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Laudatio anläßlich der Verleihung des Schader-Preises an

Prof. Dr. Ulrich Beck


Darmstadt - Orangerie
28. April 2005


von Prof. Dr. Manfred G. Schmidt
Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg und
Kurator der Schader-Stiftung






Die Schader-Stiftung will durch Förderung von Kommunikation und Kooperation zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis dazu beitragen, das Gemeinwesen weiterzuentwickeln, so heißt es in der Satzung für den Schader-Preis. Mit dem Schader-Preis, so die Satzung weiter, werden Gesellschaftswissenschaftler ausgezeichnet, die aufgrund wegweisender wissenschaftlicher Arbeit und durch vorbildliches Engagement im Dialog mit der Praxis einen Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen geleistet haben.

Der diesjährige Preis wird Herrn Dr. Ulrich Beck, Professor für Soziologie an der Ludwig Maximilians Universität München, verliehen.



1. Werdegang

„In München wohnend, sehne ich mich nach München“, schrieb Ulrich Beck in einem Plädoyer für eine „offene Stadt“, das die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte. Wer diese Liebeserklärung an die Adresse der bayrischen Landeshauptstadt liest und weiß, dass Becks berufliche Adresse, das Institut für Soziologie, in der Konradstr. 6 zuhause ist, also im Herzen von Schwabing, könnte meinen, Beck sei von Kopf bis Fuß auf München eingestellt. Aber das ist ganz falsch gedacht, so lehren Becks Schriften, weil eine Entweder-Oder-Unterscheidung zugrunde liegt: Münchner oder Nicht-Münchner. In der heutigen Welt aber gilt nicht mehr das Entweder-Oder, so Beck weiter, sondern das Sowohl-als-auch. Das gilt auch für ihn persönlich: Beck sehnt sich nach München und ist zugleich, sein anschließender Vortrag wird das zeigen, im Denken und Handeln Kosmopolit, also Weltbürger. Genau genommen passt aber zwischen München und Kosmopolitismus noch mehr hinein, nicht zuletzt das landschaftlich reizvolle Umfeld und die hohe Lebensqualität auch südlich der Stadt. Ulrich Beck schätzt München, arbeitet dort und an vielen anderen Orten in der Welt, auch am Ufer des Starnberger Sees, wo er wohnt.

Ulrich Beck ist kosmopolitischer Münchner Soziologie. Geboren aber wurde er nicht in München, sondern in Stolp, Pommern, heute Polen. Das war am 15. Mai 1944. Wären die Eltern nicht vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen geflohen, hätten wir Ulrich Beck am heutigen Abend wohl nicht unter uns. Und wahrscheinlich hätte auch die Risikogesellschaft nicht das Licht der Welt erblickt.

Nach München führen Beck das Studium und später der Beruf. In München studiert er die Fächer Soziologie, Philosophie, Psychologie und Politikwissenschaft. Auf die Examina folgen - ebenfalls in München - 1972 die Promotion und 1979 die Habilitation, jeweils im Fach Soziologie. Zwischendrin, von 1973 bis 1979, ist Beck verantwortlich für den Sonderforschungsbereich „Theoretische Grundlagen sozialwissenschaftlicher Berufs- und Arbeitskräfteforschung“. Hierauf folgen 13 Jahre im „Exil“: von 1979 bis 1981 wirkt er als Professor in Münster und von 1981 bis 1992 als Professor in Bamberg. 1992 wird Beck Nachfolger von Professor Dr. Bolte, der auch in Schader-Stiftung als langjähriger Kurator mitwirkte: Beck kehrt nach München zurück und übernimmt zudem ab 1997 eine Dozentur an der London School of Economics and Political Science.



2. Das wissenschaftliche Werk (I)

Bei Prof. Dr. Bolte hat Ulrich Beck die Soziologie studiert, sich promoviert und habilitiert, und bei Bolte war Beck auch Assistent. Bolte hat sich immer anerkennend über Beck geäußert. Schon als Student und später vor allem als Teamkollege habe er Beck als „innovativen Denker“ kennen gelernt, der danach strebt, „eingefahrene Forschungspfade zu überwinden und neue, weiterführende zu erschließen“.

