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Binnenwanderungen
"Zwei Münchner in Hamburg" und "Ein Bayer auf Rügen" - in TV-Serien sind "Binnenwanderer" ein beliebtes Motiv. Doch wie mobil sind die Deutschen wirklich?
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Ausgewählte Tabellen zur Binnenwanderung
Quelle: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 32, 51
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Aktuelle Daten zu Binnenwanderungen
Auszug: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 50ff.
"Im Jahr 1999 haben 3,968 Mill. Personen ihren Wohnsitz innerhalb Deutschlands gewechselt. Bezieht man diese Zahl auf 1000 Einwohner, erhält man die sog. Mobilitätsziffer. Sie gibt Aufschluss über die Häufigkeit, mit der Einwohner eines Gebiets ihren Wohnsitz wechseln. 1999 betrug die Mobilitätsziffer rund 48, d. h. fast jeder 20. Einwohner ist in jenem Jahr innerhalb Deutschlands von einer Gemeinde in eine andere umgezogen.
Betrachtet man die Entwicklung der räumlichen Mobilität der Bevölkerung seit 1970, so zeigt sich ein sehr unterschiedlicher Verlauf. Im Zeitraum 1970/80 verringerten sich die Wanderungen über die Gemeindegrenzen im früheren Bundesgebiet von 3,662 Mill. auf 3,024 Mill. Die Mobilitätsziffer sank im gleichen Zeitraum von 60 auf 49. Dieser Rückgang dürfte auch eine Folge der Gebietsreform in den alten Bundesländern sein. Im Zuge dieser Reform wurden Nahwanderungsfälle durch Eingemeindungen häufig zu Ortsumzügen und konnten sich deshalb in der Mobilitätsziffer nicht auswirken.
Bis Ende der 80er-Jahre war die Zahl der Wanderungen über die Gemeindegrenzen weiterhin rückläufig. 1991 lag sie dann erstmals seit 1980 wieder über der Drei-Millionen-Grenze. Seitdem ist ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten.
Im Jahr 1999 wurden 1,104 Mill. Wanderungen über die Landesgrenzen registriert. Im Zeitraum von 1991 bis 1993 hatte sich diese Zahl von 1,127 Mill. auf 1 Mill. verringert.
Die Entwicklung der Wanderungen zwischen dem früheren Bundesgebiet sowie den neuen Ländern und Berlin-Ost war in den 90er-Jahren gegenläufig, d. h. sie war durch eine Verringerung der Zuzüge aus den neuen Ländern und Berlin-Ost bei gleichzeitigem Anstieg der Wanderungen in entgegengesetzter Richtung gekennzeichnet, sodass die Wanderungsbilanz zwischen Ost und West inzwischen nahezu ausgeglichen war. Seit 1998 ist eine Umkehr des bisherigen Trends erkennbar.
2000 verlegten 214.000 Menschen ihren Wohnsitz von den neuen in eines der alten Bundesländer und 153.000 wählten den umgekehrten Weg. Daraus ergab sich für die neuen Länder und Berlin-Ost ein Abwanderungsüberschuss von rund 61.000 Personen."
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Zukünftige Entwicklungstrends bei Binnenwanderungen
Auszug: Werz, Nikolaus 2001: Abwanderung aus den neuen Bundesländern 1989 bis 2000. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 39/40, S. 28f.
"Zu den charakteristischen und vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) frühzeitig aufgezeigten Merkmalen gehören eine Westverlagerung der Bevölkerung, mit einem weiter sinkenden Anteil Ostdeutschlands an der Gesamtbevölkerung, sowie die Veränderungen in der Siedlungsstruktur. Während im Westen Dekonzentrationsprozesse zu erwarten sind, spielen sich im Osten großräumige Konzentrationsprozesse ab, die Dekonzentrationsprozesse auf kleinräumiger Ebene haben erst begonnen.
Nach neueren Aussagen des BBR wandern von der Gesamtbevölkerung nur noch drei Prozent pro Jahr innerhalb Deutschlands, dabei bleiben allerdings die 18- bis 30-Jährigen die aktivste Altersgruppe.
Positive Ergebnisse können die Zuwanderungsregionen im Süden, der norddeutsche Küstenraum und die Gebiete um die Verdichtungsräume verzeichnen. Wenn also die Arbeitsmärkte in den strukturschwachen Räumen der neuen Länder im Süden und im Osten entlastet werden, dann liegt dies mehr an dem Rückgang der Erwerbspersonen als an der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Zu den benachteiligten Gebieten zählen vor allem ländliche und periphere Räume.
Die Bevölkerung Deutschlands wird nach den Ergebnissen der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2050 von 82 Millionen auf 65 bis 70 Millionen sinken. Zu den Binnenwanderungen zwischen Ost und West machen die Modellrechnungen des Innenministeriums Angaben, die bis 2015 reichen. Es wird von einem Wanderungssaldo zugunsten der alten Bundesländer von insgesamt 300.000 Personen ausgegangen, danach soll sich eine ausgeglichene innerdeutsche Wanderungsbilanz einstellen. Dabei entspricht der für das Jahr 1999 angenommene Saldo von 28.000 Personen nicht den neueren Ergebnissen, die Berechnung erscheint von daher als zu optimistisch.
Zwischen den Prognosen bestehen, u. a. als Folge verschiedener Berechnungsgrundlagen, Unterschiede. Nach einer Vorausschätzung von Herwig Birg nimmt die Bevölkerung, die zu Beginn des Vorausschätzungszeitraums (1.1.1998) die deutsche Staatsangehörigkeit hatte, "von 1998 bis 2030 von 74.6 Mio. auf 62.2 Mio., bis 2050 auf 49.0 Mio. und bis 2080 auf 30 Mio. ab. Der Rückgang ist in den neuen Bundesländern prozentual stärker als in den alten (bis 2050: -36.7 Prozent versus -33.7 Prozent)". Ab 2020/25 wäre demnach die Zahl der Zugewanderten aus dem Ausland größer als die Zahl der Deutschen in den neuen Ländern.
Schon vorher wird sich indessen der Bevölkerungsrückgang für die neuen Länder politisch bemerkbar machen: Im nächsten Bundestag wird die Zahl der Abgeordneten aus Ostdeutschland deutlich niedriger sein als zuvor.
Arbeitsgrundlage der Landesregierungen - z. B. für die Planung im Bildungs- und Schulbereich - bildet die jeweilige Bevölkerungsvorausberechnung. Aufgrund des starken Einbruchs bei den Geburten im Zuge des politischen Umbruchs und der Transformation zeigen sich die Konsequenzen vorerst besonders im Schulbereich, ab 2005 ist mit erheblichen Engpässen bei jungen Arbeitskräften zu rechnen.
Für Mecklenburg-Vorpommern geht eine solche Berechnung bis zum Jahr 2020 von weiteren Bevölkerungsverlusten von ca. 185.000 Einwohnern aus. Ca. 11 Prozent dieser Verluste sind auf Wanderungen zurückzuführen, rund 89 Prozent auf Sterbefallüberschüsse gegenüber den Geburten. Nach dieser Vorausberechnung wird im Jahr 2020 fast jeder dritte Mensch in Mecklenburg-Vorpommern älter als 60 Jahre sein. Ab 2015 wird ein positiver Wanderungssaldo angenommen, was unter Experten als eine optimistische Annahme gilt."
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Letzte Änderung: 20.02.2004 |
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