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Geburten und Sterbefälle
In Deutschland werden seit 1972 jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen sterben. Die zur Erhaltung der Bevölkerungszahl auf längere Sicht erforderliche Zahl von 2100 Kindern je 1000 Frauen wird in Deutschland deutlich unterschritten.
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Ausgewählte Grafiken zu Geburten und Sterbefällen
Quelle: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 30f.
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Aktuelle Daten zu Geburten und Sterbefällen
Auszug: Statistisches Bundesamt 2002: Datenreport 2002, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 37.
"In Deutschland werden seit 1972 jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen sterben. Im Jahr 2000 wurden 72.000 mehr Sterbefälle als Lebendgeborene gezählt. Weniger Sterbefälle als Geburten hatte es in Deutschland zuletzt im Jahr 1971 gegeben.
Maßgeblich für diese Entwicklung waren die Sterbefallüberschüsse der deutschen Bevölkerung. Die ausländische Bevölkerung verzeichnete demgegenüber - vor allem wegen des höheren Anteils jüngerer Menschen - mehr Geburten als Sterbefälle.
Die Zahl der Lebendgeborenen hatte in Deutschland 1964 mit 1,36 Mill. ihren höchsten Stand erreicht. Sie ging dann bis 1975 auf 782.000 zurück, nahm anschließend bis 1980 auf 866.000 zu, fiel in den 80er-Jahren zunächst erneut und stieg dann wieder auf 906.000 im Jahr 1990 an. Nach einem erneuten Rückgang und zeitweisem Anstieg ist die Anzahl der Geburten seit 1998 wieder gefallen.
In den neuen Ländern und Berlin-Ost ist die Zahl der Lebendgeborenen 2000 im Vergleich zum Vorjahr um 4,3% auf 111.000 angestiegen. Im früheren Bundesgebiet dagegen nahmen die Geburtenzahlen um 1,3%ab.
In den neuen Ländern und Berlin-Ost hatte es nach 1989/90 überaus starke Rückgänge gegeben: Der Tiefstand von 79.000 Lebendgeborenen im Jahr 1994 bedeutete eine Abnahme um 60 Prozent gegenüber 1989. Die politischen Umwälzungen mit den zunächst starken Abwanderungen und den tief greifenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen wirkten sich hier aus. Nach der Geburtenhäufigkeit von 1999 wurden in den neuen Ländern und Berlin-Ost von je 1 000 Frauen im Durchschnitt etwa 1150 Kinder geboren, 1990 waren es noch 1500 gewesen.
Im früheren Bundesgebiet lag dieser Durchschnitt 1999 bei etwa 1400 Kindern je 1000 Frauen. Die zur Erhaltung der Bevölkerungszahl auf längere Sicht erforderliche Zahl von 2100 Kindern je 1000 Frauen wird damit in Deutschland deutlich unterschritten."
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Gründe für den Geburtenrückgang
Auszug: Schäfers, Bernhard 2002: Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland, 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, S. 108ff.
"Gerhard Mackenroth (1953) hatte in seiner sozial-historischen Betrachtungsweise die vorherrschende Bevölkerungsweise und damit das generative Verhalten im Wesentlichen auf fünf Faktoren zurückgeführt:
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- das physische Können (Zeugungs- und Gebärfähigkeit);
- die sozialen Schranken (Vorstellungen in der Gesellschaft über die wünschenswerte Kinderzahl, eheliche und außereheliche Mutterschaft etc.);
- die materielle Situation (so ist eindeutig, dass Wirtschaftskrisen zum Absinken der Kinderzahl führen, ohne dass die Zahl der Eheschließungen gleichzeitig abnimmt; aber auch das Einkommen ist - im sozialstatistischen Durchschnitt - von Einfluss auf die Kinderzahl);
- das persönliche Wollen (Geschlechtsverkehr, Zeugung, Anzahl der Kinder, Geburtenhilfe als Momente der Willens- und Entscheidungsfreiheit des Menschen);
- den sozialen Wandel ("Restgröße", die alles das zu erklären hat, was mit den übrigen Faktoren nicht aufgehellt werden kann, daher relativ unspezifisch ist).