So ist das – und das Ergebnis der Anstrengungen ist eindrucksvoll. Allein 18 Bücher hat Ulrich Beck geschrieben – mit Stand vom Ende des Jahres 2004. Elf dieser Bücher verfasste er in Alleinautorschaft, bei den anderen war er Mit-Autor – unter anderem zusammen mit seiner Frau, Elisabeth Beck-Gernsheim. Die meisten dieser Bücher handeln von Großstrukturen der Gesellschaft und der Politik – das Werk Risikogesellschaft oder die Die Erfindung des Politischen beispielsweise oder das neueste, zusammen mit Edgar Grande verfasste Buch Das kosmopolitische Europa . Mitunter kommen auch Zwischenmenschliches und Hautnahes ins Blickfeld, so in der Schrift Das ganz normale Chaos der Liebe, in der Beck zusammen mit seiner Frau den Unwägbarkeiten der Liebe und der Trennung nachspürt. Viele seiner Bücher sind in andere Sprachen übersetzt worden. Becks erster Buch-Hit – die „Risikogesellschaft“– wurde in 21 Sprachen übersetzt, und 22 Übersetzungen wurden bis 2004 für „Was ist Globalisierung?“ gezählt. Hinzu kommen verschiedene Herausgeberschaften, viele Beiträge in Fachzeitschriften und Sammelbänden sowie eine große Anzahl von Artikeln in Zeitungen und Wochenzeitungen. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Interviews mit Ulrich Beck. Vor allem seit seinem Buch Risikogesellschaft, das kurz nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl veröffentlicht wurde, aber schon vor dieser Katastrophe geschrieben war, ist Beck ist ein gesuchter Gesprächspartner für viele geworden – für Fachkollegen, für Politiker, für Journalisten, für die breite Öffentlichkeit.



3. Das wissenschaftliche Werk (II): Risikogesellschaft“, „Zweite Moderne“ und. „reflexive Modernisierung“, „Globalisierung“ und „kosmopolitischer Realismus“

Wovon handelt Becks Werk?

Zunächst betrieb Beck ganz normale Soziologie, konventionelle, brave Soziologie – unter anderem zu Themen der Berufswelt und der gesellschaftlichen Ungleichheit. Ob er auch sein Werk meint, als er unlängst erneut gegen die „institutionalisierte Langeweile“ der Routinen in Wissenschaft und Politik wetterte? Vor allem ab Mitte der 1980er Jahre kommen unkonventionelle, kühne Entwürfe hinzu, mit denen Ulrich Beck zudem alsbald Begriffe prägt. Die allerwichtigsten Schlüsselbegriffe sind „Risikogesellschaft“, „Zweite Moderne“ bzw. „reflexive Modernisierung“, „Globalisierung“ und „kosmopolitischer Realismus“.

Der Grundgedanke beim ersten Schlüsselbegriff – „Risikogesellschaft“ – ist dieser: In den modernen Gesellschaften, so wie wir sie aus Westeuropa und Nordamerika im späten 20. Jahrhundert kennen, geschieht Unerhörtes: Diese Länder werden durch ihren Erfolg zu „Risikogesellschaften“. Die westeuropäischen und nordamerikanischen Länder sind einerseits Erfolgsgeschichten der Modernisierung: ihre Wirtschaft wächst, ihre Wissenschaft und ihre Technik blühen, die politischen Freiheiten sind größer als zuvor, und ihre Bürger genießen mehr Wohlstand als je zuvor. Doch zum Erfolg der modernen Gesellschaften gehören ihre Schattenseiten, ihre Zerstörungspotentiale und ihre Selbstgefährdungen. Wachstum und technische Nutzung der Natur erzeugen beispielsweise schwere Schäden in der Umwelt. Und Wissenschaft und Technik erzeugen bei ihrem Fortschritt neue globale Risiken: chemische, gentechnische und atomare Risiken, Kernkraftwerksunfälle beispielsweise oder gar das Hineinschlittern in einen Atomkrieg. Die modernen Risiken der Risikogesellschaft sind im Unterschied zu den alten Gefährdungen weder räumlich noch zeitlich eingrenzbar, ferner nicht zurechenbar nach geltendem Verständnis von Kausalität, Schuld oder Haftung und zudem nicht versicherungsfähig. Ferner betreffen die Risiken alle, nicht nur den, der ein Wagnis eingeht. Gegen materielle Not kann sich der Reiche wehren, gegen globale radioaktive Verseuchung aber nicht.

