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Langfristige Trends der Bevölkerungsentwicklung
Aussagen über künftige Entwicklungen lassen sich nur mit großer Vorsicht formulieren. Dennoch sind vier Trends deutlich erkennbar: Niedrige Geburtenraten und steigende Lebenserwartung lassen die Alterung der Gesellschaft weiter voranschreiten. Zudem zeichnen sich ein Bevölkerungsrückgang sowie ein Wachstum des multiethnischen Segmentes ab.
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Ausgewählte Grafiken zur langfristigen Bevölkerungsentwicklung
Quelle: Statistisches Bundesamt 2000: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis 2050. Ergebnisse der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050, S. 14
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Die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte
Auszug: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 28ff.
"Ende 2000 hatte Deutschland 82,3 Mill. Einwohner und damit etwa 22,5 Mill. mehr als kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. In West- und Ostdeutschland hat sich die Bevölkerungszahl seit 1939 jedoch sehr unterschiedlich entwickelt. Im früheren Bundesgebiet stieg sie zwischen 1939 und 1974 von 43,0 Mill. auf 62,1 Mill. Danach bewegte sie sich bis 1988 wieder unter der 62-Millionen-Grenze."
Wachstumsursachen in Westdeutschland
"Die Zunahme der Bevölkerungszahl des früheren Bundesgebiets nach dem Zweiten Weltkrieg beruhte (trotz der Kriegsverluste) zunächst im Wesentlichen auf der Aufnahme von Vertriebenen aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs und den deutschen Siedlungsgebieten im Ausland. 1950 betrug die Zahl der Vertriebenen im früheren Bundesgebiet rund 8 Mill.; das entsprach einem Anteil an der Bevölkerung von 16 %.
Zwischen 1950 und 1961 war der Bevölkerungszuwachs hauptsächlich auf die Zuwanderung aus der ehemaligen DDR zurückzuführen. Von 1950 bis zum Mauerbau am 13. August 1961 fanden etwa 2,6 Mill. Personen aus Ostdeutschland als Übersiedler im früheren Bundesgebiet Aufnahme.
Seit Mitte der 60er-Jahre wird die Bevölkerungsentwicklung im früheren Bundesgebiet bzw. - ab November 1990 - in Deutschland entscheidend durch die Zu- und Abwanderung von Ausländerinnen und Ausländern beeinflusst. Zwischen 1961 und 2000 sind insgesamt 25 Mill. ausländische Staatsangehörige in das frühere Bundesgebiet bzw. nach Deutschland zugezogen, und 18,7 Mill. haben es wieder verlassen. Die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer erhöhte sich in diesem Zeitraum von knapp 690.000 auf knapp 7,3 Mill. Die Zunahme ist zum größten Teil auf Zuwanderungsüberschüsse zurückzuführen."
Bevölkerungswachstum durch Aussiedler
"Ferner fanden zwischen 1962 und 2000 etwa 3,6 Mill. Aussiedlerinnen und Aussiedler im früheren Bundesgebiet bzw. - ab November 1990 - in Deutschland Aufnahme. Im Jahr 1990 wurde mit rund 397.000 Personen die mit Abstand höchste Aussiedlerzahl registriert. In den Jahren 1991 bis 1997 bewegte sich die Zahl zwischen knapp 231.000 (1992) und 134.000 (1997). In den Folgejahren war sie weiter rückläufig. Im Jahr 2000 kamen erstmals seit der Wende weniger als 100.000 Aussiedler nach Deutschland.
Insgesamt gesehen sind im Zeitraum von 1950 bis 2000 etwa 4,1 Mill. Deutsche aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs sowie aus Ost- und Südosteuropa im früheren Bundesgebiet bzw. in Deutschland aufgenommen worden. Von ihnen kamen 1,4 Mill. aus Polen und 2,0 Mill. aus der ehemaligen Sowjetunion; weitere 429.000 stammten aus Rumänien."
Bevölkerungsrückgang im Gebiet der damaligen DDR
"Im Gebiet der ehemaligen DDR stieg die Bevölkerungszahl nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Folge der Aufnahme von Vertriebenen zunächst ebenfalls an, und zwar bis auf rund 19 Mill. im Jahr 1948. Die Zahl der Vertriebenen in der ehemaligen DDR - dort als »Neubürger« oder »Umsiedler« bezeichnet - betrug 1950 etwa 4,1 Mill., was einem Anteil an der Bevölkerung von 22% entsprach.