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Wenn das generative Verhalten soziales Verhalten ist, dann müsste die Definition Max Webers zutreffen, dass es sinnhaft motiviert und auf das Verhalten anderer bezogen ist. Damit stellt sich die Frage, ob das generative Verhalten teilhatte an der Rationalisierung und Säkularisierung der menschlichen Verhaltensweisen (zumindest insofern es auf Zeugung bezogen ist). Redewendungen wie: "bewusste Elternschaft"; "nur noch Wunschkinder" etc. machen glauben, dass das auf Zeugung bezogene generative Verhalten in den Bereich der bewusst und sinnhaft orientierten Verhaltensweisen einzugliedern ist. Einige Faktoren machen eine Einschätzung schwierig:
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- Die Zahl der Abtreibungen, incl. der illegalen Schwangerschaftsabbrüche. 1974 erfolgte eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs nach bestimmten Voraussetzungen: der Indikation aus ethischen, eugenischen und sozialen Gründen. Die sehr schwierige Gesetzgebung auf diesem Gebiet, die vom Bundesverfassungsgericht mehrfach behandelt werden musste, wurde zusätzlich dadurch kompliziert, dass in der DDR - und für eine Übergangszeit in den neuen Bundesländern - die sog. Fristenregelung galt. Ab dem 16.6.1993 gilt im gesamten Bundesgebiet einheitlich die sog. Beratungsregelung. 1995 gab es in Deutschland 98 Tsd. legalisierte Schwangerschaftsabbrüche; davon überproportional viele in den neuen Bundesländern (über 24 Tsd., ohne Ostberlin). 94% der Schwangerschaftsabbrüche erfolgten nach der Pflichtberatung, ohne eine der o. g. Indikationen;
- die wohl immer noch als gering anzusehende Aufklärung in der Bevölkerung über das generative Verhalten und die damit verknüpften biologischen, medizinischen, psychischen und sozialen Problembereiche;
- die große Zahl von Eheschließungen nach der Erwartung des ersten Kindes. Hier wird eingewandt, dass die Heiratenden sich schon vorher über die Ehe einig waren und nur der Hochzeitstermin durch das erste Kind "naturwüchsig" bestimmt wird.
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Wenn bei den obigen Aussagen das generative Verhalten in einen sehr engen Zusammenhang mit Zeugung und Geburt gebracht wurde, dann vor allem aus dem Grunde, weil es an diesem Faktum am eindeutigsten ablesbar ist. Generatives Verhalten ist jedoch nicht mit Zeugungsverhalten gleichzusetzen. Von den pluralen gesellschaftlichen Kräften ist wohl nur noch die Katholische Kirche bemüht, diesen Zusammenhang als ethische Norm zu postulieren.
Dieser Tatbestand und der Gebrauch von empfängnisverhütenden Mitteln sollte jedoch nicht übersehen lassen, dass die "Leistungen" der "Pille" als des gegenwärtig verbreitetsten empfängnisverhütenden Mittels nicht in allen Punkten richtig eingeschätzt werden. Die hiermit verknüpften medizinischen, psychologischen und sozialpsychologischen Fragen sind weder hinreichend geklärt noch genügend den einzelnen Individuen vertraut."
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Zukünftige Entwicklungstrends von Fertilität und Mortalität
Auszug: Hradil, Stefan 2000: Sozialer Wandel. Gesellschaftliche Entwicklungstrends. In: Schäfers, Bernhard / Zapf, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, 2. Auflage, Opladen: Leske und Budrich, S. 644f.
"Zur Entwicklung der Sterblichkeit: Moderne Gesellschaften haben (durch Fortschritte in Medizin, Hygiene, Ernährung und allgemeinen Lebensbedingungen) im Laufe des 19. Jahrhunderts die Kindersterblichkeit und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Sterblichkeit im mittleren Lebensalter drastisch reduziert.
Seit dem Zweiten Weltkrieg gelang es, die Morbidität im höheren Lebensalter einzudämmen. Dadurch stieg die Lebenserwartung - abgesehen von Kriegsereignissen - kontinuierlich an.
Neugeborene Mädchen konnten 1997 in Deutschland ein Leben von 80, Jungen von 73,6 Jahren erwarten. Aller Voraussicht nach wird die Entwicklung der Lebenserwartung in Zukunft wenig Überraschungen bringen und weiter langsam steigen.
Zur Geburtenentwicklung: Wenn jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder bekommt, bleibt die Bevölkerungszahl einer modernen Gesellschaft langfristig konstant. Während des "Baby-Booms" nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland, wie auch in den USA und den meisten europäischen Ländern, diese Zahl deutlich übertroffen.
Von Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre fiel in Westdeutschland die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau rapide ab ("Pillenknick"). Die absolute Zahl der jährlichen Geburten sank damals von über einer Million bis auf unter 600 Tausend. Seither bekommt - im Wesentlichen unverändert - in Westdeutschland jede Frau durchschnittlich 1,3 bis 1,4 Kinder.
Damit wäre die Geburtenrate seit Mitte der 70er Jahre eigentlich um ca. ein Drittel zu niedrig gewesen, um den Bestand der Gesellschaft zu erhalten. Dennoch sank die absolute Zahl der jährlichen Geburten seither nur wenig unter die Zahl der Sterbefälle. Denn die geburtenstarken Jahrgänge des "Baby-Booms" waren in den 80er und 90er Jahren ins Elternalter gekommen und es gab besonders viele Eltern. Deren hohe Zahl glich die relativ niedrige Kinderzahl pro Frau großenteils aus. Hinzu kamen höhere Kinderzahlen von Zuwanderern.
Dieser "Altersstruktureffekt" geht derzeit zu Ende. Die geburtenschwachen Jahrgänge rücken ins Elternalter ein. Es wird in den kommenden Jahrzehnten relativ wenige Eltern aus der inländischen Bevölkerung geben. Die anhaltend niedrige - und in Ostdeutschland nach der Wende nochmals drastisch gesunkene - Geburtenzahl pro Frau fällt in den kommenden Jahrzehnten mit einer wesentlich niedrigeren Elternzahl zusammen. Die Zahl der Geburten wird daher deutlich unter die der Sterbefälle sinken."
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