 |
Vermögen
Wie hat sich das Vermögen der Deutschen in den letzten Jahren entwickelt? Wird das Geld gespart oder fließt es in den Konsum?
|
Ausgewählte Grafiken zu Vermögen in Deutschland
Quelle: Krebs, Thomas / Behrends, Sylvia 2002: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003. In: Wirtschaft und Statistik, S. 955f.
|
Geldvermögen privater Haushalte im Zehnjahresvergleich
Auszug aus: Münnich, Margot 2002: Einkommens- und Geldvermögensverteilung privater Haushalte in Deutschland - Teil 2. In: Wirtschaft und Statistik, S. 123f.
Entwicklungen im früheren Bundesgebiet
"Ende 1988 hatte im früheren Bundesgebiet im statistischen Durchschnitt ein Haushalt fast 25.700 DM auf der ´hohen Kante’. Dieses Geldvermögen (ohne Lebensversicherungen) vermehrte sich im Verlauf von fünf Jahren auf das 1,6-fache, das waren Ende 1993 rund 41.900 DM.
In diesen Zuwächsen reflektiert sich die wirtschaftliche Lage der Haushalte, die im früheren Bundesgebiet davon bestimmt war, dass die Einkommen in diesem Zeitraum nicht nur nominal, sondern auch real kräftig zugenommen hatten. Als Indikator dafür können die ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen gelten, die - abgesehen vom Mietwert für selbstgenutztes Wohneigentum - die Geldeinkünfte sind, die den Haushalten zum Wirtschaften zur Verfügung stehen. Die ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen beliefen sich 1988 im früheren Bundesgebiet auf 3.800 DM pro Haushalt und Monat, 1993 waren es 5.010 DM. Von dieser Summe legten Haushalte im Durchschnitt monatlich 660 DM zurück.
Die Sparquote (ermittelt als Relation zwischen Ersparnis und ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen) betrug 13,1 %. Diese Entwicklung, die durch den Vereinigungsboom begünstigt wurde, setzte sich in den Folgejahren nicht weiter fort. Die ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen der Haushalte im früheren Bundesgebiet nahmen zwischen 1993 und 1998 nominal nur noch um 8,7 % zu. Das 1993 erreichte Konsumniveau konnte unter Berücksichtigung der Preisentwicklung im Prinzip lediglich durch sinkende Sparquoten gehalten werden.
Von den rund 5.450 DM monatlichen ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen im Jahr 1998 verwendeten Haushalte im früheren Bundesgebiet im Schnitt 650 DM als Ersparnis; die Sparquote sank auf 11,9 %. Das Geldvermögen (ohne Lebensversicherungen) wuchs zwischen 1993 und 1998 im Durchschnitt pro Haushalt von rund 41.900 DM auf rund 49.950 DM und damit erheblich stärker, nämlich um gut 19%.
Unter Berücksichtigung der Versicherungsguthaben belief sich der Zuwachs im betrachteten Zeitraum auf 12,7 % (Geldvermögen mit Lebensversicherungen 1993: 63.150 DM, 1998: 71.160 DM)."
Entwicklungen im Gebiet der ehemaligen DDR
"In der ehemaligen DDR kam 1988 ein Privathaushalt im statistischen Durchschnitt auf Sparguthaben bei Geld- und Kreditinstituten von rund 22.650 Mark. Das waren 88 % der Summe, die Haushalte im früheren Bundesgebiet zu diesem Zeitpunkt im Schnitt in DM besaßen. Das gesamte Geldvermögen der Haushalte in der ehemaligen DDR belief sich unter Berücksichtigung der sparwirksamen Personenversicherung auf rund 25.130 Mark Und bei Einschluss der Bargeldbestande auf fast 27.500 Mark je Haushalt 1993 betrug das in der EVS ermittelte Geldvermögen (einschl. Versicherungsguthaben) der Haushalte in den neuen Ländern und Berlin-Ost im Schnitt 22.830 DM.
Aus den Daten der Statistik des Haushaltsbudgets lässt sich entnehmen, dass die Haushalte in der ehemaligen DDR nach der Einführung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion am 1. Juli 1990 und dem damit verbundenen freien Zugang zum vielfältigen, breiten Angebot an Waren und Leistungen im Allgemeinen recht vorsichtig wirtschafteten. Trotz des Nachholbedarfs in der Ausstattung mit Pkw und bei bestimmten hochwertigen technischen Konsumgütern baute der größere Teil der Haushalte ab 1991 durch systematisches Sparen - häufig in monatlich kleineren Beträgen - sein Geldvermögen langsam wieder auf. Eine Ausnahme hierbei bildeten die Haushalte von Arbeitslosen, insbesondere wenn sie allein lebten.
Zwischen 1993 und 1998 wuchs das Geldvermögen (einschl. Lebensversicherungen) im Schnitt pro Haushalt in den neuen Bundesländern und Berlin-Ost um rund 9.100 DM. Damit belief sich dieses 1998 je Haushalt (...) auf 31.930 DM. Das entsprach einem durchschnittlichen Zuwachs von rund 40 %, der über dem der ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen lag.
