig in die Öffentlichkeit getragen werden soll, setzt dies unter Umständen die Bereitschaft voraus, sich unbeliebt zu machen. 

Die Frage nach der Kritikfähigkeit der Sozialwissenschaften sollte aber nicht auf ihre Fähigkeit reduziert werden, die Gesellschaft oder Bereiche davon zu kritisieren. Neben der Gesellschaftskritik geht es auch um Selbstkritik (im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit der Art, wie Wissen generiert und damit zu sozialer Praxis beigetragen wird), und um Wissenschaftskritik (im Sinne der Öffnung für Kritik von Seiten der Praxis).

Ausgehend von diesen drei Dimensionen der Kritikfähigkeit von Sozialwissenschaft lassen sich drei „Fallen“ erkennen, die bei der (Weiter-)Entwicklung der Kritikfähigkeit vermieden werden sollten: Die Gesellschaftskritik droht, in die Falle des Realitätsverlusts zu geraten, wenn sie „wohlfeile Kritik“ übt, die rein normativ oder stark idealistisch auftritt und von jeglicher Verantwortung für Entscheidungen entbunden ist. Bei der Selbstkritik besteht die Gefahr, in die Falle des Autoritätsverlusts zu geraten: So können die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Grundlagen und die dabei regelmäßig sichtbar werdenden Uneindeutigkeiten und Kontingenzen eine Erwartungshaltung enttäuschen, die sich „objektives“, „wertneutrales“ und „präzises“ Wissen verspricht und nur dies als „Wissenschaft“ gelten lassen will. Die Wissenschaftskritik durch die Praxis schließlich birgt die Gefahr eines Autonomieverlustes der Wissenschaft durch eine eng definierte „Verwertbarkeit“ von Forschung. Gerade die jüngere Diskussion macht jedoch deutlich, dass Wissenschaft Raum braucht, um sich mit Fragen, Problemen und Ideen zu befassen, deren Nutzwert noch nicht erkennbar oder nicht klar ermessbar ist.Bei aller Verschiedenheit von Positionierungen zu dieser Frage wird man einen Konsens dahingehend konstatieren können, dass „kritisch sein“ voraussetzt, auf Distanz zu bestehenden Machtverhältnissen zu gehen. Insofern lassen sich die drei genannten Dimensionen auch so verstehen, dass es in jeder dieser Dimensionen darauf ankommt, sich kritisch mit Machtverhältnissen auseinanderzusetzen. Wenn es angemessen ist, dass die Deutungsmacht der Sozialwissenschaften der Kritik unterzogen wird, so muss umgekehrt auch beachtet werden, dass „die Praxis“ selbst immer eine „vermachtete“ ist. Das gilt auch für die Maßstäbe, die an die Fragen angelegt werden, mit denen sich Sozialwissenschaften und Praxis befassen: Bereits die Definition der Probleme wie auch der normativen Erwartungen (an die Sozialwissenschaften wie an die Praxis) können nicht gänzlich von Machtfragen losgelöst werden. 

Zentrale Herausforderungen

Abschließend seien einige zentrale Herausforderungen genannt. Eine erste wichtige Aufgabe für eine kritische Sozialwissenschaft liegt darin, sich über die Beziehungen zwischen normativen und analytischen Gehalten ihrer Forschungsaktivitäten klarer zu werden. Dabei sollte in den Blick genommen werden, worin der spezifische Beitrag von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern zur Praxis der Gesellschaftskritik liegt. Gesellschaftskritik wird nämlich auch von Künstlern, Philosophen, Journalisten und so weiter praktiziert. Die Bestimmung der Rolle der Sozialwissenschaft in der Gesellschaftskritik bedarf dabei selbst des Dialogs mit der Praxis der Gesellschaftskritik. Es wäre in diesem Zusammenhang sinnvoll, über die „Intellektualitätstauglichkeit“ der Sozialwissenschaften nachzudenken, insofern Intellektuelle traditionell eine besondere Rolle als Gesellschaftskritiker gespielt haben. Dies mag heute nicht mehr so sein, aber bestimmte intellektuelle Tugenden wie etwa die Fähigkeit der Rückbindung von Wissen an einen geteilten kulturellen Hintergrund oder die Bereitschaft, sich mit einer Einschätzung zu exponieren, dürften immer noch von zentraler Bedeutung sein. Diese Tugenden werden durch die Karrierestrukturen im heutigen Wissenschaftssystem nicht eben gefördert.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass eine machtdistanzierte Sozialwissenschaft mit bestimmten Paradoxien zurechtkommen muss:

