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Erwerbsbeteiligung
Obwohl heute die Ausbildungszeiten länger sind und früher aus dem Erwerbsleben ausgeschieden werden kann, ist der Anteil der Erwerbstätigen an der deutschen Gesamtbevölkerung von 46,2 % im Jahr 1950 auf 48,2 % angestiegen.
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Der Wandel von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt
Auszug aus: Hradil, Stefan 2001: Soziale Ungleichheit in Deutschland, 8. Auflage, Opladen: Leske und Budrich, S. 185ff.
"Die Nachfrage nach Arbeitskräften wird bestimmt durch das Ausmaß der gesamtwirtschaftlichen Produktion, durch die Produktivität und die Arbeitszeit. Wirtschaftswachstum und Arbeitszeitverkürzung steigern, Produktivitätserhöhungen senken den Bedarf an Erwerbstätigen.
Das Angebot an Arbeitskräften bestimmt sich vor allem durch den demographischen Wandel (Altersstruktur der Heranwachsenden, Zahl und Alter der Zuwandernden und die hierdurch zustande kommende Anzahl von Personen im erwerbsfähigen Alter), durch die Länge der Ausbildungszeiten und den Zeitpunkt des Eintritts in den Altersruhestand sowie durch Änderungen im Erwerbsverhalten (zum Beispiel die Neigung von Frauen, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen).
Die demographische Entwicklung war in Westdeutschland von den 70er bis in die 90er Jahre hinein gekennzeichnet durch geburtenstarke Jahrgänge, die in den Arbeitsmarkt drängten sowie durch eine starke Zuwanderung von Ausländern und Aussiedlern, die die Abwanderung meist überwog. Zusätzlich nahm die Erwerbsquote zu, insbesondere durch die steigende Erwerbsneigung von Frauen in Westdeutschland und die hohen Erwerbsquoten von Männern und Frauen in Ostdeutschland, die nach der deutschen Vereinigung zusätzlich zu Buche schlugen.
Insgesamt stieg so das Angebot an Erwerbspersonen bis in die 90er Jahre hinein an. Verlängerungen der Ausbildungszeiten und der immer frühere Renteneintritt wirkten dem zwar entgegen, konnten diese Prozesse aber nicht ausgleichen.
Die Nachfrage nach Erwerbstätigen, also das Angebot an Arbeitsplätzen blieb in Westdeutschland bis Mitte der 80er Jahre im ganzen stabil, stieg danach bis in die frühen 90er Jahre hinein deutlich an, um danach in den 90er Jahren wieder abzusinken, u. a. wegen nachlassender Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, wegen Rationalisierungsmaßnahmen in Unternehmen und wegen des Exports von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer.
Im Ganzen gesehen blieb die Nachfrage nach Erwerbstätigkeit (das Arbeitsplatzangebot) seit Mitte der 70er Jahre in immer höherem Maße hinter dem ansteigenden Angebot an Erwerbspersonen zurück: Arbeitslosigkeit baute sich auf.
Seit Ende der 90er Jahre sinkt das Angebot an Arbeitskräften in Deutschland, da die geburtenschwachen Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt gelangen und Zuwanderung eingeschränkt wurde. Auch in den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Erwerbspersonen vermutlich weiterhin schrumpfen. Ohne Zuwanderungen würde die Zahl der Erwerbspersonen um 41 Mio. im Jahre 1994 um ein volles Drittel auf nur 27 Mio. im Jahre 2030 zurückgehen.
Erhöhungen der Erwerbsquote der einheimischen Bevölkerung (insbesondere der Frauen) können diesen Rückgang nicht annähernd ausgleichen. Es wird also entscheidend vom Ausmaß der Zuwanderung nach Deutschland abhängen, ob und ggf. wie sehr das Angebot an Arbeitskräften schwinden wird. Eine Nettozuwanderung von ca. 400.000 Menschen pro Jahr, mehr als in den letzten Jahren, würde das Erwerbspersonenpotenzial bis zum Jahre 2010 stabil halten und erst dann sinken lassen.