Nach 1948 ging die Einwohnerzahl der ehemaligen DDR bis zum Mauerbau 1961 Jahr für Jahr zurück, hauptsächlich als Folge der starken Abwanderung in das frühere Bundesgebiet. 1961 lag sie bei 17,1 Mill. Durch die hermetische Abriegelung konnte der Bevölkerungsrückgang nur vorübergehend gestoppt werden. 1973 sank die Einwohnerzahl - auch bedingt durch Geburtendefizite in den 70er-Jahren - unter die 17-Millionen-Grenze. Die Massenflucht im Jahr 1989 beschleunigte den Bevölkerungsrückgang und Ende 1990 hatte die ehemalige DDR nur noch 16,0 Mill. Einwohner.
Bis Ende 2000 verringerte sich die Einwohnerzahl in den neuen Ländern und Berlin-Ost um weitere 909.000 Personen auf 15,1 Mill. In letzter Zeit ist aber der Bevölkerungsrückgang wesentlich geringer als in den ersten Jahren nach der Wende."
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Die Bevölkerungsentwicklung der kommenden Jahrzehnte
Auszug: Geißler, Rainer 2002: Die Sozialstruktur Deutschlands. Die gesellschaftliche Entwicklung vor und nach der Vereinigung, 3. Auflage, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 79f.
"Aussagen über künftige Entwicklungen sind eine Rechnung mit vielen Unbekannten und lassen sich nur mit großer Vorsicht formulieren. Gleichwohl sind vier klare langfristige Trends erkennbar: |
- Niedrige Geburtenraten: Die westdeutschen Geburtenraten werden weiterhin auf einem niedrigen Niveau verharren; die noch niedrigeren ostdeutschen Ziffern werden sich vermutlich langfristig dem westdeutschen Niveau annähern.
- Alterung: Niedrige Geburtenraten und steigende Lebenserwartungen lassen die Alterung der Bevölkerung weiter voranschreiten. Diesem Prozess sind sowohl die einheimische Mehrheitsbevölkerung als auch - etwas abgeschwächt - die ethnischen Minderheiten unterworfen. Der Anteil der Hochbetagten (über 80 Jahre) wird sich voraussichtlich bis 2035 von derzeit weniger als 4 % auf über 12 % mehr als verdreifachen. Die dramatische Alterung belastet die sozialen Sicherungssysteme (Alter, Gesundheit, Pflege) und erfordert langfristige Anpassungsstrategien.
- Bevölkerungsrückgang: Der seit dem Beginn der Industrialisierung andauernde Trend eines stetigen Bevölkerungswachstums ist beendet. Selbst wenn jährlich 200.000 Migranten nach Deutschland zuwanderten, würde die Bevölkerung von derzeit 82 Millionen auf 70 Millionen im Jahr 2050 schrumpfen. Der Bevölkerungsrückgang lässt sich durch halbwegs realistische Zuwanderungsraten nur mildern, aber nicht aufhalten.
- Zuwanderung und Wachstum des multiethnischen Segments: Deutschland wird in den nächsten Jahrzehnten die Entwicklung zu einer Einwanderungsgesellschaft modernen Typs aus ökonomischen, demografischen und humanitären Gründen fortsetzen. Wegen der niedrigen Geburtenziffer würde die Wohnbevölkerung ohne Zuwanderungen von heute 82 Millionen auf 59 Millionen im Jahr 2050 zurück gehen. In Ostdeutschland werden selbst unter der Berücksichtigung realistischer Zuwanderungsraten bereits bis 2030 Bevölkerungsverluste von mehr als einem Drittel erwartet. Einen Bevölkerungsschwund in diesem Ausmaß würden weder die Wirtschaft noch das System der sozialen Sicherung unbeschadet überstehen. Selbst wenn man Gegenmaßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsquote (mehr Frauenerwerbstätigkeit, kürzere Ausbildungszeiten, späterer Ruhestand) in Rechnung stellt, würde Deutschland nach soliden Schätzungen von 2010 bis 2050 ohne Zuwanderung 16 Millionen Erwerbspersonen bzw. ein Drittel seines Arbeitskräftepotenzials einbüßen. Aus ökonomischen und demografischen Gründen gehen die Experten von erheblichen Zuwanderungen in den nächsten Jahrzehnten aus. Der Zuwanderungsbedarf liegt im nächsten Jahrzehnt nach den meisten Schätzungen bei etwa 200.000 Personen pro Jahr, für die dann folgenden Jahrzehnte liegen die prognostizierten Werte noch erheblich höher. Das multiethnische Segment der deutschen Sozialstruktur wird sich demnach in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten verdoppeln."
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Letzte Änderung: 05.08.2004 |
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