 |
Privathaushalte
Privathaushalte sind definiert als zusammen wohnende und wirtschaftende Personen. Als wesentliche Trends zeichnen sich ab: ein Rückgang der Personen pro Haushalt, die Zunahme der Einpersonenhaushalte, die Zunahme von Haushalten mit einem weiblichen Haushaltsvorstand sowie die Differenzierung familialer Haushaltsformen.
|
Die Entwicklung der Haushalte von 1871 bis 1995
Auszug aus: Schäfers, Bernhard 2002: Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland, 7. Auflage, Stuttgart: Lucius und Lucius, S. 125ff.
"Die Bevölkerung lebt in Haushalten, und zwar in privaten Haushalten und in sog. Anstaltshaushalten (Wohnbevölkerung in Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten, in Alters- und Invalidenheimen. Hier leben ca. 2 % der bundesdeutschen Bevölkerung - gegenüber anderen Ländern ein relativ hoher Prozentwert).
Privathaushalte sind definiert als zusammen wohnende und wirtschaftende Personen (also auch der allein wirtschaftende Einzeluntermieter ist ein Haushalt). Hervorstechendes Merkmal der Entwicklung und Größe der Privathaushalte ist der kontinuierliche Rückgang der Personen je Haushalt (und Familie), die relative Zunahme der Einpersonenhaushalte, die Zunahme der Haushalte mit einem weiblichen Haushaltsvorstand und die (...) Differenzierung familialer Haushaltsformen.
1871 betrug im damaligen Reichsgebiet der Anteil der Einpersonenhaushalte an den Privathaushalten 6,2 % und die durchschnittliche Personenanzahl je Haushalt belief sich noch auf 4,6. 1995 war - bezogen auf Gesamtdeutschland . die durchschnittliche Personenzahl je Haushalt auf 2,2 Personen gesunken; die Einpersonenhaushalte umfassten 36 % aller Haushalte, mit geringeren Anteilen in den neuen Bundesländern (Tabelle: pdf-Datei, 226 kb).
Im Jahre 1900 lebten in 44 % aller Haushalte noch fünf und mehr Personen - 1995 war dieser Anteil auf 5 % gesunken.
Es bedarf wenig sozialer Phantasie, um zu sehen, dass hinter den gewandelten Haushaltsgrößen veränderte Bedingungen des Arbeitslebens, der Siedlungsweise und schließlich der Formen des Zusammenlebens stehen. Haushaltsstruktur und Haushaltsgröße haben nach Wolfgang Glatzer unmittelbare und mittelbare Auswirkungen auf folgende Phänomene:
|
- auf die alltäglichen, relativ dauerhaften Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse eines oder mehrerer Individuen,
- auf die Struktur der familialen und nichtfamilialen Lebensformen (Glatzer betont einen engen Zusammenhang von Haushaltskonstellationen und Lebensformen);
- auf die Form der sozialen Netzwerke, also die Beziehungsmuster zu Verwandten und Freunden, Nachbarn und Berufskollegen, zu Vereinen und sonstigen Sozialgruppen."
|
 Haushaltsgrößen. Quelle: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 39. |
Aktueller Stand von Zahl und Größe der Haushalte
Auszug aus: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 38ff.
Grafik vergrößern
"Im Mai 2000 wurden in Deutschland mehr als 38,1 Mill. Haushalte, davon über 31,0 Mill. Haushalte im früheren Bundesgebiet und 7,1 Mill. Haushalte in den neuen Ländern und Berlin-Ost, ermittelt. Im Jahre 1900 lebten in rund 44% aller Privathaushalte fünf oder mehr Personen, 2000 lag der entsprechende Wert in Deutschland nur noch bei 4,4 %.
Der Anteil der Zweipersonenhaushalte nahm von 15% im Jahr 1900 auf 33,4% in 2000 zu, der Anteil der Einpersonenhaushalte stieg im gleichen Zeitraum von 7% auf 36 %. Somit lebten im Mai 2000 in Deutschland 13,7 Mill. Personen, das sind 16,7% der Bevölkerung, allein. Das ist in etwa jede(r) sechste, sowohl im früheren Bundesgebiet (16,9 %) als auch in den neuen Ländern und Berlin-Ost (16,0 %).
Die durchschnittliche Haushaltsgröße belief sich um die Jahrhundertwende in Deutschland auf 4,5 Personen, 2000 hingegen nur noch auf 2,2 Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt im Osten wie auch im Westen 2,2 Personen.
Als Ursache für die seit der Jahrhundertwende abnehmende Haushaltsgröße kann u. a. der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft angesehen werden. Damit im Zusammenhang steht die Zunahme der Zahl der städtischen Haushalte, die auch heute noch im Durchschnitt kleiner sind als die in ländlichen Gemeinden.
In den Großstädten mit 500 000 Einwohnern und mehr sind insbesondere die Einpersonenhaushalte (47,3% dieser Haushalte befinden sich dort) zahlreich vertreten. Im Jahr 2000 lebte jeder vierte Großstadtbewohner (25 %) allein, während in Gemeinden mit weniger als 100 000 Einwohnern nur etwa jeder siebte (14 %) einen Einpersonenhaushalt führte."
Nach oben
|
|
 |