Geringere Einwanderungen lassen das Angebot an Arbeitskräften früher zurückgehen. Diese Entwicklungen werden einen Rückgang der Arbeitslosigkeit begünstigen. Inwieweit sie tatsächlich sinken wird, ist aber nicht nur vom zurückgehenden Angebot an Erwerbspersonen, sondern auch von der künftigen Zahl der Arbeitsplätze abhängig."
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Bedeutung und Umfang von Erwerbstätigkeit
Auszug aus: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 87ff.
"Bestritten im Mai 1991 noch 44,5 % der Menschen in Deutschland ihren Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit, so waren es im Mai 2000 insgesamt 41,0 %. Dies ist nicht nur eine Folge der höheren Arbeitslosigkeit - von Arbeitslosengeld oder -hilfe lebten im Mai 1991 noch 2,2 % der Bevölkerung, während dieser Anteil bis zum Jahr 2000 auf 3,4 % anstieg -, sondern auch der Verschiebung der Altersstruktur. Denn der Anteil der Bezieher von Renten und Pensionen ist in Deutschland von 18,7 % im Mai 1991 auf 22,1% im Mai 2000 gestiegen.
Hingegen sank der Anteil derjenigen, die ihren Unterhalt aus der Unterstützung durch Angehörige bezogen, von 31,4 % im Mai 1991 auf 29,8 % im Mai 2000. Auf sonstige Einkommensquellen wie eigenes Vermögen, Vermietung, Zinsen, Altenteil, Sozialhilfe, Leistungen aus einer Pflegeversicherung oder beispielsweise BaföG konnten im Mai 1991 rund 3,2 % der Bevölkerung in Deutschland zurückgreifen, im Mai 2000 waren es 3,7 %.
Insgesamt war für 40,9 % der Bevölkerung in den elf alten Bundesländern und für 41,3% in den neuen Ländern und Berlin-Ost im Mai 2000 die eigene Erwerbstätigkeit die wichtigste Unterhaltsquelle.
Während im früheren Bundesgebiet 32,0 % ganz oder zum Teil durch Angehörige (Eltern, Ehepartner, Kinder usw.) versorgt wurden, waren es in den neuen Ländern und Berlin-Ost nur 19,9 %. Dagegen lebten hier 30,4 %überwiegend von Renten, Pensionen und Erträgen aus Vermögen, sonstigen Unterstützungen und Sozialhilfe - in den alten Ländern waren es 24,8 %. Aus Arbeitslosengeld oder -hilfe bestritten 2,3 % der Bevölkerung im früheren Bundesgebiet ihren Lebensunterhalt, in den neuen Ländern und Berlin-Ost waren es 8,4 % (...).
Obwohl heute die Ausbildungszeiten länger sind und früher aus dem Erwerbsleben ausgeschieden werden kann, lag im Mai 2000 der Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung (Erwerbsquote) im früheren Bundesgebiet mit 48,2 % etwas höher als 1950 (46,2 %).
Ausschlaggebend für diese Entwicklung in den vergangenen fünfzig Jahren war vor allem die höhere Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben. Insbesondere bei verheirateten Frauen stieg die Erwerbsquote sehr stark an, nämlich von 25,0 % im Jahr 1950 auf 50,3 % im Mai 2000.
Bezogen auf die 15- bis unter 65-jährigen Männer lag die Erwerbsquote im Mai 2000 bei 80,0 %, für die Frauen gleichen Alters bei 62,1 %. Der Anteil der Erwerbspersonen unter den Frauen ist in den neuen Ländern und Berlin-Ost deutlich höher als im früheren Bundesgebiet. Besonders groß sind die Unterschiede bei den verheirateten Frauen (64,4 %in den neuen Ländern; 50,3 % im früheren Bundesgebiet). Die Erwerbsbeteiligung der Männer im Osten (58,2 %) ist hingegen kaum höher als im Westen (56,2 %).