 

  • erstens mit der Unsichtbarkeit von Macht, insofern als Macht gerade dann besonders tiefenwirksam ist, wo sie sich nicht in manifesten Konflikten zeigt, sondern deren Entstehen verhindert – auf der anderen Seite aber die Abwesenheit von Konflikten auch auf der stillschweigenden Zustimmung der Betroffenen beruhen kann;
  • zweitens der Unbeliebtheit von Kontingenz, insofern Sozialwissenschaft dann besonders gute Erklärungen zu liefern scheint, wenn sie zeigen kann, dass die soziale Praxis notwendigerweise so funktioniert, wie sie funktioniert, während eine derart „erfolgreiche“ Kausalanalyse mit Blick auf Veränderungspotentiale geradezu lähmend wirken muss;
  • drittens der Uneindeutigkeit von Problemen und Interessen, das heißt dem Umstand, dass Machtfragen immer stärker schon bei der Definition von Problemen und Interessen eine Rolle spielen; dies hat zur Folge, dass die Sozialwissenschaften Machteffekte nicht mehr als Behinderung einer vorab definierten „guten Lösung“ im Sinne des „Gemeinwohls“ analysieren und kritisieren können; der Fokus verschiebt sich auf die soziale Konstruktion von Problemen und die Suche nach Lösungen.

 

 

 

Bericht aus dem Workshop (Dr. Tobias Robischon)

Wie normativ soll Sozialwissenschaft sein?

Es ist äußerst zweifelhaft, die heutige Sozialwissenschaft kritisch zu nennen:  Wir als Sozialwissenschaftler sind viel zu affirmativ, stellt ein Teilnehmer zu Beginn fest. Eine kritische Sozialwissenschaft benötigt nicht nur Distanz zu politischer Macht, sondern vor allem Distanz zu den innerwissenschaftlichen Machtverhältnissen, wird ergänzt. Gegenwärtig ist eine Retraditionalisierung der Gesellschaftswissenschaft zu erleben. Sie beschränkt sich auf das Feststellen gesellschaftlicher Tatbestände, ist an deren Bewertung oder an Lösungsansätzen jedoch nicht interessiert. Damit kapituliert die Sozialwissenschaft im normativen Bereich. Im Gegensatz zu den Implikationen der Eingangsthesen, so ein Diskussionsbeitrag, ist es wissenschaftlich durchaus möglich, Bewertungsmaßstäbe zu erarbeiten. Entscheidend ist dabei die normative Brauchbarkeit. Benötigt wird empirische Forschung, die untersucht, ob ein Handeln nach bestimmten Wertmaßstäben tatsächlich die Folgen zeitigt, die das wertorientierte Handeln erreichen will.

Die Kritikfähigkeit von Sozialwissenschaft hängt, so ein weiterer Hinweis, auch von der Verfasstheit der Wissenschaft selbst ab. Diese prämiert den Monolog, nicht aber den Dialog. Die Frage ist daher, wie die Sozialwissenschaften auf institutioneller Ebene umstrukturiert werden müssen, um Begegnungen und Dialog zu ermöglichen. 

Braucht kritische Sozialwissenschaft große Gesellschaftsentwürfe?