Dessen ungeachtet machte der durchschnittliche Geldvermögensbestand der Haushalte in den neuen Ländern und Berlin-Ost 1998 weniger als die Hälfte (44,9 %) dessen aus, den Haushalte im früheren Bundesgebiet im Schnitt aufwiesen."
Nach oben |
Entwicklungstrends in der Verteilung der Vermögen
Auszug aus: Stein, Holger 2001: Trend zu abnehmender Konzentration der Vermögen scheint gestoppt. Analysen zur Vermögensverteilung in Deutschland. In: Informationsdienst Soziale Indikatoren 25, S. 2f.
"In Tabelle 1 (pdf-Datei, 123 kb) findet sich eine Quintilsdarstellung der Verteilung des Nettogesamtvermögens der privaten Haushalte in Deutschland für den Zeitraum von 1973 bis 1998. Da sich in beiden Landesteilen unterschiedliche Entwicklungstendenzen gezeigt haben, sind West- und Ostdeutschland getrennt ausgewiesen.
In einer Quintilsdarstellung werden alle Haushalte nach der Höhe ihres Vermögens geordnet und in fünf gleich große Gruppen unterteilt. (...) Bei dieser Form der Analyse des Nettogesamtvermögens werden Verschiebungen in der Verteilungsstruktur erkennbar. Quintilsangaben über die Vermögensverteilung für die Jahre vor 1973 sind für Deutschland nicht verfügbar.
In beiden Landesteilen ist eine hohe Ungleichheit der Vermögensverteilung erkennbar. In Westdeutschland verfügen Haushalte im untersten Quintil über kein nennenswertes Vermögen. Im Gegenteil, diese Haushalte weisen in einigen Jahren sogar einen negativen Anteil am Gesamtvermögen aller Haushalte auf, d.h. dass die Gesamtschulden dieser Gruppe ihr Gesamtvermögen übersteigen. Auf der anderen Seite besitzen die oberen 20 % der Haushalte einen Großteil des untersuchten Vermögens.
Allerdings ist der Vermögensanteil, der von dieser Bevölkerungsgruppe gehalten wird, zwischen 1973 und 1993 von 78 % auf 61 % geschrumpft. Im Gegensatz dazu kann für die mittleren 60% der Bevölkerung im selben Zeitraum von einer Zunahme der Vermögensanteile
gesprochen werden, der insbesondere zugunsten des vierten Quintils ausgefallen ist.
Insgesamt ist die Vermögensungleichheit in diesen 20 Jahren also zurückgegangen. Anders stellt sich die westdeutsche Entwicklung zwischen 1993 und 1998 dar. Die unteren vier Quintile halten 1998 einen geringeren Anteil am Nettogesamtvermögen als fünf Jahre zuvor, während allein das oberste Quintil einen, wenn auch vergleichsweise geringen, Zuwachs vorweisen kann.
Obwohl die These eines U-Turns aufgrund dieses Ergebnisses nicht uneingeschränkt bestätigt werden kann, so gibt es hiermit doch Hinweise darauf, dass nach einer langjährigen Phase der abnehmenden Konzentration der Vermögen dieser Trend zumindest zum Stillstand gekommen zu sein scheint oder sich sogar in sein Gegenteil verkehrt hat.
Die Situation in Ostdeutschland unterscheidet sich von der in Westdeutschland. Hier sind im Rahmen der EVS nur die nach der Wiedervereinigung durchgeführten Befragungen von 1993 und 1998 verfügbar. Erkennbar ist eine etwas ungleichmäßigere Vermögensverteilung als in Westdeutschland. (...)
Insgesamt kann in Ostdeutschland von einer abnehmenden Ungleichheit der Nettogesamtvermögen gesprochen werden, wobei allerdings für die unteren 40 % der ostdeutschen Haushalte eine leichte Verschlechterung ihrer Verteilungsposition festzustellen ist. (...)
Die schon durch die Quintilsdarstellung belegte Abnahme der Ungleichheit in Westdeutschland zwischen 1973 und 1993 sowie die anschließende Umkehr dieses Trends kann auch an der Entwicklung des Gini-Koeffizienten abgelesen werden. So sank der Gini-Koeffizient zwischen 1973 und 1993 sehr stark von 0,75 auf 0,62 ab, um bis 1998 wieder auf
0,64 anzusteigen.
Anders gestaltet sich die Entwicklung in Ostdeutschland, wo der Gini-Koeffizient von 0,69 im Jahr 1993 auf 0,68 in 1998 leicht gesunken ist. Somit verdichten sich auf der Grundlage dieser zusammenfassenden Maßzahlen die Hinweise auf die Gültigkeit der These eines U-Turns im Westen der Bundesrepublik Deutschland."
Nach oben
|
|
 |