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Reichtum

Begibt man sich auf die Suche nach Zahlenmaterial über Millionäre in Deutschland, so entsteht der Eindruck, dass es nicht nur "versteckte Armut", sondern auch "versteckten" Reichtum gibt - derart wenig Daten finden sich. 0,08 % aller Steuerpflichtigen wurden im Jahr 1995 als Einkommensmillionäre ausgewiesen.

Die Verbreitung von Einkommens- und Vermögensreichtum in Deutschland
Auszug aus: Nollmann, Gerd; Strasser, Hermann 2002: Armut und Reichtum in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 29-30, S. 22ff.

"Die Suche nach dem Reichtum und den Reichen gleicht, nicht nur in Deutschland, einer Detektivarbeit. Es gibt deshalb auch keine einzelne systematische, geschweige denn eine erschöpfende Datensammlung zu großen Einkommen und Vermögen, so dass die folgenden Zahlen aus verschiedenen Quellen mit unterschiedlichen Erhebungszeitpunkten stammen und zumeist in DM erfolgen.
Angesichts der erkennbaren Reichtumskonzentration liegt es nahe, etwa die Zahl der Millionäre als Konzentrationsmaßstab heranzuziehen. Immerhin weist die jüngste Datenquelle, die bundesdeutsche Lohn- und Einkommensstatistik für das Jahr 1995, 21.002 Personen und damit 0,08 % aller Steuerpflichtigen als Einkommensmillionäre aus. Diese verhältnismäßig kleine Gruppe hatte einen Anteil an den Gesamteinkünften von 3,4 %. Dieser Anteil war somit höher als jener von 3,3 %, der auf die rund 5,2 Millionen Steuerpflichtigen entfiel, deren Jahreseinkommen unter 20.000 DM lag.

Diese Angaben lassen eine deutliche Konzentration erkennen, erlauben aber noch keine Antwort auf die Frage, wer wie viel warum erhält. Eine klarere Vorstellung über die Einkommensverhältnisse lässt sich schon durch eine quantitative Definition von ´reich´ gewinnen: So zieht Ernst-Ulrich Huster die Reichtumsgrenze jenseits des doppelten durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens - in Anlehnung an die Erfassung von Armut, deren Grenze durch die Hälfte des gewichteten durchschnittlichen Einkommens markiert ist.
Nimmt man diese Kriterien als definitorische Richtschnur, ergibt sich für das erste Halbjahr 1998, dass in den rund 36,8 Millionen Haushalten das (ungewichtete) durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen bei 5.020 DM pro Monat lag. Rund 2,75 Millionen Haushalte (also 7,45 % oder jeder 13. Haushalt) bezogen 1998 ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen zwischen 10 000 und 35 000 DM und können damit als reich bezeichnet werden. (...)

Einer Berechnung des Magazins Forbes zufolge nahm die Bundesrepublik bei der Zahl der Milliardäre im Jahre 1991 den dritten Platz ein. Die USA hatten in absoluten Zahlen doppelt so viele Milliardäre wie Deutschland oder Japan, Deutschland wies dafür eine etwas höhere Konzentration von Milliardären pro Bevölkerungseinheit auf als die USA und Japan, wird aber erwartungsgemäß von Hongkong und der Schweiz übertroffen.

Im Unterschied zu Japan weisen die deutschen Milliardäre bedeutend mehr Kontinuität und unternehmerische Macht auf: Mehr als die Hälfte datieren ihren Familienreichtum auf die Zeit vor 1945 zurück und immerhin sechs von ihnen auf die Zeit vor 1800. Als eigentliches Sprungbrett dieser Familienreichtümer erwies sich in den meisten Fällen die Industrialisierung Deutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die deutsche Vermögenssteuerstatistik verzeichnet für das Jahr 1993 130 944 natürliche Personen von insgesamt 1 132 683 Vermögenssteuerpflichtigen, die ein Rohvermögen von mehr als einer Million DM deklarierten. Davon gaben 87 Personen ein Vermögen von 200 und mehr Millionen DM an."