Wenn Sozialwissenschaft hier und heute kritisch sein soll, braucht es „große Entwürfe“. Die aber sind heutzutage kein Thema für die Sozialwissenschaft. In den 1960er und 1970er Jahren wurde es noch als Aufgabe der Gesellschaftswissenschaften verstanden, solche gesellschaftlichen Entwürfe zu produzieren. Mit Blick auf Europa kann es heute die Aufgabe von Sozialwissenschaft sein, einer visionslosen Politik aufzuhelfen. Wissenschaftliche Einzelwerke, die in der Vergangenheit für die wissenschaftliche Gesellschaftskritik besonders wichtig waren, entstehen im aktuellen Wissenschaftsbetrieb aber kaum noch. Allerdings, so ein Einwand, muss auch das Verhältnis von Machtdistanz und Kritik genauer gefasst werden: Die Frage ist letztlich, wie Verantwortung einzulösen ist.

Am augenfälligsten beim Vergleich der heutigen Lage mit der Situation der 1970er Jahre ist der Umstand, dass die Selbstverständlichkeit eines möglichen Andersseins verloren gegangen ist. Die Erinnerung an gute alte „kritische“ Zeiten führt jedoch leicht dazu, heutige Gegenbewegungen zu übersehen. Bei diesen stehen die Frage des Einzelnen „Wie kann ich mich verhalten?“ und der Versuch, im Kleinen mit Veränderungen zu beginnen, im Mittelpunkt. Für kritische Bewegungen sind Sozialwissenschaften dann wichtig, wenn sie deren Argumente im Rahmen der eigenen Aktivitäten nutzen können. Verallgemeinert gesprochen gilt, dass Gesellschaftswissenschaften für die Praxis insbesondere dann relevant werden, wenn sie dazu beitragen, die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken.

Allerdings haben die kritischen Diskussionen der 1970er Jahre, so eine Vermutung, die Praxis wenig verändert. Polemisch ausgedrückt: Heute erforschen die Sozialwissenschaften mit großem Aufwand, was man schon immer gewusst hat. Der Vorteil besteht nur darin, dass man es heute besser belegen kann. Dem wird entgegengehalten, welch großen Einfluss beispielsweise Niklas Luhmann für das Bild der Gesellschaft von sich selber hatte: Die Denkfigur des auf sich selbst bezogenen, von seiner Umwelt abgeschlossenen und allein nach seinen eigenen Regeln funktionierenden Systems ist heute allgegenwärtig.

Die Wende der Sozialwissenschaften hat zwei Gründe, wird als Erklärung angeboten: Zum einen haben die Gesellschaftstheorien der Sozialwissenschaften die heutige Situation nicht im Ansatz getroffen, zum anderen ist das wissenschaftstheoretische Grundverständnis wesentlich komplexer geworden. Angesichts dieser völlig neuen Herausforderungen konzentriert man sich in der Sozialwissenschaft auf das, was man kann. Dies ist eine kleinteilige, aber nicht normativ überhöhte Forschung.

Jeder sollte die Sprache der Sozialwissenschaften verstehen können?

Die Sozialwissenschaften haben eine eigene Sprache, doch um in einen Dialog mit der Praxis treten zu können, müssen sie sich so ausdrücken, dass es für andere verständlich ist. Der Mangel einer gemeinsamen sprachlichen Ebene mit anderen ist eines der Hauptprobleme der Sozialwissenschaften. Da nicht eindeutig abzugrenzen ist, wer dem Bereich Praxis zuzuordnen ist, sollte die Sprache der Wissenschaft im Prinzip für jeden verständlich sein. Ein weiteres Hindernis besteht darin, dass die Probleme der „normalen“ Bürger in den Diskursen der Wissenschaft nicht enthalten sind. Aus einer politischen Sichtweise wird ergänzt, dass ein Dialog zwischen Sozialwissenschaften und Praxis dann sinnvoll ist, wenn es darum geht, Probleme zu definieren, oder wenn der Dialog zeitlich in einer Phase der Problembestimmung geführt wird.