Die Modernisierung, so spinnt Beck den Gedanken alsbald weiter, umfasst zwei Prozesse: den einen nennt er die „Erste Moderne“, den andern die „Zweite Moderne“. Die „Erste Moderne“ ist die alte Industriegesellschaft. Sie basiert auf einem klaren Entweder-Oder: „Entweder Wir oder die Anderen, Natur oder Gesellschaft, Organisation oder Markt, Krieg oder Frieden“. Die „Erste Moderne“ war demnach durch klare Bestimmungsfaktoren geprägt. Nationalstaat, Industrialisierung, Wohlstandsgarantie, klare Rollenverteilung. In der „Zweiten Moderne“, mit der wir mittlerweile konfrontiert sind, lösen sich die Klarheiten auf: die „Zweite Moderne“ ist geprägt durch mehr Chancen und mehr Risiken. Die „Zweite Moderne“ speist sich aus dem Zurückwirken der Folgen und Nebenfolgen der Moderne auf sich selbst – aus ihren Nebenfolgen und aus der öffentlichen und wissenschaftlichen Problematisierung der Folgen, Grenzen und Widersprüche der einfachen Modernisierung. „Modernisierung der Modernisierung“ oder „reflexive Modernisierung“ ist das für Beck. Die „reflexive Modernisierung bringt schwere Erschütterungen mit sich: Umweltkatastrophen und weltweite Risiken wie Zusammenbrüche von Finanzmärkten gehören dazu, aber auch ein gesellschaftlicher Wandel, der die Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern neu ordnet, die Schrumpfung der Erwerbsarbeit und die Individualisierung, also Entwurzelung und damit Freisetzung des Einzelnen. Und zur „Zweiten Moderne“ gehören auch unstetige Beschäftigungsverhältnisse, flexible Arbeitsverhältnisse, patchworkartige Arbeitskarrieren und eine unstetigere Lebenswelt mit mehr Wahlfreiheiten einerseits und mehr Risiko andererseits. Nicht jeder kommt damit zurecht, dass sich Familien von Notgemeinschaften zu Wahlverwandtschaften gewandelt haben. Und manche „Kinder der Freiheit“ benötigen zum privaten Glück gar drei oder vier Scheidungen. Neue Freiheit und neue Risiken kennzeichnen demnach die Individualisierung in modernen Gesellschaften – „Riskante Freiheiten“ sind das, so Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim.

Ferner ist die „Globalisierung“ ein Hauptkennzeichen der „Zweiten Moderne“ – und mit der „Globalisierung“ wächst der Bedarf an kosmopolitischem Denken und Handeln. Und damit sind wir bei dem dritten und dem vierten Schlüsselkonzept angelangt, das Ulrich Beck zur Debatte der gegenwärtigen Verfassung der Welt beisteuert, und zwar verstärkt seit den 1990er Jahren: „Globalisierung“ und „Kosmopolitismus“, also Weltbürgertum in der Weltgesellschaft.

Erneut hantiert Ulrich Beck mit einer scharfen Unterscheidung zwischen zwei Epochen. In der ersten Epoche gaben nationalstaatliche Kräfte den Ton und den Takt an – und dazu gehörten als Hauptgefahren die Kriege zwischen Staaten. In der zweiten Epoche werden die nationalstaatlichen Fundamente der gesellschaftlichen Welt entmächtigt – entmächtigt durch internationale Abhängigkeiten, durch Globalisierung, durch Herausbildung internationaler und übernationaler Organisationen wie auch der EU. Die Welt bewegt sich auf eine Weltgesellschaft zu. Folglich können Gruppen, Länder und Kulturen, aber auch Individuen, sich nicht mehr voneinander abschotten. Zur Globalisierung gehört auch die „Globalisierung der Emotionen“ . Das schließt das Mitleiden am Elend in fernen Winkeln der Welt in den Wohnzimmern der Metropolen ein. Die Wellen, die ein Tsunami schlägt, reichen, so könnte man sagen, bis zu den Fernsehern in den Hütten und Palästen der reichen Länder.

