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Zukünftiger Bedarf an Bildung

Die Qualifikationsstruktur und die prognostizierten Entwicklungen in der Wirtschaft machen deutlich, dass es vor allem die höchsten Qualifikationen sein werden, die in Zukunft nachgefragt werden.

Ausgewählte Grafiken

Qualifikationsstruktur nach Alter
Auszug: Reinberg, Alexander/ Hummel, Markus 2002: Zur langfristigen Entwicklung des qualifikationsspezifischen Arbeitskräfteangebots und -bedarfs in Deutschland. Empirische Befunde und aktuelle Projektionsergebnisse. In: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt und Berufsforschung, 35. Jg., H. 4, S. 593ff.

"Von allen hier betrachteten Altersgruppen waren die 35- bis 49-jährigen des Jahres 2000 die am besten qualifizierte Altersgruppe. Selbst die Bevölkerung im Alter zwischen 50 und 64 Jahren ist heute im Gegensatz zu früher kaum noch schlechter qualifiziert als die 25- bis 34-Jährigen.

Diese Befunde widersprechen einem weit verbreiteten Vorurteil: Jüngere seien - was die formalen Abschlüsse anbelangt - besser qualifiziert als Ältere. Diese Einschätzung basiert offensichtlich auf der Vorstellung einer quasi naturwüchsig anhaltenden Bildungsexpansion. Die Annahme, dass besser qualifizierte jüngere Generationen an die Stelle schlechter qualifizierterer Älterer treten werden, trifft heute jedoch nicht mehr zu.

Tatsächlich hängt das Qualifikationsniveau einer Generation ganz entscheidend von den Ausbildungsentscheidungen der Jugendlichen und den Ausbildungschancen ab, die ihnen in jungen Jahren geboten werden. Es waren gerade die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre, deren Ausbildungsphase in die Zeit der Bindungsexpansion fiel und die von den reichhaltigen Qualifizierungsangeboten auch Gebrauch machten. Sie sind heute mittleren Alters und stellen einen Großteil der qualifizierten Bevölkerung.

Hohe Jahrgangsstärken und gestiegene Bildungsbeteiligung führten dazu, dass im Jahr 2000 die 35-49-Jährigen bereits 46% der akademischen westdeutschen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stellten. Der Anteil der Jungakademiker (unter 35 Jahren) lag mit 26% sogar unter dem der 50- bis 64-Jährigen (28%). 1976 waren noch 40% der Hochqualifizierten jünger als 35 Jahre.

Auch bei der mittleren Qualifikationsebene verhält es sich ähnlich. Mit 39% stellen mittlerweile die 35- bis 49-jährigen den größten Anteil an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit Lehr- oder Fachschulabschluss. Der Anteil junger Fachkräfte hingegen ist zwischen 1976 und 2000 von 42% auf 31% gesunken.

Der demographische Wandel verläuft also nicht qualifikationsneutral. Es sind gerade die qualifizierten Bevölkerungsteile, bei denen die mittleren und höheren Altersgruppen in absehbarer Zeit immer größere Anteile stellen. Diese gut ausgebildeten Bevölkerungsgruppen rücken immer näher an das Rentenalter heran. In den nächsten Jahrzehnten wird deshalb das Qualifikationsniveau der älteren Bevölkerungsteile, das heute bereits hoch ist, zwangsläufig weiter steigen. Sind diese stark besetzen und gut qualifizierten Jahrgänge aber erst einmal aus dem Erwerbsleben ausgeschieden, dürfte es den nachrückenden geburtenschwachen Generationen schon wegen des quantitativen Missverhältnisses schwer fallen, selbst in ausreichendem Maße den Ersatz zu stellen. Dieser Prozess ist bereits in vollem Gang, wird sich aber nach 2010/2015 deutlich beschleunigen."

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Zukünftiger Qualifikationsbedarf
Auszug: Dostal, Werner/ Reinberg, Alexander 1999: Arbeitslandschaft 2010 Teil2: Ungebrochener Trend in die Wissensgesellschaft, IAB-Kurzbericht 10/99.

"Nachfrage- und angebotsseitige Faktoren wirken in der gleichen Richtung auf die Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen.

Die größten Veränderungen werden bei Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung eintreten. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung wird im Jahr 2010 nur noch bei 11,4% liegen (1995: 16,7%) - ein Rückgang, der 'Ungelernte' knapp 1,5 Mio. Arbeitsplätze kosten könnte.

Die beiden mittleren Ebenen 'Lehr- und Fachschulabschluss' werden zusammen zwar noch leicht Beschäftigungsgewinne erzielen (Anteil 1995: 69,1%; 2010: 71,6%), allerdings mit einer deutlichen Gewichtsverschiebung zugunsten der Fachschulebene: Sie wird auf einen Anteil von 12,0% anwachsen (1995: 8,6%), die Lehre hingegen von 60,5% in 1995 auf 59,6% im Jahr 2010 leicht abnehmen. Aber auch innerhalb der Gruppe 'Lehr und Fachschulabschluss' findet eine Umschichtung statt. Insbesondere die klassische Kombination 'Hauptschule plus Lehre' wird erheblich an Bedeutung verlieren. Gewinner sind dagegen Personen mit mittlerer Reife und Lehre. Sie werden im Jahr 2010 die am stärksten besetzte Qualifikationsgruppe stellen.

Der Bedarf an Hochschulabsolventen wird auch weiter steigen (von 14,1% in 1995 auf 17,0% in 2010) und zwar insbesondere der an Fachhochschulabsolventen (+1,6%-Punkte). Etwas weniger wird der Bedarf an Personen mit Universitätsausbildung zunehmen (+1,3%-Punkte)."

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Letzte Änderung: 11.08.2004