Bezieht man auch das Alter der Frauen ein, zeigt sich eine deutliche Zunahme der Erwerbsbeteiligung der 25- bis 54-Jährigen im früheren Bundesgebiet. Sie stieg seit 1960 um mehr als 60 %. In den neuen Ländern und Berlin-Ost erreicht die Frauenerwerbsquote bei den 25- bis 49-Jährigen einen Wert von 92 %, selbst bei den 50- bis 54-Jährigen liegt sie noch bei 89 %."
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Die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Frauen
Auszug aus: Klenner, Christina 2002: Geschlechtergleichheit in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 33-34, S. 17ff.
"Im langfristigen Trend ist die Erwerbsquote von Frauen in Deutschland deutlich angestiegen. Dies ist zunächst ein Angleichungsprozess. Doch zeigen sich widersprüchliche Entwicklungen:
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- Einerseits sind Frauen auf Basis ihrer - gegenüber früheren Frauengenerationen - deutlich besseren Ausbildung stärker auf dem Arbeitsmarkt vertreten und aus der Volkswirtschaft mit einem Anteil an den Erwerbstätigen von 43 % nicht wegzudenken. Andererseits bleibt ein Teil der Erwerbswünsche von Frauen unerfüllt, u. a. weil es an Einrichtungen für die Kinderbetreuung mangelt. Das bedeutet aus volkswirtschaftlicher Perspektive auch, dass das Potenzial qualifizierter Frauen nicht ausgeschöpft wird.
- Trotz einer Annäherung der Erwerbsquoten von westdeutschen Frauen (rund 62 %) und Männern (80 %, im Jahr 2000) unterscheidet sich die Erwerbsbeteiligung von Frauen nach wie vor deutlich von der der Männer. In Ostdeutschland liegen die Erwerbsquoten von Frauen und Männern mit 72 % bzw. 80 % wesentlich dichter beieinander.
- Die Erwerbsquoten von west- und ostdeutschen Frauen unterscheiden sich nicht nur im Niveau (um 10 Prozentpunkte). Auch die Entwicklungen sind teilweise gegenläufig. Während in Westdeutschland die Erwerbsquote ihren bisherigen Höchststand erreicht hat, ist in Ostdeutschland die Frauenerwerbstätigkeit infolge der drastischen Arbeitsmarkteinbrüche seit 1990 deutlich zurückgegangen - allerdings von einem sehr viel höheren Ausgangsniveau aus.
- Kräftig gestiegen ist vor allem die Erwerbsbeteiligung von Müttern in Westdeutschland, deren Kinder bereits zur Schule gehen. Der größte Teil von ihnen ist allerdings nur bis 20 Stunden pro Woche erwerbstätig. In Ostdeutschland ist nach wie vor Vollzeiterwerbstätigkeit auch bei Frauen mit Kindern das häufigste Muster.
- Obwohl die Zahl der erwerbstätigen Frauen sowie die Frauenerwerbsquote gestiegen sind, haben Frauen in Deutschland bei in den neunziger Jahren insgesamt gesunkenem volkswirtschaftlichen Arbeitsvolumen dieses zu einem Teil unter sich umverteilt. Der Zuwachs an Frauenarbeitsplätzen im Westen Deutschlands entfiel per Saldo im letzten Jahrzehnt ausschließlich auf Teilzeitarbeitsplätze, darunter in erheblichem Maße auf geringfügige Beschäftigung. Das zeigt auch die geschlechtsspezifische Entwicklung der Arbeitszeiten. Die durchschnittliche tatsächliche Arbeitszeit von Männern blieb im letzten Jahrzehnt nahezu konstant, bei Frauen, vor allem im Westen, sank sie deutlich. Die Teilzeitquote unter den Frauen ist stetig gestiegen (West 42 % und Ost 23 % in 2000)."
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