Globalisierung und Globalität erzwingen auch eine Neuausrichtung des Denkens und des Handelns. Die Gefährdungen beispielsweise sind global, und sie haben zur Folge, dass jeder die Erfahrung der persönlichen Verwundbarkeit, der Unbegrenztheit und der Austauschbarkeit der eigenen Lage mit der Lage der Anderen habe. Und was lokal ist, ist zugleich global und Globales lokal. So Beck. Was ist in dieser Lage zu tun? Denken und Handeln wie ein Weltbürger – so lautet die Empfehlung. Ulrich Beck, um griffige Rezepte nie verlegen, nennt das „kosmopolitischen Realismus“ und qualifiziert die, die da nicht mithalten wollen, als „Romantiker“. Vom „kosmopolitischen Realismus“ werden wir wohl im anschließenden Vortrag von Herrn Beck mehr hören. Deshalb hier nur eine Anmerkung: Kosmopolitismus im Denken und im Handeln ist nach Beck von allen gefordert - vom Bürger im Alltag, vom Politiker und vom Wissenschaftler. Die Soziologie beispielsweise muss sich verabschieden von ihrem „methodologischen Nationalismus“ und zur Weltbürgersoziologie werden. Und für die Politik lautet Becks Rat, dass die meisten dringenden nationalen Probleme nur durch globale Kooperation gelöst werden könnten. Souveränitätsverzicht erweitere die Souveränität.

Aber wie bringt man die Bürger, die Politik und die Wissenschaft zu solchem Perspektivwechsel? Bringen zwei, drei, vier Tsunamis den Bürger auf die richtige Spur? Auf diese oder ähnliche elementare Erfahrungen von Weltgesellschaft scheint Beck zu setzen. Hinzu kommt ein Erkenntnisgewinnungsprogramm, das zum Idealismus zurückführt: Denn auf die Frage, wie erstarrte Denkkulissen aufzubrechen sind, antwortet Beck: „Das Denken muss verändert werden, damit die Welt der Moderne an ihren eigenen Ursprüngen und Ansprüchen erneuert werden kann.“ Und wie macht man der Politik Beine, so dass sie den empfohlenen Weg des Kosmopolitismus einschlägt und damit auch die Herausforderungen der „Zweiten Moderne“ bewältigt? Beck empfiehlt hierfür vor allem Selbstorganisation der Gesellschaft, „Subpolitik“ , gemeint ist: Politik von unten, Zivilcourage und weltweite Vereinigung der Weltbürger – „Weltbürger vereinigt euch!“ . Ob das eine Verbeugung vor dem linken Internationalismus ist, der die Proletarier aller Länder vereinigen wollte? Vielleicht. Jedenfalls wird eine überraschende Verkettung erkennbar: die Probleme, die in der Zweiten Moderne zur Lösung anstehen, sollen mit Medizin kuriert werden, die in der Ersten Moderne vorgedacht, entwickelt und ausprobiert wurde.



4. Offene Fragen

Viele Anregungen, Lehren und Empfehlungen findet der, der Ulrich Becks Werk studiert. Dass viele seiner Aussagen zugespitzt sind und Beck sich beim Diagnostizieren und Urteilen als „beherzter Zeitgenosse“ erwiesen hat, liegt auf der Hand. Dass kühne Konstruktionen wie die der „reflexiven Moderne“ begründete Vermutungen sind, die der weiteren Überprüfung bedürfen, hat Beck wiederholt dargelegt. Das muss hier nicht weiter erörtert werden. Es bleiben aber auch Fragen offen. Drei dieser Fragen will ich zumindest antippen.

Erstens: Die Unterscheidung zwischen der „Ersten“ und der „Zweiten Moderne“ ist anregend. Doch ihr entgeht die Vielfalt der Staatenwelt und ihrer Modernisierungswege. Bedeutung und Inhalt der „Ersten“ und der „Zweiten Moderne“ sind je nach Land unterschiedlich. Becks Werk aber sieht davon ab, dass es sehr verschiedene Wege in die Moderne mit sehr verschiedenen Nebenfolgen gibt – in manchen Ländern erfolgt die Modernisierung mit Demokratie, in anderen ohne Demokratie, in manchen Ländern mit schlankem Staat, in anderen mit vollschlankem Staat, in manchen Ländern mit Kernkraft, in anderen ohne Atomkraft, in manchen mit geringer Erwerbsbeteiligung, in anderen aber mit hoher Erwerbsbeteiligung und Vollbeschäftigung.