Kritische Sozialwissenschaft ist selbstkritisch

Als weitere These wird formuliert, dass wahrhaft kritische Sozialwissenschaft offen über ihr Nicht-Wissen und ihr Nicht-Wissen-Können spricht. Es ist eine Krankheit der Sozialwissenschaften, entweder banale Empirie oder aber empirisch nicht überprüfbare Theorie zu produzieren. Statt sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, die theoretisch interessanten Phänomene ließen sich eben nur schwer operationalisieren, sollten einerseits die empirisch beobachteten Mechanismen theoretisch stärker aufgearbeitet und andererseits beispielsweise ökonomische Zusammenhänge empirisch detaillierter aufgeschlüsselt werden.

Wenn die Sozialwissenschaft die Auffassung ernst nimmt, soziale Realitäten seien sozial gemacht, so muss sie auch dazu bereit sein, diese sozialen Konstruktionen zu bewerten. Dem wird widersprochen: Es kommt darauf an, das Bewusstsein der Kontingenz gesellschaftlicher Wirklichkeit zu stärken. Dazu kann auch empirische Forschung beitragen, die – oft in Form qualitativ-induktiver Entdeckungsforschung – andere Lesarten von Wirklichkeit deutlich macht. 

In Deutschland fehlt es an öffentlichen Intellektuellen, im Gegensatz etwa zu Frankreich. Grund dafür sind die sehr affirmativ agierenden deutschen Medien. Öffentliche Debatten werden daher nur noch innerhalb der politischen Mitte geführt. Der Wunsch nach großen, öffentlichen Intellektuellen ist anachronistisch, so die Gegenthese. Die Figur des öffentlichen Intellektuellen steht für eine unkritische Haltung der Wissenschaft gegenüber sich selbst, da diese öffentliche Figur nicht gerade zu Zweifeln an der Autorität ihrer eigenen Aussagen einlädt. Ein Idealbeispiel einer wissenschaftskritischen Gesellschaftswissenschaftlerin war Elinor Ostrom, die in ihrem Werk theoretisch begründet und anhand empirischer Beispiele untermauert zeigte, dass unter bestimmten Bedingungen eine kollektive Verwaltung von Gemeingütern (Allmenden oder „commons“) möglich ist. Damit widersprach sie der herrschenden Meinung, dies sei systematisch unmöglich („tragedy of the commons“).

Kritische Sozialwissenschaft ist kreativ-entdeckend

Professor Haus hält als Konsens fest, dass die Verselbständigungstendenz in der Sozialwissenschaft problematisiert und ein schlichter Positivismus abgelehnt wird. Kritische Sozialwissenschaft soll kreativ-entdeckend angelegt und besser sichtbar sein. 

Es gibt aber auch Dissens: So stimmt Professor Haus dem Ökonomisierungsnarrativ nicht zu, mit dem die Veränderungen in den Sozialwissenschaften beschrieben werden. Die gestiegene Bedeutung der „peer-reviewed journals“ ist vielmehr eine Folge gewachsener Komplexität des Faches und eines damit korrespondieren Wunschs nach Standardisierung. Die Kritik an der mangelnden Verständlichkeit der Sozialwissenschaften für die Praxis kann er nicht nachvollziehen. Er verweist als Beispiel auf YouTube und die dort zahlreich verfügbaren Filme mit und über Niklas Luhmann, die klar und verständlich seien. 

Aus der Diskussion ergeben sich für die Sozialwissenschaft zwei Fragen. Zum ersten: Auf welche Weise schreiben sich normative Perspektiven in praktisches Handeln ein und zu welchen Handlungsergebnissen führt dies? Die zweite Frage ist die nach dem Verhältnis zur Praxis: Wird sie als Kooperationspartner oder als Beobachtungsgegenstand verstanden?