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W26, Gewinne des Alterns, Gemeinschaftlich Wohnen, Hof
Argumente

Die Schader-Stiftung setzt sich in ihren Arbeitsschwerpunkten gesellschaft+wandel und wohn:wandel mit den Wechselwirkungen von Wohnbedingungen und Wohnbedürfnissen in sozialen Veränderungsprozessen intensiv auseinander. Angesichts der bevorstehenden demografischen Veränderungen erhält dabei das Thema Wohnen im Alter besonderes Gewicht.

Gemeinschaftliches Wohnen kann hier als eine Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel eingeordnet werden, die dem Prinzip "Von der Versorgungs- zur Beteiligungsgesellschaft" folgt.
Win-win-Effekte ergeben sich dabei für alle beteiligten Akteursgruppen - zum Beispiel:
  • für die Bewohner und Bewohnerinnen: selbstbestimmtes Leben in frei gewählter Gemeinschaft, Einfluss auf die Gestaltung des Wohnumfelds, Entwicklung von Selbsthilfesystemen
  • für die Wohnungswirtschaft: geringes Risiko, Qualitätssicherung/-entwicklung der Bestände, positive Effekte im Quartier
  • für die öffentliche Hand: Prävention und Entlastung öffentlicher Hilfesysteme, Förderung von Bürgerengagement, Familienförderung
Auch in der Kreditwirtschaft und bei Anbietern von Planungs- und Beratungsleistungen wächst das Interesse an gemeinschaftlichen Wohnmodellen als einem zukunftsfähigen Marktsegment.

W26, Gewinne des Alterns, Gemeinschaftlich Wohnen, Ausblick
Den Potenzialen gruppenorientierter Wohnkonzepte stehen spezifische Anforderungen gegenüber, denen sich alle Beteiligten stellen müssen. Sie beziehen sich auf:

die Objekte
Gemeinschaftliches Wohnen braucht geeignete räumliche Voraussetzungen. Jenseits individueller Wohnwünsche und Geschmacksvorstellungen stellen Wohnprojekte erhöhte Anforderungen an
  • Barrierefreiheit: Als Mindeststandard gilt für die meisten Wohngruppen eine Ausführung nach DIN 18 0 25 Teil 2. Damit ist gewährleistet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner auch im Alter oder bei Behinderung möglichst lange selbstständig in der eigenen Wohnung leben können.
  • Gemeinschaftsräume: In jedem Fall sollte ein Versammlungsraum für alle Projektmitglieder vorhanden sein. Nutzungsüberschneidungen (z.B. Unterbringung von Gästen, Angebote für das Quartier) sind dabei möglich.
die Projektentwicklung
Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind bisher am Markt strukturell benachteiligt. Sie benötigen unterstützende Instrumente und Angebote bei
  • der Objektsuche: Bei der Entscheidung für ein Objekt brauchen Wohninitiativen Zeit zur Abstimmung innerhalb der Gruppe. Optionsmodelle geben ihnen dafür im Wettbewerb mit anderen Investoren Spielräume. Kommunen können bei der Ausweisung von Neubaugebieten einen Teil der Grundstücke für gruppenorientierte Wohnkonzepte reservieren. Einzelne Wohnungsunternehmen bieten inzwischen übertragbare "Halbfertigprodukte" an, die auf die Wünsche besonderer Zielgruppen zugeschnitten sind (z.B. Eigentümergemeinschaften von Senior/innen).
  • der Gruppenbildung und Konzeption: Viele Initiativen scheitern noch vor der Umsetzung, weil die Gruppenbildung zu lange dauert oder sie externen Partnern ihre Ziele nicht adäquat vermitteln können. Durch Qualifizierungsangebote und professionelle Moderation können diese Defizite ausgeglichen werden.
die Finanzierung
Gemeinschaftliche Wohnprojekte stoßen mit den gängigen Finanzierungsmodellen des Wohnungsmarktes häufig an unüberwindliche Grenzen. Alternative Konzepte sind weiter zu entwickeln und durch spezielle Förderinstrumente zu ergänzen - zum Beispiel:
  • für Gruppen mit geringer Eigenkapitalausstatttung: Innovative Wohnungsunternehmen bieten Mieterdarlehen oder Mietkaufmodelle an. Mit Kleinbürgschaften kann das Finanzierungsrisiko auf viele Schultern verteilt werden.
  • als Ausgleich für soziale Bindungen: Gemeinschaftliche Wohnprojekte erzielen nachweisbare Einspareffekte in öffentlichen Haushalten (z.B. Betreuung und Pflege). Im Rahmen der Wohnungsbauförderung könnten Modelle entwickelt werden, die diese positiven Wirkungen verstärken.
die Kooperation
Für viele Fragestellungen des Gemeinschaftlichen Wohnens müssen noch geeignete Lösungen gefunden werden. Neben projektbezogenen Kooperationen können dabei Netzwerke für den Informations- und Erfahrungsaustausch und die Qualifikation der Akteure einen wichtigen Beitrag leisten:
  • lokal: Als organisatorisches "Grundgerüst" gelten regelmäßige Treffen und eine verlässlich erreichbare Anlauf-/Kontaktstelle. Die Nähe zu den Projektgruppen vor Ort und die Nutzung persönlicher Kontakte spielt dabei eine wichtige Rolle.
  • regional: Neben den direkten Kontakten (Treffen, Koordinierungsstellen) werden hier besonders medienvermittelte Kommunikationsformen (z.B. über Internet) zum Infromationsaustausch und zur Vermittlung von Kontakten empfohlen.
  • überregional: Die Aufgabe überregionaler Netzwerke besteht vor allem darin, fachliches Wissen zur Verfügung zu stellen (Expert/innen-Pool, Material-Pool) und den Dialog zwischen den Akteursgruppen zu fördern.
Weitere Informationen:
- Micha Fedrowitz, Ludger Gailing, Zusammen wohnen - Gemeinschaftliche Wohnprojekte als Strategie sozialer und ökologischer Stadtentwicklung - Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 112, Dortmund 2003
- Renate Narten, Wohnen im Alter, Bausteine für die Wohnungswirtschaft, Hannover 2004

 
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Letzte Änderung: 24.05.2006