Zweitens: Ein wesentlicher Teil der Beck’schen Lehre, insbesondere die anregende Theorie der Risikogesellschaft, lenkt die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Dimension der Gesellschaft: auf Risiken – aber das ist eine Dimension von Gesellschaft. Obendrein vernachlässigt diese Lehre die Risikoeindämmung, die Risikovermeidung und Produktion von Sicherheit in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik.

Und dann liegt mir eine dritte Bemerkung auf der Zunge. Beck kokettiert in seinen Texten mitunter mit Selbstkritik. So warf er einmal im Anschluss an die Erläuterung des Unterschiedes zwischen der „Industrieproduktionsgesellschaft“ und der „Industriefolgengesellschaft“ die Frage auf, ob das nicht „nebulös“ sei und nach „spätem Shakespeare“ klinge. Nein - von Shakespeare ist bei Beck nichts in Sicht! Die Dramen des späten Shakespeare verbreiten gelöste, versöhnliche Stimmung, man denke nur an Tempest, und nicht todernste Mahnungen, wie Ulrich Beck. Und nach frühem oder mittlerem Shakespeare klingt Becks Werk auch nicht – da müsste schon der durch die „Erste Moderne“ geschädigte Wald Füße bekommen und zur Burg des unrechtmäßigen Herrschers hochsteigen – wie im Finale von Shakespeares Macbeth.



5. Preisverleihung

Aber wir befinden uns nicht im Theater, sondern in der Darmstädter Orangerie bei der Verleihung des Schader-Preises 2005. Der Preis wird Professor Dr. Ulrich Beck für herausragende Leistungen im Austausch zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Praxis verliehen. Ulrich Beck hat als ein Beobachter der Gesellschaft, der aufrührerische Fragen aufwerfen und in den Medien durchbringen will, sich und seinem Anliegen in der Öffentlichkeit viel Gehör verschafft. Er spielt seine Rolle als – wie er selbst von sich sagt – „Narr am Hofe“ überzeugend. Ulrich Beck hat in besonderem Maße auch die Gabe, neue Entwicklungen in Gesellschaft und Politik frühzeitig zu wittern und in eingängige Formulierungen zu kleiden. „Ein Spürhund für neue Themen“ sei Beck, sagt meine Frau– und ich beeile mich hinzuzufügen, dass sie und ich Hunde für großartige Geschöpfe halten. Ein ganz besonders Verdienst von Ulrich Beck ist, ich zitiere aus der Beschlussfassung der Jury der Schader-Stiftung und schließe mich ihr an, „sein weithin beachtetes, wirkungsvolles wissenschaftliches und gesellschaftliches Wirken und seine hervorragenden Veröffentlichungen, die sich auch an das breite Publikum richten“. Und beim Publikum, so ist hinzuzufügen, haben Becks Veröffentlichungen große Resonanz gefunden – hierzulande und in vielen anderen Ländern. Das ist eine ganz ungewöhnliche, bewunderswerte Leistung, mit der Ulrich Beck obendrein seinem Fach, der Soziologie, einen beträchtlichen Aufschwung der Außenwirkung verschafft hat. Er hat als verantwortungsbewusster „Unruhestifter“ und in seiner Rolle als – wie er selbst von sich sagt – „Narr am Hofe“ – sich und seinem Anliegen in der Öffentlichkeit viel Gehör verschafft und damit ein selbstgesetztes Ziel eingelöst: eine Soziologie, die gehört werden will und Substantielles zu sagen hat.

Herzlichen Glückwunsch zum Schader-Preis, sehr geehrter Herr Beck! Möge dieser Preis Sie in Ihrer weiteren Tätigkeit als Wissenschaftler und Publizist beflügeln!

 
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Letzte Änderung: 29.04.2005