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Sind Reiche zufriedener?
Auszug aus: Weick, Stefan 2000: Wer zählt zu den "Reichen" in Deutschland? Sozioökonomische Merkmale der Bezieher von Einkommen oberhalb der 200-Prozent-Schwelle, S. 3f.

"Eine objektiv gute Versorgung muss sich nicht zwangsläufig in den Einstellungen und dem subjektiven Wohlbefinden der Betroffenen widerspiegeln; Die Vorstellungen über ein ´sehr gutes’ Einkommen sind in starkem Maße von der tatsächlichen Einkommenssituation abhängig. Mit steigender Einkommensposition steigt auch das Anspruchsniveau. In der höchsten Einkommensgruppe liegt der entsprechende Wert mit über 10.000 DM in den alten und 9.000 DM in den neuen Bundesländern jeweils mehr als dreimal so hoch wie in der untersten Einkommensgruppe.

Die tatsächlichen Haushaltseinkommen werden in allen Einkommensgruppen von der Erwartung an ein ´sehr gutes’ Einkommen übertroffen. Die Differenz ist in der untersten Einkommensgruppe - trotz bescheidenerer Ansprüche - am stärksten ausgeprägt. In der höchsten Einkommensgruppe wird die Höhe eines ´sehr guten’ Einkommens in Westdeutschland bei 130 Prozent und in Ostdeutschland sogar bei 160 Prozent des tatsächlichen Haushaltsnettoeinkommens angesiedelt.
In Ostdeutschland bewegen sich die Vorstellungen von einem ´sehr guten’ Einkommen zwar auf einem geringeren Niveau als in Westdeutschland, allerdings ist - mit Ausnahme der niedrigsten Einkommensgruppe - der Abstand zum eigenen Haushaltseinkommen größer.
Zufriedenheitsbewertungen einzelner Lebensbereiche oder des Lebens insgesamt können als das Ergebnis von Vergleichs- und Anpassungsprozessen bezüglich der objektiven Lebensbedingungen gesehen werden. Sie werden im Sozio-ökonomischen Panel anhand einer Skala von 0 ´ganz und gar unzufrieden’ bis 10 ´ganz und gar zufrieden’ gemessen. Bei der Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen zeigt sich ein enger Zusammenhang mit der Einkommenshöhe.
In Westdeutschland liegt der Durchschnitt bei Personen oberhalb der 200-Prozent-Schwelle mit 8,1 vergleichsweise hoch. Der Abstand zur untersten Einkommensgruppe beträgt fast 4 Skalenpunkte. In Ostdeutschland findet man nahezu die gleiche Zufriedenheitsdistanz zwischen den beiden Einkommenspositionen, allerdings auf einem niedrigeren Zufriedenheitsniveau. Hier geht die größere Distanz zwischen den tatsächlichen Einkommen und den Anspruchsniveaus, die an westdeutschen Standards orientiert sind, in die Bewertung ein.

Die Längsschnittanalyse zeigt, dass Personen, die sich dauerhaft in der höchsten Einkommensposition befinden, auch die höchste Einkommenszufriedenheit aufweisen. Zumindest im hohen Einkommensbereich scheint somit die allmähliche Anpassung des Anspruchsniveaus an das faktisch hohe Einkommen die Zufriedenheit mit dem Einkommen nicht zu beeinträchtigen.
Auch die Zufriedenheiten mit dem Lebensstandard und der Arbeit variieren mit der Einkommenshöhe, wenn auch weniger stark als die Einkommenszufriedenheit. Bezüglich der allgemeinen Lebenszufriedenheit, in die als summarisches Zufriedenheitsmaß auch Bewertungen für viele andere Bereiche, wie z.B. Familie und Partnerschaft eingehen, ist der Zusammenhang mit der Einkommensposition weniger deutlich. Die Differenz von der höchsten zur niedrigsten Einkommensgruppe beträgt hier noch 1,6 Skalenpunkte in den alten und 1 Skalenpunkt in den neuen Bundesländern. Eine hohe Einkommensposition erweist sich hier als ein Faktor unter vielen, der die Lebenszufriedenheit bestimmt."

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Letzte Änderung: 25.02.2004